Ein Mann hetzt am 19.12.2017 in Schöneberg gegen einen israelischen Restaurantbesitzer (Quelle: Screenshot Facebookseite Johanna Tabea Krause)
Video: Abendschau | 21.12.2017 |Kerstin Breinig | Bild: Facebook / Johanna Tabea Krause

Video schlägt Wellen im Netz - Antisemit pöbelt vor israelischem Lokal in Schöneberg

Mit diesem Video werden Meldungen von antisemitischen Übergriffen sehr plastisch: Ein 60-Jähriger pöbelt den Betreiber eines israelischen Restaurants in Schöneberg an, eine Freundin filmt den Vorfall. In den sozialen Medien ist die Resonanz auf das Video enorm.

Eine Freundin des Gastronomen Yorai Feinberg, der in Berlin-Schöneberg das israelische Restaurant Feinberg betreibt, hat ein verstörendes Handyvideo einer antisemitischen Pöbelei veröffentlicht - und damit eine große Resonanz in den sozialen Medien erzeugt. Der 36-Jährige steht am Dienstagnachmittag für eine Raucherpause zusammen mit der Freundin vor seinem Lokal, als sich ein 60-Jähriger Mann nähert. Als er einen siebenarmigen Leuchter im Schaufenster des Restaurants sieht, fängt er an loszubrüllen und die beiden antisemitisch zu beschimpfen.

Die Freundin entschließt sich, den Vorfall zu filmen. Später veröffentlichte sie das Video auf ihrer Facebook-Seite, es wurde bislang rund 3.000-mal geteilt und über 400.000 mal abgerufen. Auf dem Video ist ein Mann zu sehen, der offensichtlich keine Scheu hat, seinen Judenhass rund sechs Minuten lang vor laufender Kamera auszuleben.

"Geh zurück nach Palästina"

Der Mann ruft unter anderem: "Ihr führt siebzig Jahre Krieg gegen Palästinenser und wollt euch hier installieren." Er fordert Feinberg auf:  "Geh zurück nach Palästina" und steigert sich schließlich in die Aussage: "Was wollt ihr nach 45 hier? Sechs Millionen wurden umgebracht". Feinberg wehrt sich gegen die Anfeindungen, bleibt dabei aber besonnen und weitgehend ruhig. Als der 60-Jährige droht: "Du kriegst deine Rechnung, in fünf oder zehn Jahren kriegst du deine Rechnung", winkt der Gastronom einen zufällig vorbeifahrenden Polizeiwagen herbei.

Die Beamten bitten die Begleiterin Feinbergs, die Aufnahme zu stoppen. Anschließend nehmen sie den Mann vorläufig fest und legen ihm Handschellen an. Dabei beleidigt er die Beamten und wird aggressiv, das bestätigte die Pressestelle der Polizei.

"Der Mann fühlte sich völlig sicher"

Der 60-Jährige wird zu einer Gefangenensammelstelle gebracht, die Beamten nehmen seine Personalien auf und nehmen ihm Blut ab, um zu klären, ob er alkoholisiert war oder unter anderen Drogen stand. "Das Ergebnis der Untersuchung wird erst in ein paar Tagen feststehen", sagt ein Polizeisprecherin auf Anfrage von rbb|24. Der Staatsschutz ermittelt nun unter anderem wegen Volksverhetzung. Der 60-Jährige ist bei der Polizei kein Unbekannter, sei aber bislang nicht wegen derartiger Delikte aufgefallen.

"Deutschland nimmt keine gute Entwicklung", sagte der Restaurantchef dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nach dem Vorfall. "Es wird immer weniger gegen Antisemiten vorgegangen. Immer mehr gilt als legitime Israel-Kritik." Sein Lokal bekomme monatlich im Durchschnitt zwei Hassmails. "Und dann passiert so etwas. Der Mann fühlte sich völlig sicher."

Mehrere Drohanrufe zwei Tage nach dem Vorfall

Er sei traurig über den Vorfall, sagte Restaurantbesitzer Yorai Feinberg im Gespräch mit dem rbb am Donnerstag. Der Mann sei kein Einzelfall. Sieben bis acht Anrufe habe er mit ähnlichen Aussagen am Donnerstag erhalten, einen Tag nach der Veröffentlichung des Videos. Außerdem hätten ihn ein Mann beschimpft und drei junge Männer, die er als "arabische Jungen" bezeichnete, Böller auf das Restaurant geworfen.

Gleichzeitig habe Feinberg aber auch mehrere hundert solidarische E-Mails erhalten, viele Berliner seien mit Geschenken wie Blumen und Schokolade vorbeigekommen. "Wir haben Gänsehaut bekommen", sagte er.

Der jüdische Restaurantbesitzer Yorai Feinberg (l) begrüsst den israelischen Botschafter in Berlin, Jeremy Issacharoff, am 21.12.2017 vor Feinbergs Restaurant in Berlin-Schöneberg. (Quelle: Jörg Carstensen / dpa)Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff (rechts) gratuliert dem jüdischen Restaurantbesitzer Yorai Feinberg zu seinem Mut.

Israelischer Botschafter lobt Feinberg für seine besonnene Reaktion

Unter den Solidaritäts-Besuchern am Donnerstag war auch der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff. Dabei forderte er klare Haltung: "Es ist wichtig, dass man angesichts solcher Vorfälle sofort handelt und null Toleranz zeigt", sagte Issacharoff. Er lobte Feinberg für seine besonnene Reaktion, dieser habe großen Mut an den Tag gelegt. Auch Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) war bei dem Besuch dabei und verurteilte die Tat.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zeigte sich erschüttert. "Diese abscheuliche Attacke macht erneut deutlich, dass Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und mittlerweile offen und unverblümt artikuliert wird", sagte Schuster am Donnerstag der "Jüdischen Allgemeinen". "In der jüdischen Gemeinschaft besteht die
Sorge, dass Antisemitismus zu einer echten Bedrohung für jüdisches Leben in Deutschland werden könnte."

Justizminister Heiko Maas (SPD) sprach auf Twitter von einem "völlig unfassbaren und unentschuldbare Vorfall".  Weiter schrieb Maas: "Wir alle müssen uns antisemitischer Hetze engagiert und mutig entgegenstellen. Den Brandstiftern dürfen wir nie das Feld überlassen. Denn erst kommen die Worte, dann die Taten."

Auch Facebook meldete sich zu Wort. Das Online-Netzwerk hatte das Video des Übergriffs zeitweise entfernt, dies sei ein Fehler gewesen. "Wir wissen, dass es frustrierend sein kann, wenn solch ein Fehler passiert und entschuldigen uns hiermit dafür", sagte eine Sprecherin. Sie verwies darauf, dass jede Woche hunderttausende Meldungen bearbeitet würden.

Kommentar

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130 Kommentare

  1. 129.

    Lieber Herr Ranneberg.
    Hier ein kl.Nachtrag.Ich bin nicht nur erbost u.verärgert ü.so haltlose Kommentare hier im Forum,sondern echt verärgert,was da so an Antisemitismus breitgetreten wird.Bes.unterschwellig.Gut,Dumpfbacken findet man überall auf der Welt.Dieser Mann um dem es hier geht im Bericht,ist in meinen Augen verwirrt u.hat eine Rechte Gesinnung.Aber die echt Brandgefährlichen Rechten sind Leute mit Slips u.Kragen.Der Rechte Mob macht nur die Drecksarbeit.Glatzköppe u.Konsorten.Dieser Typ im Bericht ist fast schon zu bemitleiden,denn er merkt wohl nicht was er da öffentlich kundtut.Diesen Eindruck habe ich zumindest.

  2. 128.

    Nicht Provozieren lassen.Sie haben alles richtig gemacht und nur zur Information,ich bezweifle das es sich hier um einen echten Post handelt.Das Rechte Gesockse treibt gerne seine Spielchen und hat ihren Spaß daran.

  3. 127.

    Ich verstehe offengestanden nicht, worauf Sie hinauswollen.

    Ich zitierte in meinem Post die Foristin, auf die ich antwortete. Meiner Wahrnehmung nach äußerte sie sich eindeutig antisemitisch.

    Denken Sie vielleicht, das wären meine Worte gewesen?

  4. 125.

    mal angenommen es wäre so, wäre das ein problem für Sie? Ich empfinde es eher als schade dass man jemandem nur weil er ein "Jude" ein "Muslim" oder etwas anderes ist, dann als was wertloseres oder "anderes" betrachtet.

    Ein kleiner Tipp: Es ist Weihnachten, wie wärs mit ein bischen Nächstenliebe?

    Frohe Weihnachten und angenehme Feiertage (von einem bekennenden Muslim!)

  5. 124.

    Diesem Vorschlag kann ich mich nur anschließen. -

    Allen Friedfertigen in dieser Stadt - einschließlich der rbb24-Redaktion - fröhliche Jahresendfeiern.

  6. 123.

    Nicht nur den Beitrag, den gesamten thread sollte man als Rahmenlehrplan im Geschichtsunterricht abhandeln, mit anschließender Diskussion was und wie sich Fremdenhass, Rassismus/Antisemitismus und das Leugnen desselben im Alltag darstellt.

    Einige Beiträge bestimmter Kommentatoren hier sind Paradebeispiele dafür!

  7. 122.

    zu a): Es ist aber nichts Gewöhnliches, Normales, Unauffälliges daran, antisemitisch zu pöbeln, zu bedrohen und teils handgreiflich zu werden. Sie verharmlosen Antisemitismus.

    zu b): Wenn Vandalismus auf Friedhöfen stattfindet, ist das gleichermaßen entwürdigend. Nur macht es sehr wohl einen Unterschied, ob dabei aus etwa rassistischen oder antisemitischen Gründen vandaliert wird: gezielte und nicht willkürliche Angriffe auf Gräber bestimmter Bevölkerungsgruppen.

    Dass Sie von "pro-semitischer" (sic) Berichterstattung und "jüdischer Unterwanderung" reden, belegt, dass Sie selbst antisemitisch sind, an solche Verschwörungstheorien glaubend.

    zu c): Das Restaurant IST privat und die Ausstattung geht Sie daher nichts an, solange z.B. keine Swastika dabei ist... Es gibt kein "deutsch" vs. "jüdisch". Einen Zusammenhang zu Nationalität oder Kultur zu konstruieren, ist absurd.

    Solidarität mit Jüdinnen und Juden - für immer! Ausgrenzungen wie hier öffentlich thematisieren!

  8. 119.

    >> Die eigentlichen Judenhasser sind die neu eingewanderten Muslime und um das zu vertuschen werden jetzt wir Deutschen unter Generalverdacht gestellt. Ich bin jetzt 73 Jahre und habe die ganzen Jahrzehnte keinen wachsenden Antisemitismus bemerkt auch nicht in den Medien??! Warum jetzt plötzlich? Lächerlich!<<

    Niemand stellt mich unter Generalverdacht.

    Ich bin zwölf Jahre jünger als Sie, kann mich aber nicht erinnern, eine Synagoge in Deutschland jemals ohne polizeiliche Bewachung gesehen zu haben.

    Alles wegen der "neu Eingewanderten", damals schon, vor 45 Jahren?

    Kann es vielleicht sein, daß Sie nicht sehen wollen und es auch nie wollten, jetzt aber froh sind, einen Sündenbock präsentieren zu können?

  9. 118.

    >>Alle 2, 3 Tage wird uns vom rbb irgendein jüdisches Thema präsentiert - sind Sie jüdisch unterwandert?
    c) Das Restaurant hatte ziemlich viel jüdische Dekoration (Davidstern, 7-armiger Leuchter usw., was ja an sich - privat!- in Ordnung ist; bloß: in der Öffentlichkeit? Was würde die Öffentlichkei/Welt sagen, wenn deutsche Restaurants ähnlich voll mit deutschen Symbolen und explizit deutscher Dekoration eingerichtet wären? <<

    Mich würde interessieren, was Sie als "explizit deutsche Dekoration" betrachten.

    Ich fürchte, es handelt sich nicht um Gartenzwerge.

    Ansonsten erinnert mich ihr Kommentar an die schwulenfeindlichen Kommentare in den entsprechenden Threads, wo uns vorgeworfen wird, wir wären zu öffentlich sichtbar.

    Die Frage, ob der RBB jüdisch unterwandert sei, ist dann das Sahnehäubchen.

  10. 117.

    Was haben Sie denn so eingenommen?! Weil ein israelisches Restaurant mit jüdischer Deko ausgestaltet ist, ist der Inhaber selber schuld, dass er angegangen wird, oder wie? Dürfen indische oder chinesische Restaurants jetzt auch keine Deko mehr zeigen? Müssen Landgasthöfe ihren ganzen Kitsch wegräumen (okay, für's Auge wär das manchmal sinnvoll)?
    Es gibt keinen Grund, jemanden als Juden antisemitsch anzugehen. Punkt!
    Wenn man ein Problem mit der israelischen Politik hat, möge man gern dem Botschafter schreiben. Man darf auch gerne demonstrieren, aber ohne Flaggenverbrennungen und judenfeindliche Ausrufe.

  11. 116.

    Liebe Lotte, auch schöne Weihnachten... und für konstruktive Kritik sind wir immer empfänglich und dankbar.

  12. 115.

    Ziemlich übertrieben diese Bermerkung v.@Der Zuschauer
    Ich wünsche dem gesamten rbb24 Team u.der Redaktion ein besinnliches und hoffentlich etwas geruhsames Weihnachtsfest.

  13. 114.

    Lieber Zuschauer, natürlich. Sie haben Recht. Bei den ganzen Kommentaren verschiedenster Qualitäten kann da auch bei uns im Kopf mal kurz das Partizip durcheinanderkommen. Frohe Weinachten !

  14. 113.

    Das jüdische Friedhöfe geschändet werden u.das nicht nur einmal,ist hinlänglich bekannt.Wer das zu verantworten hat ist auch jedem vernünftig denkendem Menschen klar.Dem Restaurantbesitzer Herrn Feinberg aber nun vorzuhalten er solle sein Lokal nicht so offensichtlich mit Jüdischen Symbolen ausstaffieren ist einfach lächerlich u.dumm.Im übrigen bleibe ich bei meiner Vermutung um diesen pöbelnden Mann,das es sich hier um einen geistig irregeleiteten Menschen handelt,der sich vermutlich Luft verschaffen wollte.Da war ihm dieses Lokal gerade recht.Hätte dieser vor einem muslimischen Lokal gepöbelt,sähe d.Angelegenheit viel schlimmer aus.

  15. 111.

    Der Unterschied liegt vielleicht darin, dass Sie sich als Musiker eben genau dieses Unterschiedes bewusst sind, wann Sie in die Öffentlichkeit treten und wann Sie Ihre Ansichten lediglich privat vertreten.
    Viele andere Menschen verstehen das leider nicht.

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