Nach dem Überfall auf das KaDeWe steht ein Polizeiauto vor dem Haupteingang (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 18.12.2017 | Ole Hilgert | Bild: dpa

Haft für Clan-Chef wegen KaDeWe-Überfall - Der Familienpatriarch schweigt, als sein Urteil fällt

Der Patriarch einer türkisch-arabischen Großfamilie muss knapp sieben Jahre ins Gefängnis. Neben der Anstiftung zu einem Mordauftrag war der 57-Jährige nach Überzeugung der Richter in den Überfall des KaDeWe im Dezember 2014 verwickelt. Von Ulf Morling

Mit anthrazitfarbenen Anzug, Weste und Pulli sitzt Zaki A. in der schusssicheren Box im Saal 500 des Landgerichts Berlin. Er schweigt, als sein Urteil fällt: sechs Jahre und elf Monate für die versuchte Anstiftung zum Mord eines Mannes und die Beihilfe zum Raub im KaDeWe am
20. Dezember 2014.

Am letzten Prozesstag hatte der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt: Nach dem KaDeWe-Überfall seien die Täter (unter anderem zwei seiner Söhne) überraschend in seiner Neuköllner Wohnung mit der Beute aufgetaucht - mit Schmuck und Uhren für 817.000 Euro. Auch von dem Mordauftrag habe er gewusst und die Auszahlung des Kopfgeldes an die Täter übernommen.

Die Räuber vom KaDeWe-Überfall 2014 in der Videoüberwachungskamera (Quelle: KaDeWe)
Das Bild der Überwachungskamera vom KaDeWe-Überfall | Bild: KaDeWe

Dreister Coup, Beute fehlt bis heute

Es ist der letzte Samstag vor Weihnachten 2014: Mit einem schwarzen Audi A4 fahren die Räuber am Seiteneingang des KaDeWe in der Ansbacher Straße auf den Bürgersteig. Fünf Schwarzmaskierte springen aus dem Auto, stürmen mit Macheten und Äxten in das Edelkaufhaus in Charlottenburg. Auf den Verkaufsflächen von Chopard und Rolex zücken sie Reizgas-Spray und sprühen wild um sich. 13 Menschen müssen später ärztlich behandelt werden.

Die Maskierten zertrümmern Vitrinen und packen 15 Rolex-Uhren ein - die Beute mehr als eine Viertelmillion Euro wert. Bei Chopard zerschlagen sie drei Vitrinen und rauben Ohrclips, Ohrringe, ein Collier und eine Uhr im Gesamtwert von mehr als einer halben Million Euro. Anschließend rennen die Täter zum Ausgang, steigen ins Fluchtauto und rasen unerkannt davon. 79 Sekunden dauert der Überfall. Die fünf Täter werden später gefasst, aber die Beute bleibt, bis auf ein beschädigtes Collier, bis heute verschwunden.

Drei Prozesse, vier Urteile

Der Prozess gegen Familienpatriarch Zaki A. ist der dritte gegen mögliche Beteiligte des KaDeWe-Überfalls. Bereits im Mai 2016 war der mutmaßliche Drahtzieher des Coups, ein 30-jähriger Sohn Zaki A.s nach einem späten Geständnis im Prozess zu sechs Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht bezeichnete Jehad A. im Urteil als die "treibende Kraft" des Überfalls. Ein weiterer 20-jähriger Sohn des Familienpatriarchen wurde zu zwei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe kurz darauf verurteilt. Ein dritter mutmaßlicher Komplize muss drei Jahre ins Jugendgefängnis. Einer der mutmaßlichen Mittäter wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Das Handout der Polizei Berlin vom 06.07.2016 zeigt ein aus dem Überfall auf das Kaufhaus KaDeWe in Berlin stammendes Collier (Quelle: Polizei Berlin)..
Das einzig wieder aufgetauchte Diebesgut: ein Collier. | Bild: Polizei Berlin

Der Mann mit der Machete

Einer der fünf Haupttäter des Überfalls auf das KaDeWe steht derzeit aber immer noch vor dem Landgericht: "Ich war der Mann mit der Machete", hatte er sich vorgestellt, als er sich der Polizei 2016 in Begleitung seines Anwalts stellte.

Ali H. (43) war ein guter Freund der Familie A. gewesen, doch jetzt hatte er auspacken wollen: Familienpatriarch A. habe ihm und einem Komplizen einen Mordauftrag vermittelt: 150.000 Euro Kopfgeld habe er für die Tötung eines Mannes erhalten sollen. Doch "nur" drei Schüsse in die Beine des Opfers, das sich in die falsche Frau verliebt hätte, seien erfolgt. Man habe den Killerlohn zwar kassieren, aber keinen Mord auf dem Gewissen haben wollen.

Zum KaDeWe-Überfall gab der "Mann mit der Machete" ebenfalls wichtige Hinweise: Neben der eigenen Tatbeteiligung belastete er mutmaßliche Mittäter für die Ermittler glaubhaft - u.a. den Cousin des mutmaßlichen Drahtziehers des KaDeWe-Überfalls. Da dieser jedoch bereits rechtskräftig freigesprochen war, kann kein Prozess mehr gegen ihn geführt werden.

"Eher geringer Tatbeitrag"

Zog das jetzt verurteilte Familienoberhaupt Zaki A. als graue Eminenz jahrelang in hochkriminellen Strukturen die Fäden? Das Gericht hält den bisher nicht bestraften Familienpatriarchen im Urteil für "vermutlich überschätzt". Das Gericht nimmt an, dass er zwar von dem KaDeWe-Überfall wusste, bezweifelt jedoch, ob er die Teilnahme seiner Söhne angeordnet habe. Einen "eher geringen Tatbeitrag" rechne man ihm zu.

Außerdem wurde für den 57-Jährigen sein relativ hohes Alter und sein Teilgeständnis mildernd angerechnet. Er habe zugegeben, ein Beutestück aus dem Überfall, eine Uhr, für 8.000 Euro weiter verkauft zu haben.

Der "Mann mit der Machete", Ali H., hatte ausgesagt, dass Zaki A. die Hälfte des Erlöses aus dem KaDeWe-Raub gefordert habe. Doch das ließ sich im Prozess nicht objektiv beweisen. Das Urteil gegen den letzten mutmaßlichen Teilnehmer am Raubüberfall des KaDeWe Ali H. wird möglicherweise bis Ende Februar 2018 gesprochen.

Beitrag von Ulf Morling

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Bei der Kohle die die gemacht haben sind die paar Jahre doch ein Klacks. Wenn die rauskommen werden die erstmal ne ordentliche Familien-Sause feiern. Und ordentlich lachen.

  2. 4.

    Da stimmt etwas nicht in ihre Bericht. Einerseits ist der "Mann mit der Machete" der Mann der auspackt und andererseits recht seine Aussage als Zeuge nicht, um zu beweisen, dass der Clan-Chef die hälfte der Beute kassiert hat. Die Gerichte mögen zwar wenig nachvollziehende Entscheidungen treffen, doch wenn sie so offensichtlich widersprüchlich wären, ist es Aufgabe des Journalismus nachzuhaken!

  3. 3.

    Für einen Straftäter,der bei der Urteilsverkündung ein Victoryzeichen in d.Kamera macht,ist eindeutig nicht mit einer Besserung zu rechnen.Somit liegen Sie mit Ihrer Beurteilung über diesem Kriminellen Typ gar nicht falsch.

  4. 2.

    "Außerdem wurde für den 57-Jährigen sein relativ hohes Alter und sein Teilgeständnis mildernd angerechnet."

    schon erstaunlich : kürzlich wurde eine über weit 80 jährige Holocaustleugnerin und ein über 90-jähriger wegen Mittäterschaft in Auschwitz zu Haftstrafen verurteilt, von relativ hohen Alter war da keine Rede , na ja, auf hoher See und vor Gott.... seltsame Justiz " im Namen des Volkes "

  5. 1.

    Ob er mit der Strafe geheilt ist bezweifel ich. Hier wären mindestens 10 Jahre Haft angemessen gewesen.

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