Eine Nachtigall in der freien Wildbahn (Quelle: Blickwinkel/H. Pieper)
Bild: blickwinkel

Forscherinnen wollen Chips in Gehirne implantieren - Streit um Experiment mit Nachtigallen landet vor Gericht

Zwei Berliner Wissenschaftlerinnen wollen Computerchips in die Gehirne von Nachtigallen implantieren, um zu verstehen, wie die Vögel ihre komplizierten Rufe koordinieren. Von dem Experiment sollen insbesondere autistische Kinder profitieren - ob es überhaupt stattfinden darf, muss ein Gericht entscheiden.

Das Berliner Verwaltungsgericht muss sich demnächst mit Nachtigallen beschäftigen. Zwei Wissenschaftlerinnen haben Klage eingereicht, weil ihnen verweigert wird, den Vögeln zu Versuchszwecken Computerchips im Gehirn zu implantieren.

Laut Gericht wollen die Forscherinnen der Freien Universität Berlin Mechanismen erforschen, die dem Duettgesang der Vögel zugrunde liegen. Davon erhofften sie sich weitergehende Erkenntnisse über das Krankheitsbild autistischer Kinder, die zu einer sozialen vokalen Interaktion nicht in der Lage seien.

Umweltverwaltung hat Experiment nicht genehmigt

Dazu wollen die Forscherinnen nach Gerichtsangaben 36 kleine Nachtigallen aus ihren Nestern nehmen und sie mit Tonaufnahmen ihr Gesangsrepertoire erlernen lassen. Der Plan sieht auch vor, den Vögeln dann unter Narkose einen Speicherchip ins Gehirn zu setzen. Nach den Messungen sollten die Implantate entfernt und die Vögel je nach Heilung in die Natur entlassen oder eingeschläfert werden.

Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt hat das Vorhaben nicht genehmigt, wogegen die Wissenschaftlerinnen nun vorgehen. Warum die Behörde den Versuch ablehnte, ist nicht bekannt. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Nachtigall beherrscht bis zu 260 verschiedene Strophen

Die etwa 17 Zentimeter kleine Nachtigall ist von eher schlichter Erscheinung, gilt jedoch als besonderes begabter Singvogel. Es singen nur die Männchen - ein ausgewachsenen Tier beherrscht zwischen 120 und 260 Strophen. 1995 wählte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Nachtigal zum Vogel des Jahres.

Sendung: Abendschau, 28.01.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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43 Kommentare

  1. 43.

    Wie so lassen sie sich nicht selbst einem Chip ins Gehirn setzen, wenn sie das so interessant finden?

  2. 41.

    Neo, so wird das nix, abwarten und Tiere quälen? Das zieht sich durch alle Beireiche der Tiere, der Natur. Es wird nur gelabert und beim Geld knicken sie alle ein. Absolut schäbig, was diese Dame vorhat, ...der Wissenschaft ist endgültig nicht mehr zu trauen, immer nur mit hochtrabendem Worten & opulenter Rhetorik rumsülzen.
    "[...] 36 kleine Nachtigallen aus ihren Nestern nehmen und sie mit Tonaufnahmen ihr Gesangsrepertoire erlernen lassen. [...] den Vögeln dann unter Narkose einen Speicherchip ins Gehirn zu setzen. Nach den Messungen sollten die Implantate entfernt und die Vögel je nach Heilung in die Natur entlassen oder eingeschläfert werden."
    Ich komme bei solchen und sehr vielen weiteren schmerzlichen Nachrichten - auch zur weiteren Qualifizierung der Dummheit - aus der Traurigkeit nicht mehr raus, ...das macht krank, Frau "Wissenschaftlerin". Und nach der evtl. Promotion dann (erst mal) Abteilungsleiterin im Tierveruchslabor. Sie wird es nicht aufgeben ... GC

  3. 40.

    WAS soll das nun wieder ???
    Der sogenannte "Forscherwahn" kennt offensichtlich keine Grenzen !
    Lassen sie die Nachtigallen in Ruhe !
    Kümmern sie sich um wirklich wichtige Missstände in der menschlichen
    Gesellschaft, davon gibts reichlich !

  4. 38.

    @ 37: Danke fuer die Infos.
    1)Die Pressemitteilung der Aerzte legt nahe, dass bei der Einfuehrung von EU-Richtilinien 2009 eine grosse Lobby keinerlei Einschraenkungen an Tierversuchen wollte. Ohne mich eingehend damit befasst zu haben, vermute ich, dass sie sich nicht 100% durchgesetzt hat: Sonst waere dieser Fall vermutl gar nicht vor Gericht gelandet.
    2) Vom Artikel im 'Spektrum' habe ich nur die kostenlose erste Seite gelesen. Er scheint vorwiegend medikamentoese Therapien zu behandeln. Zudem heisst es: "Das Problem sind [...] nicht die Tiermodelle an sich, sondern mangelhaftes Studiendesign. [...] Die Modelle [bilden] immer nur wenige Aspekte einer Erkrankung nach."
    Dies spricht dafuer, Studien mit Vorsicht zu gestalten - m.E. aber nicht komplett gegen Tierversuche.
    3) Ob Beeintraechtigung der Voegel und Nutzen in akzeptablem Verhaeltnis stehen, wird, wie Steffen schrieb, hoffentlich das Gericht klaeren koennen - wenngleich vermutlich auch dort Laien sitzen.

  5. 37.

    Zum Thema Lobbyismus siehe hier:
    https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/presse/pressearchiv/426-pressearchiv-2009?showall=&start=1

    Zu 3: http://www.spektrum.de/magazin/tiermodelle-nur-eingeschraenkt-auf-den-menschen-uebertragbar/1322205



  6. 36.

    Nachtigall ick hör es trappsen !
    Natürlich bei den Tierversuchen findet man immer einen Grund , um dies zu begründen. Jetzt auch noch diese kleinen Wesen. Einfach nur ekelhaft was der Mensch alles so tut !

  7. 35.

    @Neo: Einigen wir uns doch einfach darauf, dass genau diese Fragen vom Gericht geklärt und neutral beurteilt werden. Danach wird es entweder den Versuch geben oder aber er wird wls Tierquälerei verboten.
    Und zum Thema Lobby: Es gibt eine sogenannte Grundlagenforschung, die an Universitäten und üblicherweise aus Steuergeldern durchgeführt wird. Es muss nicht immer eine Lobby dahinter stehen.
    Abschließend sei noch erwähnt: Wenn der Versuch tatsächlich vielversprechend und nicht tierquälerisch ist, wird er ohnehin irgend wo auf der Welt durchgeführt werden - nur dann eben nicht in Deutschland. Dann streichen andere Forscher die Lorbeeren ein, eine andere Uni kassiert weitere Forschungsgelder und wir Deutschen ... wir fallen wieder mal ganz weit zurück, weil uns unsere (meiner Meinung nach) übertriebene Ethik im Weg steht.

  8. 34.

    @ 33: zu 2) Ich habe keine Aussage gemacht, wieviel % des Volks Tierversuchen zustimmen. Ich habe nur Ihre Behauptung widerlegt, dass alle (!) Forschung von Lobbygruppen finanziert wuerde. Hierauf aber gehen Sie mit keinem Wort ein. Warum nicht? Weil das an der Verschwoerungstheorie kratzt?
    zu 3) Wenn SIe allen Ernstes vermuten, dass die beiden FU-Forscher aus Sadismus und Gier handeln, wundert mich Ihr Vertrauen in jene Forscher, die angeblich schon alles erforscht haben. Warum haben die den Sprachbehinderten dann noch nicht geholfen? Aus Ueberaerbeitung?
    zu 1) Da Sie die Mehrzahl Ihrer Aussagen nach wie vor als gesichert (!) darstellen, interessieren mich Ihre Quellen und Qualifikation: Wenn Sie fest behaupten, dass zu neurologischen Erkrankungen alles erforscht sei, dann muessen Sie selber bezahlter oder freiwilliger Teil des Wissenschaftsapparats sein. Andernfalls kann ich mir nicht erklaeren, wie Sie darin so tiefe Einblicke haben koennen. Bitte klaeren Sie mich auf.

  9. 33.

    zu 3: Satz 1: mit Sicherheit doch, 2. Satz: ja, halte ich, dritter Satz: das vermute ich
    zu 2: DAS Volk wird sicherlich nicht die uneingeschränkte Zustimmung geben, sonst gäbe es nicht immer wieder solche Diskussionen, ich kenne genug, die nicht diesem genannten Volk zuzurechnen sind und vollstes Vertrauen darin haben, dass Forschung auch ohne Tiere zu "verbrauchen" funktionieren kann und funktioniert.
    zu 1: selbst die Forschung zu Nervenimpulsen ist soweit fortgeschritten (Beispiel Parkinson / Spina Bifida / Querschnitt)dass diese Art der Versuche obsolet sind, denn es kann keinen Zusammenhang zwischen Autismus und dem Erlernen des Gesangs der Nachtigallen in das Transformieren der Ergebnisse in Richtung Humanmedizin hergestellt werden - wie sollten wohl die Ergebnisse irgendwie umgelegt werden? Ich verstehe wohl den Ansatz des Ansinnens, jedoch kann hier überhaupt kein Vergleich gezogen werden, denn die Entwicklung von Nervenbahnen im Wachstum ist doch hinlänglich erforscht worden.

  10. 32.

    @ 31: 1) Die zitierte Aussage bezieht sich auf Stoffe. Oft reagieren Menschen anders darauf als eine Tierart. Selbst unterschiedliche Menschen reagieren ja verschieden. Insofern Einigkeit. Der Versuch soll aber bei der Erkennung neurologischer Muster helfen. Hierbei geht es also nicht um Stoffe, sondern um Nervenimpulse u deren Verarbeitung. (Auch) hierbei gibt es Parallelen zwischen sehr unterschiedlichen Tierarten einschl Menschen. Insofern koennten d Versuch Sinn machen.

    2) Forschung wird nicht zuletzt durch Steuern finanziert. Also von DER Interessengemeinschaft, die (hoffentlich) will, dass es moeglichst allen moeglichst gut geht: dem Volk.

    3) Ich glaube nicht, dass zu jedem Thema genug Daten gespeichert u weitere Forschungen damit obsolet sind. Halten Sie die Forscher echt fuer so mies, dass sie Nachtigallen benutzen wollen, obwohl sie Sprachbehinderten laengst ganz anders helfen koennten? Oder dass sie nicht mal helfen wollen, sondern nur quaelen u kassieren??

  11. 31.

    Zitat:" Tierversuche sind nicht geeignet, die Wirkung und Gefährlichkeit von Stoffen für den Menschen zu beurteilen. Mittlerweile erkennen immer mehr Wissenschaftler, Politiker und Bürger, dass Tierversuche nicht halten, was sie versprechen."
    Entnommen: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/

    Hinter jeder Versuchsreihe stehen Verbände, Pharmakonzerne und deren Lobby, oder wer finanziert sonst solche Dinge? Die Wissenschaftler mit ihren eigenen privaten Mitteln? Man kann nicht so naiv sein anzunehmen, dass nicht Interessensgemeinschaften dies aus purem Eigennutz bezahlen.
    Es stehen mittlerweile so viele Daten aus Tests zur Verfügung, die, allen Wissenschaftlern auch zugängig, dazu geeignet sind, weitere Versuche an Tieren und Menschen obsolet werden zu lassen.

  12. 30.

    @ 29 ...- und dabei glaube ich, die Grundhaltungen hier unterscheiden sich gar nicht massiv: Alle sind gegen Versuche, die sinnlose Qualen darstellen. Die Unterschiede liegen vor allem in den Fragen, ...
    1) ob Tierversuche aufgrund der Unterschiede zwischen Menschen und Tiere grundsaetzlich sinnlos sind, und...
    2) ob Tierversuche an sich bereits ethisch unvertretbar sind.
    Das sind auch die einzigen Fragen, die wir m unserem vagen neurologischen Wissen hier sinnvoll behandeln koennten.
    zu 1: Menschen und Tiere haben viele Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Daher gehe ich davon aus, dass aus wissenschaftlcher Sicht manche, sicher nicht alle, Versuche sinnvoll und ausreichend erfolgversprechend sind.
    zu 2: Ich halte es fuer ethisch vertretbar, Tierversuche durchzufuehren, wenn man die Tiere keinen furchtbaren Aengsten und Qualen aussetzt. M.E. waere das Nachtigall-Experiment lt Kurzbeschreibung okay.

  13. 29.

    @Neo: Keiner stellt hier Bildungsstand in Frage. Keiner der Mitkommentatoren hat Einblicke in die Forschungsakten, niemand von uns ist Neurologe, um sich eine finale Meinung zu diesem Versuch bilden zu können.
    Was wir aber alle haben, ist eine persönliche Grundhaltung. In der unterscheiden wir uns hier massiv. Ist ja auch in Ordnung. Menschen mit anderer Meinung aber einer Lobby-Gruppe zuweisen zu wollen, zeigt nur, dass man Argumente der anderen nicht zulassen, nein sie sogar entwerten möchte. Kann man machen, dann entzieht man sich aber einer sinnvollen Diskussion.
    Im Übrigen ist vor Gericht noch gar nichts passiert. Das Amt, welches den Versuch nicht genehmigt hat, wir auf Genehmigung verklagt. Wenn Forscher dieses Risiko eingehen, werden die sicher Argumente haben. Ob die ausreichen und Ethik sowie Tierschutz, wird das Gericht dann verhandeln und zu einem Urteil kommen.

  14. 28.

    Lotte, welches Lobby-Interesse koennte dahinter stehen, mittels kognitiven Mustern von Nachtigallen Menschen mit Sprachstoerungen laengerfristig zu einem besseren Leben zu verhelfen? Wenn Sie diesen heftigen Vorwurf als "nicht von der Hand zu weisen" bezeichnen, bringen Sie doch bitte etwas mehr Indizien, ausser dass Coca Cola schon mal Studien finanziert hat.
    Steckt da die provenzalische Nachtigallen-Mafia dahinter, die sich zusammen mit den Forschern der FU bereichern will? Oder die Pharmalobby? Aber wo sind hier Medikamente im Spiel?
    Oder koennte es vllt auch sein, dass dort Leute aus Menschenliebe und sicherlich auch aus wissenschaftlichem Ehrgeiz handeln? Und jenen Menschen helfen wollen, die sich bisher fast ueberhaupt nicht artikulieren koennen? Sind nur so Ideen. - Wen konkret haben Sie im Verdacht?

  15. 27.

    Hallo Lotte, da haben Sie sicher Recht. Aber das Stadium des Tests von Medikamenten an Menschen, die das zudem grundsätzlich freiwillig machen (wobei Freiwilligkeit bei Geldmangel auch hinterfragt werden könnte), folgt immer dem Test an Versuchstieren. Üblicherweise testet man erst an lebenden Zellen, erst dann an Tieren und erst danach an Menschen.

    Das Thema der künstlichen Lebensverlängerung im Rahmen von Alten- oder Intensivpflege ist ein anderes, nicht weniger trauriges, ja manchmal auch beschämendes. Dann dürfen Menschen nicht mehr einfach sterben, wenn sie ihr Leben gelebt haben. Es sind nicht nur Medikamente sondern auch künstliche Ernährung oder Beatmung. Mit Intensivpflege lässt sich manchmal noch viel Geld rauspressen. So raubt man meines Erachtens die Würde von Schwerstkranken und Sterbenden. Aber wie gesagt, das ist ein anderes Thema.

  16. 26.

    Neo, haben Sie doch einfach den Mut...
    - mit mir direkt zu reden, ...
    - zuzugeben, dass Ihr Satz, "ich möchte nur zu gerne wissen, welche Lobby dahintersteckt" eindeutig unterstellt, DASS eine Lobby dahinter stuende, ...
    - zuzugeben, dass Sie die geplanten Versuche als sinnlos bezeichnen und die Forscher damit angreifen.
    Und haben Sie doch den Mut ggf zuzugeben, wenn Sie - genau wie ich - keine Ahnung von Neurologie haben.
    Aber bitte nutzen Sie nicht meinen kleinen Kommentar, um ihre Verschwoerungstheorie zu stuetzen. Wenn ich Geld von der Pharmalobby bekaeme, wuerde ich auf ganz anderen Hochzeiten tanzen und nicht in diesem pittoresken Forum posten.

  17. 25.

    Hallo Steffen.Test's an Menschen werden durchgeführt und das nicht ganz ohne.Schering läßt schön grüßen.Zufällig kenne ich eine Person die damit recht gutes Geld verdient hat.Jetzt aber hiervon Abstand nimmt.Als ich noch im Pflegebereich tätig war,müßte ich mit ansehen wie Alte Menschen in der Geriatrie mit fadenscheinigen Tabletten und sogar mit Herzspritzen versorgt wurden,nur damit sie länger leben.Die Dunkelziffer ist bestimmt noch höher.Soviel dazu.

  18. 24.

    Interessant ist auch, wer sich welche Jacke anzieht, andere Leute urteilt und versucht, dies in eine neutrale Meinung zu verpacken, aber dabei doch manipulativ zu sein scheint, Bildungsstand in Frage stellt usw.
    Das sind die Antworten, die auf eine Meinung kommen, die niemanden angreifen - sehr interessant.
    Und gut so, dass das Gericht dem Ganzen erst mal einen Riegel vorgeschoben hat, denn jetzt müssten sich die Juristen die gleichen Antworten gefallen lassen.

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