Berliner Kältebus unterwegs (Quelle Archivbild: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 07.02.2018 | Jade-Yasmin Tänzler | Bild: dpa/Paul Zinken

Mehr Einsätze durch eisige Nächte - Berliner Kältebus verstärkt im Einsatz

25 bis 30 Mal pro Nacht wird der Kältebus der Berliner Stadtmission normalerweise angerufen. Doch die eisigen Nächte, die derzeit in der Stadt herrschen, sorgen dafür, dass die Zahlen stark in die Höhe schnellen.

Der Kältebus der Berliner Stadtmission hat wegen der derzeit frostigen Temperaturen sehr viel mehr nächtliche Einsätze. Nach Angaben von Stadtmission-Sprecherin Ortrud Wohlwend wurde der Bus zwischen 80 und 100 Mal pro Nacht von Bürgern, der Polizei, Security-Mitarbeitern oder Rettungsstellen gerufen, um Obdachlose auf der Straße vor dem Erfrieren zu bewahren. "Normalerweise verzeichnen wir 25 bis 30 Anrufe in der Nacht", sagte Wohlwend.

"Die meisten Anrufe kommen von Bürgern"

Allein im Dezember 2017 und Januar 2018 legte der Bus jeweils mehr als 3.100 Kilometer im Berliner Stadtgebiet zurück. 660 Mal wurde der Kältebus im Januar gerufen, davon 74 mal von Rettungsstellen und 64 Mal von der Polizei und Sicherheitsdiensten. "Die meisten Anrufe kommen von Bürgern", sagte Wohlwend. Sie sieht darin ein gutes Zeichen, dass die Leute zunehmend Verantwortung übernehmen und die Menschen auf der Straße sich nicht selbst überlassen.

Mit 463 Obdachlosen kamen die 14 Ehrenamtlichen um den 23-jährigen Teamleiter Lars Nitz bei ihren Einsätzen im Januar ins Gespräch. 180 von ihnen konnten die Helfer anschließend in eine warme Notunterkunft bringen. Mitgenommen wird nur, wer das will. Im Dezember gab es 687 Anrufe und 402 Gespräche. In 139 Fällen ließen sich die Obdachlosen in eine Notunterkunft fahren. Die Mitarbeiter offerieren den Obdachlosen auch trockene Schlafsachen, warme Getränke und ein offenes Ohr.

Der Kältebus fährt seit 1994 durch die nächtliche Stadt

Im Einsatz ist der Kältebus im Berliner Winter seit 1994. Auslöser war damals der Kältetod eines Obdachlosen nur wenige Meter vor einer Notunterkunft, die der Mann wegen Entkräftung nicht mehr erreichte. Seitdem hat der Kältebus der diakonischen Einrichtung so viele Kilometer zurückgelegt, dass davon fünf Mal die Erde umrundet werden könnte. Er ist zwischen 1. November und 31. März jede Nacht zwischen 21 und 3 Uhr im Einsatz.

In seiner 23. Saison, so die Kältehilfe im November 2017, hat der Kältebus mehr Menschen als je zuvor zu versorgen. Die schwer zu schätzende Zahl der Obdachlosen Berlins geben Hilfsorganisationen mit 3.000 bis 6.000 Menschen an. Es könnten aber auch mehr sein. Die Wohnungsnot in Berlin ist ein Grund für die Zunahme, die stetig wachsende Zahl osteuropäischer Obdachloser ein anderer. Einige der Helfer im Kältebus sprechen Polnisch, in den Notunterkünften gebe es zudem Mitarbeiter, die Russisch können, sagte Wohlwend.

Kältehilfe soll in der nächsten Saison ausgeweitet werden

Die Berliner Kältehilfe für obdachlose Menschen soll in der Saison 2018/19 zeitlich ausgeweitet werden. Dann würden bereits ab Anfang Oktober 500 Übernachtungsplätze zur Verfügung stehen, so Sozialstaatssekretär Alexander Fischer (Linke). Ab 1. November 2018 würden dann bis Ende März 2019 insgesamt 1.000 Kältehilfe-Plätze zur Verfügung stehen. Im April 2019, zum Ausklang der Kälteperiode, würden es dann wieder 500 Plätze sein. Bislang öffnen die Notübernachtungsplätze und Nachtcafés im Rahmen der Berliner Kältehilfe von Anfang November bis Ende März. In der aktuellen Wintersaison stehen dafür insgesamt 1.100 Übernachtungsplätze für Obdachlose bereit.

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Danke für die schnelle Reaktion und Aktualisierung!

    im Sinne der vielen die da draußen frieren... danke!

  2. 3.

    Ich hätte mir gewünscht ihr vom Rbb hättet dem Beitrag auch die Telefonnummer der Kältehilfe angehängt bzw. integriert. (01785235838) Und ich denke jeder Mensch sollte sich diese Nummer in sein Telefon speichern - sie ist wichtig um jenen zu helfen die dort draußen liegen und nicht mehr wissen wohin und nicht mehr können so wie wir.

    Ansprechen, Berühren, Kontakt aufnehmen - die Kältehilfe anbieten. Aber vor allem: ernst nehmen! Soviel Dankbarkeit für kleine Gesten erhält man von den Menschen auf der Straße! Viel mehr als von so manchem der in Lohn und Brot steht und der nur noch auf sein teures Smartfon schaut!

  3. 2.

    Wohnungslosigkeit ist mMn kein Zufall sondern politisch gewollt. Wer Regierungsverantwortung übernommen hat, befindet sich in der Leistungspflicht nach der Berliner Verfassung und der Bundesverfassung zum Wohl aller Menschen zu handeln. Die Ergebnisse sprechen für sich. Im Übrigen, steht es jeder Regierung frei, die Bevölkerung über Handlungshindernisse zu informieren.

  4. 1.

    Irgendwas stimmt in unserem Land nicht: wir sind eines der reichsten Länder der Erde und es gibt nicht genug Wohnraum für Bedürftige?????

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