Berlin Kreuzberg Google-Campus Das ehemalige Umspannwerk in Berlin-Kreuzberg. Hier soll der Google-Campus einziehen. (Quelle: imago/Christian-Ditsch)
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Im Netz und auf der Straße in Kreuzberg - Protest gegen Campus: "Google ist kein guter Nachbar"

Der Google-Campus in Berlin-Kreuzberg wird nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen. Es gibt die Website "Fuck off Google", eine Ideensammlung, um Google zu vertreiben, und aktuell eine Videokundgebung mit Glühwein. Von Anke Fink

Beim Immobilienkauf zählt: Lage, Lage, Lage. Diese Binsenweisheit gilt natürlich auch für die großen Player. Deshalb ist die Entscheidung von Google, seinen insgesamt siebten Campus weltweit in Berlin ins hippe Kreuzberg zu legen, nachvollziehbar. Das ehemalige Umspannwerk an der Ohlauer Straße soll es sein.  

Der Kiez als Ressource für die Tech-Industrie

Auf 3.000-Quadratmeter können ab 2018 Start-ups und Entwickler in den Räumen arbeiten und werden von Google unterstützt. Erste Teileröffnungen soll es nach Medienberichten bereits noch im Dezember geben. Gründer sollen dort außerdem bei Themen wie Produktmanagement oder -design weitergebildet werden. Bei Google selbst sind nur eine Hand voll Leute angestellt. Der Rest ist selbständig. Diese Art von Talentschmiede gibt es auch schon in London, Madrid, Sao Paulo, Seoul, Tel Aviv und Warschau.

Protest lässt in Kreuzberg nie lange auf sich warten und formierte sich auch von Anfang an gegen den Campus. Jetzt, zum baldigen Eröffnungstermin, spitzt er sich allerdings noch einmal zu. Am Montag soll es eine "Video-Kundgebung mit Glühwein" in der Ohlauer Straße gegen Googles Ansiedlung geben. Wie es in der Veranstaltungsankündigung bei Facebook heißt, ist Google "kein unschuldiger Akteur, der nur durch Zufall nach Kreuzberg zieht".

Das Unternehmen habe sich das Umspannwerk ganz gezielt ausgesucht, weil der Kiez als Ressource für die Tech-Industrie entdeckt worden sei. Nach der Ausbeutung und Umgestaltung des liberalen San Franciscos sei nun das liberale Kreuzberg dran. Diese Entwicklung stehe gerade am Anfang, und sie werde all diejenigen treffen, die noch hier leben, aber diese Umgestaltung nicht mitmachen können oder wollen. "Darum protestieren wir gegen den Einzug von Google."

Organisiert wird der Protest von bekannten Initiativen im Bezirk, etwa "Bizim Kiez - Unser Kiez", "Gloreiche Nachbarschaft" oder "Lause bleibt".  

Gentrifizierung und Braindrain

Bereits im Frühjahr hatte Magnus Hengge von der Anwohnerinitiative "Bizim Kiez" dem rbb zur Google-Entscheidung gesagt: "Es wird also noch hipper für die mobile-verrückten und hemmungslos endsolidarisierten Disruptions-Jünger der New Economy, hier in Kreuzberg zu leben und zu arbeiten."

Der Protest gegen den Campus formiert sich aber auch auf der Website "Fuck off Google". Mit dieser Seite wollen die Gegner Google an ihrem Vorhaben hindern, sich in Kreuzberg anzusiedeln. Sie argumentieren, dass die Firma hinter der Suchmaschine die Gentrifizierung beschleunige, die Mieten in die Höhe treibe und für einen Braindrain Richtung USA sorge. Außerdem sei Google an der Massenüberwachung in den USA beteiligt, betreibe Steuerflucht, und zensiere, um auf dem chinesischen Markt zu dürfen.

In einem eigens eingerichteten Wiki, dass die Nutzer befüllen sollen, wird demnach Material gesammelt, um Google aus Kreuzberg zu vertreiben. Viel steht das allerdings noch nicht drin.

Beitrag von Anke Fink

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Antwort auf [Ergänzung] vom 13.12.2017 um 15:02
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3 Kommentare

  1. 3.

    Falls das Sarkasmus sein sollte: Nicht witzig. Wohnen Sie hier mal mit Freundin und / oder Kindern und schauen über Jahre zu, wie Freunde, Nachbarn und Kleingewerbe verdrängt werden, weil sich niemand mehr die Mieten leisten können.

  2. 2.

    Berlin ist wirklich zu bedauern.
    Mir kommen gleich die Tränen.

  3. 1.

    Zu der langen Liste würde ich hinzufügen: Vermeidet bzw. verlagert bzw. hinterzieht Steuern. https://en.wikipedia.org/wiki/Google_tax

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