Ein Wildschwein (Bild dpa)
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Tierseuche in Osteuropa - Was Sie jetzt über die Afrikanische Schweinepest wissen müssen

Seit einigen Tagen wird vermehrt vor der Afrikanischen Schweinepest gewarnt. Die Tierseuche verläuft meist tödlich und ist hochansteckend. Panik ist allerdings nicht angebracht. Was Sie jetzt dazu wissen müssen, lesen Sie hier. Von Oliver Noffke

Wie gefährdet sind die Schweine in hiesiger Flur?

Bislang wurde noch nie ein Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland registriert. "Es gibt bisher auch keine Fälle 100 Kilometer von der Grenze weg in Polen", sagt Elke Reinking, Pressesprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts, das sich mit Tiergesundheit beschäftigt. "Die nächsten registrierten Fälle sind in der Tschechischen Republik registriert worden. Das war allerdings schon im Juni 2017."

Die aktuelle Epidemie, der auch schon Tiere in polnischen Schweineställen zum Opfer gefallen sind, nahm ihren Anfang bereits 2007 an der georgischen Schwarzmeerküste. Seither hat sich die Afrikanische Schweinepest über Russland, Osteuropa und das Baltikum ihren Weg nach Westen gebahnt. Im November wurden deutsche Behörden hellhörig, als  in Polen ein infiziertes Tier knapp 100 Kilometer westlich aller bislang bekannten Infektionsherde entdeckt wurde, wie zum Beispiel das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schreibt.

Dass das Thema Afrikanische Schweinepest gerade verstärkt in den Medien ist, liege vor allem an einem Bericht in der "Süddeutschen Zeitung", vermutet Reinking. Darin warnte Anfang der Woche der Deutsche Bauernverband vor milliardenschweren Ausfällen, falls die Seuche die hiesigen Fleischproduzenten unvorbereitet treffen sollte.

An der Bedrohungslage habe sich in den vergangenen Wochen und Monaten allerdings rein gar nichts geändert, sagt Reinking. Allerdings: "Wir finden es gut, dass das Thema derzeit so breit in den Medien diskutiert wird und diese Tierseuche stärker in das Bewusstsein der Menschen gerückt wird." Denn ist die Afrikanische Schweinepest erst einmal da, wird es ganz schnell unschön.

Was passiert, wenn sich ein Tier infiziert?

Aus mehreren Gründen beunruhigt die Afrikanische Schweinepest deutsche Behörden. Die Krankheit verläuft in neun von zehn Fällen tödlich. Es gibt weder eine Impfung noch Behandlungsmöglichkeiten. Hat sich ein Tier infiziert, dauert es zwei bis 14 Tage bis die Krankheit ausbricht. In dieser Zeit wäre in der Schlachterei ohne Labortests kaum feststellbar, ob das Tier betroffen ist. Innerhalb von zehn weiteren Tagen verendet es dann. Allerdings ist das Virus nicht ganz so einfach zu übertragen, wie etwa die Klassische also Europäische Schweinepest, bei der eine Tröpfcheninfektion reicht.

Die Afrikanische Schweinepest wird hauptsächlich durch Blut übertragen. Und zwar nur von Tier zu Tier. Für den Menschen besteht keine Gefahr. Südlich der Sahara, wo diese Tierseuche ursprünglich auftauchte, ist außerdem eine blutsaugende Lederzecke eine Gefahr für die dortigen Warzen-, Busch- und Hausschweine.

Elke Reinking sagt, dass Ansteckungen über andere Wege, etwa Exkremente, zwar möglich, aber sehr unwahrscheinlich sind. Problematisch ist jedoch, dass die Viren vergleichsweise anspruchslos sind und monatelang in ungekochter Wurst überleben können. Aus diesem Grund hat zum Bespiel das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Lkw-Fahrer und Osteuropa-Reisende dazu aufgerufen, keine Essensreste am Straßenrand zu entsorgen.

Wie gefährdet ist die Tierproduktion?

Moderne Schweineställe, in denen Massentierhaltung betrieben wird, sind keine Orte an denen man einfach ein- und ausgehen kann. Es gibt strenge Hygienevorschriften. Die Mitarbeiter müssen Schleusen durchqueren, in denen sie duschen und die Kleidung wechseln, bevor sie zu den Tieren gelangen. Speisereste dürfen nicht verfüttert werden.

Allerdings: "Es ist nicht auszuschließen, dass das Virus in die Ställe reinkommt", sagt Elke Reinking. "In Polen oder Estland ist das bereits passiert und die Ställe sind dort nicht unbedingt schlechter oder weniger hygienisch als sie es bei uns sind."

Sollte also irgendwann der Fall eintreten, dass in einem landwirtschaftlichen Betrieb ein mit dieser Tierseuche infiziertes Schwein entdeckt, werden nach dem Tiergesundheitsgesetz vorsorglich alle im Stall lebendenen Tier getötet.

Was ist mit privat gehaltenen Hausschweinen?

Wer sich ein paar Schweine auf dem Hof oder im Garten hält, sollte sie so unterbringen, dass ein Kontakt mit Wildschweinen absolut ausgeschlossen werden kann. Da es schwierig sei, Zäune schwarzwildsicher zu gestalten, müssten die Tiere dann wahrscheinlich in den Ställen bleiben, sagt Elke Reinking.

Denn Wildschweine sind besonders gefährdet. Und nirgendwo in Europa gibt es so viele von ihnen wie in Deutschland.

Warum fordern Jäger trotzdem, dass jetzt vermehrt Wildschweine geschossen werden?

Das Schwarzwild hat Mitteleuropa in den vergangenen Jahren im Sturm erobert. Mittlerweile hat es sich in alpinen Regionen über 1.000 Metern Höhenlagen eingerichtet und selbst im flachen Dänemark gehört Schwarzwild mittlerweile zur Fauna, teilt der Landesjagdverband Brandenburg (LJV) rbb|24 auf Anfrage mit.

Noch vor einigen Jahren waren in diesen Gegenden praktisch keine Wildschweine zu sehen. Und genau wie im übrigen Deutschland sind auch die Märkischen Wälder, Fluren und Vorstädte ein Schlaraffenland für Wildschweinrotten. Zwar könne man Wild nicht zuverlässig zählen, sagt der LJV, das es mehr Tiere gäbe, zeigen allerdings die Abschusszahlen. So wurden im Jagdjahr 2016/17 rund 76.500 Wildschweine geschossen. Das entspreche einer Steigerung um acht Prozent im Vergleich zum Jagdjahr 2015/16. Ab dem 1. April gibt es in Brandenburg eine Prämie für Jäger, die Wildschweine töten.

Die enormen Bestände stellen ein hohes Risiko für eine schnelle Ausbreitung dar, wenn die Afrikanische Schweinepest tatsächlich die Region erreicht. Entsprechend hoch wäre dann auch das Risiko für die Schweineproduktion.

Sendung: Inforadio, 12.01.2018, 18 Uhr

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Sorry,ich habe vorschnell reagiert(Bauchgefühl).Natürlich stimme i.Ihnen zu.Jetzt wo i.weiß,das es auch andere Mittel u.Wege gibt den Bestand an Wildschweinen zu minimieren,sehe ich die Situation mit ganz anderen Augen.Das Skandalöse an der deutschen Massentierhaltung ist,daß dort nicht nur für Deutschland produziert wird,sondern i.erster Linie das Fleisch nach China u.sonstwohin verfrachtet wird.

  2. 6.

    Falsch - das infizierte Fleisch darf garnicht in der Verkauf gelangen und der Bauernverband, der jetzt den Abschuss anmahnt, möchte nur eines: Profit maximieren auf Kosten der Massentierhaltung. Und dafür ist den Landwirten jedes Argument Recht - vor allem wird der Erreger auch über den Kot der Tiere übertragen - es ist nichts gesichert - vor allem eine Übertragung auf Mastschweine in geschlossenen Betrieben - also ist alles nur Panikmache, Rechtfertigung für jagdgeile Leute. Ja es gibt zu viele Wildschweine - aber jetzt wie wild rumballern zu lassen - bin gespannt, wann die schussgeilen Jäger nicht nur auf Wildscchweine zielen, sondern wieviele geschützte Tiere und Haustiere weggeballert werden.

  3. 5.

    Wieso nicht?Alleine im Berliner Forst(Norden)gibt es viel zu viele Wildschweine.Abschuß frei und ab zur Wurstverarbeitung.Ich freu mich schon auf leckere Wildschweinsalami.

  4. 4.

    Sie haben vollkommen recht, haben den Fehler korrigiert, danke!

  5. 3.

    Völlig unlogisch, die dargestellte Sachlage! Welcher Schweinehalter rennt denn auf die Raststätten und grast die nach Essensresten ab? Wenn Wildschweine Müllkörbe durchwühlen und sich da anstecken, wie kommt dann bitteschön der Virus in die Schweinemastanlagen? Ist da vielleicht der IS involviert? Das einzige, was ich konstatieren muß, ist das Anleiern einer Panikveranstaltung und das Abnicken der zivilisatorischen Schweinereien, etwa den Omis aus der Ukraine die Wurstbüchsen zu konfiszieren, damit sie die Luxusprodukte unserer Verwurstungsorgane kaufen müssen für teures Geld. Die Jäger haben es bis jetzt nicht auf die Reihe bekommen, die Wildschweinbestände zu regulieren, da schielen sie schon auf staatliche Abschußprämien. Jäger aus den Schichten des Prekariats eben.

  6. 2.

    Heisst es nicht "hiesige" und wird mit weichem S geschrieben?

    Tja, jetzt haben die Jäger wieder Aufwind und wollen ballern was das Zeug hält. Und dabei kommen dann noch andere Tiere um, nennt der Jäger dann Kollateralschaden und kann halt passieren..... Ich bin gespannt, wer sich alles einfliegen lässt um hierzulande seiner Schussgeilheit freien Lauf zu lassen, wie neulich bei Angermünde, als Hochadel und Prominenz zum Halali bliesen......

  7. 1.

    die armen Schweine...im warsten Sinne des Wortes

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