Unfallstelle auf der Bundesstraße im Landkreis Dahme Spreewald (Quelle: rbb/Piwon)
Video: rbb aktuell | 14.05.2018 | Jacqueline Piwon | Bild: rbb/Piwon

Drei weitere Berliner Radler in Lebensgefahr - Radfahrerin stirbt nach Unfall mit 81-jährigem Autofahrer

Ein 81-jähriger Autofahrer hat am Sonntag vier Radfahrer aus Berlin erfasst, die auf einer Bundesstraße im Landkreis Dahme-Spreewald unterwegs waren. Schwer verletzt kamen die Radler ins Krankenhaus. Eine Frau ist inzwischen an ihren Verletzungen gestorben.

Nach dem schweren Unfall einer vierköpfigen Radfahrergruppe in Brandenburg ist eine 51-jährige Frau an ihren Verletzungen gestorben. Das teilte die Polizeidirektion Süd am Montag mit. Am Sonntag war ein 81 Jahre alter Autofahrer auf einer Bundesstraße bei Klein Köris (Dahme-Spreewald) ungebremst in die Gruppe aus Berlin gefahren.

Am Montagmorgen war bekannt geworden, dass es sich bei den Opfern um zwei Paare aus Berlin handelt. Die zwei Frauen und zwei Männer sind demnach Mitte Fünfzig. Die drei übrigen Opfer schwebten nach Polizeiangaben auch am Montag weiterhin in Lebensgefahr.

dVier Fahrräder werden am 13.05.2018 nach einem Unfall bei Klein Köris (Dahme-Spreewald) abtransportiert. Ein Autofahrer war in die Gruppe Radfahrer gerast. (Bild: NonstopNews)
Bild: NonstopNews

Keine Bremsspuren am Unfallort

Der betagte Autofahrer hatte die Radler am Sonntagnachmittag bei Klein Köris am Rande der Bundesstraße 179 in voller Fahrt erfasst. Er sei nach Aussagen von Zeugen zu weit rechts gefahren; es habe keine Bremsspuren gegeben. Auf der Bundesstraße ist eine Geschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde erlaubt.

Die vier Verkehrsopfer seien per Hubschrauber in zwei Berliner und zwei Brandenburger Krankenhäuser geflogen worden. Einer der Radfahrer liegt im Unfallkrankenhaus Marzahn. Bei den Radlern handelte es sich um eine 55-Jährige und ihren gleichaltrigen Ehemann sowie eine 51-Jährige und einen 64-Jährigen. In der Nähe des Unfallortes gebe es ein Gartengrundstück, das einem der Opfer gehöre, sagte eine Polizeisprecherin. Es blieb unklar, ob die Paare möglicherweise dorthin fahren wollten oder von dort kamen.

Autofahrer steht unter Schock

Die Unfallursache ist weiter unklar. Der Autofahrer selbst konnte dazu bisher noch nicht vernommen werden, sagte ein Sprecher der Polizei am Montagmorgen. Der 81-jährige Unfallverursacher hatte einen Schock erlitten und musste stationär behandelt werden.

Die Dekra ist nun damit beauftragt worden, ein Gutachten zur Unfallursache zu erstellen. Das Ergebnis wird erst in einigen Wochen erwartet.

Beim Bau von Radwegen an Bundesstraßen liegt Brandenburg zurück

In Brandenburg gab es laut dem Bundesverband Allgemeiner Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in den vergangenen Jahren nicht signifikant mehr Radunfälle auf Bundesstraßen. "Auf Bundesstraßen Rad zu fahren ist für Alltags- und Tourenradler eher unattraktiv", sagte ADFC-Sprecherin Stephanie Krone der Deutschen Presse-Agentur.

Jedoch liege das Bundesland beim Ausbau von Radwegen an Bundesstraßen deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt. Nur 35 Prozent der Brandenburger Bundesstraßen sind laut dem Verein mit Radwegen ausgestattet. Im Bundesdurchschnitt seien es 44 Prozent.

Zwar müssten nicht alle Bundesstraßen mit Radwegen ausgestattet werden. "Dort, wo viel Radverkehr zu erwarten ist, sollte es aber Ausweichrouten abseits des schnellen Autoverkehrs geben - oder gute, separierte Radwege entlang der Bundesstraße."

Sendung: Inforadio, 14.05.2018, 8.30 Uhr

Kommentar

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93 Kommentare

  1. 93.

    "Ja, wäre ich dafür, alle Bundesstraßen als Kraftfahrstraßen [80] zu kennzeichnen."

    Dann wollen Sie sie also anliegerfrei gestalten?
    Interessant ...



  2. 92.

    Danke für den Hinweis.
    Vielleicht sind die über 65-jährigen, die ich kenne, auch nur von selber so vernünftig, nur nach 9 Uhr mit der Karte zu fahren, dass ich davon ausging, das wäre auch eine Bestimmung.

  3. 91.

    Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass das VBB-Ticket "65 plus" (nur im Abo erhältlich) uneingeschränkte Mobilität beim VBB bietet, also auch zeitlich uneingeschränkt ... Man kann es auch werktags bereits vor 9 Uhr benutzen!

  4. 90.

    Dann haben Sie scheinbar die Kommentar-Tendenzen nicht mitbekommen.
    "Der betagte Autofahrer hatte die Radler am Sonntagnachmittag "
    In dem Artikel taucht die Zahl "81" vier mal auf. Dennoch:
    "Die Unfallursache ist weiter unklar"

    Wie wäre es mit einem neutralen Bericht?
    Wäre ich an Ihrer Stelle würde ich ja auch nicht 4x "waghalsige Radfahrer" schreiben.
    Mit freundlichen Grüßen

  5. 89.

    ..das Ende des Radweges in Klein Köris ist suboptimal gelöst und für Autofahrer nicht zu erkennen. Den Rest zum Miteinander und eigener Verantwortung teile ich. Fakt ist, dass BRB in Sachen Radwegebau weit zurück ist und unser Landkreis im Schenkenländchen nicht minder.

  6. 88.

    Die Diskussion darüber, ob und wann und wie im Alter eventuell die Fahrerlaubnis eingeschränkt bzw. die Fahrtauglichkeit überprüft werden sollte, ist eine "Autohasser-Diskussion"? Wie kommen Sie denn darauf?

    Selbstverständlich dürfen Menschen mit allen Führerscheinklassen und Menschen ganz ohne Führerschein bei unserem Voting abstimmen.

    WIr halten das Thema in jedem Fall für relevant, unter anderem die vielen Kommentare hier geben uns Recht. Dreizeiler auf Seite 9 bei einer Toten und drei Schwerverletzten und einem 81-jährigen Fahrer? Das glauben wir ganz sicher nicht.

  7. 87.

    Typisch RBB, eine Autohasser-Diskussion loszutreten:
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/05/voting-fuehrerschein-fahrpruefung-senioren.html
    Hoffentlich dürfen hier nur Führerscheinbesitzer abstimmen.
    Ein Unfall der auf Seite 9 höchstens im Dreizeiler früher erwähnt worden wäre, wird hier dank Internet ausgeschlachtet, gegen Autos und Rentner.
    Wir bringen Steuern, das ist Fakt! Was bringen die anderen?

  8. 86.

    Ja, wäre ich dafür, alle Bundesstraßen als Kraftfahrstraßen [80] zu kennzeichnen. Generell 100km/h ist sowieso Blödsinn. Früher waren auch 80km/h ausreichend.
    Radfahrer sind alt genug das einzuschätzen, was sie tun und was sie lassen.
    Die Frau könnte noch leben, mit einem Funken Einsicht.

  9. 85.

    Dann setzen Sie sich dafür ein, die entsprechenden Straßen als Kraftfahrzeugstraßen auszuschildern. Sie werden darin scheitern. Und das liegt nicht an der Willkür oder der politischen Ausrichtung von Behörden, sondern ganz einfach an dem Umstand, dass diese Straßen keine reine Kraftfahrzeugstraßen sind. Weil es nämlich Anrainer gibt, die die freie Wahl der Verkehrsmittel haben.

  10. 84.

    Genau, am besten Radfahren verbieten und unter Strafe stellen.

    ...

    Wenn aus welchen Gründen auch immer keine bauliche Trennung möglich ist hilft nur eine Sofortmaßnahme und die wäre die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu begrenzen. Im Falle einer engen Straße mit Baumbestand auf 30 km/h. So einfach ist das.

  11. 83.

    Hallo Möter,
    der Konflikt ist sehr schön an ihrer Aussage zu sehen. Es gibt keine stark befahrenen Straßen mit außerorts 100km/h und reflektierende Verhältnissen. Obwohl das viele Fahrer so denken. Der rbb trägt mit seiner teils falschen/unrecherchierten Berichterstattung leider auch dazu bei.
    Daher trägt der Unfallfahrer hier auch die Schuld. Unangepasstes Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit. Hätte er sich nicht über die StVO hinweggesetzt -warum auch immer- wäre es nicht zu dem Unfall gekommen.
    Der Konflikt äussert sich auch sehr schön am Strafmaß. Es wird deutlich stärker bestraft, was man einem Auto antut, als was man mit einem Auto verursacht. Leichtes Touchieren beim Ausparken - auch ohne Kratzer- und anschließendes Wegfahren ist eine Straftat mit möglichem Führerscheinverlust bis hin zu Freiheitsstrafen. Gefährdung eines Radfahrers durch fehlenden Sicherheitsabstand max. 80 € + 1 Punkt.

  12. 82.

    Es existiert ein Fahrradweg zw. Groß und Klein Kleckersdorf...?! Wo ist das Problem?!
    So verletzliche Radfahrer auf schnellen Straßen in Brandenburg! Auch hier plädiere ich für mehr Verständnis FÜReinander! Das EGO aller Beteiligten steht zuu oft im Mittelpunkt von Geschehen!
    Warum müssen Radfahrer rigoros auf ihr Recht pochen, obwohl sie so verletzlich sind? Da ist vllt. eher Demut angesagt, vorausschauend und angepasst fahren, anstatt tot sein und Recht haben?! ..hmm? Wenn etwas passiert ists dann ganz schlimm, der Autofahrer bekommt ne Geldstrafe weil gg. Verkehrsregeln verstoßen und ohne Vorsatz gehandelt. Höhere Strafen sind nat. nicht gerechtfertigt - vllt. doch aus Sicht der Angehörigen..EGO
    Auf den Straßen herrscht Krieg, ich muss jeden Tag auch schauen dass ich mit meinem alten Auto nicht über den Haufen gefahren werde; WIR wollen die Verantwortung für unser Leben nicht tragen & abgeben, NICHT MITdenken - das ganze akt. Leben zeichnet sich so ab! Wir brauchen das so!

  13. 81.

    Absolut kein Konflikt:
    Stark befahrene Straßen mit außerorts 100km/h und reflektierende Verhältnisse = Radfahren ist daher nicht geeignet.
    "Sehen und Gesehen werden"
    Ein 20km/h fahrendes "Hindernis" kann ja nur zu Unfällen führen. Das wusste man schon immer als Radfahrer.
    In der Stadt ist das was anderes.

  14. 80.

    Autofahren bedeutet insofern Einschränkung, als dass das Gefährt genau da abgeholt werden muss, wo es stehengelassen wurde. Da bietet die Bahn klare Vorteile, dass überall da eingestiegen werden kann, wo ein Bahnhof bzw. eine Station ist.
    Es ist mithin alles eine Frage der Sichtweise und da kann auch nicht von "man" oder "den Menschen" gesprochen werden, sondern allenfalls von Tendenzen hierhin oder dorthin.

    Nichts ist alternativlos.

    Ich weiß Überlandfahrten mit dem Auto sehr zu schätzen, in der Stadt kann von der versprochenen Freiheit nicht die Rede sein und das liegt am "Platzbedarf" des Autos selbst.

    Mithin ist es immer eine Frage eigener Bewusstheit, wie offen damit umgegangen wird und dann, wenn die eigenen Kräfte zu irgendwas nicht mehr reichen, dass NICHT als persönliche Niederlage anzusehen, sondern als gegebenen Zustand.

    Darin scheint mir weit mehr das Grundproblem zu liegen, vom "eingeschliffenen" Mittel nicht lassen zu können.

  15. 79.

    Im Grunde genommen zieht sich ein roter Faden durch nahezu alles:

    1. Das Begreifen des Verkehrs als soziale Angelegenheit zwischen Menschen. Da ist es dann zunächst völlig zweitrangig, mit welchem Mittel sie unterwegs sind. Es ist mit jedem Mittel zu rechnen und die Fahrweisen sind darauf abzustellen.
    2. Das Begreifen des Verkehrs als rein technische Angelegenheit des "körperlich" Stärksten und der am meisten Aufsehen von sich macht. Da haben alle, die nicht Auto fahren, sich hintendrein zu fügen und werden als potenzieller Störfaktor begriffen.

    Ich denke, auf diesen Konflikt läuft es hinaus und er muss auch genau so benannt werden.
    Alles andere wäre ein Herummogeln.

  16. 77.

    Doch - Bahn- oder Busfahren bedeutet prinzipiell Einschränkung, wie Umsteigen, Gedränge und Mehrkosten für Zuwege, aus diesem Grund hat sich das Auto seit Jahrzehnten durchgesetzt.
    Ältere Menschen möchten mobil sein und keine Koffer, Einkäufe oder Besorgungen zum/vom Bahnhof oder zur Dorfhaltestelle schleppen oder für's Taxi draufzahlen.
    Deswegen fahren diese Menschen so lange wie möglich Auto.
    Und in diesem Falle: Auf Bundesstraßen muss ja nun wirklich kein Rad gefahren werden, dafür gibt es für Alternativstrecken zu finden in Routenkarten (Beispiel Radweg Berlin - Kopenhagen). Also ich sehe hier die Schuld 50:50, also ein normalen altersunabhängigen Unfall. Es hätte genauso ein Wildschwein sein können, da sagt man ja auch nicht, dass der Fahrer zu alt sei.

  17. 76.

    @75: Wann kapieren Sie endlich, dass es in der StVO eine klare Aussage zur Geschwindigkeit gibt? Ich zitiere nochmals aus § 3 Abs. 1 StVO:

    "Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen."

    Was ist daran eigentlich nicht zu verstehen?

  18. 75.

    Wann kapieren die Radfahrer endlich, dass das Radeln auf Bundesstraßen lebensgefährlich ist!
    Mit ein bisschen Verstand zu Geschwindigkeit (100km/h = 28m/s) und der Abschattung durch Bäume und dem auf und ab (Hügel) der Fahrbahn sind die Radfahrer ganz schnell Opfer! Wer da auf sein verbrieftes Recht pocht, ist realitätsfern und lebensmüde! Und was das Ausweichen angeht: Ein entgegenkommender LKW zieht allein schon sehr viel an Aufmerksamkeit auf sich, weil da oftmals so wenig Platz auf den Bundesstraßen ist. Radfahrer werden dabei einfach übersehen und dann voll aufgemischt! Ist halt so, und katastrophal zu gleich!

  19. 74.

    Das Problem liegt nicht zwischen jung und alt, sondern in unserer Wahrnehmung dem Auto gegenüber. Wenn das Recht auf Fahren höher angesehen wird als die Verantwortung dabei, kann da auch nichts besseres bei rauskommen. Hier könnten Schulungen und Prüfungen sensibilisieren. Und zwar in JEDEM Alter.

    Dann gibt es noch Medien wie den rbb, die auf so nicht vorhandene Rechte hinweisen und damit das Fehlverhalten der Fahrer fördern.
    z.B. "Auf der Bundesstraße ist eine Geschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde erlaubt." Richtig wäre wie DaV zitiert: "Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen." Oder stand an der Unfallstelle etwa ein Schild mit einer 100 drauf?

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