Eine Polizistin sperrt am 01.12.2017 eine Straße um einen Weihnachtsmarkt in der Innenstadt von Potsdam ab (Quelle: dpa/Julian Stähle)
Video: Brandenburg Aktuell | 02.12.2017 | Sonja Lüning | Bild: dpa/Julian Stähle

Bombenattrappe in Apotheke geliefert - Polizei: Potsdamer Weihnachtsmarkt war wohl nicht das Ziel

Dass die mutmaßliche Bombenattrappe am Freitag den Potsdamer Weihnachtsmarkt treffen sollte, ist laut Polizei "eher unwahrscheinlich". Warum - darüber schwiegen die Ermittler zunächst. Der Weihnachtsmarkt war am Wochenende wieder normal geöffnet. 

Nach dem Bombenalarm von Potsdam geht die Polizei nicht von einem geplanten Anschlag auf den Weihnachtsmarkt aus. "Nach bisherigen Erkenntnissen halten es unsere Ermittler eher für unwahrscheinlich, dass der Weihnachtsmarkt Ziel war", erklärte die Polizei am Samstag per Twitter.

Der Landesbezirksvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Brandenburg, Andreas Schuster, sagte am Samstag im Deutschlandfunk, es werde in alle Richtungen ermittelt. Der Staatsschutz beim brandenburgischen Landeskriminalamt übernahm den Fall. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um einen politisch motivierten Hintergrund handeln könnte, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Ein Lieferdienst hatte am Freitag eine verdächtige Sendung in einer Apotheke in unmittelbarer Nähe eines Potsdamer Weihnachtsmarkts abgegeben. Rund um das Geschäft wurde daraufhin ein Sperrkreis von etwa 100 Metern eingerichtet. Auch ein Teil des Weihnachtsmarktes wurde gesperrt, Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen.

Kabel, Batterien, Nägel

Spezialisten der Bundespolizei untersuchten das Paket und öffneten es mit einem Wasserstrahl. In dem Paket war nach Polizeiangaben ein zylindrischer Gegenstand mit Kabeln, Batterien und Nägeln.

Nach Angaben von Innenminister Schröter enthielt die Fracht zwar keinen Zünder, aber einen sogenannten Polenböller. Dessen Sprengkraft sei nicht unerheblich, so Schröter. Er verwies auf Fahrkartenautomaten, die mit solchen Böllern schon gesprengt wurden. Es handele sich um einen "sehr gut imitierten Sprengkörper", so Schröter am Abend im rbb-Fernsehen.

Ermittler suchen den Absender

Die Polizei versucht derzeit den Absender herauszufinden. Dazu soll das von Sprengstoffexperten unschädlich gemachte Paket wieder zusammengesetzt werden. Die Reste seien ins Kriminaltechnische Institut beim brandenburgischen Landeskriminalamt in Eberswalde gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Die Ermittler würden bundesweit nach möglichen Parallelen suchen, sagte der Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) im rbb.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) kündigte im rbb-Inforadio an, die Untersuchungen der Kriminalisten würden sicher noch einige Tage andauern. Er betonte aber auch: "Wir müssen unbedingt versuchen herauszufinden, wer der Täter ist oder die Täter waren, damit daraus auch die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden können."

Markt am Samstag normal geöffnet

Der Weihnachtsmarkt hatte am Samstag wieder uneingeschränkt geöffnet. Allerdings erhöhte die Polizei ihre Präsenz. Potsdams Oberbürgermeister Jakobs machte sich selbst einen Eindruck bei einem Besuch. Er sprach mit dem Apotheker, an den das Paket gesendet worden war.

Anfang der Woche waren in Deutschland zahlreiche Weihnachtsmärkte eröffnet worden. Die Sicherheitsvorkehrungen waren nach dem Attentat auf einen Berliner Weihnachtsmarkt vor fast einem Jahr bundesweit verschärft worden. Am 19. Dezember 2016 war der Attentäter Anis Amri mit einem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gefahren. Er tötete zwölf Menschen und verletzte mehr als 70 weitere.

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    "Ich fände es gut, wenn ERST recherchiert und ggf abgewartet und DANN berichtet wird. In den Medien will immer jeder der Erste sein."

    Da treffen wir uns. Hundertprozentig.

  2. 11.

    Hallo Tom,
    Sie haben Recht, gut recherchierte Beiträge sind journalistische Aufgabe, die wir täglich erfüllen. Im Fall von mutmaßlichen Anschlägen haben wir als Quelle oft erst einmal nur die Aussage der Polizei, die wir hier zitieren.
    Es grüßt das Team von rbb|24

  3. 10.

    Gestern war Twitter voll von Leuten, die ganz genau wussten, wer dahinter gesteckt hat und wessen Schuld das alles ist. Ich schlage vor, die mal einzeln einzubestellen und zu befragen, denn offensichtlich wussten die ja alles besser als die Polizei.

    Leider sind die aber heute alle ganz leise und melden sich nicht zu Wort...

  4. 9.

    @Helmut Krüger (10:36 Uhr): Ich erinnere mich noch (zu DDR-Zeiten) hieß das ehemalige Centrum-Warenhaus am Ostbahnhof (zuletzt kaufhof) volkstümlich "Polen-Kaufhaus", weil dort viele Polen eingekauft hatten. Und dann gab es noch den "Polen-Korb", ein großer Einkaufskorb aus Korbgeflecht, der gerne als Souvenir mitgebracht wurde.
    Zum Thema: Schon wieder steht in der Schlagzeile das Wort "wohl". Ganz ehrlich - das ist in meinen Augen kein bodenfester Journalismus, sondern eher Treppenhaus-Klatsch" (Hamm´ se schon jehört, dit Kleine von die Meiern soll wohl ja nich ihret sein). Ich empfinde es als Panikmache. Liegt WOHL auch daran, dass ich jede Meldung dieser Art eher relativ und entspannt sehe. Was aber ist mit "Lieschen Müller (78)", rbb-Stammzuschauerin? Für die bricht doch jeden Tag die Welt zusammen!
    Ich fände es gut, wenn ERST recherchiert und ggf abgewartet und DANN berichtet wird. In den Medien will immer jeder der Erste sein. Nix für ungut.

  5. 8.

    Einfach Ruhe bewahren und ganz normal dasjenige erledigen, was jeder sowieso vor hatte. Ich werde mich da schon blicken lassen, auch wenn die schöneren Vorweihnachtsmärkte in meinen Augen am Kutschpferdestall am Neuen Markt, auf dem Weberplatz in Babelsberg und neu an der Alexandrowka und auf dem Belvedere am Pfingstberg sind. Der COEX-Vorweihnachtsmarkt entlang der Brandenburger ist leider weitestgehend nur Rummel ...

  6. 7.

    So bezeichnete "Polen-Böller" - eine sprachliche Verkürzung, die ich selber nicht mag - sind Knallkörper, die in Deutschland nicht frei verkauft werden dürfen, im benachbarten Polen aber schon. Kurzum: Die Sicherheitsvorkehrungen diesbezüglich sind in Polen nicht so groß wie in Deutschland. Es kann verkauft werden, was das Zeug hält. Das brach nach der Wende plötzlich los und zwar noch vglw. stärker als in Ostdeutschland.

    Muslime gibt es in Polen schon, wenn auch in weitaus geringer Zahl. Umso absurder ist die vglw. stärkere Islamophobie, die sich leider durch die polnische Bevölkerung zieht. Es ist eigentlich wie überall, wo zu wenig von einer bestimmten Gruppe leben und die "Mehreren" dann alle möglichen Phantasien über diese kleine Gruppe anstellen, weil die sichtbare Realität leider zu weit weg ist.



  7. 6.

    .. es wieder Leute gibt, die bestimmte Personenkreise beschuldigen, ohne dass es bislang irgendwelche benannten Hinweise auf den oder die Täter gibt.

  8. 5.

    "Auf dem Paket steht auch ein Absender - vermutlich ein falscher."

    Also darauf wäre ich nie gekommen.

  9. 4.

    Ne Gerd, weder von den einen noch von den anderen geht Gefahr aus-die einzige Gefahr die wir im Land haben sind die demokratiefeindliche rechte AFD und Leute die ständig versuchen zu hetzen. Mit beidem haben Sie natürlich nix zu tun. Sie gehören zur Fraktion: "Ich sag ja nur....."

  10. 3.

    Hoffentlich werden der oder die Verursacher gefunden und dingfest gemacht. Solche Typen gehören ins Gefängnis für lange Zeit.

  11. 2.

    Was sind Polen – Böller??
    Knallkörper zu Silvester?
    In Polen gibt es keine Moslems ... die Polen wissen warum. Von den Polen , noch von den Böllern geht diesbezüglich Gefahr aus!

  12. 1.

    Jede Wette, dass...

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