Flüchtlinge suchen am 27.07.2016 in Berlin bei der Flüchtlingshilfe "Moabit hilft" nach Kleidung (Quelle: dpa/ Kay Nietfeld)
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Audio: radioeins | 26.01.2018 | Gespräch mit Nico Schmolke | Bild: dpa/ Kay Nietfeld Download (mp3, 4 MB)

Delegation aus New York - Amerikanische Studenten lernen in Berlin Flüchtlingshilfe

New York ist Weltstadt - und so international wie kaum eine andere Metropole der Welt. Dennoch wollten jetzt zwölf New Yorker Studenten von Berlin lernen, wie Integration funktioniert. Von Nico Schmolke

In der Kleiderkammer von Moabit Hilft wird an diesem Tag nicht Deutsch gesprochen, nicht Arabisch, nicht Persisch. Sondern Englisch.

Zehn Tage lang besuchen zwölf New Yorker Studenten die Hilfsinitiative am Lageso (Landesamt für Gesundheit und Soziales) und andere Projekte. Sie haben sich selbstständig zusammen gefunden und den Trip nach Berlin organisiert. Jetzt sortieren sie Kleidung, betreuen Kinder und übersetzen. Einige der Studenten aus den USA sprechen selbst Arabisch oder Persisch - eine typisch bunte Gruppe aus New York halt.

Doch warum von Berlin lernen? Sollte New Yorker nicht selbst am besten wissen, wie Zusammenleben in einer multikulturellen Stadt funktioniert?

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Erste Begegnung mit Kriegsflüchtlingen

Eine der Studenten ist Aya, 18 Jahre alt: "Ich bin selbst Araberin und Muslima. Und ich empfinde eine Pflicht, den Leuten zu helfen, die sind wie ich." In den USA sei sie Flüchtlingen direkt aus einem Kriegsgebiet bislang nicht begegnet. Genau mit denen will sie später aber arbeiten, als Journalistin oder Menschenrechtsanwältin. "In Berlin gibt es Initiativen, die schon lange arbeiten, mit viel Erfahrung. Davon will ich lernen", sagt Aya.

Währenddessen legen ihre Kommilitonen Kleidung zusammen. Noch immer bekommt Moabit Hilft Spenden. Und noch immer kommen jeden Tag etwa 100 Bedürftige und fragen nach Schuhen, Jacken, Rucksäcken.

Die New Yorker sind beeindruckt, dass diese Hilfe auf private Initiative beruht. "Wir dachten, das wäre alles staatlich organisiert", sagt Mahwisch, 21 Jahre alt und Medizinstudentin. "Aber das machen hier einfach Anwohner oder andere Flüchtlinge, die freiwillig helfen. Du musst nicht mit der Regierung arbeiten, um etwas zu bewegen, jeder Einzelne kann etwas tun." Diesen Spirit wollen die Studenten mit nach Hause in die USA nehmen, wo Hilfe oft staatlich organisiert ist.

Dankbarkeit, aber auch ein Hitlergruß

Die New Yorker nehmen aber nicht nur etwas mit, sondern sie wollen auch etwas geben – ihre eigenen Erfahrungen. Mahwish ist in Pakistan geboren und kam als Zweijährige nach New York. "Ich bin dort mit ganz verschiedenen Kulturen aufgewachsen - und das hat funktioniert. Jetzt will ich etwas dazu beitragen, dass es an Orten wie Berlin ebenfalls klappt", sagt Mahwish.

Denn auch Berlin hat da noch Nachholbedarf. Die 18-Jährige Aya trägt Kopftuch und ist von einer Erfahrung in Berlin ziemlich schockiert. Am Vortag wurde sie auf der Straße angepöbelt, ein Mann zeigte vor ihr einen Hitlergruß.

Bei Moabit Hilft freut man sich über die Unterstützung aus New York. "Die Geflüchteten hier treffen vielleicht das erste Mal auf Menschen aus New York", erzählt Christiane Beckmann, Geschäftsführerin des Vereins. "Vielleicht kennen sie Amerika nur über Trump und Fake News. Und jetzt sehen sie, dass bei uns zwölf Amerikaner sind, die hier helfen und denen die Herkunft der Menschen egal ist."

Während sich die Eltern des Mädchens Kleidung aussuchen, spielt die New Yorkerin Mahwish (21) mit ihm eine Partie Dame (Quelle: rbb/ Nico Schmolke)
Während sich die Eltern des Mädchens Kleidung aussuchen, spielt die New Yorkerin Mahwish (21) mit ihm eine Partie Dame. | Bild: rbb/ Nico Schmolke

Über 80 Delegationen in Berlin

Der Besuch aus New York ist dabei kein Einzelfall, zu Moabit Hilft kommen immer wieder Studenten, Aktivisten und auch Politiker aus anderen Ländern. Die Initiative ist international bekannt, weil sie direkt am Lageso arbeitet, wo vor zwei Jahren noch Chaos herrschte.

Und nicht nur Moabit Hilft bekommt Besuch. Im letzten Jahr waren über 80 Verwaltungsdelegationen in der Stadt, die sich die Registrierung und Unterbringung durch den Senat angeschaut haben, erklärte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten im rbb. Und die Gäste kamen nicht nur aus Nachbarländern wie Frankreich, sondern sogar aus dem Irak oder Nigeria.

Während die Berliner also gerne über ihre Stadt meckern, will man im Ausland von Berlin lernen. Die New Yorker sind mittlerweile wieder abgereist. In der Zukunft wollen sie als Ärzte, Anwälte oder Lehrer anderen Bedürftigen helfen. Ihre ersten Erfahrungen haben sie dann wohl in Berlin gemacht.

Beitrag von Nico Schmolke

Kommentar

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Antwort auf [Peter] vom 28.01.2018 um 09:34
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4 Kommentare

  1. 4.

    Jippie! Ich galube, ich hab in Ihrem Beitrag auf dem zweiten Bild endlich diese mysteriöse Sockenpuppe gefunden! Danke RBB! ;-D

  2. 3.

    Ich frage mich was uns die Kommentatoren der Kommentare #1 und #2 sagen wollen?

  3. 2.

    "Ich bin selbst Araberin und Muslima. Und ich empfinde eine Pflicht, den Leuten zu helfen, die sind wie ich."
    Ein weiterer Beweis dafür, dass jeder und jede nur seinesgleichen Hilft. Auch sind einem meist nur die Leute symphatisch, die sind wie man selbst.

  4. 1.

    Es gibt wahrlich besser Plätze auf der Welt so man lernen kann "wie Integration funktioniert"...

    Vielleicht sollte man auch ein Besuch in Cottbus machen und nicht nur in hip hip Berlin.

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