Bei Bauarbeiten der Wasserbetriebe sind Teile der alten DDR-Grenzanlagen gefunden worden (Quelle: rbb/Matthias Bartsch).
Video: Abendschau | 11.01.2018 | Bild: rbb/Matthias Bartsch

Bei Bauarbeiten im Prenzlauer Berg - Alter Fluchttunnel überraschend im Berliner Mauerpark entdeckt

Weltkriegsbomben oder Schlossfundamente: In Berlins Unterwelt liegt viel Geschichte begraben. Bei Bauarbeiten im Mauerpark ist nun ein 80 Meter langer Fluchttunnel zwischen Ost- und Westberlin freigelegt worden.

Bei Bauarbeiten am Eingang zum Mauerpark in Berlin-Prenzlauer Berg sind unterirdische Teile der ehemaligen Grenzanlagen zwischen Ost- und Westberlin gefunden worden. Unter anderem wurde eine große Betonplatte mit eingegossenen Fahrzeugsperren und Zaunpfosten entdeckt, die eine Flucht aus der DDR verhindern sollte.

Das teilte der Sammlungsleiter der Gedenkstätte Berliner Mauer, Manfred Wichmann, am Donnerstag mit. Zuerst hatte die "Berliner Zeitung" darüber berichtet.

Die Funde zeigten insbesondere, wie die Grenzanlagen die bestehende Stadtstruktur durchschnitten und zerstörten, erklärte Wichmann. Er befürworte, die Platte als Ganzes zu erhalten. Man könne sie nach Abschluss der Arbeiten am originalen Platz sichtbar machen, etwa durch ein sogenanntes "archäologisches Fenster".

"Dafür wäre aber eine entsprechende Umplanung der Gestaltung erforderlich, was die Stiftung zusammen mit dem Landesdenkmalamt begrüßen würde", so Wichmann.

80 Meter langer Fluchttunnel von Westen gegraben

Zudem wurde ein 80 Meter langer Fluchttunnel zwischen Ost und West entdeckt. Er führte von der damals im Osten liegenden Eberswalder Straße hinüber in den Westen der Stadt zum einstigen Güterbahnhof. Fundamente der alten Bahnanlagen wurden ebenfalls ausgegraben.

Wie der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz, sagte, soll dieser von Westen aus gegraben worden sein. Die Stasi sei vor Fertigstellung jedoch über den Bau des Tunnels informiert worden. "Der wurde verpfiffen, also soll die Stasi von der anderen Seite entgegen gegraben haben, um ein Durchbrechen zu verhindern", so Natz. Es gebe einen 74-jährigen Zeitzeugen, der entscheidende Hinweise zur Geschichte des Tunnels gab.

Bei der Stelle handelt es sich laut Manfred Wichmann um einen besonders markanten Punkt an der früheren Grenze, an dem bereits mindestens vier Fluchttunnel bekannt sind. Was mit dem Tunnel passiert, wird derzeit geprüft. 

Im Mauerpark legen die Berliner Wasserbetriebe momentan einen 654 Meter langen unterirdischen Kanal an. Er soll als riesiger Abwasserspeicher genutzt werden. Mehr als sieben Millionen Liter sollen dort zwischengespeichert und später kontrolliert abgepumpt werden können. Etwa zehn Millionen Euro soll der Speicher kosten, haben die Planer der Wasserbetriebe ausgerechnet.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Entbehrlicher Kommentar. Alles ist schlecht. Selbst wenn etwas Gutes passiert, muss noch schnell -der höheren Aufmerksamkeit wegen- die Sarkasmus-Knute geschwungen werden. Ermüdend.
    Ich plädiere für mehr Gelassenheit in der öffentlichen Äußerung.

  2. 1.

    Man möchte geschichtliches erhalten? In Berlin? Das ist ja völlig neu, vor allem wenn es um den sozialistischen Teil der Geschichte geht.

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