Eine teils federlose Legehenne in einer Legebatterie (Quelle: dpa/blickwinkel/J. S. Peifer)
Video: Brandenburg aktuell | 31.05.2018 | Phillip Manske | Bild: dpa/blickwinkel/J. S. Peifer

Federlose Tiere, verdreckte Ställe - Schwere Vorwürfe gegen Legehennenbetrieb in Spree-Neiße

Fast federlose Hennen, verdreckte Ställe, Eier in Kontakt mit Tierkadavern – Tierschützer werfen einem Betrieb in Neuhausen (Spree) grobe Verstöße gegen den Tierschutz und Hygieneverordnungen vor. Das Unternehmen selbst spricht von einer "Inszenierung".

Die Tierschutzorganisation Animal Equality und Spiegel Online werfen der Firma Ehlego Landhof in Roggosen (Spree-Neiße) schwere Missstände in ihren Ställen vor. Am Mittwoch hatten sie ein entsprechendes Video öffentlich gemacht. Die Betreiber einer der größten Legehennen-Anlagen Deutschlands und das Kreisveterinäramt wiesen die Vorwürfe zurück.

Dicht gedrängt, dazwischen tote Tiere

Das Video zeigt nahezu federlose Hennen, die gedrängt in engen verdreckten Ställen sitzen, dazwischen tote Tiere.  Es soll grobe Verstöße gegen den Tierschutz und gegen Hygieneverordnungen belegen.  

Hygienisch alarmierend sei, dass Eier in direkten Kontakt mit Hühnerkadavern kämen. Die Eier des Unternehmens werden den Angaben zufolge unter anderem bei Aldi, Edeka, Marktkauf und Rewe verkauft. Dorthin, so die Behauptung, kämen sie ungewaschen.  

Unternehmen: Tote Tiere aus Kadaverbehälter wurden platziert

Das zuständige Veterinäramt des Landkreises Spree-Neiße kann auf Grund seiner regelmäßigen Kontrollen die Vorwürfe nicht bestätigen. Bei den regelmäßigen Kontrollen seien die angeprangerten Mängel nicht festgestellt worden. Es schränkt aber in einer Stellungnahme ein, dass auftretende Probleme mit dem Betreiber und dem betreuenden Tierarzt beraten werden.

Für die Ehlego Landhof GmbH sind die Anschuldigungen unbegründet. Das Unternehmen erhebt seinerseits in einer am Mittwoch verbreiteten weiteren Stellungnahme Vorwürfe gegen die Mitarbeiter von Animal Equality. Die Tierrechtler hätten gezielt einen Teil der Herde gefilmt, der zuvor an einer Infektion erkrankt und deshalb geschwächt gewesen sei. Das erkläre auch das unvollständige Federkleid. Offenbar seien auch tote Tiere aus einem Kadaverbehälter geholt und für die Aufnahmen platziert worden.   

Bisher keine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft

Animal Equality hat nach eigenen Angaben Anzeige bei der Cottbuser Staatsanwaltschaft erstattet. Diese liegt dort noch nicht vor. In jedem Fall werde zunächst geprüft, ob ermittelt wird, so der Leitende Oberstaatsanwalt Bernhard Brocher.

Auch der Tierschutzbeauftragte des Landes Brandenburg beschäftigt sich nach einer rbb-Anfrage mit dem Fall. Der hat am Mittwoch die politische Bühne erreicht. Die Landtagsfraktion der Grünen will die Zustände in Roggosen im Verbraucherschutzausschuss des Landtages thematisieren.

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Benjamin Raschke, fordert jetzt mehr Personal für engmaschige Kontrollen.

Die Anlage in Roggosen wurde 2011 nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Umbau von Käfig- auf Bodenhaltung neu bezogen. Es gibt dort über eine Million Legehennenplätze.

Sendung: Brandenburg aktuell, 31.05.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Mitnichten richtig. Auch auf das Futter kommt es an. „ Fischeier“ ( am Geruch erkennt man sie )nenne ich diese. Je billiger je geschmackloser sind diese. Einfach eklig. Lieber zahle ich mehr Cent für Demeter und Biolandeier, da ich weiß was ich da zu mir nehme.

  2. 14.

    Leider erkennt man in den Aufnahmen nicht, ob es wirklich in dem Stall dieses Betriebes diese Umstände gegeben hat. Es wird auf die Medienpropaganda gesetzt, die wieder mal voll zum Tragen kommt. Es werden die Ställe von außen gezeigt, die neueste Drohnentechnik eingesetzt und schon wird geschimpft was das Zeug hält. Das Veterinär und Tierarzt bereits Einspruch eingelegt haben und den Betrieb eine ordnungsgemäße Tierhaltung bescheinigen, das interessiert leider keinen mehr.

    Ich bin auch dafür, 10 Hühner im Hinterhof zu halten und "meinen Bedarf" zu decken. Aber was ist mit den vielen anderen Menschen, die keinen Hinterhof haben. Und jetzt kommt mir nicht mit Bio. Wenn Hühner eine Weile an einem Ort grasen, dann wächst dort für eine lange Zeit einfach kein Gras mehr. Und wer hat soviel Fläche, um diese BIO Hühner regelmäßig umzusetzen. Wenn jeder von uns natürlich bereit ist, 50 Cent pro Ei zu bezahlen, dann kann sich etwas ändern... sonst leider nicht.

  3. 13.

    Nein danke, das muss ich mir nicht anschauen, ich bin geschockt und angewidert und weiß jetzt welche Eier ich nicht mehr kaufen werde. Das so etwas in Deutschland möglich ist erschüttert mich!

  4. 12.

    Da kriegt man ja Plaque wenn ich den Bericht lese! Hier gehts um tierische Lebewesen!!! Und nicht um Dreck!!!
    Unsere Politik und der Mensch ist schuld!!! Volles Versagen mal wieder auf hanzer Linie!!!
    Typisch Deutschland!!! Das schreien der gequälten Tiere hört ja sowieeso keiner,!!!wie immer!

  5. 11.

    Die Berichte darüber reichen mir vollkommen. Da muß ich nicht auch noch ein persönlichen Check durchführen. Eklig, danke. Meine Bioeier beziehe ich nur noch von glücklichen Hühnern.

  6. 10.

    Das ist kein Bioeier Betrieb, das ist eine Großanlage mit über 90.000 Hühnern pro Stall"unterkunft". In Biobetrieben sind nur 3000 Hühner pro Stall erlaubt mit 6 Hühnern pro Quadratmeter. In den 115mx24m Ställen (so groß sind der Press nach die Ställe dort) wären das in Neuhausen mehr als 33 Hühner pro Quadratmeter.

  7. 9.

    Man sieht wieder bei all diesen Kommentaren wie wenig Ahnung die meisten von Massentierhaltung haben. Da wird etwas in den Medien verbreitet und alle geben ihren Senf dazu. Informiert euch erstmal richtig ,redet mit den Leuten die dort arbeiten und am besten ihr schaut mal persönlich vorbei.

  8. 8.

    Bitte lesen Sie meinen Kommentar bis zum Ende durch. Ich schrieb im Zusammenhang mit Diskountern und Supermärkte von deren Bioeiern, was für mein dafürhalten ein Fake ist. Alles weitere haben Sie schon sehr richtig, treffend dargelegt. Hier in Biomärkten werden nur Eier nach strengen Vorgaben von den Anbietern angeboten und das ist auch gut so. Selbst mein Fleisch beziehe ich nur noch von dort. LG

  9. 7.

    Noch schlimmer als die furchtbaren Zustände ist das Versagen der Kontrollorgane, sprich der Veterinärämter. Damit wird immer größerem Tierleid Vorschub gegeben. Keine Ahnung warum die zuständigen Tierärzte auf diesen Augen blind sind, man kann es nur vermuten... zu sehen gestern auch im Stern TV die schrecklichen Zustände in einem Milchviehbetrieb. Auch dort ist leider der Amtstierarzt offensichtlich blind und geruchgestört. Seltsam, nicht? Vielleicht ist das aber eine Voraussetzung für die Einstellung einer Kontrollperson, wer weiß das schon?
    Ich kann nur hoffen dass die Medien weiter an solchen Missständen dran bleiben, von staatlicher Seite ist da ja offenbar sehr wenig zu erwarten.
    Und jeder kann sehr gut bei sich und seinem Konsum anfangen etwas zu tun wenn ihn das quält.

  10. 6.

    Warum kann man Bioeiern nicht mehr trauen?
    Weil einmal einer von tausenden Höfen geschlampt, bzw. geschummelt hat?
    Ist für mich kein Argument - ich vertraue meinen Bioeiern, aber auch nicht allen.
    Wenn man genau hinschaut, kann man schon sehr sicher sein - auch durch die besseren Siegel wie z.B. Demeter, Bioland, etc.. Die haben SEHR strenge Auflagen, und die meisten kleineren Biohöfe machen das aus idealistischen Gründen, nicht des Profits wegen.
    Die meisten "echten" Biohöfe arbeiten total transparent, und man kann sich das jederzeit anschauen.
    Aber wer macht das schon??
    Meiner Meinung nach sind die meisten Menschen einfach zu geizig, bzw. vollkommen in ihren Verhaltensmustern (geiz ist geil) gefangen und total unreflektiv. Das bemerke ich immer wieder in Gesprächen.
    Das gilt natürlich nicht nur für Eier, sondern sämtliche Lebensmittel.
    Ich bin und bleibe jedenfalls überzeugter Biokäufer, obwohl ich zu den Geringverdienern gehöre.
    Bio ist normal !!!

  11. 5.

    Abstreiten, vernebeln, lügen, zum Gegenangriff übergehen – aber bloß keine tiergerechten und menschenwürdigen (!) Verhältnisse in den Ställen schaffen. Es könnte ja den Gewinn um einen halben Cent pro Ei schrumpfen lassen! Das übliche Vorgehen der Tierindustrie. Seit den Zeiten des „Hühner-Barons“ Pohlmann hat sich kaum etwas geändert.

  12. 4.

    "Hygienisch alarmierend sei, dass Eier in direkten Kontakt mit Hühnerkadavern kämen. "
    In den USA müssen die Hühnereier vor dem Verkauf gewaschen werden, in Deutschland nicht.
    Dafür müssen die Eier in den USA im Supermarkt in die Kühlung (weil die natürliche Schutzschicht abgewaschen wurde und die natürliche Haltbarkeit beeinträchtigt ist), in Deutschland nicht.

  13. 3.

    Eine Million(!) Legehennenplätze!! Wie soll das gut gehen?!
    Das kann doch nur zu Tierleid führen. Schrecklich. Boykottieren!
    Mal absehen von all den männlichen Küken, die direkt geschreddert oder vergast werden,
    da sie wertlos sind für die Eierindustrie.

  14. 2.

    OMG die armen Viecher.

    Die Tiere können nur noch von Ihrem Leid erlöst werden.
    Ich hege die Hoffnung, dass ich kein Ei aus diesem Stall gegessen habe.....
    Beim Anblick der Bilder gestern in den Nachrichten.....mir wurde sowas von schlecht. Da bleibt einem der Bissen im Hals stecken.
    Ich kaufe so möglich Eier aus Freilandhaltung.

    Meine Oma hatte Hühner, die sind gerne aus Ihrem Gehege ausgebüxt und über die Wiese gelaufen und waren glücklich.

    Eier von solchen Hühnern wurde ich gerne kaufen und dafür auch mehr zahlen.

  15. 1.

    Soso, bloß eine Inszenierung. Da bleibt einem das Frühstücksei im Halse stecken. Da man als Verbraucher nicht einmal den Bioeiern mehr trauen kann, ist es wohl am besten, gleich ein Vegetarier zu werden(!).Das die Diskounter nicht besonders auf Qualität achten( da ja alles billiger sein muß )weiß nun wirklich jeder. Aber der teure Supermarkt wie Rewe sollte doch zumindest hier mal einen Riegel vorschieben. Tut er aber nicht und so werden immer mehr Kunden sich überlegen dann lieber gleich zum Biomarkt etwas weiter weg zu gehen. Für mich schon längst die bessere Option.

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