Ein Imker aus Frankfurt (Oder) beobachtet den Flug der Bienen zu den Waben in einem Anhänger (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 27.04.2018 | Reaktionen | Bild: dpa/Patrick Pleul

Neonikotinoide auch in Brandenburg ein Problem - EU-Staaten verbieten bienenschädliche Gifte

Seit Jahren gehen die Bienenbestände in Deutschland zurück. Dafür sind auch Insektengifte verantwortlich. Imker in Brandenburg klagen schon: Es gibt in diesem Jahr zu viele Blüten - für zu wenige Bienen. Nun wurden EU-weit drei Gifte verboten.

Die EU-Staaten haben am Freitag einem Freilandverbot für einige bienenschädliche Insektengifte zugestimmt. In dem zuständigen EU-Ausschuss in Brüssel sprach sich eine qualifizierte Mehrheit für den Vorschlag der Kommission aus, den Einsatz von sogenannten Neonikotinoiden auf Äckern zu verbieten und auf Gewächshäuser zu beschränken.  

Die Insektizide können Untersuchungen zufolge etwa das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit von Wild- und Honigbienen beeinträchtigen, sie lähmen oder töten. 

Neonikotinoide sind auch in Brandenburg ein Problem

"Diese Stoffe müssen verschwinden. Sonst bekommen wir noch größere Probleme", hatte der Vorsitzende des Berliner Imkerverbands, Benedikt Polaczek, mit Blick auf die Neonikotinoide gefordert. Weil es in Berlin kaum Landwirtschaft gebe, seien die Gifte in der Hauptstadt zwar nicht das größte Problem für Bienen, so Polaczek. "Aber es geht uns alle an", sagte der Imkermeister am Donnerstag.

Neonikotinoide wurden im vergangenen Jahr auch in mehreren hundert Kilo Honig von Brandenburger Imkern gefunden, von Neuzelle bis Kyritz. Der Honig lagerte sogar schon bei einem Großhändler, konnte aber noch rechtzeitig zurück geordert werden.   

Forscher melden Insektensterben

In Deutschland, aber auch in anderen Ländern, beklagen Forscher und Imker seit Jahren ein Insektensterben. Von den rund 560 Bienenarten, die es in Deutschland einmal gab, ist inzwischen die Hälfte bedroht oder bereits ausgestorben. Neben Krankheiten und mangelndem Futterangebot durch Monokulturen in der Landwirtschaft gelten verschiedene Gifte als Ursache.

Als "systemrelevant" hatte CDU-Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Bienen kürzlich bezeichnet: Ohne Bienen bricht irgendwann der ökologische Kreislauf zusammen - was am Ende auch die Wirtschaft trifft. Mehr als drei Viertel der hierzulande angebauten Obst und Gemüsesorten sind auf die Arbeit von Bienen oder Hummeln angewiesen, die ihre Blüten bestäuben.

"Die Bienen Brandenburgs sind überfordert"

In Brandenburg deutet sich bereits jetzt an, welche Folgen ein Bienenschwund in der Zukunft haben kann. Im vergangenen Winter starb jedes fünfte Brandenburger Bienenvolk. Das ist zwar weniger als im Vorjahr, als 40 Prozent der Bienenvölker nicht überlebten, es starben aber immer noch doppelt so viele Bienen wie in einem durchschnittlichen Jahr.

Wegen des langen Winters haben die Bienen, die gerade durch die Mark schwirren, zudem einen "Entwicklungsstand von März", wie Holger Ackermann, Sprecher des Landesverbandes der Brandenburgischen Imker, im rbb erläuterte. In einem Bienenstock von Ackermann leben zur Zeit 20.000 Bienen, erst in wenigen Wochen wird das Volk mit 60.000 Tieren ausgewachsen sein – für viele Obstbäume allerdings zu spät.

Denn die warmen Tage haben fast gleichzeitig und flächendeckend in Brandenburg alle Blüten aufbrechen lassen. Auch die Rapsfelder sind schon gelb. Nun kommen die wenigen Bienen mit dem Bestäuben nicht hinterher. "Die Bienen Brandenburgs sind mit dem Angebot an Blüten in der Natur aktuell überfordert", fasst Ackermann die Situation zusammen.

Welche Folgen das für die Obst- und Gemüseernte hat, wird sich erst in einigen Wochen zeigen. 

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

18 Kommentare

  1. 18.

    Es mus sichergestellt sein, dass alle für Insekten giftige Erzeugnisse nicht das Erbgut der Insekten verändern (z.B. muss sichergestellt sein: Durch Insektengifte befallenene Lebewesen (auch Pflanzen sind Lebewesen) dürfen ihre tödliche "Fracht" NICHT auf/an andere Lebewesen übertragen können!
    Damit wäre dann der Atrenvielfalt ein großer Dienst erwiesen!!

  2. 17.

    Ja, ich hoffe, dass es nicht so gemeint ist, dass man trotzdem noch beizen darf... Ein anderes Problem : in Gewächshäusern bleibt es auch erlaubt. Was für ein Schwachsinn, sorry. Wenn gefährlich, und das ist ja nun langsam mal erwiesen, DANN VERBIETEN. Für immer, und keine Eierei mehr und auch keine "Ersatzgifte"!
    Und Glyphosat und Co auch gleich weg!
    Wir wollen doch unseren Kindern eine unvergiftete und lebenswerte Welt hinterlassen!

  3. 16.

    Die Welt könnte ohne Horst auch gut leben.
    Horst, mit Verlaub, aber Sie sind ein kranker Mensch, dem geholfen werden muss.
    Krank durch vom Menschen verursachte Umwelteinflüsse, nicht durch Pollen und Bienen.
    B.t.t.: immer das Zuwarten der Politiker, das unsäglich ist. Warten, bis es fast zu spät ist um dann sich voranzustellen und zu behaupten, es wäre immer deren Ziel zu schützen. Wie inkompetent muss man eigentlich sein? Mehr solcher Produkte müssen vom Markt. Die insekten, Bienen, Hummeln und Wespen sind alle, welche, die, wenn sie verschwunden sind, erst dann mit Wertschätzung betrachtet werden, wichtig für uns Menschen. Was ein Schachtelsatz...

  4. 14.

    Also ich könnte auch...ohne Horst leben. So einen Horst, den braucht doch kein Mensch. Außer Horst Evers natürlich, da braucht man öfter mal eine Dosis von.

    So, und jetzt noch Glyphosat weg, dann besteht Hoffnung.

  5. 12.

    Moin moin,
    aber Sie essen vielleicht gern Obst oder Gemüse, benutzen Rapsöl? Oder essen Sie gern Gras? Bei Äpfeln ist es z. B. so, dass es ohne den Einsatz von Bienen als Bestäuber ca. 60 Prozent weniger Ertrag gäbe, die Äpfel würden auch weniger aromatisch schmecken (ausgewogeneres Säure-Zucker-Verhältnis bei von Bienen/Insekten bestäubten Äpfeln) und die Äpfel sind länger lagerfähig (enthalten mehr Kazium)wodurch sie über einen viel längeren Zeitraum das Obst genießen können. Nu könnten Sie sagen, Sie essen keine Äpfel, die habe ich halt exemplarisch ausgewählt. Viele Obstsorten oder Gemüsesorten (Erbsen, Bohnen u. v m.) profitieren von den Bienen. Windbestäubung reicht hier einfach nicht um vernünftige Erträge zu erzielen.
    Trinken Sie vielleicht Mandelmilch? Auch die gäbe es nicht ausreichend ohne den Einsatz von Bienen.
    Vielleicht konnte ich sie überzeugen, dass Bienen sehr wichtig sind.

  6. 11.

    Prof. Dr. Menzel von der FU- Berlin hat vor Jahren in einem Feldversuch bei Nauen im Land Brandenburg nachgewiesen wie schädlich diese Neonikotinoiden für unsere Bienen und andere Insekten sind. Leider brauchen unsere Politiker immer etwas lännger um den Ernst der Lage zuerkennen. Ich erinnere mich an einem Film aus China wo gezeigt wurde, dass die Leute mit einem Pinsel die Obstblühten bestäuben, was bei uns die Aufgabe der Bienen ist. Ursache war in China zuviele Gifte eingesetzt und dabei alle Insekten und Bienen vergiftet.

  7. 10.

    Das ist ja schon mal ein positives Signal,
    aber:
    ich bin mir noch nicht sicher, ob es nicht doch eine Mogelpackung ist.
    Denn:
    Ich habe es so vernommen (korrigiert mich gern):
    im Freiland ist es verboten Neonikotinoide zu "versprühen"?
    Wenn es tatsächlich nur ein Verbot für Sprühanwendungen gibt, dann bleibt das "Beizen" des Saatgutes mit Neonikotinoide erlaubt?
    Das wäre eine echte Lachnummern.
    Ich hoffe, ich habe es falsch verstanden.

    Michael Bauer – Imker

  8. 8.

    Ich kann nur hoffen, dass diese Zeilen ein Scherz sein sollen. Wie kann man nur so kurzsichtig sein. Die Natur hat sich was dabei gedacht und der ganze Kreislauf wird gestört, wenn z. B. die Bienen verschwinden würden. Man kann sicher so einiges abschaffen und künstlich erzeugen. Wer zieht da die Grenze? Sollte man sich doch lieber fragen, woher die ganzen Allergien und Unverträglichkeiten herkommen. Erst denken ,dann schreiben.

  9. 7.

    ...Sie wollen Pollenallergiker sein??? Besonders anhand Ihres letzten Satzes wird offensichtlich, dass Sie es nicht sind. Wie ahnungslos ist diese Antwort. Gerade auf Frühblüher wie Birke oder später auf Gräser (dazu gehört auch Getreide wie Roggen)reagieren viele Menschen allergisch - und die werden durch den Wind bestäubt.

  10. 6.

    Hurra! Das EU-Parlament scheint ja doch einigermaßen vernüftig zu sein. Ich öffne heute Abend eine Flasche Sekt. Es gibt kein Leben für den Menschen ohne Bienen und andere Bestäuber. Und was fressen die Singvögel, wenn es keine Insekten gibt?

  11. 5.

    Zum Himmel schreiend ist Ihr Kommentar. Ich bin Pollenallergiger und liebe trotz allem die „Mutter Natur“ mit all ihren Vor und Nachteilen. Der Einfluss des Menschen auf unsere Umwelt wird zukünftig gravierende Folgen haben. Hier muß dringend Abhilfe getan werden, wenn nötig auch per Gesetz.

  12. 4.

    ich könnte ohne Bienen leben.
    Getreide (sowie viele Gräser) brauchen keine Bienen.
    Gentechniker könnten sicher viele Pflanzen auf Windbestäubung umrüsten.
    Alle, die eine Pollenallergie haben, wissen wie viele Pflanzen ohne Bienen auskommen.

  13. 3.

    Ohne Bienen-kein menschliches Leben
    Wozu braucht der Mensch da noch Kriege
    er rottet sich auch so aus----

  14. 2.

    Im privaten Garten funktioniert vielleicht noch das chinesische Modell des menschlichen Bestäubens von Hand. Doch landwirtschaftlich dürfte dazu hier nicht mal die von Müller vorgeschlagene "Solidararbeit" ausreichen ;) Die aktuelle Politik ermöglicht leider in vielen Bereichen die Zerstörung unsere Lebensgrundlagen. @rbb Oder wer bestäubt dann in den Gewächshäusern?! Landet das Gift dann durch den Vertrieb und Verzehr der behandelten "Lebensmittel" am Ende nicht in der Umwelt?
    https://www.galileo.tv/weltweit/die-menschlichen-bienen-aus-china/
    https://www.bing.com/images/search?q=best%c3%a4uben+china&qpvt=best%c3%a4uben+china&FORM=IGRE

  15. 1.

    Es wär schön wenn mal vernünftige Entscheidungen aus Brüssel kommen würden. Neonikotinoide sind für alle Insekten hochgiftig,leider ist es schon so, das nicht nur Pestizide ausgebracht werden,auch genetisch veränderte Sorten produzieren diesen Giftstoff,besonders gentechnisch veränderter Mais (entwickelt gegen den Maiszünsler),tötet ganze Bienenvölker! wenn weiterhin ausreichend Lebensmittel produziert werden sollen,brauchen wir die Insekten zur Bestäubung,alles andere wäre Selbsttäuschung.

Das könnte Sie auch interessieren