Wildschwein im Wald (Quelle: Picture alliance/Reiner Bernhardt)
Video: Brandenburg aktuell | 10.02.2018 | Marcus Gross / Im Studio: Henrik Wendorff | Bild: Picture alliance/Reiner Bernhardt

Ministerium veröffentlicht Leitfaden - Brandenburger Jäger sollen Wildschweine mit Fallen fangen

Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest sollen in Brandenburg mehr Wildschweine geschossen werden - dazu hat das Land bereits höhere Prämien für Jäger ausgelobt. Als Mittel der Wahl rät das Forstministerium jetzt zu Lebendfallen.

Um den Bestand an Wildschweinen zu verkleinern, wirbt das Brandenburgische Landwirtschaftsministerium für den Einsatz von Lebendfallen. Angesichts der drohenden Afrikanischen Schweinepest sei es "dringend erforderlich, die Schwarzwildbestände unter Anwendung aller verfügbaren Möglichkeiten zu reduzieren", heißt es auf der Internetseite. Dazu gehöre als "ergänzendes und wirksames Instrument der Fallenfang".

Dazu liefert das Ministerium einen Leitfaden, wie die Fallen aufgestellt werden und die Tiere anschließend getötet werden sollen. Darin wird gemahnt, der Fangvorgang müsse immer kontrolliert erfolgen, also z.B. mit Kameras überwacht werden. Denn es könne durchaus sein, dass auch andere Tiere - wie Dammwild oder Füchse, aber auch geschützte Tiere wie Biber oder Kolkraben - in die Fallen laufen. "Zufallsfänge könnten auch Nutz- oder Haustiere betreffen, die sich außerhalb des Einflusses ihrer Besitzer befinden (z.B. freilaufende Hunde und Katzen)." Gefangene Wildschweine sollen, dem Leitfaden zufolge, möglichst noch im Käfig erschossen werden.

Für interessierte Jäger stellte das Ministerium gleich einen Antrag online. Nach dem Bundesjagdgesetz ist das Aufstellen sogenannter Saufänge nur mit Genehmigung erlaubt.

Furcht vor Übertragung auf Hausschweine

Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, rafft aber Schweine schnell dahin. 2007 in Georgien gemeldet, hat die Seuche mittlerweile Tschechien und Polen erreicht. Ein Überspringen auf Deutschland würde für die Schweinehalter große Schäden bringen.

Obwohl Hausschweine in der Regel keinen Kontakt zu Wildschweinen haben, fürchten die Behörden eine Übertragung des Erregers. Deswegen sollen die Jäger nun noch mehr Bachen und Keiler schießen.

Debatte über Nachtsichtgeräte als Hilfsmittel

Mehrere Länder haben inzwischen begonnen, den Jägern Prämien für erlegte Wildschweine zu zahlen. In Bayern etwa gibt es von den Behörden für einen erlegten Frischling oder eine Bache ohne Jungtier 20 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 25 Euro pro erlegter Sau, in Brandenburg sogar 50 Euro - allerdings erst, wenn die Jagdstrecke der Saison 2014/15 übertroffen ist.

Zudem haben mehrere Länder die Schonzeit verkürzt oder gestrichen, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Auch Brandenburg hat die festgelegte Schonzeit für Schwarzwild bis 31. März 2021 aufgehoben.

In Bayern wurde zwischenzeitlich überlegt, Nachtsichtgeräte bei der Jagd einzusetzen, um mehr Tiere schießen zu können. Ein geplanter Versuche wurde jedoch vom Bund verhindert, weil nur Polizei und Bundeswehr die Geräte nutzen dürfen. Auch in Brandenburg ist die Jagd mit Nachtsichtgeräten derzeit verboten, allerdings wurde kürzlich die Zuhilfenahme von Taschenlampen bei der Jagd erlaubt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.02.2018, 14.00 Uhr

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Aha, die Verwaltung hat einen Leitfaden erstellt - Toll - und nun wissen die Profis an der Front, was sie machen sollen ja?
    Wieviel Fallen werden denn kostenlos bereitgestellt?

  2. 9.

    Aber es ist doch noch garnicht der 1. April!

    @ Herr Haack: ich habe mir eben den Artikel im O-burger Generalanzeiger durchgelesen und bin fassungslos über die Vorschriften, bzw. Empfehlungen, wie die Tiere gefangen und getötet werden sollen.

    @ Herr Bötel: ich kann mich Ihnen nur anschließen.

    Ich hoffe auch dringend, dass sich meine Waidgenossen an diesem Aktionismus nicht beteiligen





  3. 8.

    Ein Tier in einer Lebendfalle zu erschießen, hat mit waidgerechter Jagd so gar nichts zu tun. Ich hoffe, die Jägerschaft lässt sich nicht drauf ein.

  4. 7.

    Oranienburger Generalanzeiger vom 10.02.2018“DerSchuss auf den Gehirnschädel ist in jedem Fall vorgeschrieben und zwingend!Frischlinge mit weniger als fünf Kilogramm Gewicht sollen erschlagen werden.“
    Kann sich jemand vorstellen wie diese Tiere leiden? Ich persönlich würde kein Wort mehr mit einem Jäger reden der dazu in der Lage war/ist. Das ist Verachtung von Lebewesen!
    Wo sind die Viehkontrollen an den Grenzen bei den Transporten?????

  5. 6.

    So unsinnig ist der Kommentar gar nicht einmal von @ Erich ITrebbin.Wenn Sie den Bericht genau gelesen haben,werden Sie merken wie“sinnvoll“( Ironie) diese ganze Aktion überhaupt ist.Endweder ich lege mich als Jäger auf die Lauer und erschieße die Wildschweine gleich oder lasse es bleiben.Fallen zu stellen halte ich für unklug.

  6. 4.

    Wenn der Landwirtschafts-Minister in die Falle geraet , wird er dann auch gleich vor Ort erschossen? Es koennte aber auch sein, dass sich die pfiffigen ,wilden Schweine um die Falle versammeln und sich Totlachen! So wird das Ziel vielleicht auch erreicht - oder ? Viel Erfolg mit dieser "JAGD-PARODIE"!

  7. 3.

    Für interessierte Jäger stellte das Ministerium gleich einen Antrag online.

    Toll, der Link funktioniert sogar! Und für ein simples polizeiliches Führungszeugnis muss man persönlich beim Bürgeramt erscheinen. Prima Forstministerium. Was Lobbyarbeit doch so ausmacht...

  8. 1.

    Wenn Ihr meiner Katze was antut schiesse ich zurück!

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