Mensch von hinten in Psychiatrie (Quelle: imago/biky)
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Stiftung Anerkennung und Hilfe - Erste Psychiatrie-Opfer erhalten Unterstützung

Misshandlungen, Demütigungen, Medikamente: Auch in Brandenburg mussten viele Minderjährige zu DDR-Zeiten schweres Leid in Psychiatrie- und Behindereneinrichtungen erfahren. Bis Ende kommenden Jahres können sie noch Hilfe beantragen.

618 Frauen und Männer, die als Minderjährige in Psychiatrie- und Behinderteneinrichtungen der DDR schweres Leid erlebten, haben im ersten Jahr bei der entsprechenden Brandenburger Landesstiftung Ansprüche auf Unterstützung angemeldet.

Die Betroffenen hätten von schweren Misshandlungen, Demütigungen und der Verabreichung von Medikamenten berichtet, sagte die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, am Donnerstag in einer ersten Bilanz.

Mit 191 Opfern seien bereits Beratungsgespräche geführt worden. Insgesamt 152 Menschen erhielten eine Geldpauschale in Höhe von 9.000 Euro, ein Drittel von ihnen auch eine zusätzliche Rentenleistung für unbezahlte Arbeit. Insgesamt geht man im Land Brandenburg von rund 2.000 Betroffenen aus.

Bundesweit 288 Millionen Euro für Entschädigungen

Die Stiftung "Anerkennung und Hilfe" verwaltet in Brandenburg wie in den anderen Bundesländern einen Fonds in Höhe von 288 Millionen Euro. Die Geldmittel wurden im vergangenen Jahr von Bund, Ländern und Kirchen für Opfer in Psychiatrie und Behinderteneinrichtungen in der DDR und der Bundesrepublik zur Verfügung gestellt.

Die Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung für das Land Brandenburg hatte vor knapp einem Jahr ihre Arbeit in Potsdam aufgenommen. Dorthin können sich Menschen wenden, die als Minderjährige in der Bundesrepublik bis 1975 und in der DDR bis 1990 in stationären Einrichtungen der Psychiatrie und Behindertenhilfe Leid und Unrecht erfahren haben. Ziele der Stiftung sind die Anerkennung von Leid und Unrecht der Betroffenen, die Bewältigung heute noch bestehender Folgewirkungen durch Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen sowie die öffentliche Anerkennung der damaligen Verhältnisse und Geschehnisse sowie deren wissenschaftliche Aufarbeitung.

Bis heute leiden die Menschen unter den Folgen

Viele Minderjährige wurden an Betten und Heizkörpern festgebunden, in dunklen Räumen isoliert oder mit Kaltwassertauchen und Schlägen misshandelt, berichtete Nooke. Häufig wurde ihnen Schulunterricht verwehrt, so dass sie nun in Armut lebten. Die Betroffenen würden bis heute unter den Folgen der damaligen Unterbringung leiden. Einige Menschen hätten durch hoch dosierte Medikamente gesundheitliche Schäden erlitten.

Es geht nicht nur um finanzielle Hilfe

In der Bundesrepublik waren in der Zeit zwischen 1949 und 1975 rund 116.100, in der DDR zwischen 1949 und 1990 rund 139.900 Mädchen und Jungen in stationären Einrichtungen der Psychiatrie und Behindertenhilfe.

Die Anmeldefrist für die Zahlungen laufe noch bis Ende kommenden Jahres, sagte Nooke. Bei der Beratung in der Potsdamer Anlaufstelle gehe es aber nicht nur um die finanzielle Hilfe, betonte die Landesbeauftragte: "Die meisten Betroffenen fühlen sich durch die Hilfe erstmalig mit ihren Erfahrungen wahr- und ernstgenommen."

Sendung: Brandenburg aktuell, 22.03.2018, 19:30 Uhr

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