Das kleine Eisbär-Baby mit Mutter Tonja im Tierpark Berlin (Quelle: Tierpark)
Video: Abendschau | 02.01.2018 | Arndt Breitfeld | Bild: Tierpark

Obduktion des Jungtieres - Tod nach 26 Tagen: Eisbären-Baby trank zu wenig

Traurige Nachricht aus dem Berliner Tierpark: Nur wenige Monate nach Fritz ist nun auch das noch namenlose Eisbären-Baby gestorben, das erst vor 26 Tagen auf die Welt gekommen war. Die erste Obduktion ergab: Das Jungtier trank nicht genug.

Nur wenige Wochen nach seiner Geburt ist das Eisbären-Baby im Tierpark Friedrichsfelde am frühen Dienstagmorgen gestorben. Das teilten Zoo und Tierpark mit. Nach ersten Untersuchungen im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) starb der kleine Bär an Austrocknung.

Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem sagte, es habe nicht genug Muttermilch getrunken. Der Grund dafür ist noch unklar. Ein Fehler der Eisbärenmutter sei nicht zu erkennen, so Knieriem. "Es hat 12 bis 15 Stunden lang zu wenig Milch bekommen und ist dann hinweggeschlafen." Knieriem hatte das Jungtier mit obduziert. Jetzt untersuche man, ob es Infektionen gab.  

Während man über das Geschlecht bisher noch nichts wusste, wurde mit der Todesnachricht nun bekannt, dass es eine kleine Eisbärin war.

Kleine Eisbärin wurde nur 26 Tage alt

Das Jungtier wurde nur 26 Tage alt.

Nach dem Tod des kleinen Eisbären Fritz (3. November 2016 - 6. März 2017) hatten die Tierpark-Verantwortlichen seit Anfang Dezember auf einen Nachfolger gehofft, jedoch war den Zoologen klar, dass das Überleben eines Jungtiers nicht selbstverständlich ist: "Wir wussten, dass die Jungtier-Sterblichkeit in den ersten Wochen sehr hoch ist, dennoch sind wir deprimiert und es macht uns traurig", teilte Eisbären-Kurator Florian Sicks mit. "Für uns heißt es nun, die Bilder der Überwachungskamera auszuwerten", ergänzte Knieriem.

Jede Störung und auch Lärm gelten als potenzielle Gefahren für die Eisbären-Aufzucht, und anders als bei Knut sollte das Junge auch nicht mit der Flasche aufgezogen werden.

Knieriem widerspricht Vorwürfen von Tierschützern

Der Berliner Tierschutzverein kritisierte am Dienstag die Eisbärenzucht in Zoos als "Sackgasse". Dass mehr als 60 Prozent der Jungtiere in deutschen Zoos in den vergangenen Jahren nur wenige Wochen alt geworden seien, spreche nicht für eine artgerechte Haltung.

Knieriem aber widersprach: Der Tod sei bitter, aber wie bei der Aufzucht von anderen Tierarten könne in Zoos - wie in der Natur auch - viel passieren. Berlin habe Glück mit Panzernashörnern gehabt - aber Pech mit Eisbären. Fehler bei der Haltung sehe er nicht.

Es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass die achtjährige Eisbärenmutter Tonja und ihr sechsjähriger Partner Wolodja - beide im besten Eltern-Alter - genetisch nicht miteinander harmonierten. Deshalb sollen sie sich auch erneut paaren.

Mutter und Junges waren wohlauf

Noch am Neujahrstag hatten sich die Tierpfleger erfreut gezeigt, das Eisbären-Junge wohlbehalten bei seiner Mutter Tonja zu entdecken und trinken zu sehen. Beim Blick auf die Überwachungskamera am Morgen des 2. Januar fanden die Tierpfleger jedoch einen leblosen Körper vor.

Die achtjährige Tonja hatten bereits zum zweiten Mal ein Junges zur Welt gebracht. Vater der kleinen Bärin war der sechsjährige Wolodja - genau wie bei Fritz.  

Eisbären-Baby hatte sich bisher gut entwickelt

Erst kurz vor dem Jahreswechsel hatte der Tierpark mitgeteilt, dass der kleine Eisbär große Fortschritte macht. Er nehme nun seine Umwelt immer stärker wahr, weil sich rund drei Wochen nach seiner Geburt die Gehörgänge geöffnet hätten, hieß es noch am vergangenen Freitag in einer Mitteilung der Tierpark-Verwaltung. Das Tier könne zudem seinen Kopf inzwischen allein halten. "Und es scheint, als hätte der Eisbär-Nachwuchs am 28. Dezember zum ersten Mal seine Augen geöffnet."

Die Eisbärin war am 7. Dezember zur Welt gekommen. Weil das Geschlecht bis Dienstag nicht bekannt war, hatte sie noch keinen Namen. Tierfreunde und Zoobesucher hatten sich bereits auf das Frühjahr gefreut. Dann sollten sie den Eisbären-Nachwuchs erstmals "in natura" sehen dürfen. Viele hatten gehofft, dass es endlich einen Nachfolger für Knut geben könnte, der 2006 im Zoologischen Garten zur Welt gekommen war, aber nur vier Jahre alt wurde.

Die kleine Eisbärin wurde nur 26 Tage alt

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Ich frage mich, wie es Tonja Nach dem Verlust geht. Sie hat sich so liebevoll um ihr Baby gekümmert. Aber es war ja auch so klein. Kann man den Zoodirektor nicht mal nach der Mama fragen, wie es ihr geht. So sehe ich um das kleine Eisbärmädchen trauere, Fühle ich auch mit der Eisbären Mutter

  2. 11.

    Es ist traurig, ja...

    Aber: nun wissen bestimmte Leute ab Frühjahr nix mit ihrer Zeit anzufangen, wollten sie doch täglich in den Tierpark :)

    Ich frage mich, ob diese Menschen, die jetzt SO trauern und in bestimmten Blogs/ Foren schreiben, das ganze Jahr wäre durch diese Meldung verhagelt, nix andres im Leben haben. Und für ihre Mitmenschen interessieren diese sich auch nicht...so ein empathieloses Volk! Wenn ein Mensch stirbt ist denen das egal...

  3. 10.

    Exakt. Aber was sich für einen Tierfreund hält, das will mit seinen fehlgeleiteten Trieben halt pflegen und bemutttern, egal wie schlimm die armen Tiere darunter leiden. Und die sogenannte 'Erhaltungszucht' ist nichts weiter als ein Deckmantel für das Kassemachen mit Tieren, das, wie schon bemerkt, gerade hier in Berlin immer üblere Ausmaße annimmt.

  4. 9.

    Es hat zu wenig getrunken. So ganz wundert es mich nicht..ich habe vor 2 Ta
    gen beim Anschauen des Videos noch gedacht, das Kleine hat echt Mühe an die Zitzen zu kommen..es ist ja dermaßen winzig im Vergleich zu der Mutter, die sich dann auf den Rücken legte und das Kleine musste richtig klettern, rutschte wieder runter und so fort um an sie dran zu kommen.
    Andererseits regelt das ja immer die Natur.. man soll ja nicht eingreifen ..und es sollte genug bekommen haben.

    Dass es dann aber so schwierig ist dranzukommen, wundert mich schon.

    Aber ich kenn mich nicht aus mit den Bären, vlt. kann einer ne Anzwort darauf geben.

  5. 8.

    Ich bin unendlich traurig über den tragischen Verlust. Troja hat sich wirklich liebevoll um die Kleine gekümmert.
    Trotz allem wünsche ich allen Pflegern und Pflegerinnen und gesundes und glückliches Jahr 2018

    Ruhe in Frieden!

  6. 7.

    Und wieder mal hat es nicht geklappt einen Nachfolger für Knut zu "züchten", wie schade !!! Hätte doch dann im Frühjahr im Berliner Zoo wieder ordentlich die Kasse geklingelt, alle wollen den ach so niedlichen Eisbären Nachwuchs sehen. Lieber Zoo und auch alle anderen Zoo's hört doch endlich auf mit diesen qualvollen Eisbär Experimenten ! Schon mal daran gedacht, dass die Eisbärenmütter auch sowas wie Gefühle/Mutterinstinkte haben ? Meint ihr nicht, dass Eisbärenmütter auch darunter leiden, wenn ihre Babys aus Dummheit der Menschen wegsterben? Es klappt nicht und es soll auch nicht sein, dass ihr der Mutter Natur in das Handwerk pfuscht. Mit Artenerhaltung hat das überhaupt nichts zu tun. Rettet und unterstützt die Eisbären in der Wildnis, da sollten die Gelder hinfließen. Nur in der Freiheit haben Eisbären eine Überlebungschance !

  7. 6.

    Wir haben der Kleinen so doll die Daumen gedrückt und sind jetzt unendlich traurig. Arme Tonja - hat sich so lieb um ihr Kleines gekümmert

  8. 5.

    Gut so. Damit ist dem armen Tierchen ein Leben in Gefangenschaft und Qual in einem der Berliner Zoos erspart geblieben, die unter dem neuen Direktor immer mehr zu teuren Touristenabzocken verkommen, um die immer mehr Berliner zu recht einen großen Bogen machen.

  9. 4.

    Dabei vergisste aber , dass das Artensterben , direkt oder indirekt , ausschliesslich von Menschen verursacht wird . Nicht die Aufnahmen von verhungernden Eisbären gesehen . Was ist die Lösung ? Einfach mal so die nächste Art verschwinden lassen und nur zugucken ? Was ausgerottet wurde , kommt nicht wieder . AUSSTERBEN tut keine Art .

  10. 3.

    Egal, was Berlin anpackt, es geht schief, lasst es doch bleiben!

  11. 2.

    Mal schauen, wie lange es dauert, bis die ersten mit Hinweis auf die Säuglingssterblichkeit die Tierhaltung in Zoos verteufeln werden.

  12. 1.

    OHNE WORTE. :-(
    vielleicht sollte man die ganze "züchterei" zum (haha!) artenerhalt doch endlich mal überdenken!
    zitat tierschutzbund: "Bei Eisbären und Delfinen wird ohne Rücksicht auf Verluste weiter versucht zu züchten, auch wenn der Großteil der Jungtiere noch vor oder kurz nach der Geburt stirbt und absehbar ist, dass es für diese
    Arten kein erfolgreiches Zuchtprogramm in Gefangenschaft geben kann."

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