Hartmut Dreßler (Quelle: Allianz pro Schiene / Michael Claushallmann)
Bild: Allianz pro Schiene / Michael Claushallmann

Auszeichnung für "Xavier"-Held - Gold für den "besten Zugchef ever!"

Bahnreisende und Bahnmitarbeiter stehen nicht immer in der herzlichsten Beziehung zueinander. Ganz anders sieht das aus, wenn ein Zugführer kleine Heldentaten vollbringt. So wie Hartmut Dreßler beim Sturm "Xavier", im ICE zwischen Hamburg und Berlin.

Das Verkehrsbündnis "Allianz pro Schiene" hat den ICE-Zugführer Hartmut Dreßler als "Eisenbahner mit Herz" ausgezeichnet. Grund war sein Einsatz für die Reisenden während des Orkans "Xavier" im Oktober 2017. Der Mitarbeiter des DB-Fernverkehrs Berlin habe die Fahrgäste im Oktober 2017 vorbildlich betreut, teilte das Verkehrsbündnis "Allianz pro Schiene" am Dienstag mit und zeichnete Dreßler im Rahmen des gleichnamigen Wettbewerbs mit Gold aus.

Der Zugführer hatte die Reisenden in einer Turnhalle untergebracht, für Verpflegung gesorgt und die ganze Nacht mit ihnen gewartet. "Durch seine Fürsorglichkeit hat er ein Katastrophenszenario in ein unvergesslichen Gemeinschaftserlebnis verwandelt, während sich das restliche Bordpersonal bereits abgesetzt hatte", urteilte die Jury.

"Da sind mir schön Tränen gekommen"

Ein User berichtet, der Zug habe erst stundenlang in Ludwigslust gestanden, später sogar ohne Strom. Später habe Dreßler Feldbetten, Gulaschsuppe und Bohneneintopf besorgt. Trotz schlafloser Nacht habe er "am nächsten Morgen eine gute Nachricht für seine nicht-mehr-Zuggäste: Es kommen Busse, die nach Hamburg und zurück nach Berlin fahren. Zuvor aber solle jeder noch ein Brötchen essen." Ein anderer User schreibt: "Der beste Zugchef ever!"

Dreßler selbst sagt rückblickend: "Normalerweise nehme ich meine Fahrgäste nicht zum Kuscheln in den Arm, aber nachdem wir gemeinsam einen Tag in dem ausgekühlten Zug verbracht haben und dann noch eine Nacht in der Turnhalle, da sind mir beim Abschied schon die Tränen gekommen."

5.800 Likes für die Kinzigtalbahn

Silber bei "Eisenbahner mit Herz" erhielt der Zugbegleiter Recep Buluter aus Hannover, der sich randalierenden Hooligans entgegenstellte, um die Fahrgäste zu schützen. Bronze ging an Lokführer Swen Sengebusch von der Nordwest-Bahn, der einen vergessenen Koffer mit Babynahrung von der Polizei abholte und auf die letzte Fähre zur Nordseeinsel Langeoog zu den Besitzern brachte.

Bahnkunden hatten bis Januar etwa 200 Geschichten eingesendet, eine Jury entschied über die Sieger. Auf Facebook konnten Bahnreisende zudem für den Publikumspreis voten: Mit 5.802 Likes ist Peter Hohmann von der Kinzigtalbahn zwischen Fulda und Frankfurt der beliebteste Zugbegleiter Deutschlands. "Mit Peter an Bord lassen sich selbst legendäre Verspätungen ertragen", schrieb eine Kundin.

Sendung: Inforadio, 17.04.2018, 13:20 Uhr,

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6 Kommentare

  1. 6.

    Gratulation zu dieser Auszeichnung an Herrn Dreßler! :-)
    Gute Arbeit - gerade auch in Ausnahmesituationen - wahrzunehmen und zu würdigen, ist immer eine gute Sache.
    Und mir als Leser tut es gut, gelegentlich auch mal solcherlei gute Nachrichten zu lesen.
    Hut ab auch vor Herrn Buluter, diesen Mut haben nicht viele!

  2. 5.

    @Skeptiker: Nur eine kleine Anmerkung: Der "Kapitän" ist der Lokführer. Der Zugchef ist der "Zahlmeister" (aus der Seefahrerbranche) an Bord und für die Reisenden verantwortlich. Zum Vergleich: Auf einem Kreuzfahrtschiff hat auch der Zahlmeister das eigentliche Sagen, während der Kapitän nur für das Steuern des Schiffes verantwortlich ist.
    Man möge mich berichtigen, wenn ich falsch liege.
    Zum Thema selbst: Ja, da haben wir S-Bahner in der Nacht wohl eher "Luxusprobleme" gehabt. Aber als Spätdienst (max bis 01:00 Uhr) erst am nächsten Morgen um 6:30 endlich abge- und erlöst zu werden ist auch nicht lustig. Aber wenigstens die Fahrgäste waren nicht zwangsweise im Zug (mitten in der Prärie) stundenlang gefangen, soviel ich weiß.

  3. 4.

    Unglaublich, in so einem Nest. Das muss man erst mal hinbekommen. Das ist fast unmöglich. ^^

  4. 3.

    Eigentlich
    hätten alle drei Gold verdient...

  5. 2.

    "Der Kapitän geht als Letzter von Bord." - ICE-Zugführer Hartmut Dreßler tat es vorbildlich!

  6. 1.

    Solche Geschichten sind es, die das Ganze wieder angenehm werden lassen. Respekt und auch ein Danke von einem, der die Bahn nur selten nutzt, aber die Arbeit derer trotzdem zu würdigen weiß.

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