Am Tag, als der Sturm "Xavier" kam: Umgeknickter Baum am 5. Oktober 2017 auf dem Kurfürstendamm im Ortsteil Halensee (Quelle: imago/Stefan Zeitz)
Bild: imago stock&people

Vorläufige Sturmbilanz für Berlin - "Xavier" fällte rund 56.000 Bäume

Pankow hat es am schlimmsten getroffen: Einer ersten Senatsbilanz zufolge vernichtete Sturmtief "Xavier" in manchen Ortslagen fast die Hälfte des gesamten Baumbestandes. Doch auch in anderen Bezirken hat der Orkan beispiellose Schäden hinterlassen.

Fast eine halbe Million Straßenbäume hat Berlin, hinzu kommen öffentliche Grünanlagen und städtische Friedhöfe - nicht umsonst gilt Berlin als eine der grünsten Metropolen in ganz Europa, doch am 5. Oktober dieses Jahres raste das Orkantief "Xavier" über die Stadt - und ließ tausende Bäume umstürzen. Wie viele es am Ende der immer noch andauernden Aufräumarbeiten sein werden, lässt sich bislang noch nicht genau absehen - doch die erste Bilanz fällt schon schlimm genug aus.

Mit am schlimmsten hat es Pankow getroffen

Abgesehen von rund 46.000 Bäumen in den Berliner Forsten, hat der Sturm nach vorläufigen Schätzungen "etwa 10.000 Bäume an Straßen, in Parkanlagen und auf Friedhöfen vernichtet oder so stark geschädigt, dass sie in nächster Zeit gefällt werden müssen" - so steht es in einer Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe, die jetzt veröffentlicht wurde.

Mit am schlimmsten hat es Pankow getroffen. Wie aus der Antwort der Umweltverwaltung hervorgeht, wurden im zweitgrößten Bezirk Berlins "bis zu 30 Prozent des Altbaumbestandes geschädigt oder ganz vernichtet". In manchen Ortslagen, wie zum Beispiel der Schönholzer Heide oder im Naturschutzgebiet Fauler See, sind es laut Senat sogar bis zu 50 Prozent. Bis jetzt seien in Pankow 204 Bäume festgestellt worden, "die umgestürzt, gefällt oder zur Gefahrenabwehr noch zu fällen sind". Doch bis zu weitere 380 Bäume kämen schätzungsweise noch dazu, heißt es in dem siebenseitigen Senatsschreiben - macht fast 600 Bäume. Hinzu kommen ca. 2.000 Bäume, die ebenfalls einen Schaden erlitten haben, aber nicht so stark, dass sie gefällt werden müssten.  

Die durch den Sturm hervorgerufenen Schäden an Bäumen sind immens.

Auskunft der Berliner Umweltverwaltung

Die Schadensbilanz - von Charlottenburg bis Treptow

Nicht ganz so verheerend, aber ähnlich schlimm hat es die anderen Bezirke getroffen - dabei wurden die Schäden an Straßenbäumen, in Grünanlagen und auf städtischen Friedhöfen jeweils zusammengezogen:

Charlottenburg-Wilmersdorf 268 Bäume entwurzelt, rund 725 Bäume stark geschädigt  
Friedrichshain-Kreuzberg Fast 200 Bäume stark geschädigt, Zahl der zu fällenden Bäume nicht absehbar  
Mitte Schäden an fast 500 Bäumen, noch etwa 600 sind zu fällen.  
Spandau Über 470 Bäume entwurzelt oder stark geschädigt  
Steglitz-Zehlendorf Bisher 850 Bäume umgestürzt oder bereits gefällt, fast 1.000 Bäume stark geschädigt
 
Tempelhof-Schöneberg Fast 500 Bäume entwurzelt oder schwer geschädigt, Zahl der zu fällenden Bäume noch nicht absehbar
 
Neukölln 178 Bäume umgestürzt, viele weitere Schäden, weitere Fällungen eventuell erforderlich
 
Pankow 204 Bäume umgestürzt, bereits gefällt oder noch zu fällen, aber schätzungsweise kommen noch bis zu 380 hinzu, darüber hinaus sind rund 2.000 Bäume schwer geschädigt.  
Marzahn-Hellersdorf Über 250 Bäume entwurzelt oder schwer geschädigt, noch nicht alle Ortsteile berücksichtigt  
Lichtenberg 250 Bäume entwurzelt oder schwer geschädigt, Zahl der notwendigen Fällungen noch nicht absehbar
 
Reinickendorf 378 Bäume schwer geschädigt oder entwurzelt, Zahl der notwendigen Fällungen noch nicht absehbar  
Treptow-Köpenick 209 Bäume entwurzelt oder schwer geschädigt, Zahl der notwendigen Fällungen noch nicht absehbar  

Haftung des Landes oder der Bezirke so gut wie ausgeschlossen

Ausdrücklich weist die Senatsverwaltung darauf hin, dass eine Haftung des Landes oder der Bezirke für Schäden, die durch umgestürzte Bäume entstanden sind, in den allermeisten Fällen wohl ausgeschlossen sein dürfte.

Einen "absolut sicheren Baum" könne es nicht geben - selbst bei Durchführung der vorgeschriebenen regelmäßigen Kontrollen. Und da es "keine Gefährdungshaftung für öffentliche Bäume" gebe, könne ein Schadensersatzanspruch gegenüber den Bezirksämtern höchstens geltend gemacht werden, "wenn die Ursache für den Schaden in der Verletzung der Verkehrssicherungspflicht liegt", schreibt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Schäden, die durch außergewöhnliche Ereignisse wie zum Beispiel durch den Sturm "Xavier" verursacht werden, könne jedoch mit zumutbaren Mitteln nicht begegnet werden, heißt es weiter. Bereits ein Sturm mit Windstärke 8 würde als "höhere Gewalt" gelten. Bei "Xavier" seien am 5. Oktober aber Windgeschwindigkeiten bis zu Stärke 11 gemessen worden.

Wer Schäden durch umgestürzte Bäume oder heruntergefallene Äste erlitten hat, sollte daher prüfen, ob privater Versicherungsschutz besteht, beispielsweise die Kasko-Versicherung beim Auto oder die Hausrat-Versicherung.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Schlimm, aber als Naturkatastrophe kaum zu ändern.

    Schlimmer (und zu ändern): Schon seit Jahren schrumpft die Zahl der Straßenbäume deutlich, da nur für einen Bruchteil der gefällten Bäume neue gepflanzt werden.

    Vielleicht könnte sich der RBB mal in dieser Richtung engagieren, für das Problem Öffentlichkeit schaffen, womöglich mehr?

    Bei allem Gejammer über Sturmschäden: Jeder Baum nutzt dem Stadtklima und jeder Baum verbraucht Kohlendioxid.

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