Dr. Christoph T. mit Anwälten (Quelle: rbb/Morling)
Video: Abendschau | 11.01.2018 | Norbert Siegmund | Bild: rbb/Morling

44-Jährige tötet sich mit Schlaftabletten - Steglitzer Arzt wird wegen Sterbehilfe der Prozess gemacht

Eine chronisch kranke Frau tötet sich mit Tabletten. Nun steht ihr Hausarzt vor Gericht - nicht nur, weil er ihr die Pillen verschrieben hat. Er hätte ihr in den drei Tagen, die die Frau noch lebte, helfen müssen, sagt die Anklage. Der Arzt steht zu seinem Verhalten. Von Ulf Morling

Gegen Dr. Christoph T. wird im größten Gerichtssaal des Landgerichts Berlin verhandelt. Der grauhaarige schmale Mann kommt mit seinen beiden Verteidigern erhobenen Hauptes in den Verhandlungssaal. Die Fernsehteams und Fotografen sollen bitte sein Gesicht bei der Veröffentlichung der Bilder nicht unkenntlich machen: Er stehe dazu, seiner Patientin bei der Erfüllung ihres Todeswunsches beigestanden zu haben, sagt er im Interview. "Ich bin überzeugt, mich in ethisch und rechtlicher Hinsicht als Arzt richtig verhalten zu haben", betont Dr. Christoph T. gegenüber dem rbb.

13 Jahre lang war Anja D. (44) Patientin beim angeklagten Arzt für Innere Medizin. Seit ihrer Jugend hatte sie unter einer chronischen Krankheit gelitten, die stark ihr Privatleben beeinflusste. Laut Ermittlern gingen wegen ihres Leidens zwei Beziehungen in die Brüche und D. vereinsamte im Laufe ihres Lebens zusehends, als alle Heilungsversuche scheiterten. "Fünf Suizidversuche in 30 Jahren, da kann ich meine Hilfe nicht verweigern", sagt ihr angeklagter Hausarzt. Dennoch wirft ihm genau das die Staatsanwaltschaft vor.

Zähes Ringen um die Zulassung der Anklage

Von einer "Tötung auf Verlangen" ist im § 216 des Strafgesetzbuchs die Rede:

(1) Ist jemand durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Getöteten zur Tötung bestimmt worden, so ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen…

Christoph T. war aber laut Staatsanwaltschaft nicht nur von seiner Patientin dazu bestimmt worden, sie beim Sterben zu unterstützen. Nachdem Anja D. ein Mittel gegen Erbrechen gespritzt worden war und sie am 16. Februar 2013 bis zu 150 Tabletten des Schlafmittels eingenommen hatte, soll sie ihrem angeklagten Hausarzt das mit einer SMS mitgeteilt haben. Wenige Stunden später soll T. mit dem ihm überlassenen Schlüssel in die Wohnung D.s gekommen sein und sie "tief komatös" in ihrem Bett vorgefunden haben. Auf dem Nachttisch lagen leere Tablettenschachteln und ein Abschiedsbrief.

In den folgenden drei Tagen war der Angeklagte insgesamt noch achtmal in der Wohnung der Patientin und stellte ihren Totenschein dann am Morgen des 19. Februar aus. Er attestierte eine "natürliche Todesursache".  Das fiel im Krematorium in Hennigsdorf bei der gesetzlich vorgeschriebenen zweiten Leichenschau auf. Die Kripo ermittelte und die Berliner Staatsanwaltschaft erhob Anklage.

Das Landgericht hatte allerdings den Vorwurf der "Tötung auf Verlangen" durch den Arzt als nicht haltbar angesehen und die Anklage nicht zugelassen. Erst durch die Beschwerde der Staatsanwaltschaft beschloss das Kammergericht die Eröffnung des Verfahrens gegen Dr. Christoph T.

Staatsanwältin: "Das ist ein besonderer Fall!"

"Selbstverständlich ist Selbstmord straflos und Beihilfe dazu natürlich auch! Aber hier liegt der Fall ganz anders", erklärt Staatsanwältin Silke van Sweringen. Die Besonderheit sei, dass der angeklagte Arzt nicht nur die tödlichen Tabletten für die Patientin verschrieben habe. Im hiesigen Fall habe Anja D. nach der Einnahme noch drei Tage gelebt und der Angeklagte habe seine Patientin in dieser Zeit mehrfach besucht und nach ihr gesehen. "Sobald aber ein Patient bewusstlos ist, besteht die Verpflichtung des Arztes, mit Rettungsmaßnahmen tätig zu werden." Dieser Auffassung liege eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus den 80er Jahren zugrunde. Damit sei der Vorwurf der "Tötung auf Verlangen" gegen den Arzt begründet, denn er habe es unterlassen, die Patientin zu retten nach Eintritt ihrer Bewusstlosigkeit.   

Angeklagter Arzt sah Todeswunsch als verbindlich an

Seine Patientin sei schwer, unheilbar erkrankt gewesen und keine Therapie habe gefruchtet, argumentiert T. gegen die Staatsanwaltschaft. Anja D. habe ihm mitgeteilt sterben zu wollen und sei in allergrößter Not gewesen. Wenn er ihr nicht die Rezepte für ein starkes Schlafmittel ausgestellt hätte, wäre die Patientin entschlossen gewesen, sich unter die S-Bahn zu werfen, was sie auch angedroht habe.

"Es gibt im Jahr in Deutschland 800 Schienen-Suizide", so der angeklagte Arzt gegenüber dem rbb, " jeder Zugführer erlebt statistisch zwei- bis dreimal in seinem Berufsleben so ein Ereignis. Das ist kein schöner Tod! Einen Patienten in einer solchen Situation allein zu lassen, halte ich für moralisch und ethisch unvertretbar!" Deshalb habe er seine Hilfe angeboten. Außerdem sei es strafbar, einen Menschen gegen seinen Willen zwangszubehandeln, so Verteidiger Dieter Graefe. Nach Artikel 2 des Grundgesetzes wäre es verfassungswidrig und ein Eingriff in fundamentale Persönlichkeitsrechte gewesen. "Aus diesem Grund hatte ich keine Rettungsmaßnahmen eingeleitet", ergänzt T. 

Kammergericht mahnt Beweisaufnahme an

Während von der Staatsanwaltschaft dem angeklagten Arzt lediglich ein Unterlassen von Hilfsmaßnahmen gegenüber seiner Patientin vorgeworfen wird, geht das Kammergericht in der Bewertung des Falles sogar weiter: das Landgericht müsse prüfen, inwieweit T. nicht vielleicht sogar aktiv am Tod seiner Patientin mitgewirkt habe: "Die […] zunächst nachdrücklich bestrittene und nunmehr offenbar doch eingeräumte präfinale Injektion" müsse rechtlich bewertet werden. Damit meint das Kammergericht die Spritze gegen das Erbrechen, die der Patientin vor der Einnahme der Schlaftabletten verabreicht wurde. Dass er die Injektion gesetzt habe, bestreitet der angeklagte Arzt allerdings zum Prozessauftakt.

Weiter äußerte das Kammergericht erhebliche Zweifel daran, dass die Patientin in der Lage gewesen sei, einen eigenständigen Willen zu finden, ihren Todeswunsch betreffend, da sie jahrelang psychisch krank gewesen sei. Zuletzt wurde dem Landgericht aufgegeben im Prozess zu prüfen, ob Christoph T. - kraft seiner ärztlichen Autorität - nicht die Mutter der Patientin und deren erwachsenen Sohn von der Rettung der chronisch Kranken unzulässig abgehalten haben könnte.

Vier weitere Prozesstage sind bis zum 1. Februar 2018 vorgesehen.

Beitrag von Ulf Morling

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Liebe Frau Schulz,

    wir würden Ihnen empfehlen, sich direkt beim Landgericht am Standort Turmstraße in Moabit zu erkundigen. Infos finden Sie hier: https://www.berlin.de/gerichte/landgericht/

    Beste Grüße, Ihre Redaktion

  2. 19.

    Mein Mann und ich waren knapp 2o Jahre bei Dr. T. Patienten, er war der Beste! Jetzt, nachdem er 2013 in Rente gegangen sind, haben wir immer noch keinen gleichwertigen Hausarzt gefunden. Wir würden versuchen, am nächsten Verhandlungstag zu kommen. Welche Uhrzeit findet dieser Termin statt? Es ist wirklich eine Schande, wie sich jetzt das Gericht an solch einem integren Arzt festbeißen will. Wir sind unglaublich wütend und Dr. T. tut uns unsäglich leid.

  3. 18.

    "Solidarität mit Dr. T." sollte auf Plakaten stehen, mit denen ehemalige Patienten am 15.01.2018 vor dem Landgericht Berlin-Moabit, Türmst. ihren zivilen Ungehorsam zeigen. Gemäß § 1896 Abs. 1a BGB darf jeder Patient die psychiatrische Beurteilung verweigern - vom Gesetzgeber 2005 eingefügt. Es sollte davon mehr Gebrauch gemacht werden, schon um zu verhindern, dass wie hier an einem Pensionär ein Exempel statuiert wird. Seit 2013 wird ihm das Leben mit Rechtsstreit vergällt. Ein Kollege von Dr. T. sagte soeben:"Ausgerechnet Dr. T.!". Das sind jetzt bereits fünf Jahre, weitere Jahre bis vor den BGH, EUGH etc. könnten folgen.

  4. 17.

    Stimme Ihnen voll zu.Dieser gute Arzt muß nun seinen Kopf hinhalten,nur weil er"Anstand u.Mitgefühl"gezeigt hat.Hut ab vor solch einer Persöhnlichkeit.

  5. 16.

    11 Jahre meines Lebens habe ich auf einer Krebs-Station Menschen tot gepflegt. Seit diesen Jahren hat sich die durchschnittliche Rate für die Bevölkerung an Krebs zu erkranken von 12 bis 14 % auf 25 bis 33 % erhöht! Die Pharma-Industrie verdient und verdient und verdient, die Krankenkassen machen sich zum Handlanger. Die verschwindend geringen Anzahlen von Menschen, die den Freitod wünschen, liegt bei ca. 0,1 %. Aber an denen sollen unbedingt noch die Hospize bis zum bitteren Ende verdienen und verdienen und verdienen. Denn das Beispiel könnte ja Schule machen.
    Eine examinierte Krankenschwester sagte einst zu einer Kollegin auf der Krebs-Station:"Haben wir hier jemals einen Tierarzt als Patienten gesehen?" Antwort:"Nein, denn der weiß, wie´s geht!". Auch ein psychisch kranker Mensch darf einen freien Willen haben und eine Patientenverfügung hinterlassen, die Mediziner und Juristen zu respektieren haben.

  6. 15.

    Dr. Turowski war von 2005 bis Juni 2015, bis zur Aufgabe seiner Praxis aus Altersgründen, der beste Hausarzt den meine Kinder und ich je hatten. Und ich habe selbst Medizin studiert, es wegen Fehldiagnosen von anderen Ärzten abgebrochen.
    Inzwischen erstattet mir die gesetzliche Krankenkasse, vor´s Sozialgericht in 2. Instanz von mir gezerrt, endlich die Antibiotika (!) gegen seltene Infektionskrankheiten auf Privatrezepten verordnet, ohne die ich nicht überlebt hätte, nicht überleben würde, wie auch das anerkannte Robert-Koch-Institut med.-wiss. zu meinen Diagnosen publizierte.
    Was sollen Ärzte eigentlich? Retten Sie Leben - dürfen Sie es nicht auf Kosten der Krankenkasse. Folgen Sie dem Wunsch des unheilbar kranken Patienten, dürfen Sie es auch nicht! Welch ein Armutszeugnis für einen angeblich Rechtsstaat, Gesetze zu erlassen, die nun durch Präzedenzfälle erst juristisch geprüft werden müssen. Dr. T. handelte ethisch korrekt!

  7. 14.

    Da hast du leider recht. Der Großteil unserer Politiker hat einen religiösen Hintergrund und wird schon alleine deshalb eine humane Regelung, die ja schon auf dem Tisch lag, zu verhindern wissen. Und das obwohl laut Forst über 75% der Bevölkerung anderer Meinung ist. Da die SPD, wie auch CDU, CSU, Grüne und AfD, ja auch dagegen ist den Gottesbezug in der Verfassung zu streichen, zähle ich sie einfach mal auch zu den C Parteien.

  8. 13.

    @ 6: Sarah, Sie schreiben am Ende Ihres Beitrags, dass bei Vorliegen wirklicher Gruende ein Freitod akzeptiert werden soll. Das finde ich grundsaetzlich richtig. Aber natuerlich gibt es in beiden Richtungen einen grossen Interpretationsbereich, was nun wirkliche Gruende sind.
    Als jemand, der nur als Kind einer durchschittlich ungluecklichen Ehe aufwuchs, war ich, u.a. nach dem Scheitern einer eigenen Beziehung, dennoch lange so nierdergeschlagen, dass mir ueber Jahre der Tod als beste Alternative erschien. Heute bin ich froh, dass die Huerden dorthin nicht so ganz niedrig sind: U.a., nachdem ich manches mit einer guten Therapeutin aufgearbeitet hatte, finde ich mein Leben inzwischen schoen und bin froh, dass ich es nicht vorzeitig verlassen habe. War aber kein leichter Weg, denn z.B. ist das Finden eines individuell geeigneten Therapeuten ja aus menschlichen, aber nicht zuletzt auch aus faktischen Gruenden (Mangel, Bezahlung...) nicht einfach.

  9. 12.

    Der Staat hat über meinen Vater zwangsweise verfügt, Uniform anzuziehen. Er hat ihn gezwungen, auf Menschen schießen zu müssen , die ihm fremd sind. Dabei nahm der Staat in Kauf, daß sein zwangsweise in Uniform gesteckter Bürger als Soldat selber sein Leben aufs Spiel setzen muß; der Staat nimmt sich heraus, über das Leben seines Bürgers rechtmäßig und wie beliebig verfügen zu dürfen. Er verwehrt aber dem Bürger, der den Mut hat, sich seines Verstandes zu bedienen, sein Naturrecht in Anspruch zu nehmen, nämlich für sich selber entscheiden zu dürfen. Er behandelt den Bürger somit als unmündiges Wesen. Der Staat spielt sich ungerufen und zu Unrecht als Vormund über den Bürger auf. Das steht ihm nicht zu, das wollen drei von vier Bürgern in Deutschland nicht. Endlich sollte die Trennung von Kirche und Staat wirklich vollzogen werden, nicht nur scheinbar Nur dann kann der Arzt wirklich christlich handeln nach dem Motto "edel sei der Mensch, hilfreich und gut".

  10. 11.

    @ 9: Nicht nur die C-Parteien sorgen hier fuer fragliche Regelungen: Als 2015 der Bundestag ueber Sterbehilfe debattierte, plaedierte unter anderem Renate Kuenast (Gruene) fuer das Recht, sich in entsprechenden Faellen auch durch gemeinnuetzige Vereine beim Sterben helfen zu lassen; wichtig z.B. f Alleinstehende. Daraufhin unterstellte u.a. SPD-MdB Eva Hoegl aus Berlin-Mitte solchen Vereinen pauschal geschaeftliche Interessen - und gleich der ganzen Gesellschaft das Interesse, Menschen in den Freitod zu draengen. Vllt in der Annahme, hiermit irgend etwas gegen Leiden an sich zu unternehmen, brachte sie einen eigenen Gesetzentwurf in die Abstimmung ein - moderater als der C-Entwurf, dennoch aus meiner Sicht hoechst anmaszend. S. auch Pressereklaerungen von Hoegl bzw Kuenast:
    http://neu.blog.eva-hoegl.de/2015/09/23/gemeinsame-presseerklaerung-mit-kerstin-griese-zur-anhoerung-sterbehilfe/
    https://www.renate-kuenast.de/presse-1/interviews-und-artikel/positionspapier-sterbehilfe/

  11. 10.

    In einem ähnlichen Fall ist gerade der Psychiater Dr. Johann Spittler, der bei einer selbständigen Einnahme tödlicher Tabletten anwesend war und keine Wiederbelebung versucht oder veranlasst hat, freigesprochen worden. Das Gerichtsurteil ist lesenswert, weil es sorgfältig schildert, wie und warum es zu der Selbsttötung zweier alter Damen gekommen ist: http://bit.ly/2qE4lQ7
    Nachdem meine Beschwerde gegen den inhumanen § 217 StGB vom Bundesverfassungsgericht wegen angeblicher Nicht-Betroffenheit (die halten mich wohl für unsterblich oder einen Glückspilz, der während eines Nickerchens stirbt) nicht zugelassen wurde, werde ich nun gegen die "Kirchenrepublik" Deutschland vor dem EGMR klagen.

  12. 9.

    Solange Staat und Religion nicht getrennt sind, werden die C Parteien ein humanitäres Sterbehilfegesetz zu verhindern wissen. Leider! Der Arzt hat richtig gehandelt, Respekt dafür.

  13. 8.

    Deutschland war auf dem Weg, ein humanes Gesetz zur Sterbehilfe zu schaffen. Die Kirchen sind Sturm dagegen gelaufen und haben ihre Seilschaften in der Politik eingesetzt.
    Nur deshalb müssen solche Fälle verhandelt werden.

    Solange er damit nicht andere gefährdet, muss jeder selbst entscheiden können, wie und wann er den Schlussstrich zieht. Auch, ob er es lieber ganz allein tut oder mit Hilfe eines Arztes.
    Es ist mir völlig unverständlich, wie sich jemand anmaßen kann, das verhindern zu wollen.

    Ich danke dem Arzt sehr. Für sein humanes Verhalten aber auch dafür, dass er mit diesem Prozess hoffentlich auch bewirkt, das jetzige Sterbehilfegesetz so schnell als möglich zu ändern.

  14. 7.

    Da erdreisten sich Menschen, die noch nie etwas mit sterbenden Menschen zu tun hatten, die nicht wissen, was Leid tatsächlich ist, über einen Arzt zu urteilen, der täglich mit diesem Leid konfrontiert wird. Sollte er tatsächlich warten bis sich seine Patientin in ihrer Verzweiflung vor eine S-Bahn geworfen hat und auch noch Menschen, vor allem den unschuldigen Fahrer, traumatieren? Diese dumme Borniertheit stinkt mich an. Kein Mensch geht ohne Grund, aber es gibt eben auch Situationen wo der Tod eine Erlösung sein kann. Der Arzt stand seiner Patientin bis zum Schluss bei und hat ihr einen würdigen Tod ermöglichst.

  15. 6.

    Wir werden in diese Welt geboren, ohne dass sich Eltern zuvor ausmalen, was es vielleicht später für das Kind heißt, ein Leben zu führen. Das nur im bestmöglichen Falle, wenn das Kind geplant war und nicht durch beispielsweise Vergewaltigung entstand. Warum darf ich als Individuum nicht per Gesetz das Recht haben, dieses Leben, welches Schmerz bringt, zu beenden? Weil andere an Gott glauben? Das ist in der heutigen Gesellschaft mit all dem Wissen obsolet.
    Lasst die Menschen in Würde sterben, wenn sie es wollen und WIRKLICHE Gründe dafür sprechen. Moralisch betrachtet war somit für mich persönlich das Verhalten des Arztes richtig.

  16. 5.

    Um es gleich vorweg zu nehmen,auch ich halte das Vorgehen des Hausarztes für gegeben an.Sie werden aber kaum einen anderen Arzt finden der ähnlich handelt.Schon das rechne i.dem Arzt hier hoch an.Juristisch hat er aber leider ein Problem.

  17. 4.

    Herr Dr. T. trägt m.E. mit Recht sein Haupt offen und erhoben ! - Ich jedenfalls wünschte mir in ähnlicher Situation wie seine Patientin einen solchen empathischen Hausarzt, der mich im Zweifel davor bewahrt, dass ich mich auf die Gleise legen müsste. -
    Im Kammergericht jedoch scheinen mir (mal wieder) "furchtbare Juristen" am Werke.

  18. 3.

    " es ist strafbar, einen Menschen gegen seinen Willen zwangszubehandeln, "
    genau deshalb werden ja Vorsorgevollmachten verfasst . ( die nicht selten wegen Formfehlern ignoriert werden )
    " das Kammergericht erhebliche Zweifel daran, dass die Patientin in der Lage gewesen sei, einen eigenständigen Willen zu finden, ihren Todeswunsch betreffend, da sie jahrelang psychisch krank gewesen sei. " da kann das KG ja zweifeln, aber vermutlich ist die arme Frau als Folge ihres jahrzehntelangen Leidens psych. erkrankt ? wer wäre das nicht ? und der Angeklagte hat sicher nicht aus niederen Motiven die Frau unterstützt
    " denn er habe es unterlassen, die Patientin zu retten nach Eintritt ihrer Bewusstlosigkeit " hätte er also einfach nicht nach ihr " sehen " sollen ? .

  19. 2.

    So, wie der Fall hier geschildert wird, scheint Dr. T. ein Arzt zu sein, der wirklich verstanden hat, was aerztliche Verantwortung bedeutet: Einen Menschen auch auf seinen schwersten Wegen nicht allein zu lassen, ihm diese zu erleichtern - und zu respektieren, wenn tragischer Weise der Tod der einzige Ausweg aus einem langen Leiden ist.
    Juristische Modelle von Krankheit und Sterben werden diesem Thema in vielen Faellen noch immer nicht gerecht. Ich hoffe daher, dass die Justizmenschen hier besonnen agieren und nicht mit einer unangemessenen, mit Paragrafen kaschierten Moralkeule ihre Wut uber die letztendliche Sterblichkeit Aller an einem Mediziner auslassen, der womoeglich sehr menschlich gehandelt hat.

  20. 1.

    Juristisch fragwürdig u.zweifelhaft.Menschlich gesehen hat dieser Arzt richtig gehandelt.Was aber vermutlich i.d.Verhandlung nicht zählt.Was ich überhaupt nicht verstehe,wenn diese chronisch Kranke Person aus dem Leben scheiden wollte,wieso zieht sie dann den Arzt mit hinein? Ich habe für solch ein Vorhaben nicht umsonst eine Badewanne i.meiner Wohnung.Ist vorzuziehen,bevor ich mich auf die Gleise stürze.

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