Das Berliner Landgericht in der Littenstraße im Bezirk Mitte (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Bild: dpa

Ehefrau verbrüht und erstochen - 45-jähriger Berliner wegen Totschlags zu Haftstrafe verurteilt

Ein 45-jähriger Berliner ist zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er seine 34 Jahre alte Ehefrau mit kochendem Wasser verbrüht und dann durch zwölf Messerstiche umgebracht hat. Der Angeklagte sei des Totschlags schuldig, begründete das Berliner Landgericht am Montag sein Urteil nach einem mehr als sechs Monate dauernden Prozess.

Der aus der Ost-Türkei stammende Mann habe die Frau im Dezember 2016 in der gemeinsamen Wohnung in Wedding nach einem Streit angegriffen. Die fünffache Mutter starb elf Tage später in einem Krankenhaus. Der Mann hatte die Tat gestanden.

Bei dem Angeklagten habe sich möglicherweise eine "lange Anspannung eruptiv entladen", erklärte das Gericht. Eine Tat im Affekt sowie eine verminderte Schuldfähigkeit des 45-Jährigen seien nach einem psychiatrischen Gutachten nicht auszuschließen. Auch Staatsanwältin und Verteidiger hatten auf Totschlag plädiert. Die Anklage war zunächst von Mord aus niedrigen Beweggründen ausgegangen.

Anklage war erst von Mord ausgegangen

Nach fast 20 gemeinsamen Jahren sei es zur Beziehungstat gekommen, so das Gericht. Es habe sich um eine arrangierte Ehe gehandelt. Die Frau habe sich kein eigenes Leben aufbauen können. "Der Angeklagte hatte ein herrisches Verständnis als Familienoberhaupt." Er habe Ehefrau und Kinder auch geschlagen. Die Situation der Familie sei zudem finanziell schwierig gewesen. "Und beide Elternteile waren mit der Erziehung der Kinder überfordert."

Der Angeklagte, der keinen Beruf erlernt hat, sei eine "schwierige Persönlichkeit", hieß es weiter. Der Frau sei allerdings von außen - so durch einen Verein - Hilfe angeboten worden. "Wir sehen kein krasses Versagen der staatlichen Stellen", sagte der Vorsitzende Richter.

Die Ermittler gingen zunächst von Mord aus. Der Mann habe seine Frau aus "Wut und grenzenloser Eifersucht" umgebracht, hieß es in der Anklage. Er habe sie als sein Eigentum betrachtet. Ein Mordmerkmal sei im Prozess aber nicht feststellbar gewesen, so das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: Abendschau, 12.03.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Herr Lohse:
    Sind Sie Jurist oder Richter? Waren Sie bei den Verhandlungen dabei?
    Das Gericht entscheidet auf Grundlage von Fakten. Es finden Abwägungen statt, die in einem solchen Medienartikel nicht in Gänze dargestellt werden.
    Natürlich kann man als Person einen Richterspruch als zu hart oder zu mild empfinden, aber in einem Gericht entscheidet nicht eine einzelne Person.
    Unsere Gesellschaft würde zerbrechen, wenn einfach nur vom Bauchgefühl her harte Richterentscheidungen getroffen werden würden. Ich bin froh über eine unabhängige Justiz.

  2. 1.

    Ich fange jetzt mal an, skandalöse Entscheidungen der Justiz zu zählen, die meiner Meinung nach das Vertauen der Gesellschaft in Recht und Gesetz untergraben: 1. Warum nicht die Höchststrafe für Totschlag? Eigentlich gehört solch ein Mensch für den Rest seines Lebens in Haft, ohne Aussicht auf Freilassung, unabhängig von fehlenden Mordmerkmalen. Nicht nur als Strafe, auch zum Schutz der Gesellschaft. Sollten Strafrecht und verweichlichte Rechtsprechung nicht bald angepasst werden, ist ein Menschenleben bald nichts mehr wert. Und bevor die Verwirrten von rechts anfangen loszuplärren, das gilt ebenso für deutschstämmige Straftäter (Stichwort: Freilassung des Mörders Degowski)!

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