Seniorenheim in Frankfurt (Oder) (Quelle: dpa/Pleul)
Video: Abendschau| 10.01.2017 | Martin Küper | Bild: dpa/Pleul

Gesundheitsbericht Berlin-Brandenburg - "Der Krankenstand der Pflegeberufe ist besorgniserregend"

44,7 Millionen Arbeitstage waren Arbeitnehmer in Berlin und Brandenburg im Jahr 2016 krank. Besonders hoch ist der Krankenstand in den Pflegeberufen. Den geringsten Krankenstand in der Region hat wiederum ein Berliner Bezirk.

Berufstägige Berliner und Brandenburger waren im Jahr 2016 im Schnitt drei Wochen krank gemeldet. Das geht aus dem jüngsten Gesundheitsbericht der beiden Länder hervor, der am Mittwoch vorgestellt wurde [pdf].

20 Fehltage im Jahr entsprechen einer Quote von 5,5 Prozent. Damit liegt die Region Berlin-Brandenburg knapp über dem Bundesdurchschnitt. Dabei sind die Brandenburger mit 22 Tagen deutlich häufiger krank als die Berliner (19), was unter anderem auf das höhere Durchschnittsalter der Brandenburger zurückgeführt wird.

"Wir haben vor 25 Jahren einen deutlichen Verlust erlitten", sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) dem rbb. Damals seien viele junge Menschen gegangen. Zudem wurden weniger Menschen geboren. "Die Belegschaften sind älter. Da kommt es häufiger zu altersbedingen Erkrankungen als im Bundesschnitt."
 

Daten von zwei Millionen Beschäftigten

Den geringsten Krankenstand hat in Berlin der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg (3,9 Prozent), den höchsten Marzahn-Hellersdorf (6,2 Prozent). In Brandenburg gab es die wenigsten Krankmeldungen in Potsdam (5,1) und die meisten in den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin (je 6,6 Prozent).

Am häufigsten waren Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenleiden der Grund für Krankschreibungen, gefolgt von psychischen und Atemwegserkrankungen. Am längsten fehlen die psychisch Erkrankten mit 34 Tagen. Dagegen sind die körperlich aktiven Berufe, vergleichsweise unauffällig. Ausgewertet wurden die Krankmeldungen bei den gesetzlichen Kassen – das sind die Daten von rund zwei Millionen Beschäftigten.

In beiden Ländern ist der Wert damit seit 2014 leicht gestiegen. Hochgerechnet auf 2,22 Millionen Erwerbstätige in Berlin und Brandenburg entspreche das 44,7 Millionen Arbeitstagen, die der Region im Jahr 2016 durch Arbeitsunfähigkeit verloren gingen, so die Senatsverwaltung für Gesundheit. "Umgerechnet ergebe sich dadurch ein Produktionsausfall in Höhe von 4,25 Milliarden Euro. In 2014 waren es 3,86 Milliarden Euro und in 2015 4,07 Milliarden Euro."

Suche nach "jungen Leuten"

Uwe Bindseil von Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg sagte dem rbb, ihm bereite der Krankenstatus in der Alten- und Krankenpflege "die größte Sorge", also "die Menschen, die uns helfen sollen". Man müsse jetzt daran arbeiten, diese Berufe attraktiv zu machen, so dass "junge Leute in die Berufe gehen und das Thema Pflege in den nächsten zehn Jahren noch funktioniert". Der Krankenstand in der Berufsgruppe der Altenpflege betrug in Berlin im Jahr 2016 bei den Frauen 9,2 Prozent und 9,1 Prozent in Brandenburg. Bei den Männern waren es 6,7 Prozent (6,4 Prozent) und sei "besorgniserregend".

Für Golze ist der Bericht zudem ein "Alarmzeichen". Sie setze jetzt vor allem auf Prävention. Mit mehr Personal will Golze gegen die hohe Zahl an psychischen Erkrankungen – besonders im Gesundheitswesen – ankämpfen. Die Ministerin für Arbeit, Soziales und Gesundheit kritisierte außerdem, dass Arbeitnehmer heute ständig erreichbar sein müssten.

Berlins Gesundheitsstaatssekretär Boris Velter (SPD) wertet den Bericht als Bestätigung für die Präventionsbemühungen des Landes Berlin. Nicht zuletzt in den Gesundheitsberufen – in der Pflege und in Krankenhäusern – sind Arbeitsdruck und Krankenstand hoch. Deshalb sei es gut, dass Berlin den Krankenhäusern nun mehr Geld zur Verfügung stelle, um so auch die Arbeitssituation zu verbessern.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    ich sage ja schon immer :
    "Lieber reich und gesund-
    als arm und krank "
    Früher gab es mal die pflegende Familie---------

  2. 1.

    " Man müsse jetzt daran arbeiten, diese Berufe attraktiv zu machen," ( schon wieder Konjunktiv ! )

    höchste zeiT !! wie macht man Berufe attraktiv ? gute Ausbildung, angemessene Arbeitszeiten , ein gutes Einkommen .
    und Anerkennung durch die Gesellschaft
    Der Pflegebruf ist anstrengend und auch seelisch belastend , täglich hilflose Menschen zu betreuen ist nicht gerade einfach
    und bei Überlastung schlägt das auch auf die eigene Befindlichkeit durch . Jeden kann das Schicksal ereilen ein Pflegefall zu werden, aber bis heute gilt : arm u. krank, ganz schlechte Karten

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