Eine Halle auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs Berlin-Prenzlauer Berg ist ausgebrannt. (Quelle: rbb)
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Video: Abendschau | 15.04.2018 | Christian Titze | Bild: rbb

Berliner Polizei geht von Brandstiftung aus - Feuerwehr löscht Brand auf Schlachthof in Prenzlauer Berg

Seit Samstagabend sind Feuerwehrleute am ehemaligen Schlachthof in Berlin-Prenzlauer Berg im Einsatz. Schlussendlich musste ein Teil der Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes eingerissen werden. Die Polizei vermutet, das Feuer sei vorsätzlich gelegt worden.

Das Feuer auf dem ehemaligen Schlachthof-Gelände in Berlin-Prenzlauer Berg ist gelöscht. Wie ein Sprecher dem rbb mitteilte gebe es zwar noch einzelne Glutnester, allerdings trete kein Rauch mehr aus der Brandruine hervor. Mithilfe des Technischen Hilfswerks wurde ein Teil der Fassade eingerissen, um das Feuer endgültig löschen zu können.

Wie ein Sprecher der Berliner Polizei am Sonntagmorgen mitteilte, ziehen Ermittler nach bisherigem Kenntnisstand eine Brandstiftung in Betracht. Einen Bericht der "B.Z.", wonach vor Ort ein Brandkanister gefunden wurde, konnte die Polizei jedoch nicht bestätigen. 

Die Feuerwehr war seit Samstagabend, 18 Uhr, mit dem Löschen des Großbrands beschäftigt. Wie Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein rbb|24 sagte, brannte die Dachkonstruktion, die aus mehreren Schichten Dachpappe bestehe. Am Morgen waren noch etwa 30 Feuerwehrleute vor Ort, zwischenzeitlich waren es bis zu 80 gewesen.

Landsberger Allee teilweise gesperrt

Die Einsatzkräfte konnten das Gebäude mit der riesigen Dachfläche von 1.200 Quadratmetern wegen Einsturzgefahr nicht betreten. "Wir löschen nur von außen", sagte Kirstein. Probleme bereite zudem, dass sich der Schlachthof gerade im Umbau befinde. "Alles ist sehr morastisch, der Boden gibt nach, es ist eben eine Baustelle", so der Sprecher. Mittlerweile sei es gelungen zwei Fahrzeuge auf das Gelände des Schlachthofs zu bringen. Alle weiteren Fahrzeuge und Gerätschaften müssen außerhalb abgestellt werden.

Das Feuer an der Hermann-Blankenstein-Straße nahe der S-Bahn-Station Landsberger Allee begann schon am frühen Samstagabend, über die angrenzenden Viertel zogen dichte Rauchwolken. Um ein benachbartes Wohnhaus vor den Rauchschwaden zu bewahren, wurde ein großer Lüfter aufgestellt, der sonst nur bei Feuereinsätzen in Tunneln zum Einsatz komme, so Kirstein.

Feuerwehr veröffentlicht Video

Die Polizei sperrte das Areal weitläufig ab. Die Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die gemessenen Schadstoffwerte seien allerdings unbedenklich, teilte die Feuerwehr auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit.

"Starke Rauchentwicklung", twitterte die Feuerwehr. "Auch im benachbarten Kiez im Friedrichshain riecht es nach Rauch." Auf Twitter veröffentlichte die Feuerwehr auch ein Video, das die brennenden Gebäude und dichte schwarze Rauchschwaden zeigt.

Die Hallen auf dem Gelände, die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen, stehen unter Denkmalschutz. Wegen der Löscharbeiten kam es zu Verkehrsbehinderungen. Die Landsberger Allee war zeitweise stadtauswärts gesperrt. 

Die Feuerwehr löscht am 15.04.2018 am ehemaligen Schlachthof Prenzlauer Berg einen Brand. (Quelle: rbb/Oliver Soos)
Bild: rbb/Oliver Soos

In den denkmalgeschützten Hallen wollte ein Investor ursprünglich ein Kongress- und Einkaufszentrum errichten. Dagegen protestierte eine Bürgerinitiative, die unter anderem eine Kiez-Begegnungsstätte forderte. Inzwischen hat der Investor laut Medienberichten auf die Zentren verzichtet, plant aber weiter eine Einkaufs- und Büronutzung.

An drei Stellen war die Feuerwehr in der Nacht zu Sonntag im Einsatz: Es brannte auch noch im Keller eines Hochhauses in der Gropiusstadt und in einer Gartenlaube in Pankow. 

Lob an der Arbeit der Feuerwehr äußerte am Sonntag die Berliner Polizeigewerkschaft: "Berlins Feuerwehrleute haben auch am gestrigen Abend und in der vergangenen Nacht wieder Großartiges vollbracht und wieder einmal mit Bravour gezeigt, dass sich Berlins Bürgerinnen und Bürger trotz großem Personalengpass immer auf sie verlassen können", hieß es.

Sendung: Inforadio, 15.04.2018, 8.20 Uhr

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Sobald ein Konzept, das für ein bestehendes Gebäude vorgesehen wird, welches jedoch den Verantwortlichen der Baubehörden nicht zusagt und daher nicht genehmigt wird, geändert wird um eine Genehmigung zu erhalten, brennt das betreffende Gebäude auf einmal und unvermutet. Sehr zufällig immer und wieder, aber wer dahinter böses vermutet ist sicher ein Schelm. Die armen Investoren, die aber auch immer daran gehindert werden, die Rendite auf das Maximum zu steigern sind schon bedauernswert. Da muss man ja handeln - ich bin dafür, einen Fonds für verhinderte Investoren zu gründen, der dann großzügig diejenigen bedenkt, die, ach so arm dran, ihre Vermögen nicht so steigern können, wie erdacht.... Die tun mir schon leid, weil sie daran gehindert werden, noch mehr Geld zu schachern......

  2. 15.

    es gibt ständig großbrände in ganz deutschland. lagerhallen, recyclingbuden, märkte, autohäuser, große dachstühle usw. usf.. das sind doch alles keine zufälle mehr !

  3. 14.

    Natürlich war es der "Investor" (Spekulant) aber interessant ist doch, dass Sie ihn schützen wollen. Es gab schon so viele Brände von denkmalgeschützten Gebäuden in Berlin und anderswo. Die Frage ist nur immer, ob man es dem "Investor" bzw Eigentümer nachweisen kann.

  4. 13.

    Ist richtig - "Spekulationen könnten auch in Richtung Initiative führen" Sie könnten aber auch in Richtung eines schwarzweiss-gepunkteten Hundes führen, der ein Grablicht im Maul ins Gebäude trug , weil er das irgendwie für essbar hielt. Kurzum: Spekulationen. Interessant ist vielmehr, weshalb Sie das Ziel einer Bürgerinitiative dort eine sozio-kulturelle Nutzung und bezahlbaren Wohnraum zu errichten - statt eines weiteren Einkaufszentrum das tatsächlich niemand braucht - als "Aneignung" bezeichnen. Vor dem Hintergrund des wahren Mangels - es fehlen weder Büroräume, noch Einkaufszentren, noch ein weiteres Kongresszentrum gegenüber eines bereits vorhanden - das Velodrom wird nämlich schon so genutzt - Also was wollen Sie uns hier unterjubeln - das die Aneignung durch einen Investor, dessen Wert- und Wertschöpfugsprojektionen die Wertvorstellungen über eine Rendite=Geldsumme nicht übersteigen die höheren Werte darstellt, als jene die eine Stadtgesellschaft formuliert?

  5. 11.

    Die Hermann-Blankenstein-Straße wird ohne "c" geschrieben.

  6. 10.

    Guten Tag, wie im Text beschrieben zieht die Polizei bislang eine mögliche Brandstiftung lediglich in Betracht. Noch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Wir bitten daher von Spekulationen abzusehen. LG aus der Redaktion

  7. 8.

    Spekulationen könnten auch in Richtung Initiative führen, die sich das Gelände aneignen wollte. Aber es war sicher der BÖSE Investor.

  8. 4.

    Das war es dann wohl mit dem Denkmalschutz. WARMER ABRISS?

  9. 3.

    Bitte um Erklärung: was ist eine „Sachkonstruktion“?

  10. 2.

    Da hat wohl die Immobilien-Mafia wieder mal heiß saniert?

  11. 1.

    Sachdienlicher Hinweis: Gemeint ist wohl eher die Dachkonstruktion

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