Landgericht Berlin, 12. Strafkammer, Saal 736 am 14.11.2017: Das angeklagte Pärchen steht hintereinander mit dem Rücken zur Kamera. Der Vorwurf lautet Betrug mit Ferienimmobilien. (Quelle: rbb/Ulf Morling)
Sendung: radioBerlin 88,8 | 14.11.2017 | Ulf Morling | Bild: rbb/Ulf Morling

Landgericht Berlin - Haftstrafe wegen Betrugs mit Fake-Ferienhäusern verhängt

Der Traum vom Urlaub platzte immer kurz vor Reiseantritt: Für Ferienwohnungen am Gardasee und auf Mallorca, zahlten gutgläubige Kunden Anzahlungen. Doch die Wohnungen gab es nicht, das Geld verschwand auf Nimmerwiedersehen. Das Betrüger-Paar wurde nun verurteilt. Von Ulf Morling

Angela M. überwies am 18. Oktober letzten Jahres 3.155,40 Euro auf ein Konto bei der Berliner Volksbank. Es war die Anzahlung für ihre "Traumvilla mit Ausblick auf See, mit Pool". Die Villa sollte in dem malerischen San Felice del Benaco liegen, direkt über dem Gardasee. Für die Lage war es fast ein Schnäppchenpreis. Doch wenig später platzte der Traum vom entspannten Urlaub in Italien mit einem Hauch von Luxus. Am Nikolaustag wurden zwei Mitglieder einer internationalen Betrügerbande festgenommen. Sie hatten die Immobilie vermeintlich vermietet.

Cristian M. und Cristina B. waren Mitarbeitern einer Filiale der Commerzbank in Berlin aufgefallen: Die 26-jährige B. hatte einen gefälschten Pass vorgelegt, mit dem sie künftig Zugang zu dem Konto ihres Komplizen haben sollte. Auf dieses Konto waren Anzahlungen von Opfern geflossen.

Symbolfoto: Ferienwohnungen am Gardasee (Quelle: dpa/TPX/prismaonline)
Gardasee | Bild: dpa/TPX/prismaonline

Immer wieder die gleiche Masche

71 Opfer sind der Betrügerbande auf den Leim gegangen, alle buchten die Internetseiten der Betrüger ihren nächsten Urlaub am Gardasee oder auf Mallorca. Nach der Buchung flatterte ein Vertrag ins Haus. Den schickten sie zurück und überwiesen ihre Anzahlung, die auf Nimmerwiedersehen verschwand. Kein einziger Buchender hatte bemerkt, dass die vermeintliche Ferienvilla nicht vermietet wurde oder gar nicht existierte. Manchmal befand sich an der angegebenen Adresse sogar lediglich ein Campingplatz. Die Komplizen der Angeklagten verstanden offenbar ihr Handwerk: Bei der Gestaltung von Internetseite und Vertrag wurde niemand stutzig. Das an den beiden betriebenen Reiseportalen etwas faul war, fiel wohl zuerst der Berliner Volksbank auf, die ursprünglich für die GmbH das Konto führte. Sie sperrte das Konto wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Mindestens drei Berliner Notare versagten

Viele der Betrogenen hatten das Angebot der Bande auch deshalb für seriös gehalten, weil die GmbH der beiden Angeklagten beim Amtsgericht Charlottenburg ordentlich registriert war: damit hatten die zwei nun Verurteilten einen Berliner Notar beauftragt. Cristina B. hatte dreister Weise bei ihm und zwei weiteren einen gefälschten belgischen Reisepass auf den Namen Martina de B. vorgelegt. Fortan war sie Mit-Geschäftsführerin der Firma, die ihren Sitz in der Moabiter Beusselstraße hatte und über die die Zahlungen der Betrogenen abgewickelt wurden. Später wurden die meisten Gelder über das Volksbankkonto der GmbH nach Polen und in die Slowakei transferiert. Nachdem dieses Konto gesperrt worden war, wurde Ende November 2016 bei der Commerzbank ein neues eröffnet. Insgesamt entstand ein Schaden von  139.150,28 Euro. Weniger als die Hälfte konnte die Polizei auf den Konten der beiden Angeklagten sichern.

Straßenschild Beusselstraße in Berlin Moabit (Quelle: imago/STPP)
Beusselstraße in Berlin Moabit | Bild: imago/STPP

Trotz Bewährung weiter kriminell

Der Angeklagte Cristian M. war bereits im August 2016 vom Landgericht Berlin wegen sechsfacher Urkundenfälschung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden. Er hatte gefälschte Ausweispapiere benutzt. Trotz der Verurteilung machte er mit dem Betrug weiter. Die Mitangeklagte Cristina B. hatte er bei seiner Lebensgefährtin kennengelernt, welche die Mutter der Angeklagten ist.

Eine zweijährige Bewährungsstrafe sah das Gericht für Cristina B. als angemessen an: Sie habe ein Geständnis abgelegt und seit ihrer Festnahme fast ein Jahr lang in Untersuchungshaft gesessen, hieß es im Urteil. Außerdem sei sie Ersttäterin. 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit sollten der 26-Jährigen zudem immer wieder in Erinnerung rufen, was sie getan habe, so der Vorsitzende Richter Harald Jung.

Verurteilte gehören nicht zu führenden Köpfen der Bande

Beide Angeklagten seien aber nicht die führenden Köpfe der Bande gewesen, sondern die, die die "gefährliche Drecksarbeit" gemacht hätten für die international agierende Bande, so der Vorsitzende. Allerdings hätten sie auch dafür gesorgt, dass "alles am Laufen gehalten wurde".

Cristian M. muss insgesamt fünf Jahre und einen Monat ins Gefängnis: die Strafe setzt sich aus der Vorverurteilung vom August 2016 und dem jetzigen Urteilsspruch zusammen. Bis zum Strafantritt wird er von der Untersuchungshaft verschont, muss seinen Pass abgeben und sich fünf Mal wöchentlich bei der Polizei melden.

GmbH hat jetzt neue Geschäftsführer

Die GmbH, über die die Gelder der Opfer eingesammelt wurden, scheint allerdings noch weiter zu existieren: kurz nach der Festnahme der Angeklagten wurden neue Geschäftsführer berufen, was wiederum ein Notar bestätigt haben muss. Als Kopf der Bande gilt –nach wie vor- ein in Polen geborener Mann mit niederländischem Pass: Vuole soll sein Name sein. Die Polizei sucht ihn bis heute ergebnislos.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Mit Dummheit hat das weniger zu tun,sondern mit gerissener,unverschämter Betrügerei.Wenn Notare involviert sind geht man erst einmal v.d.Rechtmäßigkeit solch Angebote aus.Leider im Internet nicht unüblich.Der Weg zum Reisebüro hätte hier viel Ärger u.Geld gespart.

  2. 1.

    Die Dummen sterben niemals aus.

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