Der Star (Sturnus vulgaris), auch als Gemeiner Star bezeichnet. (Quelle: imago/A. Hartl)
Bild: imago/A. Hartl

Vogel des Jahres 2018 - Er ist jetzt Star

Ein geselliger Lebenskünstler, elegant gekleidet, gern auf Reisen und ein ausgezeichneter Entertainer: Der Star ist Vogel des Jahres, haben Naturschützer entschieden. Sie wollen ihn besser schützen - denn er findet immer schwerer Wohnraum und Speisen.

In großen dichten schwarzen Wolken fliegen sie aus Baumwipfeln auf, ein wunderschönes Luftballett, in dreieckigen Formationen. Bläulich-glänzendes Gefieder, gelber Schnabel - am meisten überzeugen Stare aber durch das, was aus ihrem Innersten kommt: der Soul ihrer Singstimme. Sie können rhythmisch trällern, aber vor allem andere perfekt imitieren, Vogelstimmen, Alarmanlagen, Handyklingeltöne. Dieses Talent hat dem Star jetzt eine Trophäe eingebracht: Er ist der Vogel des Jahres 2018, hat der Natuschutzbund Deutschland (NABU) entschieden.

Wie die Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen zu berichten weiß, leben im Land 150.000 bis 250.000 Brutpaare - sie werden allerdings spärlicher. Bundesweit gibt es etwa eine Million Paare Stare weniger als noch vor zwanzig Jahren.

Oh Du schöne Kirschplantage

Der Schuldige ist schnell ermittelt: "Es fehlt an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung - insbesondere verursacht durch die industrielle Landwirtschaft", sagt Heinz Kowalski, NABU-Präsidiumsmitglied. Auf Wiesen und Äckern findet der Star Insekten, die er im Frühjahr am liebsten mampft. Werden diese Flächen landwirtschaftlich genutzt und vor allem gedüngt, findet der Vogel nicht mehr genug Würmer. Werden wiederum Nutztiere im Stall gehalten, fehlt draußen ihr Mist, der Insekten anlockt. 

Im Sommer und Herbst überkommt den Star Heißhunger auf Beeren, aber ganz besonders auf Kirschen - er bedient sich unverdrossen, auch in Brandenburg. Auf manchen der Kirschplantagen dort frisst er die Hälfte aller Früchte. Schießen darf man ihn nicht. Die Obstbauern stellen Lautsprecher auf, aus denen sie den Angstschrei eines Vogels lärmen lassen. Viele Stare aber juckt das längst nicht mehr. Sie bleiben einfach sitzen und fressen sich den Wanst voll.

Die Nester werden eingemauert

Auch an das Leben in Großstädten hat sich der Vielflieger längst angepasst, aber seine Neste werden eingemauert, seine Futtergründe durch mehr zugebaute Flächen vernichtet. Auf de Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird die Art inzwischen als "gefährdet" eingestuft. "Wenn wir ihm Nistkästen anbieten können, können wir dem Star damit schon sehr gut helfen, weil gerade Höhlungen in Bäumen immer mehr verschwinden, in unseren zugebauten Landschaften", sagt Christiane Schröder vom NABU Brandenburg.

Da hilft es dem Star, dass er monatelang auf Reisen in wärmeren Gefilden unterwegs ist. Mitteleuropäische Exemplare fliegen zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika, aber sie reisen nie weiter als 2.000 Kilometer. In Vogelmaßstäben bedeutet das: Kurzstreckenzieher.

Winter in der Ewigen Stadt

Viele Wege führen ihn nach Rom, dort verbringen die Vögel gerne ihren Winter. In der Umgebung der Ewigen Stadt fressen sie sich auf den Feldern satt, ihr Geschäft erledigen sie dann aber in den Straßen. Die winterlichen Gehwege zeugen von ihren glitschigen Spuren. Die Stadtverwaltung hat nach anfänglichen Versuchen, die Stare durch andere Vögel jagen zu lassen, aufgegeben.

Inzwischen ist der Reisestress vielen Staren aber ohnehin einfach zuviel geworden. Sie überwintern im Südwesten Deutschlands, bis das ärgste überstanden ist. Wenn sie Lust haben, fallen sie dort über die Weinberge her. "Die Stöcke sind ratzeputz leergefressen. Der Stil hängt dann dran wie eine Mumie", sagt ein rheinland-pfälzischer Winzer. Der Star, er sei kein gerngesehener Gast.

Den geselligen Entertainer aber wird das kaum interessieren, er fliegt halt eher in den Tag hinein. Die besten Showtalente werden übrigens belohnt: Starendamen fahren nachweislich am stärksten auf die Männchen ab, die am ausdauerndsten und einfallsreichsten singen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.10.17, 5 Uhr

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    ...findet weniger Speisen? Ha, und warum gewinnt er jedes Jahr den Kampf um MEINE Süßkirschen?

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