ARCHIVBILD - Polizisten und Gutachter bergen am Mittwoch (25.04.2012) in Berlin ein zertrümmertes Fahrrad unter einem Lkw nach einem Unfall. (Foto: dpa/Tim Brakemeier)
Audio: Inforadio | 07.12.2017 | Ulf Morling | Bild: dpa/Tim Brakemeier

3.600 Euro nach Abbiegeunfall - Geldstrafe für Lkw-Fahrer nach tödlichem Fahrradunfall

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten hat am Donnerstag einen Berufskraftfahrer zu einer Geldstrafe von 3.600 Euro verurteilt, weil er mit seinem Lkw eine Radfahrerin überrollt und getötet hat. Der Fahrer war im Oktober in Berlin-Moabit beim Rechtsabbiegen mit seinem Sattelzug auf den Radweg gekommen. Dabei überrollte er die 32-Jährige, die noch am Unfallort verstarb.

Keine Zeit für Spiegelreparatur

Der Fahrer fuhr offenbar zu schnell, außerdem war der rechte Seitenspiegel defekt, so dass er die Frau beim Abbiegen nicht richtig sehen konnte. Vor Gericht erklärte der Mann, der Seitenspiegel sei noch kaputt gewesen, weil der Chef ihn antreibe und keine Zeit für Reparaturen lasse. Im vergangenen Jahr sind in Berlin bei Fahrradunfällen 19 Menschen ums Leben gekommen, fast doppelt so viele wie 2015.

Immer wieder Geldstrafen

Zuletzt waren mehrfach Lkw-Fahrer nach tödlichen Unfällen mit Fahrradfahrern zu Geldstrafen verurteilt worden. So war etwa im August ein Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu 2.700 Euro verurteilt worden, weil er beim Abbiegen eine 76-jährige Radfahrerin übersehen und überrollt hat. Ebenfalls fahrlässige Tötung lautete die Begründung für eine Geldstrafe von 2.800 Euro gegen einen Kraftfahrer, der im Dezember 2015 beim Rechtsabbiegen eine 32-jährige Fahrradfahrerin mit seinem dreiachsigen Sattelzug überrollt hatte. Sie starb noch am Unfallort

In diesem Jahr sind in Berlin bereits neun Radfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Falsch, Unfälle "passieren" nicht. Unfälle werden verursacht.

    Hier hätten sowohl Fahrer, wie auch Chef min. Bewährungsstrafen nebst hohen Geldstrafen erhalten müssen. Isso.

  2. 9.

    Stimme Ihnen zu.Die Brummifahrer tuen gut daran,auch mal ihren Berufsstand genauer unter die Lupe zu nehmen.Lieferdienste mit großen LKWs könnten auch in die Abendstunden verlegt werden.Keine Dicken Brummis am Tage i.d.Stadt.

  3. 8.

    @ 5: Klar, "armesau", immer sind nur die Anderen schuld. Bezueglich der Mitschuld des Fuhrunternehmers stimme ich wie bereits geschrieben zu. Das Geheule vom "Familienvater" (Woher wissen Sie das eigentlich?) und dann noch von "der Stadt" ist aber feiges Abwaelzen von Verantwortung.
    - Was kann "die Stadt" dafuer, dass Fahrer und Fuhrunternehmer die vorgeschriebenen Mittel fuer ein Minimum an Verkehrssicherheit ganz bewusst (!!!) nicht einhalten?
    - Was konnte die getoetete Frau (Vielleicht eine Familienmutter???) dafuer, dass dieser Mann sich gezwungen sah, verkehrswidrig durch die Stadt zu hetzen?
    Denken Berufskraftfahrer, die Unfaelle verursachen (vgl auch die staendigen Auffahrunfaelle auf Autobahnen), eigentlich auch an Opfer? Oder bevorzugen Sie den bequemen Blick auf Schuld und Mitschuld von Opfer und anderen? Warum eigentlich organisieren Beruftskraftfahrer sich nicht endlich, um Druck durch Chefs besser abwenden zu koennen? Widerspricht das der Trucker-Ehre?

  4. 7.

    Wie so oft wird nur die absolute Höhe der Geldstrafe angeben, aber nicht die Anzahl der Tagessätze. Dabei wäre die Vergleichsmaßstab auch mit anderen Fällen fahrlässiger Tötung jenseits des Radverkehrs und zeigt zudem auf, wie viel die Arbeit der LKW-fahrer von deren Arbeitgebern und damit deren Kunden letztendlich geschätzt wird.

    Mich würde dabei auch interessieren, wie das Verfahren gegen diesen Fahrzeugführer ausgegangen ist: http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/steglitz-zehlendorf/berlin-zehlendorf-toedlicher-unfall-mit-bvg-fahrgast-fluechtiger-radler-nach-zwei-monaten-gefasst/10357288.html

    Zudem sollte erwähnt werden, dass damit nicht die zivilrechtlichen Schadensersatzansprüche abgegolten werden, was aber viele auch hier schon in den Kommentaren gerne verwechseln.

  5. 6.

    2700 €, 2800 €, 3600 €, mehr ist ein Menschenleben in diesem Rechtsstaat nicht wert. Vorrang haben die Interessen der Autoöobby, die relativ ungeschoren davon kommt. Der Chef, der seinen Fahrer keine Zeit läßt, seine verkehrsunsicheren Lkw zu reparieren, bleibt wohl komplett ungestraft? Stehen die Richter auf der gehaltsliste der Lkw-Lobby? @1-3 stimme ich völlig zu.

  6. 5.

    Ihr schiesst auf den falschen. Der LKW Fahrer ist auch nur ne arme Sau der kaum was verdient und von seinem Chef zum Einlegen von überstunden und zum zu schnell fahren gezwungen wird. Wenn der nicht spurtet, bekommt er halt weniger Geld oder weniger Pausen oder wird gefeuert. Für den sind 3600 Euro ein Existenzieller Verlust. Der muss Rechnungen bezahlen und eine Familie ernähren. Das macht kein Besserwisser für ihn. Unfälle passieren. Wenn dann muss man auf die Stadt sauer sein, die die Radwege nicht sicher genug macht. Isso.

  7. 4.

    Radfahrer und Fußgänger umzubringen ist für die deutsche Justiz ist ein Ordnungswidrigkeit. Kein Tag Fahrverbot, kein Innehalten. Bei den Bagatellstrafen lohnt es ich für die Fuhrunternehmer nicht realistische Zeitpläne für Fahrer aufzustellen oder Technik wie die Spiegel zu reparieren.

  8. 3.

    Was fuer ein absurdes Urteil! Ist nicht ein Zweck von Gerichtsurteilen, den oder die fuer einen Schaden Verantwortlichen auch von Wiederholungsfehlern abzuschrecken? Sollen nicht auch vergleichbare Fehler von anderen verhindert werden?
    - Ein Chef, der seinen Fahrer mit einem nicht verkehrssicheren KFZ in den Stadtverkehr laesst und ihn hetzt.
    - Ein professioneller Fahrer, der es nicht schafft, seinem Chef entgegenzutreten, der seinen Pflichten als Verkehrsteilnehmer nicht nachkommt und der somit den Tod eines Menschen verursacht.
    Und eine "Strafe" von zwei, drei Monatsgehaeltern soll so etwas nun kuenftig verhindern? In welcher Welt liegen das AG Tiergarten und die anderen Gerichte, die derart laecherliche Strafen fuer Toetungen durch teils bewusste und mindestens tagelange Unterlassungen verhaengen?

  9. 2.

    Geldstrafe-ich wusste schon immer das wir nicht in einem Rechtsstaat leben.
    Diese Urteil ist für mich eine Schande-ein Menschenleben gilt heute nichts mehr.

  10. 1.

    Welche weitere Maßnahmen begleiten die 3600 Euro? Oder ist das "alles" an Strafe?

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