Illustration: Ein Smartphone mit modifiziertem Twitter-Logo auf dem Friedhof (Quelle: dpa/Sebastian Willnow)
Bild: dpa/Sebastian Willnow

Das digitale Vermächtnis regeln - Wie man online stirbt

Innehalten und der Verstorbenen gedenken, das tun sehr viele Menschen am Totensonntag. Bettina Rehmann hat sich gefragt, was nach ihrem Tod eigentlich mit ihrem digitalen Nachlass geschieht. Ein Erfahrungsbericht mit Tipps - und Tücken.

Ich werde Spuren hinterlassen, vor allem auch digitaler Art. Ich nutze soziale Netzwerke, kaufe online ein, zudem habe ich unzählige Accounts: beim Internetprovider, beim Stromanbieter, dem Streamingdienst oder auf Seiten, auf denen ich vielleicht nur ein einziges Mal eingeloggt war. Manches Online-Profil habe ich vielleicht auch schon einfach vergessen. Auf meinem Tablet, meinem Smartphone – überall tummeln sich Apps, für die ich in den meisten Fällen einmal einen Account habe anlegen müssen.

Selbst wenn ich kein Vermögen hinterlassen sollte, geht mein "digitaler Nachlass" an meine Erben. Für Online-Verträge, Accounts und Daten sind sie dann zuständig. Und es wird viel zu regeln geben. Doch was passiert, wenn ich jetzt schon mein digitales Erbe verwalten will? Auf Ratgeberseiten wird das meist empfohlen, denn um Dinge für Verstorbene online zu regeln, brauchen die Verbliebenen meist Nutzernamen und Passwort. Sind Konten bereits gesperrt, reicht das manchmal nicht mehr: Dann wollen die Unternehmen Sterbeurkunden, Erbscheine oder auch einen Nachweis sehen über die Beziehung, in der man zu dem Verstorbenen stand.

Den Digitalen Nachlass regeln lassen? - Das kostet!

Es gibt "digitale Nachlassverwalter", die die Regelung des digitalen Erbes anbieten. Das Unternehmen Columba mit Sitz in Berlin-Kreuzberg und München zum Beispiel. Bis zu knapp 250 führende Online-Anbieter - vom Internethändler über soziale Netzwerke bis zum Wettanbieter - werden gecheckt, bei denen der Verstorbene möglicherweise noch ein Konto, Abo oder Guthaben hat. Und es werden Mitgliedschaften oder Verträge gekündigt oder übertragen und Vermögen dem rechtmäßigen Erben zugeführt, heißt es etwa in dem Flyer eines Neuköllner Bestatters, der das sogenannte "Online-Schutzpaket für das digitale Erbe" von Columba für 249 Euro anbietet.

Ich aber will jetzt schon in Aktion treten und mache mich darum selbst bei Columba schlau: Im FAQ-Bereich des Anbieters werde ich fündig. Auf die Frage "Kann ich das Online-Schutzpaket auch für mich selbst abschließen?" heißt es, einige Bestatter böten das als Nachsorgedienstleistung gedachte Paket auch "im Rahmen der Vorsorge" an. Als ich telefonisch bei Columba nachhake, weiß der freundliche Mitarbeiter im Kundendienst aber keinen Bestatter, der mir hier helfen könnte.

Passwörter für Erben bereithalten

Im Netz stoße ich auch auf das Angebot einer Internetplattform mit Sitz in München. Für jährlich rund 70 Euro kann ich auf der Internetplattform mein Testament, eine Patientenverfügung, all meine Passwörter und Wünsche für die Regelung meines Vermächtnisses, insbesondere des digitalen, hinterlegen. Hierzu muss ich allerdings erst noch - ja wirklich - einen neuen Account anlegen.

Für den Dienst ist eine Menge Vertrauen notwendig, denn im Grunde verdient hier jemand Geld damit, dass ich meine Daten online hinterlege, statt meine Passwörter in ein Notizbuch zu schreiben, das ich wahlweise dem Notar zur Aufbewahrung gebe oder unter dem Kopfkissen aufbewahre.

Ich entdecke das Blog "Was passiert, wenn's passiert – Ratgeber und Vorsorge für den digitalen Nachlass" von Studenten der österreichischen Donau-Universität Krems. Die Autoren haben neben ausführlichen Beschreibungen für die Regelung des digitalen Erbes auf den Seiten vieler Internetanbieter eine hilfreiche Checkliste für den digitalen Nachlass erstellt:

-  E-Mail-Accounts
-  Online-Banking
-  Soziale Medien
-  Messenger
-  Foto-Video-Sharing
-  Online-Shopping
-  Entertainment
-  Cloud-Dienste
-  Blogs

Ich bin ob der Fülle der Anbieter, die mir hierzu einfallen, entsetzt und beschließe, mich langsam heranzutasten. Was nutze ich am meisten, frage ich mich.  Am wichtigsten sind wohl meine E-Mails.

Nimm dir meine Google-Daten

Bei Google muss ich vor allem weit scrollen, um die entsprechenden Einstellungen zu finden. Bei den Kontoeinstellungen unter "Persönliche Daten und Privatsphäre" habe ich die Möglichkeit, festzulegen, wer sich im Falle einer "Kontoinaktivität" um meinen Account kümmert. Ich lege dazu fest, ab wann mein Konto als inaktiv gelten soll. Erst wenn ich den Zeitraum festgelegt habe, kann ich bestimmen, wer dann benachrichtigt werden soll, und welche Art von Zugriff diese Person auf meine Daten bekommt. Ich kann auch eine persönliche Nachricht hinzufügen. Wenn ich mit dieser Person Daten teilen will, muss ich vorher auswählen, welche.

Der Google-Nachlass-Verwalter hat dann, drei Monate nachdem das Konto inaktiv wird, Zugriff auf Fotos, Kontakte, E-Mails  oder meine YouTube-Videos. Ich kann Google auch einfach sagen, dass mein inaktives Konto mit allen Inhalten nach den drei Monaten gelöscht werden soll – das gilt übrigens auch für öffentlich geteilte Beiträge und Blogs.

Löschung des Google Accounts (Quelle: google.com)
Bild: google.com

Seltsam, sich vorzustellen, dass all meine Kommunikation dann ausgelöscht sein wird.

Sag' Facebook, dass ich tot bin

Bei Facebook kann ich, vorausgesetzt, ich bin über 18 Jahre alt, auch schon jetzt bestimmen, dass das Konto nach meinem Ableben gelöscht wird, oder ich kann eine Person als sogenannten Nachlasskontakt auswählen. Dieser Kontakt kann nur eine Person sein, die ebenfalls ein Konto bei Facebook hat und mit mir befreundet ist. Den Nachlasskontakt oder die Löschung auszuwählen, ist ziemlich simpel: Über die Einstellungen wähle ich "Allgemein" aus, und klicke "Konto verwalten" an.

Nachlasskontakt bei facebook (Quelle: facebook.com)
Bild: facebook.com

Der Nachlasskontakt verwaltet mein Konto erst ab dem Zeitpunkt, wenn es im sogenannten Gedenkzustand ist. In diesen Gedenkzustand wird es dann versetzt, wenn Facebook von meinem Tod erfährt. Jemand muss also aktiv von meinem Facebook-Konto wissen und mitteilen, dass ich gestorben bin. Was der Nachlasskontakt dann machen kann, hängt auch von meinen Einstellungen zu Lebzeiten ab. Er kann beispielsweise keinen fixierten Beitrag in meiner Chronik posten, wenn ich zuvor festgelegt hatte, dass nur ich in meiner Chronik posten darf. Er kann ansonsten Freundschaftsanfragen beantworten, das Profilbild ändern und das Löschen des Kontos anfordern.

Meine Beiträge ändern oder Freunde entfernen kann er oder sie nicht, ebenso wenig Nachrichten lesen.

Zuletzt sorgte hierzu auch ein Prozess für viel Beachtung und breite Debatten: Eine Mutter wollte die Facebook-Nachrichten ihrer verstorbenen 14-jährigen Tochter einsehen, um Aufschluss über ihren Tod zu erhalten. Das Passwort dafür hatte die Mutter, der Account  aber war bereits im "Gedenkzustand", weshalb sich die Mutter dort nicht einloggen konnte. Laut Urteil des Berliner Kammergerichtes konnte Facebook auch nicht gezwungen werden, die Chat-Protokolle herauszugeben.

Das analoge Leben und Sterben scheint da einfacher. Briefe und schriftliche Kommunikation dürfen von den Erben eingesehen werden, es wäre auch absurd, sich vorzustellen, wie sich die Post zum Beispiel hier einmischen würde und verschickte Briefe wieder in Beschlag nimmt, um des Datenschutzes willen.

Über das digitale Vermächtnis nachdenken

Die Stiftung Warentest hat vor einiger Zeit einmal ein Fallbeispiel geschildert und beschrieben, wie Paula den digitalen Nachlass ihres verstorbenen Ehemannes Paul regelt.

Wochenlang hat sie damit verbracht. Um Pauls Twitter-Account zu löschen oder Paypal-Guthaben ausgezahlt zu bekommen, musste sie Sterbeurkunde, Ausweis und Erbschein vorlegen. Anbieter wie eBay oder Amazon schickten Antworten auf Löschanfragen von Paula an die E-Mail-Adresse von Paul. Auf die E-Mail-Konten zuzugreifen, war offenbar bei GMX und Web.de möglich, bei Yahoo allerdings war nur eine Löschung drin.

Mit Antworten zu meinen Nachfragen waren bis auf Facebook alle angefragten Onlinedienste zu langsam, um sie noch in diesen Text einfließen zu lassen. Gerne hätte ich auch zum Beispiel für das Business-Netzwerk Xing erfahren, ob ich schon heute festlegen kann, was im Falle des Falles mit meinem Profil passieren soll. Einig sind sich allerdings alle Ratgeber im Netz: Zu Lebzeiten über das digitale Vermächtnis nachzudenken, hilft den Angehörigen im Fall des Falles in einer ohnehin schweren Zeit.

Sendung: Inforadio, 26.11.2017, 12.44 Uhr (Stiller Tag, der Totensonntag)

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Danke, dass Sie das Thema behandelt haben. Eine kleine Anmerkung zu Diensten, die sich um den digitalen Nachlass kümmern. Zitat: "Für den Dienst ist eine Menge Vertrauen notwendig ... dass ich meine Daten online hinterlege." Dass jemand für einen Service bezahlt wird, ist selbstverständlich. Die Krux liegt meiner Meinung nach wo anders: Was, wenn der Dienstleister pleite geht? Was, wenn dessen Server gehackt wird?
    Ich hatte mich auch an einen Service in München gewandt, weil ich einfach keine Zeit habe, alles so zu notieren, dass meine Erben nach meinen Wünschen handeln, wenn ich morgen tot bin. Der entscheidende Unterschied: Die Daten bleiben bei mir! Ich bestimme, wem ich sie aushändige und in welcher Form - auch dazu erhielt ich fundierten Rat. War nicht billig, kann ich aber nur jedem anraten! Denn ich kenne den Aufwand, den man hat, wenn man als Erbe keinerlei Infos zu den Zugangsdaten des Toten hat.

  2. 3.

    Statt einer Firma die Daten, für teuer Geld, zu Übergeben, wäre es sinnvoller eine lokale Lösung zu haben. Stift und Zettel sind ein bisschen aus der Mode gekommen. Hier bietet www.somnity.de eine gute Lösung an, mit der man sich selbst um alles kümmern kann.

  3. 2.

    Habe vor einem Jahr meine Vorsorge über den digitalen Nachlass bei einer Münchner Firma „Digitales Erbe Fimberger“ abgeschlossen. Hier konnte ich eine 28 Seitigee sehr professionelle Vorsorgevollmacht über den digitalen Nachlass downloaden. Das Papier ist rechtskonform erstellt und es fehlt wirklich an nichts. Die Firma ist schon seit 5 Jahren am Markt und scheint mir sehr viel Erfahrung laut Ihrem Unternehmerblog zu haben. Fühle mich sehr wohl, diesen wichtigen Baustein erledigt zu haben. Und das für 9,99 EUR. Nur zu empfehlen.

  4. 1.

    Hierzu kann u.will ich nur meinen,wer alleine steht im Leben,keinen Anhang hat,ist hier im Vorteil: was nach dem Tod passiert,ist mir dann echt egal.Das Internet erst recht.Wer aber,wie es ja sehr viele Menschen tun,alles nur noch ü.sein PC erledigt,Familie hat,sollte sich tatsächlich damit befassen.Denke sowas läßt sich auch ins Testament mit Einfügen(Liste erstellen).

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