In der Flüchtlingsunterkunft in Cottbus wurden am Neujahrsmorgen drei Flüchtlinge tätlich angegriffen. (Quelle: rbb/Brandenburg aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 10.01.2018 | Phillip Manske | Bild: rbb

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angriff auf Flüchtlinge - Verhalten der Wachschützer in Cottbus wird überprüft

Unbekannte haben Flüchtlinge in Cottbus bis in deren Unterkunft verfolgt und dort verprügelt - obwohl es in dem Gebäude einen Wachschutz gibt. Die Stadt prüft jetzt, ob der Sicherheitsdienst Fehler gemacht hat. Derweil ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Nach dem Angriff mehrerer Unbekannter auf drei Flüchtlinge in einer Unterkunft in Cottbus ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Cottbus wegen gefährlicher Körperverletzung.

Das sagte Oberstaatsanwältin Petra Hertwig am Donnerstag dem rbb.

Angriff mit einem Gegenstand

Es gehe um gefährliche Körperverletzung, weil die Tat gemeinschaftlich begangen worden sein soll – und mit einem Gegenstand, mutmaßlich einer Flasche, mit der einer der afghanischen Männer niedergeschlagen wurde, so Hertwig.

Am Donnerstag sollen weitere Zeugen vernommen werden. Danach will die Staatsanwaltschaft möglicherweise öffentlich nach den Tätern fahnden. Inzwischen sei auch das Videomaterial aus der Überwachungskamera in der Unterkunft sichergestellt worden. Bei dessen Auswertung wird es auch um das Verhalten der Sicherheitsleute gehen.

Staatsschutz ermittelt

Weiterhin unklar ist, wie die Angreifer ins Gebäude gelangen konnten und wie sich der Wachschutz bei dem Vorfall verhalten hat. Zwar haben die Sicherheitsleute die Polizei alarmiert. Offen ist aber, wann sie die Einsatzkräfte riefen und wie sie sich bis zu deren Eintreffen verhielten.

Derzeit überprüft die Stadtverwaltung, ob der Sicherheitsdienst Fehler gemacht hat, denn der Wachschutz ist von der Stadt beauftragt und nicht vom Träger der Flüchtlingsunterkunft. 

Die Verletzungen der Opfer bedauerte die Stadt. Am Mittwoch hatte Sprecher Jan Gloßmann dem rbb gesagt, dass es noch keinen Hinweis auf ein Fehlverhalten gebe. Die Untersuchungen liefen aber noch. Auch die Staatsanwaltschaft hat dafür im Moment keine Anhaltspunkte.

Angriff bereits in der Silvesternacht

Drei Flüchtlinge aus Afghanistan waren eigenen Angaben zufolge in der Silvesternacht auf dem Weg in ihre Unterkunft von mindestens sechs Deutschen zunächst beleidigt und dann geschlagen worden. Einer der drei Flüchtlinge war demnach mit gebrochenem Kiefer bewusstlos liegen geblieben. Er musste mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden.

Seine beiden Begleiter wurden bis zur Unterkunft verfolgt, in der insgesamt 62 Flüchtlinge leben. Dort habe er geklingelt, erklärt einer der beiden mit Hilfe eines Übersetzers dem rbb, die Security habe geöffnet, ein Angreifer sei mit ins Haus gekommen und die Schlägerei sei weitergegangen.

Initiative erhob schwere Vorwürfe

Der Vorfall wurde erst eine Woche später bekannt, als die Bürgerinitiative "Cottbus schaut hin" schwere Vorwürfe gegen die Wachleute erhob. Diese hätten die Angreifer hereingelassen und anschließend zugesehen, wie die Flüchtlinge verprügelt wurden, schreibt die Initiative auf ihrer Internetseite und beruft sich dabei auf Aussagen der Angegriffenen. Zwei Betroffene bestätigten diese Version der Ereignisse dem rbb bereits am Dienstag.

Etwas abweichend hieß es nach den ersten Ermittlungen der Polizei, dass mehrere Deutsche an der Tür geklingelt haben sollen. Die Mitarbeiter hätten die Tür geöffnet - als daraufhin keiner eingetreten sei, hätten sie nachgesehen. Dann hätten vier Männer und zwei Frauen die Unterkunft gestürmt und seien auf mehrere Flüchtlinge losgegangen.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wird als "Wachschutz" bezeichnet, aber vielleicht eigentlich nur Personen welche vom Jobcenter gedrängt wurden für Minimallohn da mal was machen zu gehen. Z.B. aus eigener Erfahrung, ich war angestellt bei Firma welche mit Empfangsdienst und Sicherheitsdienst wirbt, und da war ich als "Night Auditor" (also technisch nicht Managerposition) nachts alleine in 180+ Zimmerhotel, was ziemlich unprofessionell geschweige denn dass es dann noch dazu kam dass mir gekündigt wurde nach dem ich mich weigerte Anweisung des Empfangschef griechische Bürger zu diskriminieren zu befolgen (und dazu noch von Agentur für Arbeit als sozialwidrig eingestuft, inkl. Sperrzeit, weil ehemaliger Arbeitgeber behauptet dass ich Arbeitspflicht verletzt hätte, und kein Interesse bei der Agentur dass der Arbeitgeber gegen Gesetz bzg. Arbeitszeiten verstieß).

    Was an für sich sicherlich nichts über den genannten Fall aussagt, aber die Zustände in dem Gewerbe scheinen allgemein mindestens ziemlich merkwürdig.

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