Polizisten sichern am 14.10.2017 in Berlin eine Unfallstelle. Ein Auto war in wartende Fahrgäste an einer Tram-Haltestelle gefahren. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Autofahrer tötete 57-Jährige in Berlin - Dreieinhalb Jahre Haft nach Unfall an Tram-Haltestelle

Zu schnell und betrunken verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug: Der Mann, der mit seinem Auto in eine Tram-Haltestelle in Berlin-Friedrichshain raste und so eine Frau tötete, muss ins Gefängnis.

Nach dem tödlichen Unfall an einer Straßenbahn-Haltestelle in Berlin-Friedrichshain ist ein 25-jähriger Autofahrer zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Der vorbestrafte Unfallfahrer wurde der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gesprochen. Bei dem Unfall im Oktober 2017 starb eine 57 Jahre alte Frau noch vor Ort. Eine 28-jährige Geschädigte kam schwer verletzt in ein Krankenhaus.

Betrunken und zu schnell unterwegs

Weil er betrunken und viel zu schnell unterwegs war, habe der Angeklagte die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und zwei an einer Haltestelle wartende Frauen erfasst, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Montag sein Urteil. Zuvor sei der Mann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 90 Stundenkilometern und in Schlangenlinien fahrend auf der Landsberger Allee unterwegs gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. "Mit immer noch 80 km/h krachte er in die Haltestelle."

Während für die 57-jährige Frau jede Hilfe zu spät kam, überlebte eine 28-Jährige den Unfall. Sie kam mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus, in dem sie damals gearbeitet hatte. Bis heute leide die Frau erheblich unter den Folgen der Verletzungen, so der Richter.

Polizisten hatten den Mann zuvor kontrolliert und, weil er ohne Führerschein unterwegs war und sein Auto ein falsches Kennzeichen hatte, mit auf die Wache genommen. Im Blut des Mannes stellten sie zwei Promille Alkohol fest. Allerdings wurden dem 25-Jährigen wohl die Autoschlüssel nicht abgenommen, so dass er wenig später mit einem anderen falschen Kennzeichen wieder losfahren konnte.

Nach dem Unfall hatte der 25-Jährige versucht zu fliehen, war jedoch von Passanten aufgehalten worden.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Neben der Gefängnisstrafe verhängte das Gericht auch eine fünfjährige Führerscheinsperre gegen den Angeklagten. Damit folgten die Richter im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwältin, die eine um zwei Monate geringere Gesamtstrafe beantragt hatte. Der Verteidiger plädierte auf eine Strafe von unter drei Jahren Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: radioBerlin 88,8, 16.04.2018, 13:00 Uhr

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Antwort auf [Erich] vom 16.04.2018 um 16:49
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24 Kommentare

  1. 24.

    Das kann ich eher von den heutigen Gesetzen und Richtern haltern, das sie nach Willkühr handeln. Ich hatte schon oft auf dem Gericht zu tun, zum Glück nur als Geschädigter oder als Zeuge. Heute zählt nur Geld oder ein guter Anwalt. Früher stand alles in den Gesetzen, das hat der Richter dann umgesetzt. Man hätte sich vorher überlegen sollen, welche Tat man macht. Die Strafen waren allgemein bekannt.

  2. 23.

    @ 21: Erich, nur weil man etwas nicht gleich erfassen kann, ist es längst noch kein wirres Zeug. Musste ich auch erst lernen. Lassen Sie sich diesen kleinen Tipp mit auf den Weg geben, er birgt Potenzial für manch spannende Entdeckung.

  3. 20.

    @ 17: Gerhard, WIE rede ich denn? Was ist falsch daran, wenn ich frage, ob die offenbar gängige Praxis, Leute ohne weitere Maßnahmen ein paar Jahre wegzusperren, irgend jemandem hilft? - Ich wiederhole meine Frage: Glauben SIE, dass der Täter danach irgendwie positiv verändert ist? Falls nicht, WER hatte also was davon, dass er im Bau saß?
    Wenn es für eine erfolgversprechende Therapie sinnvoll ist, soll er meinetwegen 10 Jahre in den Knast. Auch meinem Gerechtigkeitsempfinden würde das weit näher kommen. Nur darf das Brummen im Bau eben nicht die einzige Maßnahme sein: Sonst wird unter Einsatz von viel Geld ein Mensch geformt, der noch gleichgültiger und persepektivloser ist und der eine noch größere Gefahr für die Gesellschaft darstellt.

  4. 19.

    Es ist ein Mensch aufgrund massiven menschlichen Fehlverhaltens ums Leben gekommen. Das ist sehr bedauerlich, aber durch keine Strafe der Welt kann der Fehler revidiert werden.

    @Otto & Gerhard:
    Bitte lesen Sie mal den Artikel "DDR-Justiz" aus der Wikipedia, wo unter anderem steht:
    "Eine unabhängige Justiz mit neutralen Richtern [..] gab es in der DDR nicht."
    "Im Bereich des politisch motivierten Strafrechts herrschte Willkür"
    "Das Recht auf den gesetzlichen Richter war durch Polizei und Stasi manipulierbar"

    Ziehen Sie das oder die hier andiskutierte Lynch-Justiz mit quasi willkürlich vergebenen Strafmaßen ernsthaft einem Rechtsstaat wie dem unserem vor? Dann frage ich mich, wer von uns "aufwachen" sollte.
    Und was in diesem Fall ein persönlich Betroffener als angemessene Strafe empfindet, ist absolut sekundär. Ein neutrales Gericht entscheidet anhand von Fakten und Gesetzen, denn mit starken Emotionen wurden noch selten dauerhaft gute Entscheidungen getroffen.

  5. 18.

    Das Land hatten wir und es hies DDR. Das hat man vielen genommen. Dort gab es wenigstens noch, für solche schlimmen Taten, ordentliche Strafen.
    Hier sind aber alle so Frei, das sie sich hinter Drogen und Alkoholkonsum verstecken können und immer mit milderer Strafe rechen können.
    Ach ja, der Täter darf 5 Jahre keine Fahrerlaubnis machen! Für was soll er eine machen, für diese Tat hatte er auch keine und wird auch in Zukunft keine brauen. Wann wacht das deutsche Volk endlich auf!

  6. 17.

    Frank
    Bitte sag mir ob du auch noch so redest wenn es deine Frau gewesen wäre die auf diese Art gestorben wäre.
    Ich finde die Strafe zu mild. 10 Jahre für den TOT eines anderen Menschen ist mehr als Fair.
    Das ist aber nur meine Meinung.

  7. 15.

    Bei diesem Verbrechen fällt es schwer sachlich zu bleiben, denn es hätte garnicht passieren dürfen.
    Recherchieren sie mal den Fall genau.

  8. 12.

    Weil hier meist dieselben Leute immer dasselbe schreiben, stelle ich auch wieder meine Lieblingsfrage - die ich allerdings nach wie vor sehr ernst meine und zu der ich nach wie vor einer sachlichen Antwort harre:
    Glaubt hier ernsthaft jemand, dass eine Gefängnisstrafe als offenbar hauptsächliche Sanktion erreichen wird, dass der Täter nach deren Verbüßung ...
    1. sein offenkundiges Suchtproblem im Griff haben wird,
    2. als Wiederholungstäter künftig auf Trunkenheitsfahrten verzichten wird und
    3. als dann vorbestrafter Endzwanziger Gelegeheitsarbeiter mit schlechten Deutschkenntnis sozial halbwegs integriert sein wird?
    Ich glaube nichts von all dem und frage mich daher, warum wir weiterhin auf eine Justiz setzen, die oft offenbar weder den Opfern noch den Tätern noch der Gesellschaft nutzt, und in der Therapien offenbar allenfalls als Beiprogramm ablaufen.

  9. 11.

    "Polizisten hatten den Mann zuvor kontrolliert und, weil er ohne Führerschein unterwegs war und sein Auto ein falsches Kennzeichen hatte, mit auf die Wache genommen. Im Blut wurden zwei Promille Alkohol gefunden worden waren [*]. Allerdings wurden dem 25-Jährigen wohl die Autoschlüssel nicht abgenommen, so dass er wenig später mit einem anderen falschen Kennzeichen wieder losfahren konnte."

    Wie ist denn da die Rechtslage? Darf die Polizei Autoschlüssel von schweren Verkehrssündern beschlagnahmen? Vielleicht, wenn er das Fahrverbot schon vorher missachtet hat und Wiederholungsgefahr besteht? War der Verurteilte denn schon mal mit Fahren ohne Fahrerlaubnis erwischt worden?

    An die Redaktion: Bitte den mit [*] markierten Satz reparieren.

  10. 10.

    Ihre so genannte "Sachlichkeit" wiedert mich an.
    Wie würden sie wohl denken, wenn ein Angehöriger von ihnen getötet worden wäre ?

  11. 9.

    Danke Thomas für die korrekte Sachlichkeit!
    Wie schon oft erwähnt hier entbehrt das Rechtsempfinden mancher Forenteilnehmer jedweder Grundlage.
    Das letzte Wort hat zum Glück der etablierte Rechtsstaat, der sich auch wochenlang mit dem Fall auseinandergesetzt hat, und nicht diejenigen, die für 2 Minuten einen knappen Presseartikel zu dem Thema gelesen haben. (Kein Vorwurf an die Presse; Solche Artikel können naturgemäß nur sehr knapp ausfallen.)

  12. 8.

    Dann sind mir eben die vier potentiellen Jahre zu gering! Es dürfte aber doch im Ergebnis nicht sein, dass jemand, der mindestens zwei Leben und ihr Umfeld zerstört hat, nach 3,5 Jahren wieder zur Tagesordnung übergehen darf. Das merkt der doch gar nicht in dem Alter, das tut ihm doch nicht weh! Deswegen hatte ich so die Phantasie, dass der Verurteilte darüber nur lacht. Angemessen fände ich irgendwas zwischen 10 und 15 Jahren.

  13. 7.

    Bei dem verursachten Leid eine seltsame Formulierung: "wohl die Autoschlüssel nicht abgenommen."

  14. 6.

    Hauptsache man kann meckern,

    1. für eine solche Tat gibt es keine Strafe die annähernd so etwas genügend bestrafen könnte
    2. unser Rechtssystem gilt für alle gleichermaßen in unserem Rechtsstaat, ob einem das passt oder nicht
    3. die Strafen sind halt je nach Vorsatz/Straftat begrenzt, aber egal das geht zu weit
    4. Trotz Alkohol Konsum bestraft zu werden = na endlich zeigt die Justiz das Alkohol/Drogen Konsum nicht vor Strafe schützt!
    Da ist ein gutes Zeichen der Abschreckung wer möchte denn bitte 3 Jahre in den Knast.
    P.S. wenn einem dass nicht passt, kann man sich ja mittlerweile ein Land auf der Welt aussuchen wo das nicht so ist ;-)

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