Ein Helfer vom Berliner Kältebus spricht mit einem obdachlosen Mann. (Quelle: imago/Rolf Zoellner)
Audi0: Radio Berlin | 14.03.2018 | Anke Michel | Bild: imago/Rolf Zoellner

Erster Gesundheitsbericht für Berlin - Helfer beklagen "notdürftige" Versorgung von Obdachlosen

Wer auf der Straße leben muss, der hat auch keinen Zugang zu regulären Arztpraxen. Die vorhande ambulante Versorgung steht und fällt mit dem Engagement Ehrenamtlicher. In einem ersten Gesundheitsbericht fordern Hilfsorganisationen deshalb ein Konzept.

Obdachlose in Berlin benötigen eine deutlich bessere medizinische Versorgung. Das geht aus dem ersten Gesundheitsbericht zur Lage der medizinischen Versorgung obdachloser Menschen hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die Versorgung der Obdachlosen wird darin als "notdürftig" kritisiert, die meisten Bedürftigen würden nicht ausreichend durch medizinische Regelangebote erfasst. Im ersten Gesundheitsbericht dieser Art wird deshalb ein "fachliches und finanzielles Gesamtkonzept" für den Bereich gefordert. Nötig sei unter anderem ein unbürokratisches, gut ausgestattetes und niedrigschwelliges medizinisches und zahnmedizinisches Versorgungssystem, in dem alle Bedürftigen einen leichten Zugang zu medizinischen Leistungen haben.

Ohne ehrenamtliche Helfer geht es nicht

Praxen und Arztmobile in Berlin haben dem Bericht zufolge im Jahr 2016 rund 6.600 obdachlose Frauen und Männer behandelt (für das Jahr 2017 liegen derzeit keine Zahlen vor). In zehn Einrichtungen, die Daten sammelten, ging es am häufigsten um Hauterkrankungen, psychische Probleme und Suchterkrankungen. Da jeder Patient im Schnitt vier Mal zum Arzt kam, ergaben sich im gesamten Jahr rund 27.000 Behandlungen. Dazu kamen rund 500 Obdachlose, die Zahnmediziner aufsuchten.

Finanziert werden die Einrichtungen, die Daten zuliefern, in der Regel aus Landesmittel-Programmen und durch Spenden. Die Versorgung erfolge in der Regel durch ehrenamtliche sowie bereits pensionierte Ärzte und Zahnärzte. Ohne deren Einsatz käme dieses Hilfesegment zum Erliegen, heißt es in dem Bericht.

Der erste Gesundheitsbericht dieser Art wurde vom "Runden Tisch zur medizinischen und zahnmedizinischen Versorgung obdachloser Menschen in Berlin" verfasst. Daran beteiligt sind unter anderem die Caritas, die Berliner Stadtmission, die Berliner Kältehilfe sowie mehrere Stiftungen, Hilfsorganisationen und Ambulanzen für Obdachlose. Erstmals werden in dem Bericht Zahlen und weitere Informationen zur medizinischen Versorgung von Menschen, die in Berlin auf der Straße leben, zusammengestellt.

Sendung: Abendschau, 14.03.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Weiter reichen an den neuen Gesundheitsminister Spahn. Der findet die Ärmsten nicht arm und kassiert für sich monatlich 15000 € aus Steuergelder für seiner unqualifizierte Arbeit.

  2. 2.

    Da die hier früher Gemeldeten eigentlich Anspruch auf Sozialhilfe haben, ist es doch wunderbar, wie bei ihnen Gelder eingespart werden. "Die Versorgung erfolge in der Regel durch ehrenamtliche sowie bereits pensionierte Ärzte und Zahnärzte." Finde ich bei theoretisch gegebenem Anspruch erbärmlich, wenn so etwas notwendig ist. Die dt. Gesellschaft scheibt so insbesondere Rentner ins "off", die hier oft lange gearbeitet haben.

  3. 1.

    In dem Willen, Freiheit und Recht jedes einzelnen zu schützen, Gemeinschaft und Wirtschaft demokratisch zu ordnen und dem Geist des sozialen Fortschritts und des Friedens zu dienen, hat sich Berlin, die Hauptstadt des vereinten Deutschlands, diese Verfassung gegeben: https://www.berlin.de/rbmskzl/regierender-buergermeister/verfassung/ Diese gilt auch für Obdachlose!

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