Haus in der Siedlung Alwine in Südbrandenburg (Quelle: rbb/Iris Wußmann)
Video: Brandenburg aktiuell | 09.12.2017 | Phillip Manske | Bild: rbb/Iris Wußmann

Nur ein Gebot - Siedlung Alwine für 140.000 Euro versteigert

Die Versteigerung eines ganzen Dörfchens geschieht nicht alle Tage. Und so sorgte die Ankündigung, in Südbrandenburg stünde ein ganzes Dorf zum Verkauf, für Schlagzeilen. Am Samstag wurde Alwine versteigert - es gab ein einziges Gebot.

Das Dörfchen Alwine in Südbrandenburg ist am Samstag bei einer Auktion für 140.000 Euro versteigert worden. Ein anonymer Bieter gab per Telefon das einzige Gebot ab – und erhielt um 15.14 Uhr den Zuschlag.  Das Mindestgebot war mit 125.000 Euro angesetzt.

Der Bieter ist nun Eigentümer von sechs Wohnhäusern und 16.000 Quadratmetern Grund mitten im Wald, also auf einer Fläche von rund 125 Metern im Quadrat. 15 Menschen leben in der kleinen, stark sanierungsbedürftigen Siedlung im Landkreis Elbe-Elster. Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück, zu der das Dorf gehört, will nun möglichst schnell Kontakt mit dem Käufer aufnehmen. "Eigentum verpflichtet. Deshalb würden wir gerne mit dem Käufer über seine zukünftigen Pläne reden", sagte Bürgermeister Andreas Claus.

"Der Bieter möchte mit dem Kauf etwas Gutes tun"

"Viele Interessenten haben sich bei uns erkundigt, auch aus dem Ausland", sagte Matthias Knake vom Auktionshaus Karhausen. Mehr als 40 Menschen hätten Interesse gezeigt, jedoch nicht mitgeboten. Der Bieter, der Alwine schließlich ersteigerte, komme dem Auktionshaus zufolge aus Berlin. "Der Höchstbieter möchte mit dem Kauf etwas Gutes tun, zum Wohle der Bewohner", so Knake. Das hofft auch Ortsvorsteher Peter Kroll, der bei der Auktion in Berlin mit dabei war: "Unser Wunsch ist es, dass wenigstens die bewohnten Bereiche der Häuser instandgesetzt werden".

Die Häuser seien vom Dach bis zum Keller stark sanierungsbedürftig, so Knake. Als "Siedlung mit Dorfcharakter" hatte das Auktionshaus in seinem Katalog Alwine angepriesen und von einem "insgesamt umfassend modernisierungs- und sanierungsbedürftigen Zustand" gesprochen.

Alwine liegt gut 100 Kilometer südlich von Berlin und rund 80 Kilometer von Dresden oder Leipzig entfernt. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in dem kleinen Dorf nicht. Die einzige Bushaltestelle liegt dem Auktionshaus zufolge einen knappen halben Kilometer von der Siedlung entfernt.

Nach der Fabrik-Schließung zogen die Menschen weg

Entstanden ist Alwine als Unterkunft für die Kohlearbeiter der benachbarten, ehemaligen Brikettfabrik Luise. Seit dem Mauerfall wurde hier nicht mehr viel für den Erhalt der Häuser getan. Bald nach der Wende war die Fabrik geschlossen worden, vor allem die jungen Menschen zogen weg.

2001 hatten dann zwei Brüder die Siedlung für den symbolischen Preis von einer D-Mark gekauft. Ihre Pläne zur Entwicklung des kleinen Ortes hätten sie nie umgesetzt, sagte Bürgermeister Andreas Claus. Nach dem Tod eines der beiden Brüder hat der andere nun das Dörfchen verkauft. Nun soll geprüft werden, ob der alte Eigentümer für den schlechten Zustand der Häuser in Haftung genommen werden könne, sagte Claus. "Dazu müssen wir uns anschauen, mit welchen Auflagen Alwine damals von der Treuhand weiterverkauft wurde."

Neben der Siedlung Alwine wurden auf der Auktion Samstag in Berlin auch alte Villen, ein Einkaufszentrum, Bahnhofsgebäude und ein Hochbunker versteigert. Die Objekte wechselten den Besitzer mit der Bedingung "gekauft wie besehen oder nicht besehen". Die Eigentumsumschreibung wird erst nach der vollständigen Zahlung des Kaufpreises in die Wege geleitet.

Ein Dorf kommt unter den Hammer

Sendung: Brandenburg aktuell, 09.12.2017, 19.30 Uhr

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Gute Frage.
    Nach dem Querlesen der Versteigerungsbedingungen gehe ich davon aus, dass es sich bei der Differenzsumme um 7,14% Courtage für das Auktionshaus sowie diverse anfallende Gebühren handelt.

  2. 19.

    Warum liegt der Kaufpreis 15.000€ über dem Mindestgebot? Hätte es bei einem Bieter nicht genau dafür weggehen müssen?

  3. 18.

    Wenn man die Fotos sieht - was sollte dort "schlimmer" werden? Dass der neue Besitzer viell. mal was für die Mieter in Stand setzt, die Fassaden usw.?

  4. 17.

    Besser konnte es doch für die Bewohner von Alwine nicht laufen. Nun haben sie endlich Klarheit. Eine Klarheit, die weder die Brandenburger Landesregierung liefern konnte bzw. wollte noch die Kommune vor Ort. Ist halt dumm, wenn man im Bergbaugebiet wohnt und alle in Potsdam nur danach gieren, endlich das nächste Stück Landschaft wegen der Kohle platt machen zu können. Ganz schön sozial diese SPD Regierung in Potsdam.

  5. 16.

    "Was für ein mieses Weltbild muss man eigentlich haben, um jedermann erst mal sinistre Absichten zu unterstellen?"

    Wir leben im Kapitalismus, und da ist es nun mal so das "sinistre Absichten" oberstes Leitmotiv sind: Eigennütziges Profitstreben in einem immer rücksichtsloseren Wettbewerb auf kosten seiner Mitmenschen. Dieses "miese Weltbild" ist die vorherrschende Realität. Insofern handelt es sich nicht nicht um eine abwegige Unterstellung oder "Verschwörungstheorie", sondern eine plausible Annahme. Das hat zunächst noch nichts mit Parteien wie der sogenannten "afD" zu tun. Diese fängt allerdings solche Annahmen auf, vermischt sie mit rassistischen/völkischen Ressentiments und lässt damit durchaus berechtigte Kritik an realen Misständen nicht nur wirkungslos verpuffen, sondern verbreitet dabei ein noch mieserers Weltbild als jenes welches bereits vorherrscht.

  6. 15.

    In meinem eigenen Sprachgebrauch gehören zu einem Dorf nicht nur die Häuser sondern auch Straßen, Plätze, der lokale Fußballverein und die Bewohner selbst. Bevor ich die Details kannte, hatte ich mich nach Lesen der Überschrift gefragt, ob jetzt dann wohl auch der Bürgermeister vom neuen Besitzer eingesetzt würde ... die Formulierung vom verkauften Dorf macht überhaupt nur Sinn, wenn man weiß, dass es keine lokale Verwaltung gibt, keine Hausbesitzer, und vermutlich auch keine öffentlichen Gebäude.

    Man kann umgangsprachlich zwar sagen, dass jemandem "der Ort gehört", aber zumindest in Deutschland sind Ortschaften föderale Einheiten und damit nicht verkäuflich, und ich fände es gut, wenn das in den Artikeln zum Thema auch klar so erklärt wäre. Ich jedenfalls habe mehr als einen Artikel zum Thema lesen müssen, um zu verstehen, was denn da eigentlich verkauft wird -- obwohl es mir immer noch nicht ganz klar ist: Geht es nun um die Gebäude(samt Grundstücken), oder um noch mehr?

  7. 14.

    jenachdem wie das dorf da im wald liegt, könnte man gut den eingang 'dicht' machen, wachhäuschen aufstellen und nach entsprechender sanierung das ganze als 'behütetes wohnen' ala reichen-siedlungen in usa vermieten. die paar alten da können dann solange da wohnen bis sie weg(gestorben) sind und deren jetzigen wohnraum dann ebenso nutzen.
    oder man hat nun ein schönes gelände mit häusern usw wo man sich schön einrichten kann und die steuern usw von den mietern finanzieren kann und mit der zeit daraus zb eine künstler-siedlung machen, mit passenden werkstätten wo man auch krach machen kann, zb metallkunstschmied oderso ;-)

  8. 13.

    kann ich mir vorstellen. Deshalb gibt es ja in Investorenkreisen den Begriff "passives Einkommen".
    Die Bewohner_innen von Alwine oder ihre Eltern haben alles erarbeitet, was da steht. Die Fabrik, die Wohngebäude dazu, alles. Es steckt ihre Arbeit, ihr Leben, ihre Energie darin.
    Klar, dass Besserwessis das nicht hören wollen.

  9. 12.

    Nur weil ich arbeiten gehe soll mir irgendwann automatisch meine Mietwohnung gehören? Habe selten einen größeren Schwachsinn gelesen.

  10. 11.

    "Ein ganzes Dorf versteigert." Klingt irgendwie sensationell, dürfte aber kaum genau der Wahrheit entsprechen. Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück hat bestimmt nur die Flurstücke, auf denen die Häuser stehen und einige tausend Quadratmeter Wald versteigern lassen. Das Dorf hat Siedlungscharakter. Zu einer Siedlung gehören auch Straßen und Wege. Das ist kommunaler Grund und den zu privatisieren dürfte einer Kommune rechtlich kaum gestattet sein.

  11. 10.

    Es ist amüsant zu sehen, das es Leute gibt die irgend wie immer die Kurve zur AFD hinbekommen. Ist das eigentlich Bewusst oder merkt man irgend wann nichts mehr ?

  12. 9.

    Hallo Alfred,

    danke für Ihren Kommentar. Wir finden, dass man das durchaus als Dorf bezeichnen kann - zumindest im Volksmund würde man das ja auch so sagen.

    Viele Grüße
    rbb|24

  13. 8.

    Es handelt sich um kein Dorf. Es handelt sich tatsächlich um zusammenhängende Immobilien. "Alwine" gehört selbst zu einer festen Ortschaft, die selbstverständlich nicht verkauft wird. Der RBB drückt sich mal eindeutig und mal nicht eindeutig aus...

  14. 7.

    besonders da der Voreigentümer die Siedlung für 1€ von der Treuhand bekam: Wie kann es sein, dass die Siedlung nicht automatisch an ihre Bewohner und Bewohner_innen geht? Sie haben sie mit dem Ertrag ihrer Arbeit in der Brikettfabrik erst mit aufgebaut. Sie leben dort. Selbst wenn sie zu alt sein sollten, um sich um alles zu kümmern, dann müsste man ihnen halt eine Verwalter_in stellen, so wie in anderen Wohnhäusern auch.

  15. 6.

    Geld gemacht... hätte jeder, einschließlich der Bewohner machen können, für die symbolische 1 DM.
    Und jetzt 140.000, das könnten auch die jetzigen Bewohner sein, wenn sie sich zusammengetan haben und keine Miete mehr zahlen möchten.

  16. 5.

    Dörfer kaufen? Ja sind wir denn im Mittelalter? Als nächstes werden Flüsse verpachtet...

  17. 4.

    Angesichts des Zustands der Gebäude kann von Absahnen kaum die Rede sein. Trotz großem Medienecho nur ein Gebot. Geldwäsche mit Immobilien is ebenso schwierig, da der Kauf nicht bar erfolgen kann und die Mieteinnahmen hier zu gering sein dürften. Es wird sich zeigen, ob saniert, abgerissen oder vernachlässigt wird.

  18. 3.

    „Und ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren in den neuen Bundesländern blühende Landschaften gestalten werden …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Bl%C3%BChende_Landschaften

  19. 2.

    Absolut keine Informationen über die Hintergründe haben, aber gleich mal eine Verschwörungstheorie parat. Was für ein mieses Weltbild muss man eigentlich haben, um jedermann erst mal sinistre Absichten zu unterstellen? Aber das ist ja gerade schwer in Mode; anderenfalls würde auch keiner die AfD wählen …

  20. 1.

    Na da hat mal wieder einer schön abgesahnt mit ehemaligem Staatsbesitz. Aber eigenartig ist es schon, dass jemand so viel Geld für so eine Siedlung bezahlen würde. Riecht nach Geldwäsche.

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