Mann klaut eine Tafel Schokolade, Symbolbild (Quelle: imago)
Audio: Radioeins | 01.03.2018 | Interview mit Jil Schneider von "Peng!" | Bild: imago stock&people

Aktion des Berliner "Peng"-Kollektivs - Künstler rufen zum Klauen in Supermärkten auf

Egal ob Lidl, Aldi, Rewe oder Edeka: vor dem Aufruf des Berliner Künstlerkollektivs "Peng" soll keine Supermarktkette sicher sein. Denn statt dort seine täglichen Einkäufe zu machen, rufen die Aktivisten zum gemeinsamen Klauen auf.

Mit einer neuen Kampagne will die Berliner Künstlergruppe "Peng!" gegen unfaire Handels-bedingungen protestieren und fordert deshalb zu "aktivem zivilen Ungehorsam" auf. Unter dem Titel "Deutschland geht klauen!" sowie dem Motto "Supermärkte klauen - wir klauen zurück" rufen die Aktivisten zum Diebstahl von Nahrungsmitteln in großen Supermarktketten auf.

Statt an der Kasse für Bananen, Tee, Schokolade oder Orangensaft zu bezahlen, sollten Kunden das Geld direkt an die Gewerkschaften in den produzierenden Ländern spenden, heißt es in einem seit Mittwochabend in sozialen Netzwerken verbreiteten Video der Aktivistengruppe. "Die vier großen Discounter Lidl, Edeka, Aldi und Rewe bestehlen täglich ihre Produzent*innen, denn sie verhindern Gewerkschaften, zahlen Hungerlöhne und befördern die Verletzungen von Menschenrechten." Solange es keine Gesetzesänderung gebe, werde dies auch so bleiben.

Schneider: "45 Cent pro Stunde" auf europäischen Plantagen

Der "Peng!"-Aktivist mit dem Künstlernamen Jil Schneider räumte am Donnerstag im Interview mit dem rbb ein, dass mit der Aktion zu einer Straftat aufgerufen werde. Er sei sich auch bewusst, dass die Kampagne etwa in sozialen Netzwerken heftig kritisiert werde.

Zugleich verwies er darauf, dass große Supermarktketten an der Ausbeutung von Arbeitskräften beteiligt seien. Um etwa ein Kilo Orangen für 99 Cent zu verkaufen, würden in den Erzeugerländern Hungerlöhne gezahlt. Selbst auf europäischen Obst- und Gemüseplantagen würden Arbeitskräfte mitunter nur "45 Cent pro Stunde" verdienen und später "abgeschoben werden", sagte Schneider.

Als Konsument sei man an einem System beteiligt, in dem Menschenrechte unterwandert und Hungerlöhne gezahlt würden. Dass sich darüber kaum aufgeregt werde, sei "bigott", verteidigte Schneider die Aktion.

Auch Immobilienfirmen schon im Visier des Kollektivs

Die "Peng!"-Aktivistengruppe versucht regelmäßig - ähnlich wie die Berliner Künstlergruppe "Zentrum für Politische Schönheit" - mit umstrittenen Aktionen auf politische Missstände aufmerksam zu machen. Erst Ende November hatten sie mit der Aktion "Die Rückkehr der Entmieteten" Schlagzeilen gemacht. Ein eigens programmierter Bot rief damals automatisiert eine Woche lang mehrmals am Tag und zu verschiedenen Uhrzeiten bei "besonders skrupellosen" Immobilienfirmen und Hauseigentümern an und spielte die Schicksale der von ihnen verdrängten Mieter ab.

Auf diese Art und Weise sollten laut Künstlerangaben "die Geister der Vergangenheit die ehemaligen Vermieter heimsuchen". Angerufen wurden Büro- und Privatnummern der Vermieter bis zu 20 Mal pro Tag zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Sendung: kulturradio, 01.03.2018, 6 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Man muss nicht die ständig wiederkehrende Leier von der Ausbeutung der Leute in den Entwicklungsländern kommentieren. Die Leute dort unten sind dankbar, dass die Weltkonzerne ihnen, für die dortigen Verhältnisse, gute Bezahlung bieten. Das möchten solche Spinner gern verschweigen, nur Einseitigkeit und Agitation auf Lügenbasis bieten, ähnlich wie die Rassisten. Das zieht nicht mehr und ist, wie in diesem Fall, ein Aufruf zu Straftaten. Die Organisatoren gehören sofort eingesperrt.

  2. 8.

    Ich hoffe, man wird der "Künstler" habhaft und zieht sie zur Verantwortung.
    Ich bin nicht bereit, für irgendwelche "Kunstaktionen" im Handel dann höhere Preise zu bezahlen, weil der Handel den Diebstahl irgendwie kompensieren muss und wird.
    Ich finde diesen Aufruf daher asozial und kriminell.

  3. 7.

    Aha. Ein Deutscher klaut - und es ist Kunst. Ein Nichtdeutscher klaut - und es ist Diebstahl. Spannend!

  4. 6.

    Dann gibt es eben nicht jeden Tag Fleisch und Käse oder heimisches Obst im Winter. Jede/r Einzelne hat die Wahl ob man zu Nahrungsmitteln greift, bei denen Produzenten und Hilfsarbeiter offensichtlich kaum etwas daran verdienen oder zu Risa rennt, um billig Huhn zu (fr)essen. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und sich mit der eigenen Machtlosigkeit herauszureden ist Bestandteil dessen.

  5. 5.

    Von der Immobilienaktion hatte ich noch nichts gehört, die Idee finde ich ganz sympathisch. Und ja, es ist schon rätselhaft und etwas gruselig, wann man ein Kilo Orangen für 99 Cent bekommt, das gebe ich zu. Aber letztlich sind das die Mechanismen der globalisierten Marktwirtschaft. Wie groß die Einflussmöglichkeiten für Edeka, Rewe oder Aldi für Besserungen in den Erzeugerländern am Ende sind, scheint mir doch etwas fraglich. Da hängen ja auch etliche Zwischenhändler usw. dazwischen.

    Letztlich richtet sich die Aktion wohl eh gegen Globalisierung und Kapitalismus im Allgemeinen, hier hats halt zufällig die Lebensmittelhändler getroffen, genauso gut hättens MediaMarkt, Ikea oder H&M sein können. Das sind Studenten, die ein bisschen Revolution spielen. In fünf Jahren haben die feste Jobs und fahren mit ihrem Audi beim Edeka vor. Der Aufruf zum Klauen ist reine Provokation, das sollte man nicht zu hoch hängen. Kunst ists für mich in jedem Fall nicht.

  6. 4.

    Ja auch ich finde es immer wieder beschämend, wenn ich nach Nahrungsmittel greife, die nicht teuer oder gerade im Angebot sind. Ich weiß es nur zu gut und trotzdem steht man hilflos da und kann wenig daran ändern als einzelne Person. Vor allem aber ist, wenn man genötigt ist „billig“ Einkaufen zu gehen. Habe schon eine Idee wie ich an dieser Aktion teilhaben kann. Aber mehr darf ich hier nicht äußern.

  7. 3.

    Und was bitte ist daran Kunst? Warum bezeichnen sich diese Kindsköpfe als Künstler?

  8. 2.

    Aufruf zu Straftaten, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen?
    Wenn sie ,Damen und Herren Organisatoren, schon meinen,dass die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache,die einzige Möglichkeit ist,Protest zu äußern, so haben sie wenigstens das Kreuz selber straffällig zu werden,und im zweifel die Konsequenzen zu tragen.

    Den Protestgrund halte ich allerdings für nachvollziehbar.

  9. 1.

    Man kann nur hoffen, dass die Justiz wenig "Kunst"-Verständnis für solch staatsgefährdende Aufrührer hat und ausnahmsweise mal nicht die übliche Verfahrenseinstellung vornimmt.

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