Ein Nacktmull schnüffelt am 07.03.2014 im Tierpark Berlin (Bild: imago)
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Preis für grausamsten Tierversuch für Berliner Forscher - Wie lange überlebt ein Nacktmull ohne Sauerstoff?

Irgendwann sterben auch Nacktmulle, wenn sie lang genug keinen Sauerstoff bekommen. Für diesen Tierversuch haben Forscher aus Berlin eine Auszeichnung für besondere Grausamkeit erhalten. Das Zentrum spricht von einer falschen Tatsachenbehauptung.

Die Organisation "Ärzte gegen Tierversuche" hat am Donnerstag den Preis "Herz aus Stein" für den grausamsten Tierversuch verliehen. Die Auszeichnung ging an Forscher des Max Delbrück-Zentrums (MDC) in Berlin-Buch für ihre Forschung an Nacktmullen.

Die Wissenschaftler erforschten, wie lange Mäuse und Nacktmulle ohne Sauerstoff auskommen können. Demnach erstickten die Mäuse in einer sauerstofffreien Umgebung nach 45 Sekunden, Nacktmulle hielten 18 Minuten aus. Nach Angaben der Forscher sollen auf der Grundlage dieser Forschungen Strategien zur Behandlung von Schlaganfall und Herzinfarkt beim Menschen entwickelt werden. Die Studie hätte bei Nacktmullen einen bisher völlig unbekannten Schutzmechanismus gegen Sauerstoffmangel beschrieben, hieß es in einer Pressemitteilung des MDC.

Delbrück-Zentrum wehrt sich gegen Darstellung

Solche Aussichten auf neue Behandlungsmethoden würden regelmäßig vorgeschoben, um Tierversuche zu rechtfertigen, sagte die Tierärztin Corina Gericke, die im Vorstand des Vereins "Ärzte gegen Tierversuche" sitzt. "Tatsächlich handelt es sich um reine Neugierforschung ohne jeglichen Bezug zum kranken Menschen. Niemand braucht solche abstruse Forschung."

Das Delbrück-Zentrum kritisiert den Verein. "Die Pressemitteilung der 'Ärzte gegen Tierversuche' beinhaltet eine falsche Tatsachenbehauptung. Das weiß die Organisation, aber sie hat sie trotzdem so verbreitet", teilte MDC-Sprecherin Jana Schlütter rbb|24 mit. Sie betonte, dass es für die Studie keine Versuche am lebenden Tier in Berlin gegeben habe, diese hätten bei einem Kooperationspartner in Chicago stattgefunden. Allerdings räumte sie ein, dass das Delbrück-Zentrum von 2010 bis 2017 insgesamt 14 Nacktmulle sowie 16 Mäuse für Untersuchungen getötet hat. Diese Versuche seien vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales genehmigt worden.

Erstmals "Herz aus Stein" verliehen

Der Verein "Ärzte ohne Tierversuche" hatte auf seiner Webseite fünf Tierversuche aus dem Jahr 2017 zur Abstimmung gestellt. Die Experimente waren in Fachzeitschriften veröffentlicht worden. Fast die Hälfte der rund 3.500 Stimmen entfielen auf die Nacktmullversuche. Knapp ein Drittel der Befragten fanden einen Versuch aus Martinsried bei München am grausamsten. Dabei wurde bei Mäusen durch Stiche in den Blinddarm eine äußerst schmerzhafte Bauchfellentzündung ausgelöst, um anschließend die Todesrate zu beobachten.

Die Auszeichnung "Herz aus Stein" wurde zum ersten Mal vergaben. Der Ärzteverein will damit auf besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen, die in Deutschland durchgeführt wurden. Beim Übergabe-Termin am Donnerstag lehnte das Max Delbrück-Zentrum die Annahme des Preises ab.

In Berlin finden zehn Prozent aller deutschen Tierversuche statt, denn in der Hauptstadt befindet sich eine große Anzahl biomedizinischer Forschungseinrichtungen. In rund 100 Laboren lassen Hochschulen, Kliniken und Pharmaunternehmen Tierversuche durchführen. 93 Prozent der Experimente finden an Mäusen und Ratten statt.

Sendung: Abendschau, 13.04.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Vielleicht sollten sich gerade so Menschen wie Sie, die Tierversuche befürworten, freiwillig melden. Immerhin sind Sie es, der diese Vorgehensweise an Lebewesen für zumutbar hält.

  2. 19.

    Respekt!
    Ich bin beeindruckt, dass jemand so konsequent medizinische Behandlungen verweigert für seine Überzeugung. Denn ich nehme an, sie sind sich bewusst, das bei allen medizinischen Entwicklungen (von der Behandlungsmethode bis zum Medikament) schlussendlich Tierversuche gemacht wurden. Blutdruckmessung zum Beispiel wurde unter anderem an Pferden entwickelt, die dafür auch leider oft sterben mussten. Oder auch die Betreuung von Frühchen. Durch Tierversuche bei Pavianen hat man gelernt, dass die Entwicklung der Lunge eins der wichtigsten Punkte ist bei der Frühchen Behandlung. Daraufhin wurden neue Beatmungstechniken entwickelt und die Überlebensrate deutlich verbessert.

    Oder sind sie auch so einer von denen, die dann die Einschränkung machen, dass sie Produkte, die schon auf dem Markt sind, ja doch verwenden, weil jetzt sind die ganzen Tiere ja schon gestorben und das würd ja jetzt nichts mehr bringen, wenn sie auf die Annehmlichkeiten verzichten würden?

  3. 18.

    Tierversuche verursachen extremes Leid und Tod von unschuldigen Lebewesen und verschwenden jährlich Unsummen Ihrer Steuergelder.
    Tierversuche gefährden und schädigen Ihre Gesundheit und verursachen den Tod von Menschen, da ihre Ergebnisse unsinnigerweise auf den Menschen übertragen werden.

    Man "testet" verschiedene Substanzen auf unterschiedlichste Weise am Tier und versucht die "Ergebnisse" daraus auf den Menschen zu übertragen. Verschiedene Tierarten und der Mensch reagieren auf verschiedene Substanzen aber bekanntlich völlig unterschiedlich. Einige Beispiele:
    Knollenblätterpilz: Für Menschen tödlich; wird von Kaninchen und Hasen gut vertragen
    Petersilie: Für Menschen gesund; für einige Papageienarten tödlich
    Morphium: Wirkt auf Mensch und Hund beruhigend; bei der Katze ruft es dagegen unkontrollierbare Erregungserscheinungen hervor
    Penicillin: Für den Menschen ein gut verträgliches Mittel; Meerschweinchen und Hamster können daran sterben

  4. 17.

    Wenn man selbst oder ein Mensch der einem wichtig ist schwer erkrankt, dann ändert sich die Meinung zu Tierversuchen. Jeder, der den Zusammenhang zwischen Tierversuchen und dem medizinischen Fortschritt leugnet, der lebt in einer Traumwelt. Vielen Leuten geht es einfach viel zu gut!

  5. 16.

    Forschung zu Schlaganfällen ist zwar notwendig, doch bitte solche, die auf Menschen übertragbar ist - und das ist bei Tierversuchen sehr unsicher, bzw. fraglich.
    Bessere Forschung, die auf Mensche übertragbar ist und keine Tiere quält, steht in den STartlöchern, wird aber derzeit mit Brosamen abgespeist!
    Es gibt Organe (z. B. Lungen), die im Labor nachgezüchtet werden und die sogar mit anderen vernetzbar sind. Das geht bis zum Labor auf einem Chip. Alle diese Methoden haben ein enormes Entwicklungspotential! Hier sollte man investieren und nicht in die überholten und quälerischen Tierversuche!

    Auch nicht-invasive Forschung zur Lebensweise und Verbesserung der Lebensumstände bringt Erkenntnisse, diea) wirklich anwendbar und b) auf andere Menschen eher übertragbar ist. Wir sind schließlich keine Nacktmulle!

  6. 15.

    Man sollte differenzieren. Ich halte Tierversuche für Kosmetika für völlig überflüssig, zur Erforschung von Strategien zur Behandlung von Schlaganfall und Herzinfarkt für unerlässlich.

  7. 14.

    Wie wir Menschen empfinden auch Tiere Schmerzen und Angst. Wie wir haben sie das Bedürfnis nach Freiheit; den Instinkt, ihr Leben und das ihrer Nachkommen zu schützen und nicht in einem kleinen Käfig in einem Versuchslabor eingesperrt zu sein.
    Alle 11 Sekunden stirbt ein Tier in einem deutschen Versuchslabor
    Betrachtet man ganz Europa, passiert dies sogar alle drei Sekunden.
    In legalen „wissenschaftlichen Experimenten“ werden Tiere vergiftet, Futter-, Wasser- oder Schlafentzug ausgesetzt, ihre Haut und Augen werden verätzt, sie werden massivem psychischen Stress ausgesetzt, absichtlich mit Krankheiten infiziert, ihr Gehirn wird beschädigt, sie werden gelähmt, verstümmelt, verstrahlt, verbrannt, vergast, zwangsgefüttert, bekommen Stromschläge und werden getötet.

  8. 13.

    Ich bin auch gegen Tierversuche. Man sollte überhaupt nur Menschenversuche durchführen: Wissenschaftliche Experimente, neue Medikamente, gefährliche Stoffe - alles sofort und ausschließlich an Menschen ausprobieren! Ich gehe doch davon aus, dass unsere stets leicht erregbaren Tierschützer sich als allererste für solche Versuche zur Verfügung stellen werden?

  9. 12.

    Es gibt ja auch andere Tierversuche, aber die hier klingen wie Folterpraktiken.
    Erinnert etwas an den "Künstler", der in einer Ausstellung live lebende Kleintiere im Mixern gehäckselt hatte, u. a. mit schreienden Kindern davor. Damals war das also "Kunst", hier soll das "Forschung" sein.

  10. 11.

    Ist das nicht süß wie sich die Wissenschaftler beschweren (@Link des ersten Kommentars), dass einzelne Wissenschafler namentlich genannt und gegen deren Verhalten protestiert wird? Als ob die betroffenen Wissenschaflter für ihre Handlungen nicht persönlich einstehen müssten. Selbstverständlich muss jeder Wissenschaftler die Verantwortung für sein Hadeln tragen, wer denn sonst? Ich finde die Verleihung diese Preises an Einzelpersonen absolut gerechtfertigt.

  11. 9.

    Was ich sehr gut finde ist, dass sich Tierärzte solcher Machenschaften annehmen. Das MDZ geht mit dem Preis leider nicht sachgerecht um.

  12. 8.

    Guten Abend, die Stellungnahme des Delbrück-Zentrums ließ ein wenig auf sich warten - nun ist sie ebenfalls eingearbeitet. LG aus der Redaktion

  13. 7.

    Ich finde, diese Untersuchungen sind wichtig für des Überleben der Menschheit.
    Wie sieht es den heute aus?
    Gift- und Chlorangriffe, an denen immer der Russe Schuld zu sein scheint. Bisher nur Behauptungen, aber die Spirale dreht sich.
    Da wäre es schon wichtig, wie langesagt der Mensch bei Einen solcher Anschläge überleben kann.

  14. 6.

    Herzlichen Glückwunsch dem Forscherteam.

  15. 5.

    Tierversuche sind unzeitgemäß und durch NICHTS zu rechtfertigen. Unser Anspruch an die (medizinische) Forschung muss es sein, gänzlich ohne Tierversuche auszukommen. Es kommt darauf an, die im Artikel vom MDC erwähnten alternativen Technologien noch effizienter zu nutzen und weiter zu entwickeln. Ich möchte keine Medikamente und Behandlungsmethoden anwenden, die auf Basis von Tierversuchen entwickelt worden sind. Ferner bin ich bereit, längere Wartezeiten bei der Entwicklung neuer Medikamente oder Behandlungsmethoden zu akzeptieren oder ganz darauf zu verzichten. Und ich bin bereit, im Falle einer Erkrankung an der Erprobung neuer Medikamente und Behandlungsmethoden als Patient mitzuwirken, wenn dadurch Tierversuche vermieden werden - auch dann, wenn die Erprobung fehlschlägt / fehlschlagen könnte. Ich jedenfalls erteile mein Mandat nicht für die Fortsetzung von Tierversuchen.

  16. 3.

    Wozu muss man solche Versuche machen? Solch ein Unsinn müsste bestraft werden. Es gibt doch genug Belege aus der Humanmedizin, aus denen, durch die dokumentationen von medizinischen Notfällen, hervorgeht, wie lange das Gehirn ohne Sauerstoff ungeschädigt bleibt, welche Areale wann betroffen sind usw. Dann muss man nicht solchen Mist machen und Tiere unnötig quälen. Ich frage mich, wie solche Leute noch ohne Skrupel in den Spiegel schauen können.

  17. 1.

    Warum übernimmt der rrb die Darstellung der Tierschutz-Organisation ein-zu-eins, ohne die Argumente der anderen Seite darzustellen, zumal die "andere Seite" eine Einrichtung in der Stadt Berlin ist? Zur ganzen Wahrheit gehört auch: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/kein-herz-aus-stein

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