Symbolfoto: Ein kleines Mädchen wirft mit ihrem Fahrrad einen großen Schatten (Quelle: dpa/Jan Woitas)
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Audio: radioBERLIN | 15.05.2018 | O-Ton Uwe Goetze, Landesverkehrswacht Berlin | Bild: dpa/Jan Woitas

Bis zur Hälfte eines Jahrgangs betroffen - Berliner Kinder können immer schlechter Rad fahren

Fahrradfahren lernen Grundschüler in Berlin in der vierten Klasse. Dabei geht es eigentlich vor allem um die Verkehrssicherheit. Doch inzwischen müssen die Fachleute den Kindern immer öfter grundsätzlich beibringen, wie man sich auf zwei Rädern hält.

Berliner Kinder können immer schlechter Fahrrad fahren. Der Grund: Eltern bringen ihren Kindern das Radfahren seltener bei, wie Uwe Goetze von der Berliner Landesverkehrswacht dem rbb sagte. "Natürlich gibt es städtische Regionen, wo das nach wie vor üblich ist, aber gerade in der Innenstadt ist Fahrradfahren nicht mehr alltäglich, die Kinder in den Schulen haben keine Praxis, sie können einfach nicht Fahrradfahren", sagte er.

Die Schulen versuchten daher mühsam, den Kindern das Radfahren während des Sportunterrichts beizubringen. "Das hat natürlich seine Grenzen", so Goetze.

Bis zu 50 Prozent der Viertklässler können nicht Rad fahren

In der Berliner Grundschule gehört das verkehrssichere Radfahren zum Pflichtprogramm. In der vierten Klasse müssen die Schüler eine Radfahrprüfung ablegen. Dabei lernen sie nicht nur die Theorie wie Straßenzeichen und Verkehrssymbole, sondern auch das sichere Fahren auf dem Rad. Geübt wird in einem Parcours: Hier weichen die Kinder Hindernissen aus, üben den Schulterblick oder müssen Verkehrsschilder richtig deuten.

Aber laut Verkehrswacht nehmen immer mehr Kinder gar nicht an der Prüfung teil, weil sie nicht Fahrradfahren gelernt haben. Die Durchfallquote steigt. "Von den Schulen wird uns tatsächlich gemeldet, dass bis zu 50 Prozent der Kinder eines Schuljahrgangs in der vierten Klasse gar nicht Radfahren können, mithin natürlich auch gar nicht an den Radfahrprüfungen teilnehmen können, weil sie es von Zuhause aus nicht gelernt haben", sagte Goetze.

Mobiler Fahrrad-Transporter an Schulen gefordert

Um die Radfahrkenntnisse der Kinder zu verbessern, wünscht sich die Verkehrswacht vom Senat ein mobiles Fahrzeug mit 15 oder 30 Rädern, das "jeden Tag an anderen Schulen präsent" ist. "Uns scheint das als Modellprojekt ein gängiges und gut geeignetes System zu sein, um das auszugleichen, was vom Elternhaus nicht mehr geleistet wird", so Goetze.

Sendung: radioBERLIN, 15.05.2018, 14:00 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    Stadtrandberliner:
    Wir mussten zu Fuß gehen um die Schule zu erreichen. Gefühlte 10 Kilometer vielleicht war es auch nur 2.
    SUVs gabs nicht
    es waren nur wenige die mitm "Auto" gebracht wurden.
    Ich war einer der wenigen die ein
    Bambirad hatten(mit 3 1/2Jahren)
    Unser Schrebergarten war nur zu Fuß (4Km Weg) zuerreichen.
    Die nächste Größe war ein 24er
    bzw. Ein im Sattel tiefergelegtes 26er.
    Waren tollkühne Konstruktionen(selbst gebaut) damals.

  2. 13.

    Kinder verstehen unter Fahrradfahren ja auch nicht Verkehrserziehung, sondern drauf steigen und versuchen Balance zu halten. Haben sie das, könn' sie Fahrradfahren. Ganz einfach.

  3. 12.

    In meinem näheren Umfeld sind die Gehwege leider zugestellt. Früher gab es auf den Bürgersteigen noch Platz zum Spielen und Radfahren lernen. Jetzt ist maximal Slalom möglich oder einreihen in den Gänsemarsch. Bürgersteige sind für Geschäfte billig zu haben und werden zunehmend auch den Renditeerwartungen der Immobilienspekulation geopfert - zur Erweiterung der Lagerflächen und Produktpräsentation ausserhalb der Geschäfträume - und der gastronomischen Flächen!
    Reclaim the City ;) Eine menschen- und kinderfreundliche Stadt kann anders aussehen.

  4. 11.

    Das selbige dachte ich auch. Offensichtlich verlieren die Kinder etwas, wenn sie mit dem Laufrad gelernt haben und direkt mit dem Rad weiterfahren. Hätte ich nicht gedacht... bin eher von Gegenteil ausgegangen.
    Wobei mir auch recht oft auffällt wie viele Eltern ihre kleinsten relativ ungebremst durch die Straßen schlendern lassen. Lediglich an Ampelnähe wird eingeschritten. Wenn ein Kind so Regellos reisen darf, wie soll es wissen das es beim Radfahren etwas andere Regeln zu beachten gibt?

    Und Schule ist da wohl zu spät. Ich werd das für die Kita aufgreifen.

  5. 10.

    Oh, was habe ich als Kind "Tapete gelassen" und im Lynar war ich auch kein Unbekannter. ;-)

    Aber meine Eltern haben mir noch erlaubt Kind zu sein und mir meine Welt zu erobern. Okay, es war eine andere Verkehrsdichte damals aber was die heutigen Helikoptereltern mit ihren Kindern machen ist unglaublich. Die verdummen vor dem Schlauföhn.

  6. 9.

    Ich aus Ost-Berlin/Friedrichshain, konnte schon in der 1. Klasse mit Freude Schwimmen und Radfahren, meine Eltern/Großeltern waren schuld daran. In unserer Klasse um 1980 wurde nicht gehänselt oder verurteilt oder abgetan, weil der Eine oder die Andere Radfahren oder Schwimmen noch nicht konnten. Wir hatten einen Super-Sportlehrer (der auch für Mathe – anderes Thema), der uns beibrachte gemeinsam sind wir stark, keiner wurde außen vorgelassen. Ein guter Sportlehrer färbt ab, denn was schrieen wir am Beckenrand uns alle aus den Hals, damit auch der Letzte, die Letzte die erste Schwimmstufe erreichte. Ergebnis: wir alle hatten diese erreicht, Freude total bei allen, und der in Mathe Bester konnte endlich schwimmen. Der Mathe-Bester war und ist und bleibt mein bester Freund! Was ich nicht konnte, konnte er, was er nicht konnte, konnte … Ich sage Danke lieber Freund! Und deiner wunderbaren Familie.
    Ungezwungenheit ist heute nicht mehr möglich - ich habe sie hiermit vorgeführt.

  7. 7.

    Subjektiv habe ich da einen ganz anderen Eindruck. In meinem näheren Umfeld gibt es mindestens 4 Kinder die schon mit 3,5 Jahren Fahrrad fahren können. Nach dem Laufrad sind sie gleich aufs Fahrrad ohne Stützräder umgestiegen.

  8. 6.

    Was Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmermehr und fährt dann als Erwachsener noch über Gehwege und bremst auch an Fußgängerwegrn nicht.

  9. 5.

    "Uns scheint das als Modellprojekt ein gängiges und gut geeignetes System zu sein, um das auszugleichen, was vom Elternhaus nicht mehr geleistet wird"

    Ist das Eltern-Pflicht im BGB? Vielleicht haben manche kein Geld für ein Fahrrad?! Oder vielleicht ist das kein Versäumnis, sondern Vorsicht? Oder am Ende sch*egal? Und, wieso muss der Staat sich ständig einklinken?
    Langfristig ist es doch in Ordnung, dann fahren die nächsten Generationen bald ÖPNV oder Auto, und nicht Fahrrad.

  10. 4.

    @ Täve Schur

    Ohne Helm sollte kein Radfahrer unterwegs sein, das ist meine berufliche Erfahrung und mit Helm ist man kein Weichei.
    Alles andere in ihrer Aussage ist leider Realität und man wird komisch angeguckt, wenn man nicht sofort in Panik gerät, wenn die Kinder der Familie mal was haben.
    Aber auf der Xbox sind die Kinder alle besser als Lance Armstrong

  11. 3.

    Auweia....die Hälfte aller Viertklässler??
    Das hätte ich nicht gedacht.
    Aber wenn man die heutigen Eltern mit ihren
    kleinen "Göttern" beobachtet, wird einiges klar.
    Das Rad kann noch so klein sein, Helm, Knieschützer und Ellenbogenschützer müssen sein. Kaum fahren die Kleinen, wird hinterher gehetzt und eine Hand ist immer bereit, zu zugreifen. Diese übertriebene Angst überträgt sich auf das Kind.
    Ich, Jahrgang 1966 habe auf einem 26'er gelernt....ohne Helm und irgendwelche Schützer.
    Wir sind natürlich oft auf die Schn.....gefallen und haben uns die Haut abgefetzt,aber nach zwei Tagen konnten wir fahren.....und waren stolz wie Bolle. Ich habe das Gefühl, hier wächst eine Weichei- Generation heran.
    Schuld sind aber nicht die Kinder.

  12. 2.

    Radfahren sollte kein Kind in der Schule können müssen, genau wie schwimmen, singen oder Weitsprung.
    Radfahren muss man wollen. Dann gibt es auch die besten Ergebnisse.
    Verkehrsregeln sollten alle Kinder kennen müssen. Dafür braucht man kein Fahrrad.
    Mit den 10. Lebensjahr darf man sowieso noch auf dem Fußweg Radfahren.
    Bald brauchen Kinder in der Schule auch noch Kurse zum Arsch abwischen, weil sie es zuhause nicht gelernt haben oder kein Geld für Klopapier hatten.

  13. 1.

    Und bis zu die Hälfte der Journalisten hat Probleme mit der deutschen Sprache. Ein bis zweimal Korrekturlesen sollte doch noch möglich sein, bevor man einen Artikel online stellt.
    Zum Thema: Wundert mich nicht, da bei dem rasant steigenden Verkehr in Grossstädten kaum noch Platz für lernende Radfahrer ist. Bus und Bahn ist dort für Kinder sicherer und bequemer da überall vorhanden.

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