Blick auf den Platz am U-Bahnhof Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg (Quelle: imago/Olaf Wagner)
Bild: imago/Olaf Wagner

23-Jähriger vor Gericht - Prozess nach tödlichen Schüssen am Kottbusser Tor

Vor zwei Jahren wurde am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg ein Mann mit Schüssen getötet. Vorangegangen war ein lautstarker Streit. Nun steht ein 23-Jähriger dafür vor Gericht. Dessen Anwalt spricht von einem "Lügenkomplott".  

Am Mittwoch hat vor dem Landgericht Berlin der Prozess gegen einen Mann begonnen, der im Herbst 2016 am Kottbusser Tor einen 32-Jährigen mit drei Schüssen getötet haben soll. Doch der heute 23-Jährige weist alle Vorwürfe zurück. Er habe weder auf den Mann geschossen, noch habe er die Absicht gehabt, ihn zu töten, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung seines Verteidigers.

Doch die Staatsanwaltschaft ist anderer Auffassung. Sie wirft dem Angeklagten vor, sein Opfer in einem Hausdurchgang heimtückisch getötet zu haben - heimtückisch deshalb, weil das Opfer nicht ahnen konnte, in dieser Form angegriffen zu werden. Der Fall hatte damals eine neue Debatte um die Kriminalität rings um das Kottbusser Tor sowie um mehr Polizeipräsenz angestoßen.

Motiv liegt bis heute im Dunkeln

Doch das mögliche Motiv ist weiter unklar. Warum feuerte der mutmaßliche Täter die Schüsse in der Adalbertstraße ab? Erste Ermittlungen der Polizei im Herbst 2016 hatten den Verdacht aufkommen lassen, dass der Täter etwas mit dem Rockermilieu zu tun haben könne. Damals waren unter anderem zwei Mitglieder der "Hells Angels" als Zeugen vernommen worden, wobei einer von ihnen an einem lautstarken Streit beteiligt war, der der Tat vorausging. Am ersten Prozesstag spielte dieser Aspekt aber keine Rolle.

Der Tathergang jedenfalls scheint relativ klar zu sein: Nach bisherigen Erkenntnissen der Anklagebehörde soll sich der Angeklagte hinter einer Säule versteckt und in dem unübersichtlichen Durchgang aus wenigen Metern Entfernung geschossen haben, sagte der Staatsanwalt. Die Kugeln hätten das linke Becken des Opfers und eine Vene getroffen. Kurz darauf starb der Mann im Krankenhaus an inneren Blutungen.

Laut Anwalt beruht die Anklage auf Falschaussagen

Bei dem lautstarken Streit habe das Opfer einem anderen Mann eine Ohrfeige gegeben, sagte der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung am Mittwoch. Wie Bekannte des Getöteten sagten, war der Mann bei dem Streit ursprünglich als Schlichter aufgetreten.

Dagegen sagte der Verteidiger, die Anklage beruhe auf Falschaussagen. Sein Mandant sei zusammen mit einem weiteren Mann von einer Männergruppe "aggressiv" angegriffen worden und hätte sich verteidigen müssen. Die Zeugen hätten unter Druck ausgesagt. "Die Beweisaufnahme wird dieses Lügenkomplott aufdecken", sagte der Anwalt am ersten von mehr als 20 angesetzten Verhandlungstagen.

Witwe des Mordopfers ruft auf Türkisch in den Saal

Zum Prozessbeginn wurde es laut im Gerichtssaal. Die Ehefrau des Verstorbenen, die als Nebenklägerin auftrat, rief aufgebracht auf Türkisch in den Saal und zeigte mit der Hand auf den Angeklagten. Dieser schaute jedoch weg. Er war bereits 2015 vom Amtsgericht Tiergarten wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Die Tat soll er während eines Hafturlaubs aus einer anderen Strafe begangen haben, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani. Anschließend war der 23-Jährige untergetaucht. Im Dezember 2016 wurde er in Bulgarien gefasst. Die Behörden liefern den in Kreuzberg gemeldeten Mann an Deutschland aus. Seitdem sitzt er in Haft.

Sendung: Abendschau, 02.05.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

1 Kommentar

  1. 1.

    Hier scheint mir vieles im Argen zu liegen,besonders bei der Ermittlung.Sind Schmauchspuren nachweisbar ,hat der Angeklagte geschossen,dann sind die Beweise da,und er ist der Mörder.Warum weiß sowas, niemand bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft ?

Das könnte Sie auch interessieren