Überfahrenes Reh an einer Straße (Quelle: imago/Nature in Stock)
Bild: imago/Nature in Stock

Wildunfälle in Berlin und Brandenburg - Mehr als 5.000 Tiere starben auf den Straßen der Region

Immer mehr Wildtiere in Berlin und Brandenburg kommen durch Zusammenstöße mit Autos oder Lastwagen ums Leben. Bundesweit verursachen Rehe die meisten Unfälle - in der Region aber ist eine andere Tierart am häufigsten beteiligt.

Auf den Straßen Berlins und Brandenburgs werden immer mehr Wildtiere getötet. Dem Deutschen Jagdverband (DJV) zufolge kamen in Berlin im Jagdjahr 2016/17 insgesamt 300 Wildtiere bei Verkehrsunfällen ums Leben, in Brandenburg waren es 5.030. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das in Berlin einen Anstieg um 25 Prozent, in Brandenburg sind es 18 Prozent mehr getötete Wildtiere. Ein Jagdjahr dauert vom 1. April bis zum 31. März des folgenden Jahres.

Mehr als die Hälfte der Unfälle in beiden Bundesländern verursachten Wildschweine. In Brandenburg stieg die Zahl der getöteten Wildschweine im Vergleich zum Jagdjahr 2015/16 um 600 auf 3.200, in Berlin von 150 auf 200.

Dass sie so häufig mit Autos oder Lastwagen zusammengekracht sind, ist im Bundesvergleich besonders: Denn Deutschlandweit lag ihr Anteil an den insgesamt getöteten 228.000 Wildtieren nur bei zwölf Prozent. Betrachtet man die ganze Bundesrepublik, war dort das Reh an den meisten Zusammenstößen beteiligt, in mehr als 80 Prozent der Fälle.

"Brandenburg ist ein Wildschweinland"

"Brandenburg ist ein Wildschweinland", sagte die Sprecherin des Landesjagdverbandes, Helge von Giese. Dort gebe es deutlich mehr Wildschweine als anderswo, sogar tagsüber seien oft Tiere zu sehen.

Auch in den Berliner Wäldern leben viele Wildschweine. "Die Tiere profitieren von den milden Temperaturen und haben genug Futter", sagte der Präsident des Berliner Jagdverbandes, Detlef Zacharias. Hinzu komme, dass die Berliner Forste von vielen Straßen durchzogen seien. Das erhöhe das Unfallrisiko.

Weniger Futter, mehr Unfälle

Der DJV-Sprecher Torsten Reinwald äußerte einen weiteren Grund für die steigenden Unfallzahlen: Im Jagdjahr 2016/17 waren Wildschweine besonders oft auf Nahrungssuche unterwegs. "Es gab nicht so viele Eicheln und Bucheckern wie in anderen Jahren. Die Tiere mussten ihren Radius erweitern und dabei auch vermehrt Straßen queren", sagte Reinwald.

Autos sind nicht die einzige Gefahr

Nicht nur auf den Straßen, auch auf den Schienen in der Region kommt es immer wieder zu gefährlichen Wildunfällen: Anfang Januar 2018 stieß ein ICE auf dem Weg von Hamburg nach Berlin mit zwei Hirschen zusammen, wenige Tage später kollidierte die S-Bahn-Linie 1 bei Oranienburg ebenfalls mit einem Hirsch. Mitte November war ein ICE in Rathenow in eine Wildschwein-Rotte gerast und konnte seine Fahrt nicht fortsetzen.

Einen Anstieg der Wildunfall-Zahlen hat die Deutsche Bahn allerdings nicht festgestellt. Sie bewegen sich nach Angaben der Sprecherin Maja Weihgold seit 2013 deutschlandweit konstant bei etwa 200 bis 250 pro Jahr. Dass es momentan mehr Meldungen über Wildunfälle auf Bahntrassen gebe, sei der Jahreszeit und den langen Nächten geschuldet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.01.2018, 08:30 Uhr

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Antwort auf [Ingolf] vom 14.01.2018 um 10:31
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10 Kommentare

  1. 10.

    @RBB Wenn es eine Anzahl über von Rehen verursachte Unfälle gibt, muß auch die Anzahl der von Menschen verursachten Unfälle genannt werden, bei denen Rehe verunglückten. DIe fehlt hier. Ich bitte den RBB um Ergänzung.

  2. 9.

    Im Prinzip wäre die vordringlichste gesellschaftliche Aufgabe ein anderes Verständnis von Geschwindigkeit: nicht die maximal erzielbare, sondern die spezifisch auf die Situation bezogene als das Non plus ultra.

    Davon sind wir weit entfernt. Sowohl beim Auto als auch bei der Bahn. Beide Verkehrsarten überschlagen sich mit Geschwindigkeitsrekorden, die sowieso nutzlos sind, weil die rechnerisch "gewonnene" Zeit sofort wieder mit neuen Nutzungen belegt wird. Mithin ist das einzige Ergebnis der überbordenden Geschwindigkeit die Zeitverdichtung.

    Das Aussteigen aus einer Droge bringt immer Entzugserscheinungen mit sich. Vielleicht ist es das, was viele Zeitgenossen, die "auf der Kippe" stehen, am Ausstieg hindert.

  3. 8.

    Stimmt, Tempolimits retten auch Tierleben. Tempo 100 für ausserstädtische Autobahnen. Tempo 60 für Landstraßen und innerstädtische Autobahnen. Davon profitieren auch wir Menschen mit weniger Toten und (schwer) Verletzten bei Unfällen. Gleichzeitig steigt die Attraktivität des relativ schnelleren ÖPNV.

  4. 7.

    Da wird bereits der Weg zur Akzeptanz für die Ausrottung einer weiteren Tierart bereitet. Der Wolf ist böse und muss weg, der Wisent aus Polen ist sooo gefährlich und muss weg, na und die Wildschweine erst, blos weg mit dem Zeug...
    Der Mensch, der sich unter anderem durch die Möglichkeit abstrakten Denkens von den anderen Kreaturen dieser Welt unterscheiden will, scheint irgendwie genau diese Fähigkeit verloren zu haben. Ich glaube, das ist viel gefährlicher als jede zu erwartende Krankheit

  5. 6.

    Das geht ja sogar so weit, dass auch Witterungslagen wie Nebel oder Regen lt. Verkehrsnachrichten angeblich den Verkehr gefährdeten. Nur ein einziges Mal gab es eine Durchsage, die an die Verantwortung appellierte. Ich war da hin und weg, schrieb eine positive Mail dazu, doch seither habe ich eine vergleichbare Durchsage nicht mehr gehört:
    "Achtung Nebel - Fahren Sie bitte vorsichtig, dass Sie sich nicht selbst und andere gefährden."

  6. 5.

    Soll das witzig sein? Oder wissen sie wirklich nicht, daß Untersuchungen gezeigt haben, daß sich die Schweinepest entlang der Routen von Tiertransporten ausbreitet, also primär durch das millionenfache Herumkarren von Millionen Ferkeln kreuz und quer durch Europa. Wildschweine sind ortstreu und an der Verbreitung von Schweinepest kaum beteiligt. Wenn Sie es nachlesen wollen: auf ZEIT online finden Sie einen ausgezeichnet geschriebenen Artikel zu diesem Thema, der sehr viel informativer ist als der hier.

  7. 4.

    Eines wollen wir doch mal klarstellen: Es sind nicht die Tiere, die die Unfälle verursachen, sondern die Autofahrer! Einem Wildtier eine Schuld zu unterstellen, würde bedeuten, ihm die Fähigkeit zuzusprechen, einen Unfall durch Erkenntnis vermeiden zu können. Das können sie erwiesenermaßen nicht. Viele Autofahrer hingeben könnten es durch Anpassung ihrer Geschwindigkeit durchaus, nehmen das Töten von Tieren aber mehr oder bewußt in Kauf oder interessieren sich nicht dafür oder haben keine Ahnung von Tierverhalten. Computersimulationen haben z.B. ergeben, daß ein Vogel einem Auto, das sich mit einer Geschwindkeit von ca. 110 km/h nähert, gerade noch ausweichen kann, einem Auto mit einer Geschwindigkeit von 130 km/h hingegen nicht mehr. Aber Autofahrer sind halt wie Kinder. Bitte sie um ein vernünftiges Tempolimit und sie fangen an zu plärren. Je älter, desto lauter und uneinsichtiger.

  8. 3.

    Dieser Preis der hohen Geschwindigkeit wird nicht diskutiert, noch nicht einmal von den Bündnisgrünen: Die faktische Teilung der Landschaft, die Menschen aufgrund ihrer Motorik und ihres Verstandes geregelt bekommen, Tiere aber eben nicht. Wildbrücken sind eine all zu seltene Erscheinung und eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Erforderlich wäre eine gesamtgesellschaftliche Debatte über den hohen Preis hoher Geschwindigkeit. Sie nicht zu führen, hieße, einer Neurose zu erliegen, auch wenn sie allzu geschäftlich daherkommt.

  9. 2.

    Ich weiß ja nicht wo die Bahnsprecherin ihre Zahlen her hat. Wahrscheinlich meint sie nur die Züge welche ihre Fahrt nicht fortsetzen können weil der Schaden an den Fahrzeugen erheblich ist. Soweit ich weiß gibt es auf dem gesamten bundesweiten Bahnnetz ca. 10.000 Wildunfälle im Jahr. Natürlich geht der überwiegende Teil der Wildunfälle glimpflich für die Züge aus aber halt nicht für die Tiere.

  10. 1.

    Ein totes Wildschwein kann auch nicht die afrikanische Schweinepest bekommen.

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