Links der Eingang des Musikhauses Bading vor dem Brand, rechts der Eingang mit Brandschäden und Botschaften an der Tür (Quelle: imago/Jürgen Ritter/rbb)
Video: Abendschau | 09.01.2018 | Regina Passchke | Bild: imago/Jürgen Ritter/rbb

Nach Brand durch Silvester-Attacke - Neuköllner Musikhaus erfährt Welle der Solidarität

Das Musikhaus Bading in Neukölln stand vor seinem 100. Geburtstag, doch in der Silvesternacht wurde es mit Feuerwerkskörpern beschossen. Der Weiterbetrieb ist fraglich. Doch die Solidarität ist riesig: im Netz, auf der Straße und im Bezirksamt. Von Mark Allhoff

Es dauert keine zehn Sekunden, bis die ersten stehen bleiben. "Was ist denn hier passiert", fragt ein Passant. Ein anderer antwortet mit wütender Stimme: "Irgendwelche Chaoten haben hier an Silvester Böller durch die Scheibe geschossen, danach gab es ein großes Feuer."

Gut eine Woche nach dem Pyro-Angriff auf das Traditionsgeschäft "Musik Bading" an der Ecke Karl-Marx-Straße/Thomasstraße in Berlin-Neukölln versperren immer noch triste Spanplatten den Blick in die sonst mit polierten Instrumenten und Notenheften ausgelegten Schaufenster. Mit einem Unterschied: Seit einigen Tagen sind Worte der Anteilnahme auf die Platten geschrieben. Blumen stehen vor der Eingangstür, die mit unzähligen bunten Zetteln beklebt ist. Auf ihnen ist vor allem Zuspruch zu lesen. Für die Autoren gehört das Musikhaus offenbar zum Kiez dazu. Es dürfe nicht wegen ein paar Randalierern weichen, heißt es.

Bunte Zettel mit Botschaften der Solidarität von Anwohner auf der Haustür des Musikladens Bading in Neukölln (Quelle: rbb/Allhoff)
Die Eingangstür des Ladens ist mit Mutmacher-Zetteln zugepflastert | Bild: rbb/Allhoff

Anteilnahme und Wut über den Brandangriff - Täter noch unbekannt

"Vor 35 Jahren haben mir meine Eltern hier meine erste Blockflöte gekauft. Ich bin sprachlos. Alles Liebe, Familie Bading", ist auf einem Zettel geschrieben. Manche äußern auch ihr Unverständnis über die Tat. "Sprachlos - gebt den Gedanken an das Gute im Menschen nicht auf", oder: "Total geschockt und traurig. Was sind das für Menschen?"

Eine Antwort auf diese Frage hat die Polizei bisher nicht, die Ermittlungen beim Brandkommissariat des Landeskriminalamt laufen. "Wir haben noch keine Tatverdächtigen ermittelt", sagte Polizeisprecher Michael Gassen am Montag auf Anfrage von rbb|24. Es gebe aber auch noch einige Zeugen, die angehört werden müssten.

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge lösten sich in der Nacht mehrere Personen aus einer Gruppe Randalierer. Zuerst zerstörten sie mit Pyrotechnik ein Fenster des Ladens - anschließend warfen sie Feuerwerkskörper durch das Loch in der Scheibe in den Verkaufsraum. Die Polizei geht also von Brandstiftung aus.

Ein Zettel mit aufmunternden Worten klebt auf der Tür des Musikladens Bading in Neukölln (Quelle: rbb/Allhoff)
Nachbarn richten sich mit ihren Schriften direkt an die Badings | Bild: rbb

100-jähriges Jubiläum im kommenden Jahr

"Schallplatten, CDs, Instrumente - der ganze vordere Teil des Ladens ist verkokelt", erzählt Dieter Götz, enger Vertrauter der Familie Bading und seit mehr als 50 Jahren im Laden tätig. Seitdem sei der 68-Jährige nicht mehr oft dort gewesen. "Mein Arbeitsplatz ist ja quasi abgebrannt."

Eigentlich wollte er zusammen mit der 94-jährigen Gründererbin Brünhilde Schibille in jedem Fall noch bis April 2019 weitermachen. "Dann wäre das Geschäft 100 Jahre alt geworden." Der Brand machte dieses Minimalziel vorerst zunichte - die Familie ist unsicher, ob es noch weitergehen kann.

Bezirksbürgermeisterin Giffey bietet Hilfe an

Motivation dafür kommt auch direkt aus dem Bezirksamt Neukölln. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bietet auf ihrer Facebookseite der Familie ihre volle Unterstützung an - es hätten sich bereits viele Leute bei ihr gemeldet, die ebenfalls helfen wollten.

Unter dem Post schlagen einige User zudem eine Crowdfunding-Kampagne für das Musikhaus vor, um Geld für die Instandsetzung der Brandschäden zu sammeln. Und sogar eine eigene Facebookseite mit dem Namen "Solidarität für das Musikhaus Bading" hat sich gegründet.

Die riesige Anteilnahme sei natürlich auch nicht an Dieter Götz vorbeigegangen und erreiche auch die Familie. "Die ganzen lieben Zettel an der Tür sind wunderbar. Ich habe auch von einer kleinen Aktion von Anwohnern gehört, bei der vor dem Laden ein bisschen auf dem Leierkasten gespielt werden soll." Auch ein Benefizkonzert sei ihm schon zu Ohren gekommen.

Ob das den Badings allerdings genug Kraft gibt, um den Laden nochmal aufzupolieren und die 100 Jahre doch noch voll zu machen, kann Götz noch nicht sagen. "Die Chefin sagt immer: 'Der Mensch denkt und Gott lenkt'. Aber wir werden das irgendwie schaffen, den Laden nochmal zum Laufen zu bringen."

Sendung: radioBerlin 88,8, 08.01.2018, 16 Uhr

Beitrag von Mark Allhoff

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Na, Fräulen, etwas mehr denken - schauen Sie sich eben dort um - wenn das Geschäft nicht wieder von den Eigentümern weiter betrieben wird - wer wird dann wohl der "neue" Inhaber /Käufer r sein ? Schauen Sie sich um. Die Antwort können Sie sich selbst geben.

  2. 10.

    Berlin liebt nicht die Randale Herr Wladimir in Zossen.
    Ihre pauschalen Urteile, die Sie sich ständig erlauben sind geistige Tiefstflüge.
    Erst Hirn einschalten, dann tippseln......

  3. 9.

    Hoffentlich kann es mit dieser Institution weitergehen. Es lag auf meinem täglichen Schulweg, später bin ich aus Buckow regelmäßig dort hingefahren, um Gitarrensaiten etc. zu kaufen.

    Was Frau Larve, die offenbar in der Wahlurne mit dabei war, uns mitteilen will: Hättet ihr mal alle stramm rechts gewählt, dann hätte ein Raketenabwehrsystem die Flugbahn des Pyro gestoppt und natürlich wären Käufer von Feuerwerkskörpern flächendeckend observiert worden, zumindest die mit verdächtig klingenden Namen. Es gibt halt kein Ereignis, aus dem die Dauergefrusteten nicht doch noch irgendwie Kapital schlagen zu versuchen.

  4. 8.

    Man sollte nicht vergessen, daß die Leute, die hier so solidarisch Kerzen aufstellen, die selben sind, die in Berlin weiterhin Parteien wählen, die jegliches umsetzen von Rechtsstaatlichkeit blockieren.

    Die Zustände in Neukölln sind bekannt, doch bei Straftaten wird immer gern ein Auge zugedrückt.
    Nun kriegt u.a. eben so ein kleiner Laden dafür die Quittung.

  5. 7.

    Hi,
    ich wohne auf den Karl-Marx-Platz, um die Ecke dort.
    Zum einem, warum sollten Passanten wenn um Mitternacht Leute Böller schmeißen und Raketen starten
    die Polizei rufen. Wie soll das gehen?
    Zum anderen scheint eine Scheibe im Oberlicht geborsten zu sein, was wohl beim Böllern passiert ist.
    Es scheint dann ein Passant beim Vorbeigehen reingeböllert zu haben, wie konnte man das ahnen?
    Vor 5 Jahren waren alle Frontscheiben in unsrem Haus gesprungen, was durch Böller kam.
    Es hat nichts mit Berlin zu tun und auch nicht mit Randale. Seit 2013/14 als die Bilder
    Von der Emserstr, Ecke Hermannstr., (Fast ein 1 Km entfernt ist) war es auch vorher ruhig in den Bereich um
    die Karl-Marx-Str .
    Eine Vollflächenüberwachung mit Polizeiruf hätte da auch nichts gebracht. Ich kenne keine Polizei, die
    Um Silvester in 10 Minuten Vorort gewesen wäre und prophylaktisch alle kontrolliert.

  6. 6.

    Es sollten mehr Stellen in der Feuerwehr-Leitstelle besetzt zu werden, schon an einem ganz normalen Tag steckte ich letztens bei der 112 zwei Minuten in der Warteschleife, an Silvester hatte ich auch schon zehn Minuten. Das wäre mal gut investiertes Geld!

  7. 5.

    So ist nun mal Berlin. Es liebt die Randale.
    Warum haben dann nicht Passanten schon bei den ersten Böllern auf den Laden die Polizei gerufen???

  8. 4.

    ist schon merkwuerdig. erst wird eine traditionelle apotheke aufgegeben, dann brennts eine ecke weiter. dieser kiez befindet sich in grossem wandel. brandstiftung ist sehr wahrscheinlich, da die "ueblichen verdaechtigen" eher in der umgebung zu suchen sind. wo wurde die goldmuenze gefunden??

  9. 2.

    schlimmer gehts nimmer
    mein Mitgefühl der Bading's

    und solche Chaoten sind nun unter uns
    es wird ja immer noch irgendwo geknallt
    das ging vor Weihnachten schon los und dauert noch an

  10. 1.

    Ich entschuldige mich vorab: dieser feige Mob, der null Respekt vor dem Werk und dem Eigentum anderer hat und dessen Existenz wissentlich ruiniert, der kann auch getrost beim Sch....en vom Blitz getroffen werden.
    Pfui Deibel auch......

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