Ein Sprengstoffroboter steht am 12.01.2018 vor einer Bankfiliale in Berlin-Steglitz, in der am Freitag eine verdächtige Versandtasche entdeckt worden ist. (Quelle: dpa/Moritz)
Video: rbb AKTUELL | 12.01.2018 | Kerstin Breinig | Bild: dpa/Georg Moritz

Commerzbank in der Schloßstraße - Paketfund in Berlin: Behörden sehen Bezug zu DHL-Erpressung

Ein mit Zündvorrichtung und Schwarzpulver gefülltes Päckchen ist am Freitag in einer Bankfiliale in Berlin-Steglitz entdeckt und unschädlich gemacht worden. Der Umschlag hätte Menschen verletzen können. Ermittler gehen davon aus, dass es im Zusammenhang mit den Erpressungsversuchen bei DHL steht.

Sechs Wochen nach dem Fund einer Paketbombe in Potsdam ist in Berlin-Steglitz ein verdächtiges Päckchen mit einer Zündvorrichtung und vermutlich Schwarzpulver aus Feuerwerkskörpern aufgetaucht. Experten der Polizei entschärften am Freitag das Päckchen, das an eine Filiale der Commerzbank in der Schloßstraße ging.

Wer der Absender des Päckchens ist, ist noch unklar. Die Kriminalpolizei untersucht nun, ob sich Fingerabdrücke oder DNA-Spuren an dem Päckchen finden lassen, um einen Absender zu identifizieren.

Erneuter DHL-Erpressungsversuch?

Auch prüfe die Polizei einen konkreten Zusammenhang mit dem Potsdamer Paketfund im vergangenen Dezember. Wie das rbb-Nachrichtenmagazin Brandenburg Aktuell am Freitagabend aus Sicherheitskreisen erfuhr, gehe man davon aus, dass das Päckchen in Steglitz mit dem Bombenfund in Potsdam in Zusammenhang steht. Ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums bestätigte der Nachrichtenagentur dpa den Verdacht. Einzelheiten - wie zum Beispiel ein wie in Potsdam verwendeter QR-Code - wurden zunächst nicht bekannt. Die Brandenburger Polizei teilte rbb|24 am Abend mit, man sehe Parallelen zwischen den Fällen. Weitere Informationen könne man nicht geben, denn diese seien Gegenstand der Ermittlungen. 

Das gefährliche Päckchen in Berlin ähnelt nach dpa-Informationen den Paketbomben des DHL-Erpressers. Es gebe bauartbedingte Ähnlichkeiten zu den Bomben, die in den vergangenen Monaten in Potsdam und Frankfurt (Oder) gefunden worden waren, so die dpa weiter.

Im vergangenen Dezember war in der Nähe des Potsdamer Weihnachtsmarktes eine Paketbombe in einer Apotheke abgegeben worden. In der Sendung entdeckten die Ermittler neben einem sogenannten Polenböller, Batterien und einer Metalldose voller Nägel einen mit einem QR-Code verschlüsselten Erpresserbrief. Damit sollten von dem Paketdienstleister DHL mehrere Millionen Euro erpresst werden.

Der Berliner Umschlag wurde jedoch nicht von dem Paketdienstleister DHL zugestellt, der mit der Potsdamer Paketbombe erpresst werden sollte. Die Brandenburger Polizei ist federführend bei den Ermittlungen.  

Schlossstrasse, Bombenalarm, Berlin Steglitz (Quelle: Uwe Koch)
Sprengstoffspezialisten stuften das Päckchen als gefährlich ein und sperrten den Fundort weiträumig ab. | Bild: Uwe Koch/fotobasis.de

Mit Drähten versehene Versandtasche

Bei der verdächtigen Postsendung in Berlin-Steglitz handelte es sich um eine etwas dickere DIN-A4-große Versandtasche, aus der offenbar Drähte ragten. Sie wurde am Freitagmittag in der Bankfiliale in der Schloßstraße von einem Briefträger abgegeben. Als ein Bankangestellter sie öffnete, sah er Drähte und alarmierte die Polizei.

Daraufhin wurden das komplette Bank- und Wohngebäude sowie die direkte Umgebung an der beliebten Einkaufsmeile geräumt und abgesperrt. Kriminaltechniker des Landeskriminalamts untersuchten den Gegenstand, auch ein Sprengstoffroboter war im Einsatz.

Mit dessen Hilfe entfernten die Experten eine Zündvorrichtung an dem verdächtigen Päckchen und untersuchten die Postsendung auf Sprengstoff. "Bei der ersten Untersuchung haben die Techniker festgestellt, dass sich ein pyrotechnischer Gegenstand darin befindet", sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf dem rbb. Anschließend das Päckchen zum Sprengplatz im Berliner Ortsteil Grunewald gebracht werden. Das pyrotechnische Material sei zwar explosionsfähig, aber nicht so gefährlich und hochexplosiv wie Plastiksprengstoff oder Dynamit, sagte Neuendorf. Er betonte aber auch: "Dieser Brief und der Inhalt hätte Menschen verletzen können."

Anfang November war zudem eine Paketbombe an ein Geschäft in Frankfurt (Oder) geschickt worden.

Schloßstraße rund vier Stunden gesperrt

Aufgrund des Polizeieinsatzes wurde die Schloßstraße zwischen Albrecht- und Schildhornstraße in beide Richtungen komplett gesperrt. Autofahrer und Fußgänger mussten stundenlange Verkehrsbehinderungen rund um die Schloßstraße hinnehmen.

Am frühen Freitagabend wurde die Sperrung wieder aufgehoben. Zuvor unterbrochene oder umgeleitete Buslinien fahren wieder planmäßig. 

Kommentar

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Antwort auf [Patrick] vom 13.01.2018 um 09:25
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9 Kommentare

  1. 8.

    Frage mich gerade, wo der Aufschrei bei der #AfD bleibt? Oder interessiert die das nicht, weil Täter offensichtlich nicht Flüchtling ist?

  2. 7.

    Kann es sein das noch ermittelt wird,oder wollen Sie der zuständigen Behörde Tatenlosigkeit vorwerfen?Ihr Kommentar entbehrt jeder Grundlage.

  3. 6.

    Da sehen wir wieder wie verwundbar wir sind. Wenn wir so einen Fall nicht aufklären wie wollen wir dann Terroristen stoppen?

  4. 5.

    Eine beträchtliche Geldsumme ist der Streitpunkt(Forderung)an die DPAG.Langsam vermute i.eher ein politisches Mutiv dahinter.Bisher hat sich ja niemand gemeldet.Werden Sie auch nicht tun.Angst u.Unfrieden verbreiten,mehr will o.wollen der o.die Täter nicht.Sonst hätte es schon bald mal gekracht.

  5. 4.

    Also so langsam aber sicher wuerde ich mal sagen, dass dieser Erpresser uns mal ehrlich sagen soll, was eigentlich der Streitpunkt zwischen ihm und DHL ist (also worum es bei dem Streit geht und warum er DHL erpresst).
    Und dazu fände ich es mal an der Zeit, dass der sich uns Usern und Buergern gegenueber mal argumentativ äußert und sich mal in die Diskussion einbringt. Denn es muss langsam aber sicher mal Schluss sein mit dieser DHL-Erpressung und derjenige/diejenige sollte wissen dass er/sie sich damit strafbar macht.

    Aber es war wirklich gut, dass die Polizei dieses Päckchen gefunden und sichergestellt hat.

  6. 3.

    Ihr Vertrauen i.d.Spurensicherung scheint nicht sehr groß zu sein,selbst wenn keine Fingerabdrücke vorhanden sind,können diese Fachleute durch eine DNA(nicht sofort,aber später)diese dem o.die Täter zuzuordnen.

  7. 2.

    "Die Kriminalpolizei untersucht nun, ob sich Fingerabdrücke oder DNA-Spuren an dem Päckchen finden lassen, um einen Absender zu identifizieren."

    Würde mich interessieren wie das gehen soll mit den Fingerabdrücken oder DNA Spuren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bereits erfasster Straftäter sich so blöd anstellt, und entweder das eine oder andere hinterlässt, ist wohl sehr gering. Und für den Personenkreis derer ohne Vorstrafen sollte es keine gespeicherten Fingerabdrücke oder DNA Daten geben. Aber wer weiß….! Und manchmal reicht es ja bereits wenn man sich die "falschen" Artikel durchliest um verdächtigt zu werden, Stichwort "Honeypot". Orwell lässt grüßen.

  8. 1.

    Also geräumt würde das Wohnhaus direkt hinter der Bank nich (gleicher Eingang). Ich hatte tolle sicht auf den Hof mit dem Roboter. Niemand hat Bescheid gesagt bis ich es über Freunde erfahren habe. Interessanter Nachmittag trotzdem :D

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