Am Freitagmorgen geriet eine Frau in Spandau unter die Räder eines LKW-Anhängers. (Quelle: rbb/Doris Anselm)
Audio: radio Berlin 88,8 | 01.12.2017 | Doris Anselm | Bild: rbb/Doris Anselm

Geöffnete Tür und rechtsabbiegender Lkw - Gleich zwei Radfahrer bei Unfällen in Berlin getötet

Zwei tote Radfahrer innerhalb weniger Stunden: In Berlin-Mitte starb am Donnerstag ein Mann, als er in die geöffnete Tür eines Taxis prallte. Am Freitagmorgen geriet eine Frau in Spandau unter die Räder eines Lkw-Anhängers.

Bei folgenschweren Unfällen in Berlin sind in den vergangenen Stunden zwei Radfahrer getötet worden.

Frau geriet unter den Lkw-Reifen

In Spandau starb am Freitagmorgen eine 77 Jahre alte Frau, als ein Lastwagen sie überrollte. Die Radfahrerin war auf einem Radweg an der Seegefelder Straße stadtauswärts unterwegs, wie Polizeisprecherin Nicola Bartelt im rbb erläuterte. Ebenfalls aus dieser Straße kommend sei dann ein großer LKW rechts abgebogen Richtung Zeppelinstraße.

"Vermutlich ist der LKW-Fahrer schon abgebogen und die Radfahrerin kollidierte dann sozusagen mit dem Anhänger." Dort sei die Frau unter den Reifen gekommen und noch an der Unfallstelle verstorben.

Der 61 Jahre alte Lastwagenfahrer erlitt einen Schock.

Mann prallt in Mitte gegen Taxitür

Bereits am Donnerstagabend war ein ebenfalls 77-jähriger Radfahrer an seinen Verletzungen gestorben, die er bei einem Unfall in Berlin-Mitte erlitten hatte.

Der Mann war am Donnerstagmorgen auf der Karl-Liebknecht-Straße in Höhe der Museumsinsel in die sich öffnende Tür eines stehenden Taxis gefahren. Laut Polizei hatte der 66-jährige Taxifahrer die Fahrertür geöffnet, der Senior prallte dagegen, stürzte und verletzte sich schwer am Kopf. Rettungskräfte brachten ihn in ein Krankenhaus, wo er am Abend starb. Der Taxifahrer blieb unverletzt.

77-jähriger Radfahrer in Kreuzberg verletzt

Am Freitag wurde außerdem ein 77 Jahre alter Radfahrer in Kreuzberg schwer verletzt, als er von einem rechtsabbiegenden Laster erfasst wurde. Der Lkw bog nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei auf ein Grundstück ab, der Senior war auf dem Radweg der Prinzenstraße in Richtung Gitschiner Straße unterwegs. Das Unfallopfer wird jetzt auf einer Intensivstation behandelt.

In diesem Jahr sind damit neun Radfahrer tödlich verunglückt. Die Frau aus Spandau war die 33. Verkehrstote.

Kapek fordert technische Lösungen

Im Juni hatte es auch eine tödlichen Unfall mit einer geöffneten Autotür gegeben, der für Aufsehen sorgte, weil er von einem Diplomaten verursacht wurde. Der 50-Jährige aus Saudi-Arabien stand in Neukölln mit seinem Sportwagen im absoluten Halteverbot auf einem Radweg und riss abrupt die Tür auf. Ein 55 Jahre alter Radfahrer prallte gegen die Tür und starb im Krankenhaus an seinen Kopfverletzungen.

Die Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Antje Kapek, forderte technische Lösungen, um die Gefahr für Radfahrer künftig zu verringern. So sollten Lastwagen mit Abbiege-Assistenten ausgestattet werden, die zur Not automatisch bremsen. Sensoren in Fahrzeugen sollten zudem vorbeifahrende Fahrräder erkennen, so dass Türen kurzzeitig blockiert werden könnten, meinte Kapek.

Ungefähre Unfallorte

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55 Kommentare

  1. 55.

    R.I.P.

    Das fiese bei rechts abbiegenden Anhängern ist, dass sie einen engeren Radius machen als das zugehörige LKW-Vorderteil. Ich bin in solch einer Situation fast unter den Anhänger gekommen, weil ich nach meiner Notbremsung schon halb auf der Fahrbahn stand. Fahrrader haben keinen Rückwärtsgang; ich hatte Glück, dass ich schnell noch irgendwie rückwärts hoppeln konnte...

  2. 54.

    Gut, das kam ggf. undifferenziert und pauschal rüber.
    Ich will da differenzieren. Da, wo ich als Radfanrender im normalen Autoverkehr mitschwimme, passe ich mich deren Geschwindigkeiten auch an. Was selbst bei einem Rad mit 3-Gängen gut geht. Unter 25 km/h fahre ich da auch nicht.

    Was ich meinte, sind die unübersichtlichen Gemengelagen. Im HInterkopf hatte ich da eine Meldung, wo ein in der Tat junger Mensch mit einem 28-Gang-Fahrrad im 21. Gang über die Kreuzung Mühlendamm / Alexanderstraße gefahren ist. Das ist nach meiner Empfindung ein reines Vabanque-Spiel. Andere haben Blech, was sie bei Zusammenstößen schützt, Radfahrende haben Null-Knautschzone. Da wird einfach die Irrtumsmöglichkeit von anderen definitiv ausgeschlossen.

    Das halte ich - gelinde gesagt - glatt für eine menschliche Überforderung.

  3. 53.

    Das ist doch wunderbar. Dann gehören Sie zu der Gruppe, die ich genau nicht meinte mit "Draufhalten".

    Ich spreche von der zunehmenden Gruppe von "Bikern", für die der Begriff "Radfahrer" schon quasi eine Beleidigung darstellt und für die Geschwindigkeiten unterhalb von 30 km/h unterhalb ihrer Menschenwürde liegt.

    Jeder kennt sie. Sie auch.
    Die retten aufgrund ihrer Fitness im Zweifelsfall ihre Haut, andere geraten ins Schlingern, erschrecken sich und sind ggf. verunsichert. Ich habe da schon mal "Ey!" hinterhergerufen und als der sich umguckte "Ja, Sie sind gemeint!" ...

  4. 52.

    Mein herzliches Beileid den Angehörigen und Freund*innen.

  5. 51.

    Herr Krüger, dass stimmt so pauschal nicht.

    Wenn ich beispielsweise aus Richtung Konrad-Wolf-Straße - Mollstraße kommend die Karl-Liebknecht-Straße entlang fahre, dann benutze ich üblicherweise die Autospuren und kratze nicht an parkenden Autos entlang.

    Da läuft üblicherweise nicht plötzlich ein Kind mitten auf die Straße.
    Und wie langsam sollen denn dann die Autofahrer auf dieser Straße fahren?

    Meine Radfahrer-Geschwindigkeit liegt dort etwa bei 23 bis 28 km/h (Auto-Taro ca. 30 bis 40 km/h)
    Wenn Du als Radfahrer schnell fährst, ist die Differenzgeschwindigkeit zum nachfolgenden Autofahrer viel geringer, so dass der Autofahrer viel mehr Zeit hat, sich auf den vorausfahrenden Radfahrer einzustellen, als wenn der langsamfahrende Radfahrer urplötzlich vor dem Auto erscheint.
    Schnell fahren senkt dort das Unfallrisiko des Radfahrers.

    Ich bin übrigens knapp 57 Jahre alt - nicht dass Sie denken ich sei noch jugendlich.

  6. 50.

    Ganz ihrer Meinung! So zu handeln als Radfahrer wurde uns schon vom Polizisten im Verkehrsgarten beigebracht!!
    Und ich lebe immer noch! Weil ich notfalls anhalte. Fertig!!

  7. 49.

    Wissen Sie, für einen Autofahrer sind unbeleuchtete oder gar unter Drogen oder Alkohol stehende Fußgänger viel gefährlicher als Radfahrer.

    Selbst wenn Radfahrer kein Licht am Rad haben, so haben Sie immer noch Reflektoren. Und mit guten Augen sollte man auch unbeleuchtete Radfahrer zumindest in den Städten noch rechtzeitig erkennen können.

    Aber es gibt eben leider Autofahrer, die fahren ohne zu sehen. Die fahren sozusagen wie bei der Reichsbahn auf Signal und nicht auf Sicht.

    Und das mit den kriminellen Radfahrern - könnten Sie mal ihre Kriminalitätsstatistik verlinken?

  8. 48.

    Hr Krueger, ich habe das bereits oft ueberdacht: Ich fahre seit 40 Jahren regelmaessig Rad im Strassenland, manchmal auch zuegig, und ich habe noch nie (!) jemanden verletzt. - Nochmal: wir reden hier ueber Geschwindigkeiten von 15 bis 30 km/h. Wir reden hier ueber Massen von 50 bis 150 kg (Fahrer + Rad). Wir reden ueber mittlerweile hochwertige Bremssysteme. Und ich habe vorausgesetzt, dass die Geschwindigkeit der Verkehrslage angemessen ist.

    Ich verwehre mich also gegen die Unterstellung, dass das von einem zuegig gefahrenen Rad (25 km/h, 100 kg) ausgehende Risiko auch nur entfernt dem aehnelt, das von einem zuegig gefahrenen KFZ (60 km/h, 1.000 kg) ausgeht. Wobei der Fahrer von Letzterem auch noch massiv wahrnehmungsbehindert ist durch die Karosserie, die er um sich hat.
    Ich habe nichts dagegen, auch als Radler zurueckzustecken, wenn es dem Gemeinwohl dient. Ich werde aber kein Kinderrad nutzen, um auf Knien fahren zu koennen.

  9. 47.

    "... die Lust es erlauben, hat man auch das Recht (auch moralisch), im Stadtverkehr 25 oder 30 km/h zu radeln."

    Selbstverständlich, das formelle Recht haben Sie, Wie auch der Porsche-Fahrer das Recht hat, mit seinem Ding rumzuröhren. Als sozial würde ich das allerdings nicht unbedingt bezeichnen, da bin ich ganz ehrlich. Die Tatsache, dass jemand auf dem Rad sitzt und sich für´n Ökologen hält, setzt noch lange nicht die physikalischen Gesetzmäßigkeiten außer Kraft, dass höhere Geschwindigkeiten den Ausweichspielraum einengen, nicht aber vergrößern. Der Blick wird zum Tunnelblick - nicht nur bei Auto- sondern auch bei Radfahrenden - und das kleine Kind, was plötzlich ausschert, wird zur Katastrophe, wo es sonst nur Anlass gibt, in verhaltener Weise zu bremsen.

    Ich kann nur an Sie appellieren, das Wort "Spaß" noch einmal zu überdenken. Das Wenigste, was an Dingen passiert ist, ist so gewollt worden, das Meiste ist einfach billigend in Kauf genommen worden. Gleich von wem.

  10. 46.

    Radfahrende (Autofahrende, Lesende, Schreibende und Zuhörende) sind nichts Ideologisches, sondern etwas sehr Alltagstaugliches und überaus Praktisches. Und vor allem etwas Lesbares und Vorlesbares, wenn es drauf ankommt. Ganz anders als das m. E. recht unselige " *Innen", wo schon das Lesen Schwierigkeiten bereitet, vom Vorlesen gegenüber anderen ganz zu schweigen. Wo das " *Innen" im Zuge einer nüchternen technischen Gebrauchsanweisung daherkommt, ist das " nde " ganz praktisch zu handhaben. Ein klein wenig Umgewöhnung, das reicht.

    Ja, das ...nde bezieht beide Geschlechter mit ein. Es liegt an Ihnen, sich solchen sprachlichen Dynamiken zu öffnen oder aber sich ihnen zu verweigern. Ich vermute mal eher Letzteres.

  11. 45.

    Dieser Themenkomplex ist zu wichtig, um mit Glaubenssaetzen zu argumentieren, Chip. Ihre Argumentation ist ungefaehr so differenziert wie Tommys.

  12. 44.

    Bitte nicht ihr Gefühl als Wahrheit darstellen. Die Mehrheit der Radfahrer ist vernünftig. Aber ist schon klar, die sind immer schuldig.....Vor allem wenn man uns mal wieder umfährt....

  13. 41.

    @ 39: Ihr Ansatz einer uebersichtlicheren Gestaltung des Verkehrsraums klingt gut.
    Ihren sozio-filosofischen Ansatz zur Fahrradtechnik halte ich jedoch fuer nicht allzu ziefuehrend.

    - Ja, man faehrt anders mit einem 28-Gang- als mit einem 3-Gang-Rad: Z.B. Im Grunewald.
    Im normalen Stadtverkehr dagegen ist der durch die Anzahl der Gaenge bedingte Unterschied nicht gross. Viel wichtiger ist hier, ob z.B. die Groesse zu einem passt und man sich wohl fuehlt auf dem Rad.
    Und man hat das Recht, sich auf seinem Rad wohl zu fuehlen! Und WENN die Verkehrslage, die Konstitution und die Lust es erlauben, hat man auch das Recht (auch moralisch), im Stadtverkehr 25 oder 30 km/h zu radeln. Und das darf sogar Spass machen. Mit einer Nabenschaltung oder schlechterer Verfassung schafft man 15 bis 25. All das sind nun echt keine "exzessiven" Geschwindigkeiten, die grosse Gefahrenquellen waeren.
    Probleme treten erst durch Ueberfuellung des Verkehrsraums und Ruecksichtslosigkeit auf.

  14. 40.

    Dafür soll ich mich als Fußgänger tagtäglich von kriminellen Radfahrern bedrohen und zum Teil auch angreifen lassen, nur weil ich mich wage auf dem Fußgängerweg zu laufen. Träumen Sie weiter. Radfahrführerschein, Helmpflicht, Nummernschilder für Radfahrer, TÜV für Fahrräder, Radfahrsteuer und endlich eine Haftpflichtversicherung für Radfahrer einführen.

  15. 39.

    "Wenn ich das Gefuehl habe, mehr oder weniger fliessend voran kommen zu koennen, werde ich sofort entspannter und bin auch viel eher bereit, Ruecksicht zu nehmen."

    Ich denke, das kennt jeder von sich. Eine permanente Unterbrechung der Arbeit im Beruf ist genauso nervtötend als alle 100 Meter in eine unübersichtliche "Gemengelage" hinein zu fahren. Von daher sollten die Verkehrsverhältnisse einfach überschaubarer gestaltet werden. Das kann mit und ohne extra Hinweisen bzw. Spuren geschehen, ich halte den Gesamtzusammenhang für entscheidend.

    Allerdings will ich Ihnen auch schreiben bzw. wiederholen, dass ich die Art und Weise des benutzten Gefährts für gleichfalls wichtig halte. Es sollte nicht vernachlässigt werden. Auch Radfahrende stehen da nicht außerhalb einer Gesellschaft, die als Credo formuliert, dass alle Möglichkeiten möglichst bis zum Exzess auszunutzen wären. Wer ein 28 Gang-Rad fährt, fährt anders als jemand mit 3 oder 5 Gängen. Tendenziell draufgängerischer.

  16. 38.

    Dann will ich Ihnen gern auf die Sprünge helfen:
    1. Gewohnter Trott u. Rechthaberei:
    Der Taxifahrer öffnete seine Fahrertür offensichtlich, ohne auf Radfahrende zu achten. Das nenne ich alten Trott. Einfach mit der linken Hand den Hebel aufmachen, Tür auf, fertig.
    Rechthaberei vermute ich bei der Radfahrerin. Motto: Ich habe doch Vorfahrt, gleich, wie weit da jemand schon im Abbiegevorgang ist.
    2. Zu den gleichwertigen Bedingungen: Sie noch stärker als bisher zu schaffen, schafft zugleich ein Selbstverständnis, jederzeit mit Radfahrenden zu rechnen.
    3. Hierzu verweise ich auf meinen Beitrag 17. In meinen Augen hatte die Radfahrerin zu viel auf der Nadel drauf.
    4. Die Irrtumsmöglichkeit jederzeit in Betracht gezogen - siehe auch Beitrag Nr. 34 - hat Folgen, was den gelassenen Spielraum angeht. Dann hätte die Radfahrerin sich zweifellos Platz zum Bremsen eingeräumt.

    Zusammengefasst: Ihre Sichtweise schwört eher noch Unfälle herauf, als sie zu vermeiden.

  17. 37.

    Mein Hinweis beim öffnen der Fahrertür von einem PKW, außerdem habe ich wahrscheinlich schon mehr LKWs
    gefahren als Sie alt sind. Dass ich im LKW beim Schulterblick nur die Innenseite der Kabine sehe weiß ich.
    Hier wurden vor Jahren schon etliche zusätzliche Spiegel gefordert und auch an den LKWs angebracht.
    Nur wenn ein LKW einen Anhänger hat wird der Fahrer sich wohl darauf verlassen können das der Radfahrer
    nicht von diesem überrollt wird da er ja schon ein ganzes Stück um die Ecke gewesen sein muß.

  18. 36.

    Kann nur voll zustimmen, jeder vernünftige Ansatz im Guterkraftverkehr, der zur Sicherheit beiträgt, und nun eben auch Investitionen erfordert, wird mit einem Aufjaulen des Tansportgewerbes, mit Hinweis auf die Wettbewerbsfähigkeit,niedergemacht. Ende vom Lied, der Gesetzgeber knickt ein.

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