Sintflutartige Regenfälle überschwemmten Ende Juni 2017 die Straßen in Berlin, hier an der Bundesallee. (Quelle: imago/Marius Schwarz)
Bild: imago/Marius Schwarz

So war das Wetter 2017 - Zu warm, zu windig und vor allem zu nass

Berlin-Tegel hat nach Daten des Deutschen Wetterdienstes den Regenrekord aufgestellt, gleichzeitig war es im Durchschnitt nirgendwo wärmer als in der Hauptstadt. Die Extrema sind typisch für 2017 – das spürten auch die Brandenburger immer wieder.

Das Wetter 2017? Es war vor allem extrem: Frost im Frühjahr, sintflutartige Regenfälle im Sommer und immer wieder schwere Orkane haben das Wetter in diesem Jahr geprägt, das zeigt die am Freitag veröffentlichte Jahresbilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Ausgewertet wurden Daten von rund 2.000 Messstationen des Deutschen Wetterdienstes, davon 24 in Brandenburg und sieben in Berlin. Die Behörde ist der nationale metereologische Dienst Deutschlands.

Eines der acht wärmsten Jahre überhaupt

Wie schon in den Vorjahren, wurden auch 2017 wieder neue Wärmerekorde erzielt. Mit durchschnittlich 9,6 Grad von Januar bis Dezember habe die Temperatur 1,4 Grad über dem langjährigen Mittel gelegen, schreibt der DWD. Damit zählt 2017 zu den acht wärmsten Jahren seit Beginn der regelmäßigen Messungen im Jahr 1881. Dabei war der März der wärmste, der überhaupt jemals gemessen wurde.  

Doch es war nicht nur zu warm - es war auch zu windig und vor allem zu nass. Mit durchschnittlich rund 850 Litern pro Quadratmeter (ganz Deutschland) übertraf das Jahr sein Soll um acht Prozent. In Berlin bekamen das die Menschen besonders deutlich zu spüren.

200 Liter Regen - an einem einzigen Tag

Dabei stellte der Berliner Ortsteil Tegel einen bundesweiten Rekord auf, denn nirgendwo kam nach den Daten des DWD mehr Wasser innerhalb von 24 Stunden vom Himmel als in Tegel. Am 29. Juni, dem Tag, an dem die gesamte Region mit sintflutartigen Regenfällen zu kämpfen hatte, wurden in Tegel 196,9 Liter pro Quadratmeter gemessen, ein schier unglaublicher Wert – und fast ein Viertel der gesamten Jahresmenge (bis zu diesem Donnerstag waren es 831,8 Liter). Insgesamt war es laut DWD in keinem Sommer in Berlin seit Beginn der Aufzeichnungen noch nasser als 2017.

Noch mehr Regen als in Tegel registrierte der Wetterdienst Meteogroup im brandenburgischen Oranienburg (Oberhavel). An seiner Wetterstation Oranienburg-Lehnitz wurden sogar 260,6 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden gemessen. Meteogroup sprach von einem "Jahrhundertereignis". Besonders die Gemeinde Legebruch war betroffen. Der DWD registrierte die Regenfälle in Oranienburg nicht, da er dort keine Wetterstation hat. Die nächsten Stationen des DWD sind Berlin-Tegel und Zehdenick.

Zeichen des Klimawandels auch in Berlin und Brandenburg

Auch in Brandenburg hat es 2017 deutlich mehr geregnet als in den vergangenen Jahren. Laut DWD sind durchschnittlich knapp 710 Liter pro Quadratmeter gefallen, trotzdem liegt die Mark damit auf dem vorletzten Platz aller 16 Bundesländer - vor Sachsen-Anhalt mit knapp 630 Litern.

Dabei liegen die Niederschlagsmengen genau wie die Jahresdurchnittstemperaturen deutlich über den Werten der 30 Jahre umfassenden Referenzperiode von 1961 bis 1990. In diesem Zeitraum fielen beispielsweise in Brandenburg durschnittlich nur 557 Liter Regen pro Quadratmeter, 153 Liter weniger als in diesem Jahr - es ist also insgesamt deutlich feuchter geworden als früher. Auch darin sehen führende Klimaforscher ein Zeichen für den fortschreitenden Klimawandel.

Minusgrade lassen weite Teile der Obsternte erfrieren

Insgesamt habe sich 2017 vor allem durch Unbeständigkeit und Wetterextreme ausgezeichnet, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Die Orkane "Xavier" und "Herwart" waren Beispiele dafür, aber auch das Sturmtief "Axel", bei dem im Oktober in Brandenburg fünf Menschen ums Leben kamen. Im November richtete ein Tornado in der Prignitz große Schäden an.

Auch unter den plötzlich wiederkehrenden Minusgraden im April hatte die Region zu leiden, denn in weiten Teilen Deutschlands, auch in den Obstbau-Gebieten in Brandenburg, führte der Frühjahrsfrost dazu, dass weite Teile der Ernte komplett erfroren.

Später im Jahr dagegen wurde es mächtig heiß. Wärmster Tag in Berlin war der 30. Juli, als das Thermometer auf 32,9 Grad stieg, gemessen am Kaniswall in Treptow-Köpenick. Noch etwas heißer war es an diesem Tag im Oderbruch: In Manschnow (Märkisch-Oderland) wurden 33,9 Grad gemessen. Zum Vergleich: Die bundesweit höchste Temperatur wurde auf dem Petrisberg in Rheinland-Pfalz gemessen. Dort zeigte das Thermometer am 22. Juni 37,2 Grad.

Im Durchschnitt war es in Berlin am wärmsten

Geht es allerdings um Jahres-Durschnittswerte, war es nirgendwo in Deutschland so warm wie in Berlin. Die Hauptstadt liegt in der Liste der 16 Bundesländer mit durchschnittlich 10,4 Grad und 1.590 Sonnenstunden auf Platz 1. Auch in Brandenburg war es mit durchschnittlich 10,0 Grad und 1.615 Stunden Sonnenschein nicht wesentlich kühler. Bereits im Sommer hatte sich abgezeichnet, dass auch 2017 ein überdurchschnittlich warmes Jahr in Berlin und Brandenburg werden würde.

So nass war der Sommer: Impressionen vom Starkregen

Übergelaufene Straße in Berlin-Wilmersdorf (Quelle: Markus Jäckel)
Markus Jäckel/Facebook

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hallo PM, Ihr Eindruck stimmt: In Berlin war es zwar im Vergleich zu den anderen Bundesländern mit durchschnittlich 10,4 Grad am wärmsten, aber es gab nur gut 1.590 Stunden Sonne. In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt 1.635 Stunden. Das sonnigste Bundesland war 2017 laut Deutschem Wetterdienst Baden-Württemberg mit 1.805 Sonnenstunden.

  2. 1.

    Habe ich was überlesen oder fehlen die Sonnenstunden?

    Es kann ja mal regnen, auch öfters. Und stürmen. Aber was besonders unangenehm auffiel dieses Jahr war, dass es dazwischen nicht sonnig wurde. Nie. Gefühlt.

    Den "Deckel auf Berlin" kenne ich noch aus Zeiten des Trabbis und der Kohlenöfen - Inversionswetterlage, ganzer Dezember trüb. Wenn aber das ganze Jahr so ist wie Dezember 85, dann geht einem das schon ziemlich aufn Wecker...

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