Sparkassen-Filiale an der Breiten Straße in Schmargendorf (Foto: Nina Kunath)
Audio: radioBerlin 88,8 | 18.02.2018 | Polizeisprecher Martin Halweg | Bild: Nina Kunath

40.000 Haushalte im Südwesten offline - Mutwillig beschädigte Glasfaserkabel legen Internet lahm

Im Südwesten Berlins waren am Sonntag viele Haushalte offline. Unbekannte Täter hatten in Schmargendorf mehrere Glasfaserkabel durchtrennt - möglicherweise, um in eine Sparkassen-Filiale einzubrechen.

"Kein TV, kein Internet und kein Telefon" - so klagte ein Vodafone-Kunde am Sonntagmittag auf der Störungsseite "allestoerungen.de". Mitten in der Nacht war in einigen Berliner Ortsteilen plötzlich das Internet ausgefallen, auch Telefon und Kabelfernsehen funktionierten nicht mehr.

16 Glasfaserkabel mutwillig durchtrennt

Verursacht hatten den Netzausfall bisher noch unbekannte Täter, die laut Polizei im Ortsteil Schmargendorf (Charlottenburg-Wilmersdorf) einen Kabelschacht aufgebrochen hatten. Unmittelbar in der Nähe einer Sparkassen-Filiale, hätten sie in der Nacht zum Sonntag mutwillig mehrere Kabel zerstört, sagte Polizeisprecher Martin Halweg rbb|24.

Nach Angaben der Deutschen Telekom wurden insgesamt 16 Glasfaserkabel verschiedener Anbieter durchtrennt, unter anderem auch von Vodafone, was in rund 40.000 Haushalten zu einem Ausfall des Kabelnetzes führte.

Weiter Teile des Südwestens von Ausfall betroffen

Vodafone bestätigte am Mittag rbb|24 die Störung. Demzufolge waren die Kabelanlagen bereits um 1.35 Uhr am Sonntagmorgen beschädigt worden. Auch "ganz Friedenau, Steglitz, Schöneberg und Wilmersdorf" seien offline, postete am Mittag ein betroffener Nutzer auf einer Störungsseite.

Vodafone-Störung ist inzwischen wieder behoben

Wie Vodafone am frühen Abend mitteilte, war die Störung des Kabelnetzes dann gegen 17.20 Uhr wieder vollständig behoben. Die rund 40.000 betroffenen Haushalte seien wieder online. "Bei uns war aber auch nur ein Kabel betroffen", sagte Vodafone-Sprecherin Heike Koring rbb|24.

Die Reparturarbeiten hätten allerdings erst beginnen können, nachdem die Spurensicherung durch die Polizei beendet war. Außerdem sei die Wiederherstellung von Glasfaserverbindungen "sehr aufwändig", sagte Koring. 

Telekom ist deutlich stärker betroffen

Telekom-Kunden müssen sich dagegen noch etwas gedulden - denn anders als bei Vodafone wurden gleich mehrere Kabel beschädigt. Wie Telekom-Sprecher Hubertus Kischkewitz rbb|24 am frühen Abend sagte, werden die Arbeiten noch längere Zeit in Anspruch nehmen: "Heute werden wir nicht mehr fertig, dafür ist das zu aufwändig", sagte Kischkewitz. Da es sich um Glasfaserkabel handelte, ist die Behebung der Störung kompliziert. "Die können Sie nicht einfach zusammenflicken", sagte Kischkewitz. "Die müssen von Muffe zu Muffe ausgetauscht werden". Die Haushalte würden sukzessive wieder ans Netz angeschlossen.

Sparkassen-Einbrecher könnten Kabel beschädigt haben

Nach Polizeiangaben wurden die Kabel in einem Kabelschacht an der Ecke Breite Straße/Cunostraße gekappt. Von dort aus verlaufen sie zu den einzelnen Verteilerkästen an den Straßen, die dann schließlich die einzelnen Häuser versorgen.

Inzwischen werde geprüft, ob die Kabel von denselben Tätern beschädigt wurden, die offenbar in die benachbarte Sparkasse-Filiale einbrechen wollten. Gegen drei Uhr sei in der Filiale an der Breiten Straße Alarm ausgelöst worden, sagte Polizeisprecher Halweg rbb|24 am Sonntagnachmittag. Ungefähr zur gleichen Zeit sei es zu dem Netzwerkausfall gekommen. An der Filiale seien Einbruchsspuren gesichert worden.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Danke für die ergänzenden Hinweise. Zum Glück bin ich davon nicht betroffen. Allerdings gab es in der gesamten Bärensiedlung (Tempelhof) einschließlich einer daran angrenzenden Lidl-Filiale in der vergangenen Woche einen Stromausfall (geschätzt annähernd eine Stunde lang), was mir diesbezüglich schon etwas zu denken gibt. Und es festigt meine Einschätzung, dass Angriffe auf die Infrastruktur generell ein Fall für den Staatsschutz sein sollten. Klar: Nicht bei jedem Blackout sollte man nach den Schlapphüten rufen. Aber die (mutmaßliche) Kappung von Telefonnetzen bringt Menschen in Gefahr.

  2. 2.

    Was hier nicht berichtet wird - die Telekom hat die Schäden noch immer nicht behoben und es sind noch immer ganze Bezirke nicht wieder am Netz. Auch viele Gschäfte nicht, auch Supermärkte und Apotheken können keine Kredit- oder EC-Karten abrechnen oder teilweise gar keine Ware bestellen. Geldautomaten gehen auch nicht, Arztpraxen bleiben - so wie bei mir im Haus - geschlossen weil die nicht mehr online abrechnen können. Aus irgendeinem Grund ist aber der faktische Zusammenbruch der normalen Versorgung für unsere Medien keine Nachricht wert. Die Telekom erklärt ihren Kunden in den Hotlines, dass die wohl nicht vor Mittwoch wieder am Netz sein werden, es aber auch noch viel länger dauern kann. Auch wenn die Reparatur schwierig sein mag, entsteht nicht so richtig der Eindruck, die Telekom würde sich bei der Reparatur so anstrengen, wie es vielleicht möglich wäre. Komisch, dass dann in den Medien berichtet wird, es wäre alles wieder in Ordnung.

  3. 1.

    Gäbe es keine Handies, könnten die Betroffenen in der Zeit, in der diese Störung andauert, nicht mal irgendwelche Notrufnummern anrufen (und nebenbei bemerkt: auch nicht die Hotlines ihrer Internetanbieter). Mich wundert daher, dass diesbezüglich "nur" die Polizei auf den Plan tritt, denn eine solche Tat berührt meiner Meinung nach (auch bei einem finanziellen Motiv) die Grenze zum Terrorismus.

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