Nach monatelanger Vorbereitung demontieren Flugzeug-Experten am 16.10.2017 in Grünz (Mecklenburg-Vorpommern) die Tragflächen eines ehemaligen sowjetischen Passagierflugzeugs vom Typ Tupolew 134 und wollen es ins Flugplatzmuseum nach Cottbus transportieren. (Quelle: dpa/Jens Büttner)
Video: rbb Aktuell | 17.10.2017 | Thorsten Uhde | Bild: dpa/Jens Büttner

Nächtlicher Schwertransport - Die Tupolew ist in Cottbus angekommen

Eine lange ausgemusterte TU134 ist in der Nacht zu Dienstag aus einem mecklenburgischen Dorf in die Lausitz transportiert worden - teilweise musste dafür die Autobahn gesperrt werden. In Cottbus soll die historische Maschine der neue Höhepunkt eines Museums werden.  

"Als die Spitze des Flugzeugrumpfes kurz runterfiel, ist mir fast das Herz stehengeblieben", sagt Ernst Baumann. Der 80-jährige Gastwirt sitzt in seinem Garten in Grünz (Mecklenburg-Vorpommern), in dem 26 Jahre lang eine Tupolew 134 stand, die dem Dorf zu einiger Berühmtheit verhalf. Seit Montag ist das Geschichte.

In einer aufwändigen Aktion haben etwa 20 Flugzeug-Experten aus Cottbus über Monate das ehemalige Passagierflugzeug russischer Bauart in seine wichtigsten Teile zerlegt und verladen.

Am Montagabend startete der Schwertransport mit vier Lastwagen. Teile der Autobahnen A11 Berlin-Stettin und der Autobahn nach Cottbus wurden dafür gesperrt.

Am Dienstagmorgen erreichte das Flugzeug die Lausitz: Nach sechseinhalb Stunden Fahrt seien die Teile der Maschine beim Flugplatzmuseum in Cottbus eingetroffen, sagte ein Sprecher der Spedition. Am Mittwoch soll die TU134 abgeladen werden.

30 Meter Rumpf in Bewegung

Allein die Umladung des mehr als 30 Meter langen Rumpfes war enorm kompliziert - und beinhaltete die Schrecksekunde für Baumann sowie den Leiter des Cottbuser Flugplatzmuseums, Enrico Peiler, und seine Helfer. "Es ist immer schwer, bei solchen Teilen den genauen Schwerpunkt zu berechnen", sagt Marcel Süße, der Kranführer. Für den Rumpf wurde ein besonderer Rahmen gebaut, der etwa in der Mitte das zigarrenförmige Bauwerk hält. Etwa zweieinhalb Stunden dauerte allein die Bergung des Rumpfes aus dem Obst- und Gemüsegarten Baumanns.

Die riesige Passagiermaschine hatten die sowjetische Aeroflot und die Staatsmacht in Moskau ab 1984 der DDR-Staatssicherheit überlassen, die wenige Kilometer abseits von Grünz im Brandenburgischen Anti-Terroreinsätze trainierte. Das war 1990 vorbei. Gastwirt Baumann war damals auch Bürgermeister und holte die nicht mehr flugfähige Maschine mit Hilfe "von neun Traktoren über die Felder 1991 hierher."

Die Tupolew sollte mal ein Café werden

Baumann wollte in der TU134 ein Café einrichten, hatte sich auch schon extra eine Gangway aus Finowfurt besorgt. Das Vorhaben aber war dann am Widerstand der Behörden gescheitert. "Es kamen viele Leute, die wollten immer Teile kaufen", sagt Baumann, aber er habe das Flugzeug nur komplett abgeben wollen. Nun gab er die Tupolew schließlich aus Altersgründen an das Flugplatzmuseum in Cottbus weiter.

"Es wird das größte unser 47 Großexponate sein", sagt Peiler. Mit seinen 6,20 Metern Breite und seiner Höhe blieb der Flugzeugrumpf aber für den Transport noch sein Sorgenkind. Wegen der Länge wurde extra ein ausziehbarer und auch hinten lenkbarer Schwerlasttransporter angefordert. Und wegen geringer Brückenhöhen mussten in letzter Minute noch Teile der Antenne oben abmontiert werden.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Regionalkenntnis 6 - Setzen!
    wenn man keinen blaßen Dunst von regionalen Begriffen (und regionaler Historie) hat, sollte man sie einfach nicht verwenden! Immer wieder fällt dies, gerade beim RBB, Hauptstadtpresse etc. auf - in diesem Fall liegt Grünz bspw. zwar im Bundesland MV, aber in Vorpommern (Mecklenburg- pffff - Dat sün de Ossenköppe!). Südlich davon schließt sich im übrigen das Brandenburg-Vorpommersche Amt Gartz, das heute Teil des Landkreises Uckermark, aber mitnichten Teil der Uckermark ist - Grenze der Uckermark ist das Randow-Welse-Bruch ... ach, was red ich in den Wind ...

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