Eingangstor zur Spreewald-Grundschule in Berlin-Schöneberg am 01.03.2018 (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)
Bild: rbb/Matthias Bartsch

Sicherheitsdienst engagiert - Berliner Grundschule will Gewalt mit Wachschutz stoppen

Kinder gehen gegen Mitschüler und Lehrer vor, auch Eltern werden handgreiflich. Seit Monaten eskaliert die Gewalt an einer Grundschule in Berlin-Schöneberg. Die Schulleitung hat nun als letzte Maßnahme einen Wachschutz engagiert.

An einer Grundschule in Berlin-Schöneberg sorgt seit Montag ein Wachdienst für Sicherheit.
"Das ist ein Baustein bei der Gewaltprävention", sagte die Direktorin der Spreewald-Grundschule, Doris Unzeitig, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Zwei Sicherheitsmitarbeiter sollen demnach als "Schüleraufsicht" zunächst bis Ende April am Schultor dafür sorgen, dass keine Fremden hindurchgehen. In den Pausen kümmerten sie sich mit um einen geordneten Ablauf, erläuterte Unzeitig. Die Sicherheitsleute würden auch das Gebäude einschließlich der Toiletten kontrollieren. Zuvor hatte die "B.Z." berichtet, dass Kinder auf Mitschüler und Lehrer losgehen. Demnach ist der Wachschutz von 7.30  bis 16 Uhr im Dienst.

Archivbild: Spreewald-Grundschule in Berlin-Schöneberg (Quelle: imago/Schöning)
Von 7.30 bis 16 Uhr sorgt ein Wachschutz für Sicherheit | Bild: imago/Schöning

"Schwächere Schüler stärken"

Von rund 300 Mädchen und Jungen der Grundschule haben laut Unzeitig 99 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. Ein Teil der Eltern schätze die neue Maßnahme, andere suchten nicht den Kontakt zur Schule. Es sei schon mal ein entrüsteter Vater angestürmt gekommen, um sein Kind zu verteidigen, wenn es angeblich gemobbt wurde. Da gebe es dann Hausverbot. "Wir wollen die schwächeren Schüler stärken und wir wollen, dass alle Schüler eine Bildungschance haben", erläuterte die Direktorin. "Das liegt mir am Herzen."

Bezirk beteiligt sich nicht an Kosten

Das Geld für die Notmaßnahme komme aus dem Topf, den der Senat für Gewaltprävention an Brennpunktschulen bereithalte. Zudem gehörten Schulsozialarbeiter und Konflikt-Lotsen zu dem Programm. Auch in Neukölln hatten Schulen Wachdienste engagiert. Laut "B.Z." hat die jetzt engagierte Sicherheitsfirma auch dort schon für Ordnung gesorgt.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg untersützt den Einsatz von Wachschutz an Schulen bislang nicht. Um welche Konflikte es sich konkret handele und wie sie gelöst werden sollen, sei unklar, zitiert die "BZ" den zuständigen Stadtrat Oliver Schworck (SPD).

Die Berliner FDP sieht allerdings den Bezirk in der Pflicht, teilte Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher mit. Die Umstände an der Schule müssten so schnell wie möglich geklärt werden, "dass ein ordnungsgemäßer Unterricht stattfinden kann", so Fresdorf. Auch käme es für den Bezirk nicht überraschend, denn die Probleme an der Spreewald-Grundschule sind schon seit längerem bekannt.

GEW: Grundproblem ist schlechte Ausstattung mit Psychologen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) teilte auf Anfrage mit, ein Grundproblem sei die schlechte Ausstattung der Schulen mit Psychologen. "Es braucht Prävention, um Gewalt gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dafür ist an Schulen zu wenig Zeit", sagte der Berliner Vorsitzende Tom Erdmann. Wenn die Schulen gesamtgesellschaftliche Probleme lösen sollen, müsse man sie besser ausstatten.

In der Senatsverwaltung für Bildung gibt es indes keine Übersicht über Gewaltvorfälle in Berliner Schulen. Das sogenannte Meldeverfahren sei nur eingeschränkt aussagekräftig, hieß es. In diesem Jahr sei eine "vertiefende Analyse der Meldesituation" geplant.

Sendung: Abendschau, 01.03.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Sie haben mit Ihrer Argumentation völlig recht, ich sehe dies genauso. Nur wenn man noch direkter argumentiert, wird es leider nicht veröffentlicht.

  2. 11.

    Ich rate einfach mal: Es sind weder Christen noch Buddhisten und sie heißen weder Meier noch Müller.
    Und wie üblich will man alles mit einem "Mehr" (an Geld und Personal) zukleistern, da man sich an kein "Anders" herantraut und das Benennen von Fakten lieber den bösen, bösen "Populisten" überlässt.
    Das absehbare Resultat: Die Wirkung wird zur Ursache ernannt und außer Beschwichtigungen und ECHTEM Populismus gegen die vermeintlichen Aufwiegler kommt mal wieder nichts.

  3. 10.

    Wo bleibt der Respekt den gerade diese Leute von anderen immer einfordern? Wieso schaut der unfähige Senat so lange zu und handelt nicht? Genau wie am Görli, Kotti, Rigaer Str. Ein Fehlverhalten nach dem anderen. Käme, aufgrund dieses Beispiels, nicht die Verschärfung des Ausländer Rechts in Frage, anstelle von unnötigen Integrations Geldern?

  4. 9.

    Schüler einer Grundschule sind Kinder! Die müssen gefordert und gefördert werden. Und das geht nun einmal nur über Disziplin. Und um die zu vermitteln ist als aller erstes die Familie gefragt. Wo lernt man sonst Respekt und Achtung...Tja und der Rest ist dann, auch von den Lehrern, durch Konsequenz und Strenge zu erledigen.

  5. 8.

    Früher war es "normal" sich auf dem Schulhof zu prügeln. Allerdings galt es auch als "normal", wenn Eltern ihre Kinder schlugen. Gut, dass hier langsam ein Umdenken einsetzt. Dank der Kinderrechtskonvention! Doch für Verhaltensänderungen braucht es viel mehr als ein paar Schulpsychologinnen. Gewaltfreie Erziehung ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die zum Bsp. auch gut ausgestattete Familienzentren, Kitas und Jugendämter erfordert. Kleinere Klassen ...

  6. 7.

    Das Problem der Bildung unterschiedlicher, gegnerischer Gruppen auf den Schulhöfen hat seinen Ursprung in der Transferierung ausserdeutscher Konflikte und Feindbilder aus den jeweiligen Herkunftsländern der Familien. Gerade Verantwortliche an Grundschulen neigen oft dazu, diese Konflikte zu bagatellisieren , um dem Ruf der Schule nicht zu schaden und sich selber vor Angriffen der betreffenden Eltern zu schützen. Dies Problem wird seit Jahren thematisiert und von den Verantwortlichen ignoriert.
    Beruhigende Worte einer Berliner Grundschullehrerin, für die Eltern eines bedrohten Kindes:
    "Schulkinder müssen lernen sich auf dem Schulhof selber zu verteidigen."

  7. 6.

    Letzte Frage: Irgendwie schon. Der hohe Medienkonsum macht auch nichts besser. ist alles Zeit, die Kinder früher mit Spielen und mit der Family verbracht haben. Man müsste mal untersuchen, wieviel Zeit pro Tag überhaupt als direkter sozialer Kontakt ohne Medien übrig bleibt, also ohne chatten usw. Das kann bei manchen Kindern gegen null gehen.

  8. 5.

    Traurig, Politikergebnis. Kein Psychologe kann so etwas aufhalten. Die arbeiten auch nicht an Schulen. Man meint wohl Sozialarbeiter. Beides sind klassische Frauenberufe, Frauen wird oft nicht mit Respekt begegnet. Da passt der männliche Wachschutz schon eher.

  9. 4.

    Das Problem ist dass die Schulen nicht konsequent gegen Gewalt vorgehen. Psychologen an Schulen als Gewaltprävention sollte nur eine Maßnahme sein. Konsequenzen bei Gewalt ankündigen und vor allen anwenden wäre eine weitere.

    Mein Kind wurde in der 6. Klasse verbal und tätlich angegriffen bis hin zu Morddrohungen. Konsequenz der Schule nachdem wir die Polizei (!) eingeschaltet und nur auf meinen Druck hin?

    Gespräche mit den Schülern, die danach erst recht unser Kind bedrohten, eine nicht ernst gemeinte Entschuldigung, Elterngespräche, das wars. Keinen einzigen Tag Schulverweis, nichts. So fabriziert man Verbrecherkarrieren.

    ...

    Bevor jemand fragt. Beide Kinder hatten deutsche Eltern die alle berufstätig waren. So berufstätig das alle 4 Elternteile nicht wußten was ihre Kinder in deren Freizeit taten, z.B. Gewaltvideos im Internet konsumieren.

  10. 3.

    Oh, Gott das ist ja furchtbar.
    Ansätze sind ja an anderer Schulen auch schon zu beobachten.
    Wo man hinhört Brutalität.

  11. 2.

    Ich frage mich wo soll das noch alles hinführen??
    Ist die Welt verrückt geworden??

  12. 1.

    ...aus welchem Umfeld kommen die gewalttätigen Schüler und Eltern?

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