Radfahrer am ICC. (Quelle: rbb|24/Nolte)
Video: rbb|24 | 03.06.2018 | Mara Nolte, Tim Schwiesau, Mark Allhoff | Bild: rbb|24/Nolte

42. Sternfahrt legt Verkehr lahm - Zehntausende Radler demonstrieren für sicheren Stadtverkehr

Bis zum Nachmittag gehörten die Berliner Straßen den Radfahrern - zumindest teilweise. Zehntausende sind bei der traditionellen Sternfahrt des Fahrradclubs ADFC in die Berliner Innenstadt geradelt. Für die Demo gab es gleich mehrere Anlässe.

Zehntausende Fahrradfahrer haben sich am Sonntag in Berlin an der traditionellen Fahrrad-Sternfahrt des ADFC beteiligt, um ein Zeichen für umweltfreundlichen und sicheren Stadtverkehr zu setzen.

Unter dem Motto "Mobilitätsgesetz verabschieden" sind sie auf 19 unterschiedlichen Routen vom Stadtrand zur Siegessäule geradelt. Dort fand am Nachmittag die Abschlusskundgebung statt. Bis 19 Uhr wird außerdem beim Umweltfestival am Brandenburger Tor gefeiert.  

Die Demonstration führte zu teils erheblichen Verkehrsbehinderungen im Stadtgebiet.

Die angeblich größte Fahrraddemo der Welt

Werden die Radfahrer sonst von den Autofahrern im wahrsten Sinne des Wortes an den Rand gedrängt - am Sonntag gehörten ihnen die Straßen der Hauptstadt. Zumindest teilweise. Seit 1977 ruft der ADFC jährlich zur Fahrraddemo auf, mit wachsendem Zuspruch. Laut Veranstalter nahmen 90.000 Menschen teil. Jedes Jahr gibt es allerdings unterschiedliche Angaben zu den Teilnehmenden. Die Polizei schätzt zwischen 20.000 und 30.000 Radlern, der ADFC selbst nennt deutlich höhere Zahlen.

Der Verkehr lag über weite Strecken lahm

Bei angenehmen Temperaturen strömten die Radler auf 19 Strecken durch Brandenburg und Berlin zum Großen Stern. Die ersten Fahrer starteten bereit am Samstagabend im polnischen Szczecin (Stettin). Am frühen Sonntagmorgen fuhren weitere schnelle Teilnehmer in Frankfurt (Oder) und in Brandenburg/Havel los. In der Berliner Innenstadt gab es hingegen auch eine Route extra für Kinder, auf der langsamer gefahren werden sollte.

Gegen Mittag erreichten die verschiedenen Gruppen die Innenstadtbezirke, Ziel war um 14 Uhr die Siegessäule.  

Wegen der Sternfahrt kam es in der gesamten Stadt, besonders jedoch im Umfeld der Routen, zu Verkehrsbehinderungen. Zwei Autobahnabschnitte auf der Avus und dem Südring der Stadtautobahn waren bis 15 Uhr komplett gesperrt. Zahlreiche Straßenbahn- und Buslinien waren abhängig vom Veranstaltungsverlauf unterbrochen oder umgeleitet. Etwa 600 Polizisten waren im Einsatz. In Berlin kann es auch noch nach der Sternfahrt zu Staus und Verspätungen kommen. Der ADFC empfiehlt, auf U- und S-Bahnen umzusteigen.

Für ein sicheres Radfahren im Straßenverkehr

Das Mobilitätsgesetz soll zügig verabschiedet werden

Mit der traditionsreichen Demonstration wollen die Organisatoren des ADFC in diesem Jahr unter anderem für die zügige Verabschiedung des Berliner Mobilitätsgesetzes werben. Die rot-rot-grüne Koalition hatte sich beim Gesetz erst am Mittwoch auf einen Kompromiss geeinigt. Das Regelwerk soll bis zum 28. Juni verabschiedet werden, also bis zu Beginn der Sommerpause des Abgeordnetenhauses. Als erstes Bundesland will die Hauptstadt damit das Miteinander von Autos, Fahrrädern, Bussen, Bahnen und Fußgänger in ein Gesetz gießen. Die Bedingungen für Radfahrer sollen erheblich verbessert werden, unter anderem durch 100 Kilometer neue Radschnellwege und tausende Fahrrad-Stellplätze. "Wir sind natürlich erleichtert, aber für uns ist das Mobilitätsgesetz erst verabschiedet, wenn es tatsächlich auch verabschiedet ist", sagt Pressesprecher Nikolas Linck letzte Woche rbb|24.  

Stadtradeln und Weltfahrradttag

Die Sternfahrt war zugleich Beginn der Aktion "Stadtradeln" in Berlin. Ziel der bundesweiten Kampagne ist es, Menschen zum Umstieg auf das Rad im Alltag zu bewegen. Es können sich Teams bilden, die dann ihre bis zum 23. Juni zurückgelegten Kilometer erfassen. Am Ende werden Sieger gekürt.

Zudem fiel die Fahrrad-Demonstration in diesem Jahr mit dem ersten Weltfahrradtag zusammen, der von der Vollversammlung der Vereinten Nationen eingeführt worden war. Er soll die Aufmerksamkeit für das Fahrrad als nachhaltiges und gesundheitsförderndes Verkehrsmittel stärken.

Sendung: Abendschau, 03.06.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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86 Kommentare

  1. 84.

    Stimme Ihnen total zu. Ich fahre selber jeden Tag 14 KM zur Arbeit mit dem Fahrrad. Nicht einmal würde ich es schaffen nicht umgenietet zu werden. Das hat aber nichts damit zu tun, das die Stadt ständig lahmgelegt wird und man wegen div. Veranstaltungen umständlich zur Arbeit gelangt. Auch der ÖPNV ist ja meistens betroffen. Mein Groll richtet sich nicht gegen Autofahrer, sondern gegen den Senat. Statt innovative Lösungen umzusetzen, werden nur Markierungen auf die Strasse gemalt. Nur vom Autoverkehr wirklich abgetrennte Fahrradwege bringen Sicherheit.

  2. 83.

    Stimmt nicht. Autofreie Sonntage wurden in den 70er Jahren wegen Ölknappheit eingeführt und die Bevölkerung in Westberlin hatte sogar ihren „Spaß“ daran gehabt. Partys auf dem Kuhdamm u.s.w. Ich fänd es gar nicht mal so verkehrt, wenn einmal oder gar zweimal im Monat die Innenstadt Autofrei ist. In der Realität vermutlich nicht machbar.

  3. 82.

    Also ich selbst als regelmäßiger Auto und Fahrradfahrer muss sagen, dass ich da etwas zwischen den Stühlen sitze. Agressive Fahrrad und Autofahrer gibt es überall. Ignoranten, Arschlöcher etc. gibt es also auf beiden Seiten. Daher können weder die Autofahrer beanspruchen, dass die Fahrradfahrer die Schlimmen wären, genauso wie anders herum! Zeit für Realität Leute!

    Leider ist der Mensch Egoist. Das führt dazu, dass wesentlich mehr Autos unterwegs sind, als es müssten. Viele fahren doch nur aus Bequemlichkeit Auto. Da muss ich mich nur bei mir im Büro umschauen, viele könnten auch Öffis oder Fahrrad fahren - ohne nennenswerte Einbußen an Zeit - machen Sie aber nicht. So ähnlich ist es auch bei vielen in der Freizeit.
    Bedankt euch bei denen - es sind diejenigen, die dafür sorgen, dass mehr Lärm, Abgase und Staus die Stadt zu einem weniger guten Ort machen. Und zu Recht auch Gegendemonstrationen fördern. Zeit um aufzuwachen und darüber zu sprechen!

  4. 81.

    341 PKW auf 1000 Einwohner, stimmt. Macht bei 3,5 Millionen Einwohner fast 1,2 Millionen PKW, wie ich gesagt habe.
    Mal Rechnen lernen !
    Und: Wie es in der Wald hinein schallt so schallt es heraus.

  5. 80.

    Es gibt 40 000 000 Personenkraftwagen (private Halter) in Deutschland. Das hat absolut nichts mit der Belieferung von Gewerbe und Supermärkten zu tun, Nicht, dass sich hier nicht auch dringend die Benutzung anderer Antriebe durchsetzen müsste, aber wenn ich in der Rushhour mal wieder versuche die Frankfurter Allee zu überqueren (zu Fuß), dann hindert mich eine Masse an PKWs in denen häufig auch noch jeweils eine lustige Person sitzt daran und nicht der LKW der das Gewerbe beliefert. Btw. die Pilotprojekte von DHL, Hermes und co. bezüglich E-Lastenräder haben Sie mitbekommen? Dafür sehe ich leider die derzeitge Infrastruktur als Fallstrick.

  6. 79.

    Ja so einfach kann man es sich machen. Nur leider zeugen solche Aussagen einfach nur von Unwissen, denn in einem Großteil der Fälle halten sich die Autofahrer nicht an die Verkehrsregeln, fahren auf den Radwegen und nehmen Radlern einfach so die Vorfahrt. Achten sie mal drauf!

  7. 78.

    Ich war einen Tag in Bremen, eine Fahrradstadt. Wenn ich, als Fußgänger, in Bremen leben würde, hätte ich jeden Tag mindestens 10 Schlägereien. Solche unverschämten Radfahrer habe ich noch nie gesehen.

  8. 77.

    Leicht zu sagen wenn man keine Sonntagarbeit am frühen Morgen verrichten und 30km durch die Stadt muss.
    "Damals gab es Autofreie-Sonntage" Gar nicht wahr! Die waren alle freiwillig, siehe oben.

  9. 76.

    Es ist erstaunlich wie viel (Autofahrer?) über die Radfahrer meckern. Keiner meckert über die Politik, die seit den 70er Jahren nicht wirklich weiter und weg vom Auto kommt. Damals gab es Autofreie-Sonntage. Die Sternfahrt ist ein Tag im Jahr und der ist schon 365 Tage vorher bekannt. Wer nicht in der Lage ist, so einen Tag sinnvoll ohne Auto zu planen, mein BEILEID!

  10. 75.

    So ist es -
    und es war nur noch furchtbar heute, denn nichtsahnend um 14 Uhr aus Richtg Frankfurt/Oder über die 113 +100 nach Hause/Wilmersdorf wollend, blieb uns die Fahrt bis Ausfahrt Detmolder Str. wegen Sperrung der 100 verwehrt. Das Stattfinden einer Demo zu dieser Uhrzeit war wohl außer uns auch anderen Pkwfahrern unbekannt geblieben, sodass es auf allen Umleitungsstraßen stadtein-, stadtauswärts nur schrittchenweise bis null Weiterkommen gab mit langem Verkehrsstau bzw. -stillstand. Kreuzungen immer wieder derart zugefahren/verstopft, dass in mögliche Richtungen kaum noch etwas ging. Dafür ging bei entnervten Autofahrern/Passanten etwas - nämlich der "Hut" /Adrenalinspiegel steil hoch - sicher auch die Abgasbelastung der Luft!
    Statt also zum Reiseende in 10-15 Min gut erholt/froh gelaunt wieder Zuhause zu sein, war's erst 1 Std. 15 Min. später :( Pkw wird übrigens nur für Fernfahrten genutzt, in der Stadt Öffis oder Rad.
    Brauch dazu echt ooch keene sonntägliche Rad-Demo..

  11. 74.

    Ganz einfach, wenn der Stadtverkehr sicherer werden soll, sollten sich Radfahrer an Verkehrsregeln halten. Mehr braucht man dazu nicht sagen!

  12. 73.

    Wenn du den Motor ausmachst und dein Rädchen schiebst, darfste das bestimmt. Mit Geknatter und Gestank wird aber wohl nix draus.

  13. 72.

    Ich war heute Mittag beruflich unterwegs in der Stadt u.a. mit den Öffis. Es war wunderbar leise. Mir wurde klar wieviel Lärm diese Autos verursachen und wie wir uns daran gewöhnt haben. An einem Wochentag wäre es natürlich schon lauter auch ohne Autos. Aber trotzdem, dieser Lärm und diese Abgase verursachen Aggression und Dauerstress.

  14. 71.

    Darf ich als Motorradfahrer demnächst eine Demo mit Motorrad anmelden und durchführen, die über Fahrradwege und Bürgersteige führt ?! Schon die Genehmigung solcher Wegstrecken ist ein Skandal und muss im Prozess hinterfragt werden, ich fühle mich hier massiv diskriminiert !

  15. 70.

    Ich komme auf 341 PKW auf 1000 Einwohner, komisch.

    Auf den Rest ihres "Kommentars" gehe ich jetzt mal nicht ein, er spricht für sich.

  16. 69.

    "die mit Antriebstechniken vergangener Zeiten"

    Sie können ja mit dem Fahrrad helfen Ihren Supermarkt oder Bio-Fallobst & Körnermarkt zu beliefern.
    Bei Ihnen steht alles im Laden, schon klar.
    Selbst die Öko/Bio-Läden haben riesen Diesel-Laster mit Stattelzug.

  17. 67.

    GeraldStahnsdorfSonntag, 03.06.2018 | 14:50 Uhr
    Wissen sie eigentlich,das es viele Radfahrer gibt .die jeden Tag zur Arbeit fahren und ständig in mit der Angst umgekarrt zu werden,leben müssen.
    Wissen sie eigentlich wie viele Eltern Angst haben um ihre Kinder ?Nur weil diese selbst als Fußgänger nicht sicher sind?
    Es gibt kein Grundrecht auf Rasen,Drängeln und Nötigen im Straßenverkehr.

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