Fahrradfahrer auf der Wichertstrasse in Berlin-Prenzlauer Berg (Quelle: imago/Seeliger)
Bild: imago stock&people

Umwandlung von Autospuren frühestens 2018 - Grüne fordern besseren Schutz von Radfahrern in Berlin

Einen Fahrradunfall in Berlin-Kreuzberg hat die grüne Fraktionsvorsitzende Antje Kapek zum Anlass genommen, mehr Schutz von Fahrradfahrern zu fordern. "Statt beim Thema Sicherheit über Videoüberwachung und Gesichtserkennung zu reden, müssen wir uns noch stärker um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger im Straßenverkehr kümmern", teilte Kapek am Mittwoch mit.

Bei dem Unfall war eine 76 Jahre alte Radfahrerin in Berlin-Kreuzberg schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei war sie von einem abbiegenden Auto erfasst worden. Die Frau erlitt mehrere Knochenbrüche. "Insbesondere Kinder und ältere Personen müssen endlich besser geschützt werden", forderte Kapek.

19 getötete Radfahrer im vergangenen Jahr

Laut Polizeistatistik gab es im Jahr 2016 7.495 Verkehrsunfälle mit Fahrradbeteiligung. 19 Menschen wurden dabei getötet - neun mehr als im Jahr zuvor. In diesem Jahr starben laut ADFC bisher sieben Radfahrer bei Unfällen in Berlin. Die Senatsverkehrsverwaltung hat angekündigt, Radwege künftig einzufärben oder durch Barrieren von den Autofahrspuren abzutrennen.

Kapek betonte, Rot-Rot-Grün habe bereits erste Maßnahmen in Angriff genommen, wie den Umbau von besonders unfallträchtigen Kreuzungen: am Tempelhofer Damm zur A100 oder in Steglitz die Kreuzung Wolfensteindamm/Birkbuschstraße. Für die Förderung und Verbesserung des Radverkehrs und der Radwegeinfrastruktur seien im Entwurf zum kommenden Doppelhaushalt jährlich über 18 Millionen Euro zusätzlich vorgesehen.

"Planungen noch nicht abgeschlossen"

Andere angekündigte Projekte sind bisher noch nicht realisiert - wie die Umwandlung von Autospuren in Radwege auf der Frankfurter Allee zwischen Jessnerstraße und Niederbarnimstraße und auf der Danziger Straße zwischen Prenzlauer und Landsberger Allee. Dazu teilte die Senatsverkehrsverwaltung rbb|24 kürzlich mit, die Maßnahmen sollten im Jahr 2018 umgesetzt werden, ergänzte aber auch: "Über den genauen Zeitpunkt kann noch keine Aussage getroffen werden. Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen."

Noch weniger konkret sind die Planung für einen autofreien Boulevard Unter den Linden zwischen Brandenburger Tor und Humboldtforum. Hier gebe es noch keinen Termin für die Beauftragung einer Studie, hieß es aus der Verkehrsverwaltung. "Im Moment ist der Straßenzug Unter den Linden – Schloßplatz – Karl-Liebknecht-Straße wegen der U5-Baumaßnahme ohnehin noch planungsbefangen, so dass auch kein Handlungsdruck besteht. Eine genauere Terminierung ist wohl erst Ende des Jahres möglich."

Sendung: Radioberlin 88,8, 16.11.2017, 09:30 Uhr

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Antwort auf [Helmut Krüger] vom 16.11.2017 um 18:48
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36 Kommentare

  1. 35.

    Ich fahre täglich zur Arbeit, je nach Wetter und Lust mit PKW, Fahrrad oder BVG und glaube, die Situation sehr gut einschätzen zu können. Es gibt "Verkehrs-Idioten" ganz unabhängig vom Vehikel, und Aussagen wie die Ihre pauschalieren viel zu stark und entbehren der Realität.

  2. 34.

    Ich fahre weiter Auto, weil es langsam unerträglich geworden ist, die Situation in den Verkehrsmitteln zu ertragen, von Sicherheit rede ich erst garnicht

  3. 33.

    Aus dem Stadtbild trifft das voll zu.
    Ich fahre jeden Tag 25 km von A nach B und zurück. Die Mehrheit der Radfahrer begeht waghalsige Manöver und interessiert sich nicht für die StVO.
    Sie sind vielleicht Freizeitler und bekommen das nicht so mit.

  4. 31.

    Man muss sich keine Vorfahrt erzwingen, wenn ein Lkw abbiegt, wäre ich ja lebensmüde. Viele Radfahrer haben keine Achtung vorm eigenen Leben.
    Zudem tritt die Presse heute jeden Radunfall breit, die ist offensichtlich politisch motiviert, die Unfälle gab es schon immer nur dass sie im Dreizeiler mittenmang in der Zeitung evtl. erwähnt wurden.
    In fast allen Fällen war nicht der Kraftfahrer schuld. Radunfälle sind in Proportion der stark ansteigenden Radler zurückgegangen. Viele der Radler argumentieren meistens fehl, da sie keinen Führerschein besitzen und meistens gar nicht wissen was sie falsch gemacht haben.

  5. 30.

    Die "Grünen" "fordern" und quatschen, tun aber nix! Siehe Oranienstraße, Adalbertstraße, Kottbusser Damm, Hasenheide (Kreuzberger Seite - Autos & Gastronomie haben Vorrang vor Fußgängern und Radfahrerinnen). In Kreuzberg haben die "Grünen" & spd massenhaft Fahrbahnen zu Autoparkplätzen umgewidmet; einfach mal die Seitenstraßen anschauen.
    Vgl. http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehrssicherheit-in-berlin-in-der-oranienstrasse-laeuft-was-verkehrt/20564520.html

  6. 29.

    Wenn Sie ihr Fahrrad als Dienstfahrzeug leasen mit ordentlichem Servicevertrag und Versicherung, bleiben Sie zumindest nicht auf dem Schaden sitzen - und Schäden (auch durch Vandalismus) werden schnell behoben.

  7. 28.

    Weil es viel zu viele rücksichtslose, unaufmerksame Autofahrer und schreckliche Unfälle mit toten und verletzten Radfahrern gibt ist dies keine Recht selbst gesetzlos und egoistisch zu fahren.
    Leider ist das verbotene Fahren mit dem Fahrzeug Fahrrad auf Fußwegen und Fußgängerüberwegen immer weiter verbreitet. Und nicht nur umsichtig und mit Schrittgeschwindigkeit sondern immer öfter wird sehr zügig auf Fußgänger auf dem Gehweg zugefahren.
    Dies kann jeder objektiv in dieser Stadt jeden Tag tausendfach erleben.
    Dieser gesetzlosen Rücksichtslosigkeit muss Einhalt geboten werden!

  8. 26.

    Gäbe es nicht tagtäglich auf den Gehwegen genügend Anlass, sich über rücksichtslose Radler aufzuregen, wäre das doch auch hier kaum Thema. Gerade daran, dass hier so viele ins selbe Horn blasen, sieht man doch, wie dringend sich hier etwas ändern muss. Wenn man mal darauf achtet, wie viele Radfahrer verbotenerweise den Gehweg benutzen - und das nicht immer vorsichtig und auch nicht immer mangels Fahrradstreifen - kann einem schon die Galle hochkommen angesichts der immer mehr um sich greifenden Rücksichts. und Gedankenlosigkeit. Wenn dann das Problem benannt wird, braucht auch keiner zu heulen. Es gibt leider genügend schwarze Schafe unter den Radlern, auch wenn es natürlich viele umsichtige Radfahrer gibt. Aber wie es überall ist, fallen nunmal die negativen Verhaltensweisen stärker auf.

  9. 25.

    @Dino:

    Da kann ich nur zustimmen. Zudem wird hier permanent eine Mehrheit von Radfahrern, die sich völlig manierlich benehmen, für eine kleine Minderheit in die Sippenhaft genommen. Selbst wenn die Rowdy- Quote bei 5 % liegen sollte - und das ist nach meiner täglichen Beobachtung schon stark aufgerundet - sind 95 %, die vernünftig unterwegs sind, doch die deutliche MEHRHEIT, oder?

    Ich gewinne aber auch immer mehr den Eindruck, dass nicht wenigen Diskutanten hier der gemeine Kampfradler mehr wie gelegen kommt, um jede seriöse Diskussion um Verbesserungen der Infrastruktur zu zerreden und abzuwürgen ...

  10. 24.

    Nur weil die Medien nicht jeden Tag über den Straßenbahn-Ausbau berichten, versandet der wegweisende Straßenbahn-Ausbau keineswegs. In einer Gesellschaft, die sich vorrangig oder ausschließlich der Akitivität verschrieben hat, fahren offenbar auch Redakteure vglw. mehr Auto und ersatzweise Fahrrad, als sich als Fahrgäste vom ÖPNV fahren zu lassen.
    Sogar die Marketing-Menschen des ÖPNV haben die Fahrgäste ja vor einiger Zeit zu "'Bahnfahrern" und "Busfahrern" ernannt und damit ein wertvolles Argument für die Bahnbenutzung faktisch weggeschlagen.

  11. 23.

    So treffend Ihre Aussage ist, was die Gewichte angeht und ich sie vollkommen teile, so sehr bewirken Sie - wie ich es empfinde - mit ihrer vglw. rüden Art genau das Gegenteil von dem, was Sie erreichen wollen. Menschen kommen ins Grübeln nicht durch "Hinauswerfen" des von anderen als unliebsam Erkannten, sie kommen eher zu einem Weglassen durch eigene Erkenntnis.

    Das dauert. Doch anders wird es m. E. nicht gehen.

  12. 22.

    Drei Gedanken dazu:
    1. Die Maßnahmen sind höchste Zeit und das Defizit bei Radverkehrsanlagen ist klar erkennbar. Bislang steht die vielbeschworene Wahlfreiheit zwischen den Verkehrsmitteln oftmals nur auf dem Papier.
    2. Genau wie bei anderen Verkehrsteilnehmern gibt es auch unter Radfahrenden massives Fehlverhalten. Das gegenseitige Fingerzeigen und die Aufrechnung des einen Fehlverhaltens mit dem anderen führt faktisch zu einem Nullsummenspiel mit keinerlei Besserung. Vielmehr wäre es angebracht, auch von Radfahrenden mehr Verantwortung einzufordern, anstatt - um das löbliche Ziel einer Radverkehrsförderung zu erreichen - sie vglw. zu schonen.
    Dazu gehören veränderte Selbstsichten von Auto- u. Radfahrenden.
    3. Das Fehlverhalten beiderlei Verkehrsteilnehmer ist v. a. verursacht durch die Denkhaltung, dass aus einer vorfindbaren Situation das Maximale an Tempo herausgeholt werden muss. Jedes Tempo, was darunter ist, wird von Vielen aus persönliche Niederlage begriffen.

  13. 21.

    Schon bezeichnend, wie sich die Aggression gegen Radfahrer bis in die Kommentarbereiche seriöser Medien fortsetzt.

  14. 19.

    Es gibt genügend Schutz: Die StVO.
    Zuwiderhandelnde oder Ego-Radfahrer sind natürlich nicht geschützt und dagegen können die besten Radparadise nichts mehr ändern. Dummheit wird bestraft.

  15. 18.

    Bevor ich mich hier eingruppiere in die fast ausschließlich negativen Kommentare zu Fahrradfahren im Straßenverkehr,sei zu Ihrem Kommentar angeführt,auch "Ältere Personen"benutzen vermehrt den Fuß-als Radweg.Der Einzige Unterschied ist,sie fahren langsam u.behutsam.
    Der Kommentar von @Dieter ist sehr ausgewogen u.richtig.

  16. 17.

    Zynisch, ihr Kommentar. JEDES Opfer im Straßenverkehr ist eines zuviel. Nur leider sind Radfahrer und Fußgänger gegenüber den KfZ im Nachteil: keine Knautschzone. Daher muss diese den Stahlblöcken weggenommen werden.
    Und zu den "schwarzen Schafen": in nahezu jeder Polizeistatistik bei Überprüfung von Verkehsöverstössen sind die Autos auch im Modalsplit berechnet ganz klar die Übeltäter! Bei Rot noch schnell Gas geben, nicht schauen beim Abbiegen, Fußgänger nach gerade umgesprungener Ampel bedrängen, Tempoüberschreitungen ohne Ende, Rowdytum. Und das alles bei einer massiv höheren Gefährdung für Dritte als durch Radfahrer. Der Verstoß ist als solcher zu ahnden, dann soll man aber bei den "Gefährdern" (KfZ aus Stahl & >50 km/h als Impulskraft) anfangen. Und Verstöße bei Radfahrern auch ahnden, ja, aber eben auch nicht den Radverkehr so gängeln, dass Verstöße provoziert werden!

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