27 Jahre nach der Tat in Thüringen - Mutmaßlicher Mörder einer Zehnjährigen in Berlin gefasst

Di 06.03.18 | 13:21 Uhr
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Haftrichtervorführung. (Quelle: Medienmanufaktur/Arne Schein)
Video: Abendschau | 06.03.2018 | Kerstin Breinig | Bild: Medienmanufaktur/Arne Schein

Vor fast 27 Jahren wurde die zehnjährige Stephanie aus Weimar tot unter der Teufelstalbrücke gefunden. Am Sonntag haben SEK-Beamte einen Tatverdächtigen in Reinickendorf verhaftet - der Mann hat ein Teilgeständnis abgelegt.

Es ist bis heute einer der spektakulärsten Kriminalfälle Thüringens: 1991, also vor fast 27 Jahren, entdeckten Kinder die Leiche einer Zehnjährigen unter der Teufelstalbrücke. Die Obduktion ergab: Stephanie D. war von der 53 Meter hohen Autobahnbrücke zu Tode gestürzt.

Zwei Tage zuvor hatte sie ihre Familie als vermisst gemeldet. Das Mädchen aus Weimar hatte mit seinen Geschwistern und einer Freundin in einem Park gespielt - von dort war es spurlos verschwunden. Ein Mann habe Stephanie angesprochen und mit sich gelockt, sagten die Kinder, als Polizisten sie befragten. Die Ermittlungen blieben damals ohne Ergebnis. Lange Zeit passierte gar nichts - bis die Sonderkommission "Altfälle" die Arbeit an dem ungeklärten Verbrechen im vergangenen Jahr wieder aufnahm.

Verdächtiger in Reinickendorf gefasst

Nun hat die Polizei tatsächlich einen Verdächtigen verhaftet – und zwar in Berlin, teilten Ermittler am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit. Es ist ein 65 Jahre alter LKW-Fahrer aus Reinickendorf. Am Sonntagmorgen gegen acht Uhr nahmen ihn Jenaer SEK-Beamte in seiner Wohnung in der Holzhauser Straße fest. Er ist geschieden, hat keine Kinder und lebte dort allein. Als die Polizisten die Wohnungstür mit einer Kettensäge öffneten, griff der Mann sie mit einer Eisenstange an – wurde von ihnen aber sofort überwältigt.

Inzwischen habe der mutmaßliche Täter ein Teilgeständnis abgelegt, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera am Dienstag. Der 65-Jährige sitzt nun in der JVA Suhl-Goldlauter, ein Richter hat Haftbefehl gegen ihn erlassen.

1987 in Berlin wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Stephanie ermordet zu haben, um einen Missbrauch an ihr zu vertuschen. Die Polizei hatte ihn über eineinhalb Wochen observiert, rund um die Uhr. Weil er als LKW-Fahrer in Deutschland unterwegs war, habe man ihn "komplett begleitet", hieß es am Dienstag.

Der Verdächtige sei im Raum Weimar-Jena aufgewachsen und noch vor der Wende nach Berlin gezogen. Nach Recherchen des MDR verurteilte ihn das Landgericht Berlin 1987 wegen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen zu zehn Monaten Bewährung.

Später verging er sich auch in seiner Heimatregion in Thüringen an Kindern. 1996 wurde er wegen Missbrauchs in mindestens drei Fällen verurteilt, dafür soll er auch Kinder entführt haben. Der Mann musste für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis, danach in ein psychiatrisches Krankenhaus. Deshalb waren seine Daten gespeichert, ursprünglich in den Akten zu einem anderen ungeklärten Mord an einem Kind. Stephanie D. oder ihre Familie hat er offensichtlich nicht gekannt.

Neue DNA-Untersuchungen brachten den Hinweis

Wie kamen ihm die Ermittler nach all den Jahren doch noch auf die Spur? Das liegt vor allem an der fortgeschrittenen Polizeitechnik. Daten aus hunderten Leitz-Ordnern dreier ungeklärter Mordfälle waren in ein neues Fallbearbeitungssystem eingegeben worden. Einer Ermittlerin fiel auf, dass die Spuren des LKW-Fahrers auch zum Fall Stephanie passten.

DNA-Nachuntersuchungen, die früher noch nicht möglich waren, brachten nun den Hinweis: Der Mann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Mörder der damals Zehnjährigen. "Stephanie wäre heute eine junge Frau in der Mitte ihres Lebens gewesen. Wir wissen jetzt seit einigen Tagen, wie ihr Schicksal stattgefunden hat", sagte der Leiter der Polizeiinspektion Jena auf der Pressekonferenz, er war sichtlich bewegt.

Die Teufelstalbrücke bei Hermsdorf

19 Kommentare

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  1. 19.

    Ich meine Ihren Kommentar von Dienstag, 06.03.2018 | 17:33 Uhr

    "Das hat hier mit dem Polizisten nichts zu tun,..."

  2. 18.

    Wie hier beschrieben war der Täter auch schon vor dem Mord 1991 straffällig , da hatte man ja bereits seine DNA! Warum hatte man dann nicht beim Opfer danach gesucht ??? Und es kann nöglich sein, dass er noch mehr Kinder seit 1991 auf dem Gewissen !

  3. 17.

    Sind Sie evtl. im Post verrutscht? Welchen meinen Sie denn? Wo sollen "Polizisten" erwähnt sein?

  4. 16.

    Was meinen Sie mit "Polizisten"? Der Verdächtige ist LKW-Fahrer.

    Welchen Mehrwert hat Ihr Einzelbeispiel? Gibt es irgendwelche Parallelen zu dem Fall der 27 Jahre her ist? Anfang der 90er Jahre war das Internet sicherlich nicht ein Faktor in diesem Fall!

    Bei der Kinderpornografie hat sich durch das Internet wahrscheinlich nur die Verbreitungsrate und damit die Bekanntheit der Fälle vervielfacht. Die Anzahl der Straftaten hat sich wahrscheinlich gar nicht signifikant geändert. Ich benutze bewusst das Wort "wahrscheinlich", weil ich grade keine Zahlen zur Hand habe. Ebenso wie sie irgendwelche Belege für Ihre Behaupt beibringen.

  5. 15.

    Makaberer Weise, waren so die Terroristen vom NSU am Ende wenigstens dazu gut, diesen alten Fall zu klären.

  6. 14.

    Der mutmaßliche Täter hat nach seiner Tat 27 Jahre lang mit allen Annehmlichkeiten gelebt. Das Opfer hatte ein zu kurzes Leben. Man wird auch bei einer Verurteilung keine Gerechtigkeit herstellen können. Für Mord gibt es keine Genugtung.

  7. 13.

    (OT: Ich habe gestern einen Artikel gelesen, in dem wohl die Mädchen vertauscht wurden.
    Der Artikel ist auch nicht mehr im Netz, war viell. wirklich ein Fehler.)

  8. 12.

    Wir müssen nicht ins Detail gehen. Die medialen Straftaten kommen noch dazu.

  9. 11.

    Hallo. Sie spielen auf den "Fall Peggy" an, richtig? Hier gibt es weitere Informationen dazu... https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/weimar/pk-zum-mord-an-stephanie-teufelstalbruecke-100.html

  10. 10.

    Hallo P.Bert, alles richtig. Aber diese Fotos wurden früher papierhaft in einschlägigen Kreisen getauscht. Es hat sich nur die Verbreitung vereinfacht, ja sogar internationalisiert. Das Leiden der Opfer gab es schon immer. Meist sind diese Fotos -so grausam das auch klingt- auch nur eine perverse Steigerung der Erniedrigung der Opfer, der Missbrauch findet auch ohne Kamera statt. Ich glaube persönlich auch nicht, dass deren Anzahl durch das Internet signifikant zugenommen hat, kenne zumindest keine entsprechenden Studien oder Statistiken. Gern lasse ich mich aber eines Besseren belehren, falls jemand da was findet. Danke!

  11. 9.

    Felix hat natürlich Recht, dass es wegen der Medien mehr Sexualdelikte gibt. Kinderpornobild erstellen/hochladen=jeweils Delikt. Es werden Pornos extra dafür erstellt, um sie im Internet hochzuladen, darüber wird auch wieder zahlende Kundschaft aquiriert. Das hat hier mit dem Polizisten nichts zu tun, aber bei dem jahrelang vergewaltigten dt. Jungen, der hier von Mutter und Lebensgefährten im Internet veräußert wurde, hatte das eine große Rolle gespielt.
    Anonymer Hinweis auf den dt. Lebensgefährten kam aus den USA.
    Man hat dann auch in umgekehrter Richtung dessen "Kunden" über seine Internetkontakte ermittelt.

  12. 8.

    Leider gibt es immernoch viele unaufgeklärte Fälle, wo die Angehörigen bis heute warten und hoffen. Das gilt es hier zu berücksichtigen und nicht solch krude Behauptungen Ihrerseits.

  13. 6.

    Der Fall wurde nur wegen einer Verunreinigung durch Forensiker neu untersucht. Die hatten an verschiedenen Tatorten dasselbe Material benutzt und damit genetische Spuren weitergetragen, so dass falsche Zuordnungen getroffen wurden. Sonst wäre das hier abgehakt gewesen.

  14. 4.

    Solche Leute nie wieder frei rum laufen lassen

  15. 3.

    Hallo Felix,
    gewagte These! Wie kommen Sie darauf? Insbesondere im genannten Fall hat das Internet ja wohl keinen Einfluss gehabt, der Täter war Fernfahrer und hat offenbar eine "Gelegenheit" unterwegs genutzt. Wenn Sie eine leichtere Kontaktaufnahme mit den Opfern meinen: Das wäre grundsätzlich durchaus denkbar. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es eines dieser kranken Hirne aufhalten würde, dann anderweitig Kontakt zu suchen. Im aufgeklärten Fall hat der Täter ja sein Opfer auch außerhalb des WWW bedauerlicherweise "erfolgreich" angesprochen.

  16. 1.

    Die moderne und vernetzte Computertechnik in Verbindung mit einer immer besseren Forensik hat doch was Gutes!
    Ein dickes Lob an die Polizei für den Fahndungserfolg!

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