Ein Arzt untersucht an der Charité das Auge eines Jungen, der zu Silvester verletzt wurde (Quelle: rbb-Abendschau)
Video: Abendschau | 30.01.2018 | Julia Fischer | Bild: rbb-Abendschau

Gefährliche Silvesterknaller - Charité zählt viel mehr Augenverletzungen durch Böller

Die Augenklinik der Berliner Charité behandelt seit dem Jahreswechsel so viele Patienten wie nie, darunter ungewöhnlich viele Kinder. Viele wurden von Böllern getroffen, als sie auf der Straße spielten. Von Julia Fischer

Murtadas Auge ist schwer geschädigt: Zu Silvester wurde er von einem Böller getroffen. Sein Bruder kommt mit mit Verbrennungen an Augenbraue und Lidern davon, Murtadas Horn- und Bindehaut werden jedoch so schwer verletzt, dass er mehrfach operiert werden muss.

Der Junge ist einer von ungewöhnlich vielen Patienten, die der Berliner Mediziner Eckart Bertelmann dieses Jahr versorgen musste: Ärzte beobachten seit einigen Jahren eine deutliche Zunahme Verletzter rund um Silvester.

"Ich kann mich in den letzten 20 Jahren an kein Jahr erinnern, in dem es so viele Verletzte gab", sagt Bertelmann von der Augenklinik der Charité. "Auffällig in diesem Jahr war, dass es so viele Kinder waren." Meist Jungen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren.

Sechs Kinder mussten operiert werden

Nach Silvester 2016/17 wurden 24 Patienten in die Augen-Rettungsstelle der Charité eingeliefert, sechs davon Kinder. Dieses Jahr waren es fast doppelt so viele Patienten (43), die Zahl der Kinder hat sich mit 19 sogar verdreifacht. Operiert werden musste letztes Jahr nur ein Kind, dieses Jahr waren es sieben.

Eine naheliegende Vermutung: Die Betroffenen gingen nicht sachgemäß mit den Knallern um; Bertelmanns Erfahrungen sind aber andere: "Die Mehrzahl ist einfach auf der Straße damit konfrontiert worden. Plötzlich knallt es - da hat jemand was geworfen. Oder sie wissen gar nicht, wo es herkommt."

Polizeigewerkschaft gegen Böllerverbot

Deswegen fordern Augenärzte deutschlandweit ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper.
Für die Gewerkschaft der Polizei ist das keine Lösung. "Es ist so, dass wir nicht die Strukturen dafür haben, dem Herr zu werden - das auch zu überprüfen", sagt Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei. "Und außerdem möchten wir nicht noch mehr illegale Feuerwerkskörper auf den Straßen haben – und das wäre die Folge."

Bei der aktuellen Gesetzeslage bleibt nur, ausdrücklich für sachgemäßen Umgang mit ausschließlich zertifziertem Feuerwerk zu werben - auch um Unbeteiligte wie Murtada zu schützen. Ob er jemals wieder richtig sehen wird, muss sich noch zeigen.

Beitrag von Julia Fischer

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Es wäre ein generelles Verkaufsverbot erforderlich. Dann könnte es die Polizei auch durchsetzen, dass nicht geknallt wird, da es dann nicht soviel wird. Das Problem ist die Masse.
    Nur ich befürchte es würde nicht nutzen. Schnell würde es etwas anderes auf den Markt geben, vielleicht genauso gefährlich oder es wären Signalwaffen.
    Das Problem ist der fehlende Respekt gegenüber anderen, die Verdummung (unser Fernsehen und unser Bildungssystem haben ganze Arbeit geleistet) und der Egoismus. Sollte man den gesellschaftlichen Warteverfall stoppen schädig man andere nicht mehr grob fahrlässig oder vorsätzlich und man braucht nicht mehr über immer weitere Verbote nachdenken. Ging doch auch früher!

  2. 6.

    Doch es wird schon Tage vor Sylvester gezielt mit Pyromunition und auch legalen Kategorie II Böllern auf spielende Kinder in Hinterhöfen und auf Spielplätzen geschossen und geworfen. Selbst erlebt 2018, 2017, 2016, 2015 in Mitte, Kreuzberg und Neukölln. "Bei der aktuellen Gesetzeslage bleibt nur" die Stadt in der Zeit zu verlassen; soweit das beruflich und urlaubsplanerisch möglich ist für mindestens eine Woche. Lächerlich, dass das nicht zu kontrollieren sei - an 350 Tagen im Jahr geht das auch - selbst in Fußballstadien, .... Es fehlt der politische Wille - auch seitens der Polizei - sich für ein Verbot zugunsten der öffentlichen Sicherheit und der körperlichen Unversehrtheit - insbesondere der Kinder - einzusetzen. Die meisten (scheinbar kleinen) Verletzungen werden weder behandelt noch angezeigt; wie z.B. Knalltraumata.
    @rbb Zu Knalltraumata und deren Folgen (besonders bei Nicht-Behandlung) braucht es viel mehr Aufklärung. Gerne dazu "un"betroffene Kinder interviewen.

  3. 5.

    " außerdem möchten wir nicht noch mehr illegale Feuerwerkskörper auf den Straßen haben – " diese sind also schon da, toll ,u. es werden immer mehr... "Es ist so, dass wir nicht die Strukturen dafür haben, dem Herr zu werden - das auch zu überprüfen",
    dann sollten endlich mal von der Politik diese " Strukturen " geschaffen werden ! und nicht nur für illegale Böller. Immer wieder müssen wir uns von der Politik solche Floskeln anhören . Es fehlt einfach der Wille....Diätenerhöhung ausgenommen

  4. 4.

    " einfach nur traurig und schrecklich" Sie sprechen fromme Wünsche aus, die ungehört verhallen. Ich war einige Jahre an einer Berliner Augenklinik tätig, auch damals waren zu Silvester viele Verletzungen die Regel, aber nicht in diesem erschreckendem Ausmaß wie heute . Mit dem Aufleben des Internets ist der Bezug solcher Böller noch viel einfacher und weniger kontrollierbar . Die Verletzungen sind oft erheblich und von Dauer, mit allen Einschränkungen für eine spätere Berufswahl,, angefangen mit dem begehrten Führerschein .

  5. 3.

    " deutschlandweit ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper " wäre notwendig u. sicherlich auch zu kontrollieren.
    Mit dem Internethandel wird es schon problematischer , aber wo ein Wille ist....
    Und die Städte u. Gemeinden mach dann ein Feuerwerk für alle

  6. 2.

    einfach nur traurig und schrecklich, Verbot und nur noch auf bestimmten Plätzen, hohe Strafen,
    den einige Egoisten, wie auch immer schädigen unschuldige, das sollte allen zu denken geben

  7. 1.

    Einfach nur schlimm, egoistische Rücksichtslosigkeit zerstört das Leben von Kindern.
    Nur denke ich auch, dass ein Verbot von Böllern hier nichts bringen würde. Bei den Böllern, die diese schweren Verletzungen verursacht haben, dürfte es sich nahezu ausschließlich um illegales Feuerwerk gehandelt haben, deren Sprengkraft die von legalen Böllern teils um ein Vielfaches übersteigt. Es ist nicht anzunehmen, dass "normale" Böller nach dem Werfen praktisch genau vor den Augen der Betroffenen detonieren. Ein anderes mögliches Szenario wäre, dass die Kinder selbst mit den Böllern hantiert haben. Dann liegt die Schuld wohl bei den Eltern, älteren Geschwistern oder falschen Freunden, die das zugelassen haben. Wer Kindern Feuerwerk in die Hand gibt, macht sich mitschuldig!

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