Besucher vor dem Zirkuszelt des Circus William. (Quelle: rbb/Bettina Rehmann)
Bild: rbb/Bettina Rehmann

Reportage | Circus William - Zu Besuch bei Familie Zirkus

Weiße Tiger und Kamele, Ponys, Clowns, Artisten – dazu Zuckerwatte und Luftballons. Der Familienzirkus William macht Halt in Berlin-Pankow, mit einem zweistündigen Programm. Bettina Rehmann ist beim Besuch überrascht - und entzaubert.

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Eine Kollegin brachte die Idee in die Redaktionskonferenz. Sie habe einen Zirkus besucht und gestaunt, dass es so etwas noch gibt - und sich amüsiert. Eine ganze Familie arbeite dort mit, auch die Kleinen. Darüber könnten wir doch mal etwas machen.

Also mache ich mich auf zum Circus William, der zurzeit auf dem Gelände des früheren Rangierbahnhofs Pankow an der Granitzstraße gastiert. Die Vorstellung beginnt um 17 Uhr. Unterwegs sehe ich einen Einradfahrer. Was für eine Einstimmung, denke ich. Dann am S-Bahnhof Pankow: ein Tierschutzplakat vom WWF mit dem Foto eines traurig dreinblickenden Tigers. Circus William, 1889 gegründet, ist ein Tier-und-Menschen-Zirkus. Auch Tiger und Löwen sind dabei. Wie passend. Auf dem Weg zum Zirkusgelände sehe ich: Fast alle Werbeplakate des Zirkus sind beschmiert, "Tierquäler" oder "Qual" steht da. Mit diesen Worten im Kopf komme ich im Zirkus an.

Am Eingang begrüßen mich drei der fünf Geschwister Wille, die den Zirkus in siebter Generation führen: Maria, die heute Weber heißt, Manuel und Markus Wille. Maria muss jetzt, etwa eine Stunde vor der Vorstellung, an die Kasse. Manuel ist zuständig für die Raubkatzen. Ich schaue mich mit ihm zusammen um – und darf überall hin. Die Abendsonne wirft ein schönes Licht auf die Koppel hinter dem Zirkuszelt. Hier sind sie, die Tiger und Löwen, Antilopen und Zebras, Kamele und Pferde.

"Bei den Tigern war ich Hebamme"

Es gibt mehr Platz und es sind größere Ställe, als ich mir vorgestellt hatte, Manuel beklagt sich dennoch. Das gemietete Gelände sei eigentlich doppelt so groß gewesen, mit mehr Auslauffläche. Aber eine Krötenart sei auf dem Areal entdeckt, ein Schutzzaun errichtet worden. Etwa 100 Tiere reisen mit dem Zirkus, so gut wie alle sind in Gefangenschaft geboren und aufgewachsen. "Bei den Tigern war ich Hebamme", sagt Manuel. Er hat eine enge Bindung zu den Raubtieren. Die muss er wohl auch haben, schließlich steht er in etwa zwei Stunden wieder mit ihnen in der Manege.

Tierschützer oder Zirkusgegner machten eigentlich keine Probleme, sagt Manuel, der sich Tierlehrer, nicht "Dompteur" nennt. Nur kosteten die verschmierten Plakate jedes Mal 2.000 bis 3.000 Euro. Jede Woche komme der Amtstierarzt, manchmal unangekündigt. Man habe nichts zu verbergen. Der Zirkus rühmt sich auch im Programmheft damit, dass es den Tieren hier besser gehe als etwa im Zoo. Ich kann eigentlich nicht anders als zustimmen. Hier haben sie wenigstens eine Aufgabe. Kein Tier sieht verwahrlost aus.

Markus Wille, Manuels Bruder, erzählt mir später, für seinen bereits verstorbenen Vater seien die Tiere fast das Wichtigste gewesen. "Wir Kinder waren ihm auch wichtig, aber die Tiere waren immer zuerst dran: vor dem Frühstück und nach der Vorstellung vor dem Abendbrot." Einen Zirkus ohne die Tiere können sich die Geschwister nicht vorstellen. Die Menschen, besonders die Kinder, kämen vor allem auch wegen der Tiere. Am Wochenende seien die 1.200 Plätze im Zelt ausverkauft gewesen - für die meist eher schlecht laufenden Herbstmonate ein guter Erfolg.

"Wenn ich groß bin, werde ich Drahtseil-Artist"

Wir laufen zurück vor das Zelt. Vor Marias Kassenwagen tummeln sich Familien mit kleinen Kindern. Es gibt einen Süßigkeitenstand, eine Würstchenbude und einen riesigen modernen Toilettenwagen. Hier bessert sich Markus' jüngster Sohn Marcello, 10 Jahre alt, das Taschengeld auf, indem er die 50 Cent Gebühr kassiert. Der kleine blonde Junge in Zirkus-Uniform erzählt: "Wenn ich groß bin, werde ich Drahtseil-Artist." Vorerst muss er aber noch in die Schule, wie fünf weitere Kinder, die mit dem Circus William reisen.

Marcello muss zwar alle paar Wochen die Schule wechseln, aber Probleme gebe es dabei nicht, sagt Mutter Tanja, die im Eingangsbereich Zuckerwatte verkauft. Die Lernunterlagen werden von Marcellos Stammschule in Brandenburg gestellt, die stellt am Schuljahresende auch das Zeugnis aus. "Die Kinder haben sich nur die ersten paar Male beschwert, wenn sie nach ein paar Wochen wieder gehen mussten", aber dann gewöhnten sie sich daran. Das sei auch bei Marcellos Bruder Deniro (21) und seiner Schwester Georgy (16) so gewesen. Der Große hat mittlerweile die Schule hinter sich, Georgy darf seit der sechsten Klasse online lernen.

Artisten, Raubtiere und das moderne Zirkusleben

"Wenn wir irgendwo Station machen, dann bringen wir unsere eigene Stadt mit", erzählt Manuel Wille. Die genaue Fahrzeuganzahl hat er nicht im Kopf, aber es sind viele. Lkw, Technikwagen, Toilettenwagen, Stallwagen, die Autos der Artisten und Angestellten müssen immer mit - auch die modernen Wohnwagen mit Überbreite von 2,50 Metern und einer Länge von 16 Metern, die am jeweiligen Standort angekommen auf bis zu fünf Meter ausgefahren werden und nur noch an Strom und Gas angeschlossen werden. "Der Zirkus ist unser Leben", sagt Manuel und es klingt nicht nach einer Floskel. Sein Bruder Markus berichtet mir, Urlaub machten die Familienmitglieder keinen. Es gebe nur die Winterpause in Müncheberg, wo die Familie gemeldet sei. Urlaub seien für ihn auch ein paar freie Tage zwischendrin, wenn der Circus William als Sommerzirkus auf Usedom gastiert, erklärt Markus.

Kommentar

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28 Kommentare

  1. 28.

    Bleiben Sie doch bitte beim Thema zu diesem Bericht vonrbb24. Lesen Sie irgendwas davon,das die Familie William i.ihrem Zirkusunternehmen Tiere quält um diese vorzuführen?Nein. Kein Bär wird gezeigt.Keine Nilpferde,Elefanten u.schlimmer noch Giraffen, die auch für mein Dafürhalten nicht mehr in solche Veranstaltungen gehören.Tierquälerei findet leider ganz woanders statt.Mir fällt da sofort d.Massentierhaltung ein.

  2. 27.

    toll der rbb unterstützt tierqäulerei-dafür zahlen wir gez.... schämt euch....

  3. 26.

    Liebe Naive Ökos,
    Euch scheinen ja die politisch korrekten Tier-Terrororganisationen vollkommen den Verstand geraubt zu haben. Gehirnwäsche wirkt wunder. Ob es Euch passt oder nicht, wir besuchen trotzdem weiter Zoo's und wir gehen auch weiterhin in den Zirkus mit Tieren.

  4. 25.

    In einen Zirkus oder in den Tierpark gehe ich schon Jahrzehnte nicht mehr; im Zoo war ich noch nie!
    Ich sehe sehr viele interessante Sendungen über Tiere jeglicher Art in freier Natur, aber auch Berichte über das viele Elend. Schauen Sie mal auf die Internetseite von VIER PFOTEN International, da erübrigt sich jede Erklärung über Tiere in Gefangenschaft ...
    Für mich sind Tiere die besseren Menschen; das zeigt mir einmal mehr Ihre unqualifizierte und deutschmäßig unterirdische Anmerkung.
    Und ja, es wäre schön, wenn alle Tiere da leben könnten, wo ihre eigentliche Heimat ist und sie dort auch in Frieden leben könnten. Aber das können die Menschen selbst nicht und den Tieren gönnen sie es ebenfalls nicht. ENDE.

  5. 24.

    Wie kann ein Wildtier in Gefangenschaft jemals "artgerecht" gehalten werden? Erklären Sie mir das, bitte!? Wie soll es hinter Gittern seine natürlichen Instinkt ausleben? Nicht mal so was Banales wie rennen können die Raubkatzen beispielsweise. Die ständigen Tiertransporte, purer Streß. Und wie lernt ein Tier "Kunststücke" durch Zuckerbrot und.....ja genau....Peitsche. Früher wurden auch Menschen im Zirkus ausgestellt und niemand fand das verwerflich, Menschen mit Verstand und Mitgefühl waren irgendwann mutig genug es anzusprechen..... So wird es auch mit den Wildtieren kommen. Zahlreiche Länder haben bereits Verbote. Sind diese Regierungen von "Ökoterroristen" durchsetzt oder wie erklärern sie sich das? Liebe Grüße :)

  6. 22.

    Es gibt mittlerweile zig Tierarten die ohne die Unterstützung von z.b.Zoos o.Safariparks gar nicht mehr auf dieser Welt existent wären. Außerdem ist es oftmals besonders kompliziert Wildtiere welche durch Menschenhand aufgezogen worden sind,so mir nichts dir nichts wieder der freien Wildbahn zu überlassen.Weisse Tiger u.Löwen hätten keine Überlebenschance.Einfach mal ein bisschen Recherchieren o.nur mal"Elefanten,Tiger u.Co" u.andere öfter anschauen.

  7. 21.

    Auch ich sehe das so.Gerade weil ein Zirkus wie der hier genannte auf seine Tiere angewiesen ist. Da steckt sehr viel Herzblut mit drin um mit ihnen auf Augenhöhe Arbeiten zu können,zu dürfen.Wie im Bericht schon erwähnt läßt die Familie jegliche Kontrolle von Seiten der Ämter ohne weiteres zu.Was ich nicht gut finde ist u.das steht auch mittlerweile im Wiederspruch zur Zirkusdarbietung,ist Elefantenhaltung in Gefangenschaft.Da soll es schon zu massiven Quälereien gekommen sein.

  8. 20.

    Wildtiere gehören nicht in Gefangenschaft.

  9. 19.

    Selbstverständlich gehören zu einem Zirkus auch Tiere. Was soll dieser Ökoquatsch? Hier sieht man eindeutig, wie die politisch korrekte Bevölkerung schon manipoliert wurde.

  10. 18.

    Dieser Zirkus wird jährlich mindestens 40 Mal und bei jedem Gastspielortswechsel von profilierten Tierärzten kontrolliert. Vergleiche mit "Slaven" kommen jedes Mal von offensichtlich verborten Menschen, die sich keine Gedanken über eine tiergerechte Tierhaltung in Zirkussen machen wollen oder können. Dazu kommt noch, dass diese Tierrechtler Menschen angreifen, die eine ehrliche Weltanschuung haben und nicht dem Tierrechtsgedanken verfallen sind.

  11. 17.

    Tiere im Zirkus werden von den Bezugspersonen artgerecht versorgt und tiergerecht beschäftigt. Tierrechtsvereine, die keine Tiere in Menschenhand sehen wollen, kämpfen, oft mit unlauteren Mitteln, gegen Tierhaltungen im Zirkus. Dabei besucht keiner der Tierrechtsvorstände einen Zirkus. Sie nehmen überwiegend Bilder/Filmchen aus dem Ausland und machen so, m. E. tierliebe Menschen zu Fanatikern/innen.

  12. 16.

    Woher nehmen Sie es, dass an einem Zirkus wenig Interesse herrscht.
    Wie ich erfahren habe, hatte ich schon Probleme, für den 11.11. Karten zu bekommen. Weil? Die Auftritte sind schon ausverkauft.
    Wir sollte einfach mal sehen, dass die Dressur etwas absoruchsvolleres ist, als je ein Zoo bieten kann und bei weiten mehr, als Stöckchen holen.
    Nebenbei: vor Tagen lief eine Doku auf ARTE über die Arbeit der Domteure auch dem Zirkus Krone - eindrucksvoll.
    Und @Britta, gehen Sie mit Ihren Kinder doch lieber in einen Topferkurs oder zu den Pandas in den Berliner Zoo. Da können Sie dann Elend sehen und vor Ort über die dortige Tierhaltung protestieren.

  13. 15.

    "Wie ich schon schrieb: [...]. Die Atmosphäre, den Geruch, und, und, und ... "

    Sind Sie wirklich an den Tieren interessiert oder schwelgen Sie nur in Ihrer völlig auf sich selbstbezogenen Ego-Freude?

    "Wenn es Menschen gibt, die damit nichts anzufangen wissen, dann sollen sie doch ihr Ding machen.
    Ich verbiete doch auch keinen, Körner, Kreuzer und "Fleich"Ersatz zu essen, der aber Tofu-Schnitzel und vegane Wurst heißen. "

    Sie haben es leider nicht verstanden, es geht nicht um Hobbies, Meinungen oder Lieblingsfarben sondern um Tierrechte und Tierethik, also darum wie es den Tieren geht. Durch vegane Ernährungsweise wird Tieren im übrigene eben genau nicht geschadet... :p

    "Tiere im Zirkus mehr gefordert werden, mehr ihrer Natur gemäß, behandelt werden"

    Das Wort "naturgemäß" in Bezug auf Wildtiere im Zoo, ist dermaßen absurd, dass man darauf kaum noch eingehen kann.

    Mein Fazit: Es geht Ihnen absolut nur um sich selbst, die Tiere sind Ihnen dabei völlig egal.


  14. 14.

    Nee, Tiere gehören in die Wildnis, nicht in Zoo und Zirkus.
    Okay, der Bericht vermittelt trotzdem glaubhaft, dass sich gekümmert wird. Trotzdem würde ich nie einen Zirkus der Tiere zur Schau stellt geschweige denn einen Zoo mehr besuchen.

  15. 13.

    Zirkusse mit Tieren sind schon längst nicht mehr zeitgemäß und gehören abgeschafft !
    Warum das gesetzlich noch nicht umgesetzt wurde, ist mir unverständlich. Tierfreunde und Tierschützer bemängeln die oftmals nicht artgerechte Haltung der Tiere in Zoos; aber wie sieht's denn in einem kleinen Zirkus aus - Familien-unternehmen hin oder her - es geht um die Tiere, die ständige Fahrerei von Ort zu Ort, die Unterbringung,
    die "Kunststückchen", die sie vollführen müssen. Es sind nur wenige, die so was noch sehen wollen. Dann lieber Tiere im Zoo u. a. Parks beobachten, das ist viel spannender.

  16. 12.

    Wie ich schon schrieb: ich finde Tiere toll, die in der Manege zeigen können, was sie gelernt haben. Die Atmosphäre, den Geruch, und, und, und ...
    Wenn es Menschen gibt, die damit nichts anzufangen wissen, dann sollen sie doch ihr Ding machen.
    Ich verbiete doch auch keinen, Körner, Kreuzer und "Fleich"Ersatz zu essen, der aber Tofu-Schnitzel und vegane Wurst heißen.
    Auch bin ich der Meinung, dass die Tiere im Zirkus mehr gefordert werden, mehr ihrer Natur gemäß, behandelt werden, als es die zur Schau gestellten Tiere in irgendeinem Zoo.
    Natürlich, die Spaßbremsen von PETA, mit ihren eingeschränkten Horizont, wollen uns mit ihrer Diktatur des Spaßlosen überziehen.

  17. 11.

    Ich bin Zirkus-affin. Auch bin ich aufgewachsen auf dem Bauernhof, z.B. mit Pferden, Hunden, Katzen ... . Die einfache Daseinsfürsorge reicht für höhere Säugetiere zur seelischen Gesundheit nicht aus. Tierhalter mit dem Bestreben der eigenen Teilhabe an (zeitlich befristem) Normalverhalten, z.B. Reiten oder Spielen leisten einen größeren Beitrag zur Arterhaltung als Fanatiker, deren Vorgaben letztendlich in einer utopischen "Tierbefreiung" in nicht mehr vorhandene Lebensräume von Großsäugern münden. Unsere althergebrachte Lebensart hat eine Vielzahl von Tierrassen hervorgebracht und eine größere moralische Substanz als das Verhungern lassen von ganzen Völkerschaften in irgendwelchen Halbwüsten fernab jeglicher Zivilisation streng naturbelassen. Oder woher beziehen Sie ihre Lebensmittel?

  18. 10.

    Nun es kann ja jeder seine Meinung haben.Das ist die Existenzgrundlage einer ganzen Familie.Die machen das ganz toll.Und müssen mit vielen Problemen fertig werden und kämpfen.Aber Personen,die sich herausnehmen die Plakate oder anderes des Zirkus zu beschmieren,daß sind einfach Dumme ,Freche Schmierfinken.Die Farbe sollte an den Händen von denen kleben bleiben,damit diese jeder erkennt.

  19. 9.

    Wie ich bereits in meinem Kommentar schrieb....Traurig, mit welcher Selbstgerechtigkeit viele Menschen davon ausgehen, dass ihr Bedürfnis nach Unterhaltung rechtfertigt so mit Tieren umzugehen. Woher nehmen Sie dieses Recht?

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