Der Preußenpark in Berlin (Quelle: Imago/ Schöning)
Video: 15.10.2017 | Abendschau | Vanessa Kockegei | Bild: Imago/ Schöning

Beschwerden von Anwohnern - Ofen aus für die Thai-Food-Wiese in Wilmersdorf?

Der Thai-Food-Markt im Preußenpark ist eine Touristenattraktion – und ein Riesengeschäft. Allerdings illegal. Das Bezirksamt hat das bunte Treiben lange geduldet. Doch die Beschwerden häufen sich. Von Wolf Siebert

Ein kühler Donnerstagnachmittag, der Himmel ist wolkenverhangen, und im Preußenpark hängt der Geruch von Haschisch in der Luft. Alkoholiker sitzen am Rande des Parks. Plötzlich ist die Polizei da und fährt über die "Thai-Wiese" einen Hügel hinauf: eine Schlägerei unter Jugendlichen.

Jugendgewalt, Alkohol, Drogen - manche Anwohner lasten auch das dem Treiben der asiatischen Community an. Zu Unrecht, meint ein Passant in den Fünzigern. Er kommt schon seit vielen Jahren in den Park und kommentiert: "Das sind irgendwelche Auseinandersetzungen unter Jugendlichen, die gerade aus der Schule gekommen sind. Die gehören nicht zur Gruppe hier."

Aus dem Picknick wurde ein Geschäft

Eine zierliche ältere Frau mit asiatischen Gesichtszügen zieht ihr vollbeladenes Wägelchen vorbei: darauf eine große Warmhaltebox, eine Teekanne und eine Weinflasche. Sie geht zur Wiese, wo schon ein Dutzend asiatischer Familien auf Decken sitzen, essen und reden. Fast wie damals vor über zwanzig Jahren, als das alles ganz klein anfing und das Bezirksamt beide Augen zudrückte. Dann aber kamen immer mehr Familien, und aus dem Kochen für den Eigenverbrauch wurde ein Geschäft - immer noch geduldet von der Bezirkspolitik.

Inzwischen ist die "Thai-Wiese" hip. Facebook, Internet und Einträge in Reiseführern wirkten wie ein Booster. Von Frühling bis Herbst empfängt nun an Wochenenden ein gut organisierter Food-Market Tausende von Gästen.

"Lass denen doch ein bisschen Freiheit"

Der Besucheransturm bekommt der Parkwiese überhaupt nicht. Wo Rasen war, sind nun breite Sandstreifen zu sehen. "Ja, der Rasen leidet drunter. Aber der erholt sich auch ganz schnell über den Herbst und Winter", meint der 50-Jährige. "Im Frühling, wenn die Saison beginnt, ist alles grün und intakt." Er nickt einer Familie zu, man kennt und schätzt sich. Und deshalb hält der Mann auch nichts von einem Verbot des Markts. Er hofft auf einen Kompromiss: "Eine Diskussion, eine Debatte miteinander, das ist das Ziel. Einfach zu verbieten, dass ist zu preußisch gedacht, zu engstirnig. Lass denen doch ein bisschen Freiheit."

Ein junges Pärchen beäugt neugierig die asiatischen Familien. Mich beäugt ein älterer Mann. Er ist Engländer, lebt seit vielen Jahren in Berlin und ist oft hier. Heute will er hier seine asiatische Ex-Frau und seine Kinder besuchen, die auf der Wiese lagern. Er mag die Atmosphäre: "Ich wohne seit 19 Jahren hier. Für mich ist das okay. Ich habe kein Problem damit."

Damoklesschwert über dem Preußenpark

2.000 und 4.000 Euro - steuerfrei

An den Eingängen des Preußenparks hängt die Parkordnung: auf Deutsch, Englisch und in Thai. Das Kochen und der Verkauf von Waren sind verboten. Doch da das Bezirksamt, mit wechselnden politischen Mehrheiten, jahrelang nicht eingeschritten ist, nimmt der Food Markt inzwischen große Teile der Wiese ein. Im Sommer sind es etwa 90 Stände, darunter auch professionelle Anbieter. Es gibt frisch zubereitetes Essen, preiswert und gut. An anderen Ständen wird Bier verkauft.

Zwischen 2.000 und 4.000 Euro würde ein florierender Stand an einem Wochenende abwerfen, sagt mir ein Insider. Steuern zahlt hier niemand. Auch meine englische Zufallsbekanntschaft aus Oxford kann verstehen, dass das Bezirksamt nun darauf drängt, dass dieser illegale Zustand beendet wird: "Ja, das soll mit einem Gewerbeschein geregelt werden."

Der Bezirk will ein Konzept vorstellen

Ich fahre ins Rathaus zu Arne Herz. Der CDU-Stadtrat ist für die Ordnung im Bezirk zuständig. Wie seine Vorgänger hätte er das Problem auch aussitzen können. Aber Ordnung muss sein, sagt er - deutet jedoch auch Kompromisse an: "Jeder muss wissen, wo Grenzen und Möglichkeiten sind. Wir sind dazu da, die Möglichkeiten soweit es geht auszuloten, aber auch ganz deutlich zu benennen, wo es Grenzen gibt."

In den kommenden Wochen will der CDU-Politiker ein Konzept vorstellen, das mindestens zwei Möglichkeiten enthält: "Einmal: Was wäre möglich und nötig, wenn man einen Handel, einen Markt dort legalisieren würde? Und der andere Weg wäre, dass man die Parkordnung durchsetzt, die es ja schon die ganze Zeit gibt. Denn es ist eine Grünfläche und das bedeutet eigentlich: gar keine Nutzung!"

18.000 Euro pro Jahr kostet den Bezirk allein die Entsorgung des Mülls des Food Markts. Für den Park zuständig ist Stadtrat Oliver Schruofenegger von den Grünen. Obwohl er den Charme und den Wildwuchs auf der "Thai-Wiese" mag, stört ihn die Intransparenz des Geschäfts: "Das hat jetzt eine Größenordnung angenommen, wo es nicht mehr kontrollierbar, nicht mehr eingrenzbar ist, damit wird es dann ganz schwierig zu sagen: Wir machen einfach die Augen zu. Und spätestens dann, wenn Teile der dortigen Nutzer uns deutlich zu erkennen geben, dass sie damit richtig Geld verdienen, kommen wir in eine Situation, wo von Steuerrecht bis Ordnungswidrigkeitenrecht alles verfolgt werden müsste." Und deshalb will er seinen CDU-Kollegen Herz unterstützen.

Robert Sann Bobowski will den Markt legalisieren und Park-Manager werden.
Robert Sann Bobowski will den Markt legalisieren und Park-Manager werden. | Bild: Wolf Siebert, Inforadio

Auf der "Thai-Wiese" im Preußenpark treffe ich auch Robert Sann Bobowski. Der 28-Jährige mit thailändischen Wurzeln ist seit seiner Kindheit regelmäßig bei den Thai-Treffs dabei. Dem Bezirksamt hat er sich als "Chef des Thai-Parks" vorgestellt und ein Konzept vorgelegt. Sein Ziel: Das Illegale legalisieren und den kommerziellen Markt auf die Wochenenden beschränken. Dann hätten die Bürger zumindest unter der Woche ihren Park als Erholungswiese zurück.

In den vergangenen zwanzig Jahren ist aber auch das Selbstbewusstsein gewachsen und die "Thai-Wiese" ist ein wichtiger Treffpunkt der asiatischen Community geworden, den sie nicht aufgeben will. "Man kann den jetzt nicht für sich beanspruchen. Weder die Anwohner noch die Thais können jetzt sagen: Das ist mein Park. Jeder möchte den Park benutzen, und da müsste man sich einigen", erklärt Robert Sann Bobowski.

Anfang kommenden Jahres soll es nun öffentliche Versammlungen mit allen Beteiligten geben: den Nutzern der Thai-Wiese, den Anwohnern und dem Bezirksamt. Die gut vernetzten Befürworter des Thai-Markts sind derweil erneut im Internet aktiv geworden: Eine Online-Petition hat schon viele Unterstützer gefunden.


Beitrag von Wolf Siebert, Inforadio

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 14.

    Eben nicht.Das ganze ist eine Begegnungsstelle geworden ü.Jahre zw.Thailändern u.Deutschen.Was mit harmlosen kl.Essen begann hat sich heute zu einen Markt entwickelt.Das gehört angemeldet.Muß auch geandet werden.

  2. 13.

    Meiner Ansicht nach gibt es bereits genügend Wochenmärkte in Berlin. Ein weiterer Markt ist vollkommen unnötig. Mal Abgesehen vom Lärm und Müll,den aber auch Schüler-und Studentengruppen hinterlassen, ist der Preußenpark schon lange keine Erholungsmöglichkeit mehr.
    Mich stören aber auch die immer wieder zu sehenden Picknickdecken zwischen den "Food-Ständen" auf denen Glücksspiel betrieben wird.

  3. 12.

    Ist es aber nicht, den Asiaten geht es nicht um Annäherung und Begegnung und Friedefreude, sie wollen verdienen an dem was sie da anbieten.
    Kommerzielle Geschäfte müssen angemeldet werden. Recht nicht zu verwechseln mit rechts.

  4. 11.

    Es ist und bleibt ein Schwarzmarkt, genauso wie illegale Zigaretten oder der illegale Handel mit u.a. elektronischen Waren in einem großen deutschen Onlineauktionshaus.

    Dadurch entstehen erhebliche finanzielle Schäden als fehlenden Steuereinnahmen.

    Der ehrliche (Online-) Händler, der Steuern und Abgaben bezahlt muß sich doch verar***t fühlen, geht womöglich pleite und entlässt Mitarbeiter.

    Offensichtlich besteht ein Interesse an Thaifood, btw. esse ich das auch sehr gerne, dann bitteschön Gewerbe anmelden, Steuern bezahlen und mit allem was dazugehört.

    Die großen Fische aber, die lauern woanders. Versuchen sie mal einen Akku im besagten Onlineauktionshaus oder dem großen Onlineanbieter mit "A" zu kaufen.

    Ein Akku ein Drittel billiger wie im Laden, oft gefälscht, angeblich aus D bekommen sie dann Wochen später aus China. Rechnung, Garantie? Fehlanzeige.

    Ich möchte nicht wissen was da dem Staat an Steuergeldern entgeht und ehrliche Händler betrogen werden.

  5. 10.

    Da ich jeden Tag sehe, wo die Zutaten gelagert werden, würde es mir im Traum nicht einfallen, da was zum essen zu kaufen. Ein Park sollte der Erholung dienen, nicht der Müllablage und den monetären Interessen einzelner. Es ist 2 mal Markt dort um die Eckke am Fehrbelliner Platz, sollen sie doch dahin gehen.

  6. 9.

    Dann wird eben das Gewerbe angemeldet.Es geht ja hier um den Erhalt des Standortes.Was lange währt ............

  7. 7.

    Man sollte nicht päpstlicher sein als der Papst. Die Thaiwiese ist Kult! Und aus meiner Sicht müsste für ihren Erhalt das Gewohnheitsrecht gelten!

  8. 6.

    Ich kann die Verärgerung der Anwohner und vor allem der angrenzenden Gastronomie durchaus verstehen.
    Jeder gastronomische Betrieb benötigt eine Gewerbeerlaubnis und unterliegt dem Gewerbeaufsichtsamt mit allen dazugehörigen Regeln und Kontrollen. Außerdem sind diverse Steuern zu entrichten. Hier finanzieren sich aber asiatische Familien steuer- und kontrollfrei ihren Lebensunterhalt.
    Hier wäre auch noch zu klären ob nicht sogar ein Sozialbetrug vorliegt, sofern die Familien steuerfinanzierte Sozialleistungen beziehen.

    Ob dies hier ideologisch-sozialromantisch als "Ort der Begegnung" verklärt wird, ist in erster Linie unerheblich. Noch leben wir -glücklicherweise- in einem Rechtsstaat, der aber leider immer häufiger von Volksvertretern kompromittiert und ad absurdum geführt wird. Durch die jahrelange Duldung aufgrund falsch verstandener Toleranz hat man Fakten geschaffen. Diese Suppe muss nun ausgelöffelt werden.

  9. 5.

    Ich mag den Thaipark sehr, aber wenn es gewerbliche Ausmaße annimmt und Alkohol verkauft wird ohne Lizenz ist das einfach rechtswidrig. Es kann nicht sein, dass manche Restaurants oder Bars etliche Steuern zahlen und Lizenzen beantragen müssen und NUR weil es jetzt ach so hipp ist alles im Thaipark ohne viel Tam Tam möglich ist. Im Grunde genommen ist das Schwarzarbeit, hippe Mainstream Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Aber weil das cool ist, ist das legal? ja Blödsinn.

  10. 4.

    Ihr Kommentar geht nur wieder wenn unter die Gürtellinie gezielt wird.Sie schreiben solch nutzloses Zeug daher.Waren nicht einmal vor Ort um sich selbst ein Bild zu machen.Es handelt sich um eine Wiese.Staub u.Dreck erfahre i.wenn i.nur schon eine Straße betrete.Auch für Sie : diesen Ort der Begegnung gibt es schon so lange da haben Sie noch ganz andere Sorgen u.Nöte gehabt.

  11. 3.

    Wer KEINE Nutzungsgebühr bezahlt und/oder NICHT legalisiert, hat dort nichts zu verkaufen.
    Das ist nun mal so. Geschweige die Hygienezustände, mang dem Hundepipi und Staub und Dreck gibt's lecker Asia-Food.
    Einfach widerlich... Touristen tun sich das an - wahrscheinlich ggf. Snapshot-Jäger...?
    Das hat nichts mit Begegnung und so einem Mist zu tun, das dort ist illegaler Quatsch.

  12. 2.

    Die Thaiwiese war ü.Jahrzehnte ein Begegnungsort zuerst einmal..Hat niemandem gestört.Jetzt ist es wohl ausgeufert u.daraus ist ein Markt entstanden.Was wiederum nur gewerblich geht.

  13. 1.

    Während an anderen Stellen der Stadt alles möglich ist ohne das Konsequenzen gezogen werden ,
    siehe Lichtenberg-Kreuzberg oder Rigaer Strasse wir hier wahrscheinlich mit der Keule zugeschlagen.
    Sollte die Müllbeseitigung durch die Benutzer nicht funktionieren muss halt Schlußß sein.
    Ebenso sollte von jedem der hier etwas verkauft eine Gewerbegenehmigung vorliegen und die üblichen Abgaben
    an den Staat entrichten.

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