Eine Kleingartenkolonie in Berlin (Foto: imago/Helga Lade)
Foto: imago/Helga Lade | Bild: imago/Helga Lade

Bis zu fünf Jahre warten - Wartezeiten für Kleingärten werden in Berlin immer länger

Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Kleingarten-Parzellen wie in Berlin. Doch die Nachfrage ist riesig, Bewerber müssen im Schnitt drei bis vier Jahre warten. Gleichzeitig geht unter den Kleingärtnern die Sorge um, dass der Bauboom ihre Oasen bedroht.

Wer in Berlin einen der insgesamt 70.000 Kleingärten pachten möchte, muss sich auf erhebliche Wartezeiten einstellen. Kleingartenvereine befürchten, dass sich die Situation noch verschärfen könnte. Thomas Wagner, Sprecher beim Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG), dem Dachverband der Kleingärtner, gab an, dass in Berlin fast 12.000 Interessenten auf Wartelisten stehen. Die Wartezeit liege bei drei bis vier Jahren.

Zunehmend spiele man Kleingärten, vor allem in Berlin, gegen den Wohnungsbau aus. Doch Kleingärten und Wohnungsbau sollten nicht als Gegensatz begriffen werden. "Wohnungen sind wichtig, selbstredend, aber ausreichend Grünflächen machen ein Wohngebiet erst lebenswert", sagte Wagner. Kleingärten stehen nach Ansicht des Verbands nicht in Konkurrenz zum Wohnungsbau - vielmehr könne eine ökologische und soziale Stadtentwicklung nur gemeinsam stattfinden.

Bauboom macht den Kleingärtnern Sorge

Eine Lösung für eine gemeinsame Entwicklung sieht der BDG unter anderem darin, ökologisch bewirtschaftete Kleingärten als Ausgleichsflächen anzuerkennen. Davon würden Natur, Stadtplanung und Kleingärtner profitieren.  

Wegen des Baubooms in Berlin befürchten die Bezirksverbände einen Rückgang der Gartenflächen. "Wir fordern seit Jahren von der Politik, dass Kleingärten durch offizielle Bebauungspläne gesichert werden", erklärte Thomas Stople aus dem Vorstand des Bezirksverbandes Charlottenburg der Kleingärtner e.V. Demnach würden die meisten Kleingartenanlagen im Flächennutzungsplan als Grünflächen ausgewiesen. "Dies reicht jedoch nicht als Bestandsgarantie". Nur eine per Bebauungsplan festgeschriebene Kleingartenanlage könne die Flächen langfristig vor Überbauung retten.

Vernichtung der ehemaligen Kleingarten Kolonie Wiesbaden, Wiesbadener Strasse in Charlottenburg-Wilmersdorf am 13.01.2018. (Quelle: imago/Raimund Mueller)
| Bild: imago/Raimund Mueller

"Das Interesse hat dramatisch zugenommen"

Allein beim Bezirksverband Charlottenburg der Kleingärtner stehen rund 3.000 Bewerber auf der Liste, wie Stople sagte. Die Wartezeit betrage bis zu fünf Jahre. Zur Zeit wird dort nur ein Garten im Internet vom Bezirksverband angeboten. "Das Interesse hat dramatisch zugenommen - innerhalb von einem Jahr um rund 15 Prozent", sagte Stople.

Auf eine Wartezeit von bis zu drei bis vier Jahren müssen sich Gartenanwärter im Nordteil Tempelhofs einstellen. Als Grund führt Vorstandsmitglied Norbert Gieseking die seit Jahren steigenden Bewerberzahlen an. "Wir haben in dem Bereich weniger als 400 Gärten und sehr viele Bewerber", sagte Gieseking. Insgesamt zählt der Verband 3.640 Gärten in Tempelhof, Mariendorf, Lichtenrade und Marienfelde. Giesekings Tipp: Nicht nur in Zentrumsnähe suchen. Südlich des S-Bahnrings betrage die Wartezeit nur ein bis zwei Jahre.

Sendung: Abendschau, 14.04.2018, 19 Uhr 30

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    Es gibt für Kleingärtner bereits Parteien, die sich für das Kleingartenwesen stark machen.
    Garten-Partei Sachsen Anhalt
    Garten-Partei Sachsen

  2. 18.

    Noch nicht bemerkt? Dies ist keine Diskussion, dies sind Meinungen. Ich meine, Sie Ihre. Aber dies lernen Oberlehrer doch schon viel früher zu differenzieren.

  3. 17.

    Und wieder am Thema vorbei, fernab jeglicher Argumentation.
    Mir scheint, Sie haben das Prinzip einer Diskussion nicht verstanden. Aber keine Sorge - mit etwas Fleiß lernen Sie das sicher noch. :)

  4. 16.

    Regionalrassismus, wie niedlich.
    Aber als geborener Berliner seine sprachliche Herkunft zu verbergen, scheint auch ein neuer Sport zu sein. Aber lassen wir das, Sie haben den für mich typische Berliner Sarkasmus nicht verstanden.
    und trotzdem bleibe ich bei meiner Ansicht, wenn sich jemand regionalrassistisch berührt fühlt, ist dieser jemand aber von nicht ausgeprägtem Selbstbewusstsein.

  5. 15.

    Ich bin geborener Berliner. An den Schulen wird schon seit langer Zeit vernünftiges Hochdeutsch gelehrt und von den meisten Berlinern im Alltag gesprochen. Klassisch Berlinerisch sprechen - meiner Erfahrung nach - ironischer weise vor allem die brandenburgischen Anrainer. Wenn mein Berlinerisch also nicht komplett korrekt ist, liegt das weniger an der Herkunft und vielmehr an der (mangelnden) Praxis.
    Ferner bitte ich Sie, Ihren Regionalrassismus (oder was auch immer das sein soll, das Sie da betreiben) ad acta zu legen. In ihrem ersten Kommentar zu diesem Artikel regen Sie sich über die Zugezogenen/Neuberliner auf. In Ihrem zweiten Kommentar legen Sie Sebastian alles mögliche, was er nie gesagt hat in den Mund. In ihren letzten zwei Kommentaren blenden Sie jegliche Argumentation meinerseits komplett aus und fokussieren sich auf meine vermeintliche Herkunft. Ihnen scheint es bei der Gewichtung einer Meinung wichtig zu sein, woher der Absender stammt. Argumentation? Keine Spur.

  6. 14.

    Ick meente natürlich: Du bist keen Balina - det uff keen Fall - wa!? Mit Dein Namen "IckBinAanBalina" hast Dich aba sowat von entlaavt *lach* - EEN heisst det - EEN......nich Aan.....det is wat zujezojenet.....also mach ma Butta bei de Fische.....

  7. 13.

    Danke der Nachfrage, es geht nicht nur noch, sondern auch richtig gut. Klar, ich gärtnere gerne im Wald, auf Wiesen in Parks usw.
    Lassen Sie gerne alle Flächen für Wohnungsbau versiegeln, werfen alle Autos raus, weil die machen ja die Luft ungesund und fahren Rad. Gartenkokonien als innerstädtische Kaltluftschneisen? Ach was, unnötig, die Luft verpesten ja nur die Pendler, die Umweltzone, bestehend aus Beton und Asphalt ist ja so wichtig. Am besten auch die Spree trockenlegen, der Grund ist wichtig für Wohnplattenbauten, die Seen auch zuschütten, braucht es nicht in der Stadt. Der Wald ist auch bald obsolet. Du bist kein Balina, uff kein Fall - wa!?

  8. 12.

    Geht's noch? Sebastian hat nichts von dem geschrieben, was Sie hier zum Besten geben.
    Was er bemängelt ist, dass hier von einigen ein Luxusproblem ("ich hätte gern 'nen Garten") über eins der dringlichsten Probleme dieser Stadt ("ich kann mir meine Wohnung nicht leisten") gestellt wird. Tatsächlich geht es bei der Wohnungsfrage um die Existenz.

    Auch ohne Kleingärten ist Berlin eine der grünsten Metropolen weltweit. Wir haben Wälder, Parks und mit Brandenburg um uns noch ein sehr grünes Bundesland herum.
    So schön Kleingärten auch sind - es gibt wichtigeres: Wohnungen nämlich.

    Und die von Ihnen angesprochenen "urbanen Zugezogenen" kann man nicht ohne Weiteres aus der Stadt jagen. Das verstieße gegen diverse Gesetze und Rechte. Da die Nachfrage aktuell nicht abklingt, muss man das Angebot (massiv) erhöhen, um (weiteren) sozialen Missstände entgegenzuwirken.

    Man könnte natürlich darüber nachdenken, die Dächer zu begrünen. Wobei auch dies die Miet-und Kaufpreise in die Höhe treiben würde.

  9. 10.

    Genau - Millionenwerte liegen einfach so brach - was eine Schande.....Kleingärten......also nein. Argumente ohne Sinn für den Zweck für alle hier lebenden Menschen - ach stimmt ja - Neuberliner braucht Wohnfläche, Versiegelung. Bäume, Strauch, Natur - igitt - wir brauchen Wohnraum - nichts anderes als Wohnraum - da hat die Natur doch nichts zu suchen. Ist ja eklig, so mit Faune und Flora in einer Stadt. Die gehören raus aus den Stadtgrenzen, da gibts bald nur noch Mensch, Beton und Dachgarten für Mensch, der sich das leisten kann und nur noch sch selbst im Spiegle sieht. Gärten als Pachtland für sind ja sowas von vorgestern......
    Sie belustigen mich.......

  10. 9.

    Kleingärten in bester Innenstadtlage passen einfach nicht mehr in die heutige Zeit. Die wurden angelegt, als die Situation in Berlin eine völlig andere war. Es kann und darf einfach nicht sein, dass Leute für extrem wenig Geld innerstädtische Flächen blockieren, die dringend für den Wohnungsbau benötigt werden. So wird die Verwertung von Millionenvermögen verhindert, und die Leute zahlen nur ein paar hundert Euro Pacht.

    Im Bereich von Eisenbahnanlagen gibt es natürlich Flächen, die mit Kleingärten gut genutzt sind. Aber bei größeren zusammenhängenden Flächen muss in der heutigen Zeit meiner Meinung nach der Wohnungsbau Vorrang haben.

    Mir zieht sich sowieso alles zusammen, wenn ich daran denke, mit welcher Kleinkariertheit die Vorstände solcher Kleingarten-Vereine ihre Satzungen durchsetzen: Kein Baum zu viel, keine Hecke auch nur einen Zentimeter zu hoch - damit schafft man doch nur obrigkeitshörige Untertanen, aber keine mündigen Bürger.

  11. 8.

    Den urbanen Menschen, meist zugezogen oder in einer Gegend lebend, die Gärten vor einem Haus haben, interssieren Kleingärten zumeist als Anlageobjekte, für seine Ideen für Häsuder mit viel neuen Wohnungen, die sich urbaner zugezogener, oder in besserer Lage lebender Mensch, der andere neuurbane Menschen mit viel Geld oder wenig Geld aber mit guter Finanzierung, im Blick hat, weil hier lebender urbaner Mensch Rendite statt Grün und Menschen, die nicht "so gut wie er dastehen" am liebsten weg haben möchte, weil hiesig geborener Mensch sich ja nichts leisten kann und es Zeit wird, dass für die zukünftigen Neuurbanistiker Raum, ääh Betonraum geschaffen werden muss. Da braucht es dann wegen Versiegelung und schlechter Luft Fahrverbote für die großen Autos der urbanen Menschen, gegen die dann Widerstand aufbegehrt, weil Urbanisten dann wieder neue Feindbilder finden - den Gentrifizierten, der pendeln muss.

  12. 7.

    Kleingärten wurden mal angelegt, um dem Stadtmenschen eine Fläche zum Anbau und zur eigenen kleinen Versorgung zu bieten. Dass Pächter von Kleingärten heutzutage, einfache Leute sein sollen, ist wohl der Unwissenheit geschuldet und dass die Pächter als "Billigheimer" nach der Politik rufen würden ebenso. Das sind wohl Meinungen von Zugezogenen oder Leuten, die in der Schule des Lebens schon wenig Empathie lernen durften.
    Kleingärten sind übrigens auch Kaltluftschneisen und durch die Anpflanzungen sorgen sie für ein wenig bessere Luft. Kommen sie mir jetzt nicht mit dem Grillargument, das wäre schwach.

  13. 5.

    Meine Schwester hat auch einen Garten und hat jetzt noch mehr Zeit, da sie in Rente ist. Die Kleingärtner tun vor allen viel für unseres Singvögel und heimischen Tiere. Jeden Tag werden die Vögel gefüttert und auch Eichhörnchen und Igel.
    Dazu kommt auch noch die Vielzahl ihrer Pflanzen und Gräser , die auch gut sind für die Insekten, wie Honigbienen und Hummeln.

  14. 4.

    Nebenbei sehen viele Kleingartenparzellen ganz anders als als das Symbolbild zu vermitteln versucht. Es überwiegt vielfach Rasen mit ein paar Bäumen. Dazu kommt dann oft noch ein kleiner Pool.

  15. 3.

    Viele Kleingärten sin von vorn heran nur als Zwischennutzung bis zu einer eventuellen Bebauung angelegt worden. Entsprechen niedrig sind immer noch die Pachten. Wie schon im Schmargendorf ohne den Willen, eigenes Geld einsetzen zu wollen, nur billig nach der Politik zu rufen, zeugt deshalb von einem völligen Unverständnis über die drängenden Probleme der Stadt.

  16. 2.

    Die ganzen schönen Kleingärten platt zu walzen um dann hässliche graue oder weisse Riesenkasten dort hizustellen sehe ich jetzt nicht so als gelungene Stadtplanung an. Vor allem von den sozialen Linken und den grünen Grünen würde ich mehr erwarten. Kleingärtner sind meist recht einfache Leute, die ihr Glück im Grünen suchen. Die wirklich Vermögenen kaufen sich einfach irgend wo ein Stück Land.

    Ausserdem werden neue Wohnungen die Abzockermieten in Berlin nicht senken. Man muss den Wohnraum wieder Rekommunalisieren. Rot-Rot und Rot-Grün hat massenhaft Wohnraum privatisiert. Daher haben Spekulanten jetzt freie Bahn und die Rentner und die Geringverdiener verlieren ihre Wohnungen.

    Neue Wohnen kann man weiter draussen bauen, wo keine Kleingärten sind. Kleingärtner sind meist Alteingessene, die man jetzt nicht wegen verfehlter Zuwanderungspolitik und der Privatisierung des Wohnungsmarktes verdrängen darf. Die haben nun echt keine Schuld daran. Sondern Politiker und Spekulanten

  17. 1.

    Flächen vor Bebaungplänen zu sichern führt zu steigenden Mieten.

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