Berliner Gefängnis Plötzensee (Quelle: Jürgen Ritter /imago)
Bild: imago stock&people

Niedrigste Quote im Ländervergleich - Nur jeder 15. Berliner Häftling wird vorzeitig entlassen

Wer sich im Gefängnis gut führt und keine allzu hohe Strafe verbüßt, kann auf frühere Entlassung hoffen. Doch in Berlin sind das nicht besonders viele. Andere Bundesländer haben weit höhere Quoten - auch Brandenburg.

In der Hauptstadt wird nur ein kleiner Teil der Gefangenen vorzeitig aus der Haft entlassen. Im bundesweiten Vergleich schickt Berlin prozentual die wenigsten Insassen früher auf freien Fuß, 2017 waren es nur 6,8 Prozent. Das geht aus Antworten der Senatsverwaltung für Justiz auf parlamentarische Anfragen der Linken und der SPD hervor.

Mit einer Quote von 25,2 Prozent kamen im Vorjahr in Bremen die meisten Häftlinge vorzeitig frei. Danach kommen das Saarland (24,2 Prozent), Bayern (20,0 Prozent) und Brandenburg (19,9 Prozent).

Vorzeitige Entlassung kommt nur bei erstmals Verurteilten in Frage

Über eine vorzeitige Entlassung entscheidet das Gericht nach einer Prognose des Gefängnisses. Es berücksichtigt auch die Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit. In Frage kommen Täter, die erstmals verurteilt wurden. Laut Strafgesetzbuch kann eine Freiheitsstrafe frühestens nach der Hälfte der verbüßten Zeit zur Bewährung ausgesetzt werden. Häufiger sind Entlassungen nach zwei Dritteln abgesessener Haft.

Aus den Berliner Gefängnissen wurden im Vorjahr genau 245 Menschen vor dem eigentlichen Haftende in die Freiheit entlassen. Dies war laut Angaben der niedrigste Stand seit 2012. Damals kamen noch 389 Insassen vorzeitig frei.

Ein möglicher Grund: Mehr Gefangene mit hohen Haftsstrafen

Warum der Anteil der vorzeitig Entlassenen in Berlin so gering ist, wurde nicht deutlich. Ein Sprecher der Justizverwaltung sagte, es gebe mehrere Gründe. Die Entscheidung liege bei den Strafvollstreckungskammern der Gerichte. Möglicherweise sitzen in der Hauptstadt mehr Täter mit höheren Haftstrafen, die für eine frühere Entlassung nicht in Frage kommen, hieß es.

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