Screenshot: Online-Petition von Emmanuel Akakpo für den Erhalt der "Maluma Dreams"-Bar in Berlin-Wedding. (Quelle: change.org)
Audio: Inforadio | 13.01.2018 | Stephan Oszváth | Bild: change.org

Rechtsstreit wegen Mietschulden - Betreiber kämpft um Bar im Wedding

Die Bar Maluma Dreams im Afrikaner-Kiez in Berlin-Wedding ist geschlossen. Nach 17 Jahren wurde sie im Dezember zwangsgeräumt - wegen Mietschulden. Aufgeben will Betreiber Emmanuel Akakpo aber nicht, er sieht sich im Recht. Von Stephan Oszváth

Die Türen der Maluma Dreams-Bar in der Torfstraße in Berlin-Wedding sind verschlossen. Früher wurde hier ausgelassen gefeiert, heute sind die Scheiben blind.

Die ehemalige Bar steht mitten im Afrikaner-Kiez. Ob im Telefon-Shop, im asiatisch-afrikanischen Lebensmittelgeschäft, im kleinen Laden, der Haarverlängerungen und getrockneten Fisch anbietet - überall ist der frühere Pächter Emmanuel Akakpo beliebt. 17 Jahre lang betrieb er die Kiez-Bar, es gab Cocktails und Live-Musik.

Emanuel Akakpo in seiner Wohnung in Berlin-Reinickendorf. (Quelle: rbb/Stephan Ozsváth)
Emmanuel Akakpo | Bild: rbb/Stephan Ozsváth

Es geht um rund 2.300 Euro Mietschulden

Akakpo wohnt mittlerweile im Bezirk Reinickendorf. Seine Frau hat ihn verlassen, erzählt er am Küchentisch, auf dem er E-Mail-Ausdrucke und Gerichtsurteile ausbreitet. Die Kurzfassung: Der Vermieter hat ihn nach vielen Jahren im Dezember vor die Tür gesetzt - wegen Mietschulden. "Alles dreht sich nur um 2.300 Euro", sagt Akapo. Die Vermieter hätten von ihm eine Kaution von mehr als 8.000 Euro.

Das Haus gehört der Familie Heinrich: Vater, Mutter und Sohn Olaf. Der ist CSU-Bürgermeister im bayerischen Freyung. Olaf Heinrich hatte die Mietschulden zunächst öffentlich auf über 50.000 Euro beziffert, sich später aber korrigiert.

Hausbesitzer zeichnet völlig anderes Bild

Das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter ist offensichtlich zerrüttet. Akakpo will seine Bar zurück, in die er viel Geld investiert hat. Er sagt: Der Vermieter schulde ihm Geld für die Sanierung nach mehreren Wasserschäden. Er zeigt die entsprechende Klageschrift. Akakpo hatte eigenmächtig die Miete gekürzt. "Ich habe gegen die Vermieter einen Anspruch von 45.536,43 Euro. Da läuft momentan ein Verfahren bei Gericht", erklärt er.

In einer schriftlichen Stellungnahme zeichnet Hausbesitzer Heinrich ein anderes Bild: von einem unzuverlässigen Mieter, der jahrelang Probleme gemacht und zuletzt ein Jahr lang gar keine Miete mehr gezahlt habe. Und einer Vermieter-Familie, die immer wieder Dialogbereitschaft gezeigt habe. Mediationsangebote mehrerer Bundes- und Bezirkspolitiker in der Angelegenheit scheiterten aber.

80.000 Unterstützer für Akakpos Online-Petition

Akakpo hat nun eine Online-Petition auf change.org für seine Bar gestartet. Mehr als 80.000 Menschen unterstützen ihn bislang. Er will kämpfen. Kiezkneipen würden geschlossen "wegen Geldgeiern", wie Akakpo sagt. "Die Stammkneipe, wo man nach Feierabend hingehen kann, um Bier zu trinken oder einfach Fußball zu gucken – das fehlt uns."

In der Mitteilung des Freyunger Bürgermeisters, der für die Eigentümerfamilie spricht, heißt es allerdings klipp und klar: "Nach jahrelangen negativen Erfahrungen sind wir nicht mehr bereit, mit Herrn Akakpo ein Vertragsverhältnis einzugehen."

Beitrag von Stephan Oszváth

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    hmm..hat sich auch jemand damit beschäftigt wieviele Angestellte der Herr Akakpo hatte?
    Vollzeit 0 ,Teilzeit 0, Aushilfen Ja .. wer hat da den Arbeitsplatz verloren ??, höhstens eine Person.
    Herr Akakpo schreibt und erzählt viel ,aber ich kenne den Kiez und die Bar und ich muß echt mir in die Zunge beißen...
    ..es ist so gekommen wie es kommen musste

  2. 19.

    @IchMeinJaNur, sind Sie das wirklich? Ich glaube es ja kaum, dass ich mal allen (!) Beiträge eines Forums zustimmen muss. Im Übrigen: wirklich gut geschrieben!
    Mir geht es in diesem Fall genau so wie Ihnen.

  3. 18.

    Ich habe den Text aufmerksam gelesen und deshalb sind mir Sätze wie "Früher wurde hier ausgelassen gefeiert, heute sind die Scheiben blind." und "Seine Frau hat ihn verlassen,..." nicht entgangen.

    Mir ist das zu dick und deshalb einseitig aufgetragen. Okay, Journalisten wollen eine schöne, eine runde Story erzählen, mir persönlich geht das zu weit in Richtung der Zeitung mit den vier großen Buchstaben.

    Mir sind Fakten lieber aus denen ICH mir ein Bild machen kann und keine rührseligen Homestorys.

    Traurige und sogar tragische Geschichten von Kiezkneipen die ausziehen müssen weil der Vermieter plötzlich meint Mieten wie auf dem Ku'damm verlangen zu müssen gibt es leider genug. Das scheint hier nicht der Fall zu sein. Hier fehlen mir zuviele Fakten um mir ein unabhängiges Bild zu machen.

  4. 17.

    Wenn Sie den Text aufmerksam lesen, werden sie feststellen, dass drei Parteien zu Wort kommen: Akakpo selbst (kritisch erwähnt mit "Mietschulden") der Bürgermeister und Sohn der Hausbesitzerfamilie (mit Zitaten aus der schriftlichen Pressemitteilung)und Anwohner im Weddinger Kiez. Ich habe nur Stimmen von Leuten aus dem Kiez ausgewählt, die den früheren Pächter überhaupt kennen. Und die waren positiv, alle anderen Befragten kannten ihn oder die Bar nicht. Ich habe deshalb auf diese Stimmen verzichtet. Es ist zulässig, dass Anwohner bedauern, dass es die Kneipe in ihrem Kiez nicht mehr gibt. Ich kann in dem Bericht deshalb keine Einseitigkeit erkennen.

  5. 16.

    Nachtrag falls die Redaktion den link freischaltet. Hier ist die ausführliche version des Mieters:

    https://www.change.org/p/maluma-dreams-ausgetr%C3%A4umt-bitte-helfen-sie-mir-meine-kleine-kiezbar-zu-retten/u/22246348

    Leider ist der angesprochene PNP Artikel kostenpflichtig aber evt. hakt Inforadio beim Vermieter nach seine ausführliche Version zu veröffentlichen.

  6. 15.

    Ich frage mich ob man mit diesem Beitrag auf Inforadio nicht einseitig und vorschnell Partei für Hr. Akakpo ergriffen hat.

    Sollte das der Fall sein hat man allen Mietern die zu Recht gegen ihre Vermieter kämpfen, Stichwort Deutsche Wohnen, einen Bärendienst erwiesen.

    Einseitige Mietkürzungen und sollten sie noch so berechtigt sein sind zumindest heikel. Davon kann man nur dringend abraten. Selbst seriöse Vermieter greifen dann mit Hilfe von Gesetzen und Gerichten schnell durch.

    Alles in allen ist das hier sehr, sehr nebulös und man täte gut daran der Version des Vermieters genauso viel Raum zu geben wie der Version des Mieters. Hier stimmt was nicht sagt mein Bauchgefühl.

  7. 14.

    Die Stadt Freyung hat auf Empfehlung des Bürgermeisters 3 Jahre lang 500 Flüchtlinge aufgenommen..
    In unserer kleinen Stadt werden Sie keinen einzigen unzufriedenen Asylbewerber finden, die Stadtverwaltung unter Führung von Herrn Dr. Heinrich ist vorbildlich in Integration und Gemeinschaftssinn.
    Muss man sich schämen, 1/3 seines Elternhauses egal In welcher Stadt als Dank zu erben, weil man sich um seinen Kranken Vater kümmert?
    Mal schnell 2 Gesellschaften gründen, um die Mietschulden undurchsichtig zu machen, da regt sich niemand auf.
    Es gibt rechtsverbindliche Urteile, Schlichtungsgespräche, die am Mieter gescheitert sind.
    Mein Gott! Darf man wirklich bei uns Recht so mit Füßen treten?
    Warum melden sich keine Hausbesitzer, die der Jazzbar eine neue Heimat bieten?
    Warum wohl??
    Wer überprüft online Petitionen auf ihren Wahrheitsgehalt?
    Hier läuft alles falsch!

  8. 13.

    Weil seine Eltern seit Generationen in Berlin Leben.
    Darf man nicht von Berlin nach Bayern ziehen und dort Bürgermeister werden??

  9. 10.

    Ick zahl och keene Miete mehr und jammer dann rum.

  10. 9.

    Auch mich hat er anbettelt! Mir kam die Sache von Anfang an, undurchsichtig vor und ich habe dankend abgelehnt. Meine Unterschrift ist nicht dabei und das ist auch gut so, denn von Mietschulden als Grund der Kündigung, stand in der Petition nichts geschrieben, nur wie schlecht unsere Gesetze sind. Schämen sollte sich dieser Mensch, und die 80000 sollten die Petition zurück nehmen.

  11. 8.

    Mitschulden sind Mietschulden. Die eigenmächtige Kürzung ist mehr als gefährlich. In Ihrem Bericht steht auch nicht, wer den Wasserschaden verursacht hat (schlecht recherchiert). Für so etwas gibt es die Gebäudehaftpflicht von Vermieterseite und die Geschäftshaftpflicht von Mieterseite. Ausserdem hat der Mietzins oder das Gegenrechnen und kürzen dessen mit der Kaution nichts zu tun (schlecht recherchiert). Wenn Herr Akakpo soviel Ahnung vom Internet hat, hätte er ja auch mal recherchieren können, wie man mit solchen Problemen hier umgeht. Ein intelligenter Weg wäre auf alle Fälle, die Zahlung des Mietzinses unter Vorbehalt zu tätigen. Besser wäre es, von Anfang an einen Anwalt zu kontaktieren. Und was soll der Hinweis, daß Herr Akakpo von seiner Frau verlassen wurde? Tränendrüse?

  12. 7.

    Es ist schon richtig die Bezeichnung"araber-Kiez-clan-berlin".Nur befindet dieser sich i.Neukölln u.nicht im Wedding.

  13. 6.

    @rbb "Afrikaner-Kiez" (noch nie gehört)?! Meint ihr das afrikanische Viertel?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Afrikanisches_Viertel
    Aus Neugier hab ick mal nach anderen absurden Berliner Kiezbezeichnungen gesucht und bin tatsächlich fündig geworden - meist bei der Gelben Presse. Doch auch dieser Fund als Suchergebnis zu "Araber Kiez" hat mich erstaunt; nicht nur weil die gleiche Gegend gemeint ist: https://kartenseite.wordpress.com/tag/araber-kiez-clan-berlin/ denke mal das "c" ist ein Schreibfehler und Plan war gemeint ;)

  14. 5.

    Es ist eigentlich ganz eonfach in Deutschland :
    In Verträgen gibt es Rechte und Pflichten, dabei spielen Herkunft und Hautfarbe keine Rolle!

  15. 4.

    Hier scheint mir eher ein "Aussage gegen Aussage"vorzuliegen.Wie es sich tatsächlich verhält ,wird wohl ein Gericht klären müssen.Mein Rat an den Barbetreiber ist,sich in der Umgebung eine neue Bar zu errichten.

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